Warum Migräne nicht heilbar ist: Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, von der ein großer Teil der Bevölkerung betroffen ist. Obwohl es keine Heilung gibt, können Behandlungen die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Migräne, die verschiedenen Symptome und die verfügbaren Therapieansätze.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der etwa 10 % der deutschen Bevölkerung betroffen sind, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Sie tritt anfallsartig auf und ist oft mit pulsierenden Kopfschmerzen verbunden, die wiederholt und meist halbseitig auftreten. Der Name "Migräne" leitet sich vom altgriechischen "halber Schädel" ab. Typische vegetative Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Licht- und Lärmscheu sowie Geruchsüberempfindlichkeit. Es gibt verschiedene Arten von Migräne, z. B. Migräne mit und ohne Aura. Die Diagnose wird meist anhand der Anamnese gestellt. Interessanterweise ist die Migränehäufigkeit in anderen europäischen Ländern ähnlich, aber in Asien, Afrika und Südamerika leiden weniger Menschen darunter.

Ursachen von Migräne

Es ist keine eindeutige Ursache für Migräne bekannt, aber da einige Formen familiär gehäuft auftreten, liegt die Vermutung nahe, dass Gendefekte eine Rolle spielen können. Es gibt jedoch viele sogenannte Triggerfaktoren (Schlüsselreize). Sie geben aber nur den Anstoß zu einer Attacke, sind also nicht deren eigentliche Ursache. Zu diesen Triggerfaktoren zählen unregelmäßiger Schlaf, Stress, Ernährung, Hormone, Wetter und Reize. Als gemeinsamer Nenner aller Triggerfaktoren lässt sich eine plötzliche Veränderung des normalen Lebensrhythmus festhalten. Ein Großteil der Migräneattacken entsteht ohne erkennbare äußere Umstände. Die Suche nach möglichen Migräneauslösern und deren Vermeidung kann der erste Schritt zur Vorbeugung sein.

Mögliche Auslöser (Trigger)

Es gibt bestimmte innere und äußere Einflussfaktoren, die eine Migräne-Attacke begünstigen können. Viele Migränepatienten wissen mit der Zeit, auf welche Dinge oder Situationen bei ihnen eine Attacke folgt. Solch mögliche Auslöser, auch Trigger genannt, sind:

  • Aufregung oder Stress
  • Entspannungsphasen nach Stresssituationen, z.B. der abrupte Wechsel vom stressigen Alltag in die erholsame Urlaubszeit
  • Schlafmangel oder veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus, z.B. durch späteres Zubettgehen oder längeres Ausschlafen am Wochenende
  • Körperliche Anstrengung bei Sport, Freizeitaktivitäten oder der Arbeit
  • Nackenschmerzen
  • Hormonelle Veränderungen durch Periode, Schwangerschaft oder Wechseljahre
  • Auslassen von Mahlzeiten
  • Lebensmittel, z.B.: Käse, Alkohol, Kaffee und das darin enthaltene Koffein (auch die Reduzierung des Kaffeekonsums), Cola, Schokolade
  • Wetterumschwünge und Klimawechsel
  • Temperaturanstieg mit plötzlicher Hitze, Luftdruckveränderungen, Föhnwetter
  • Düfte und Gerüche
  • Parfüm, Zigarettenrauch, Duftbaum im Auto, Raumsprays
  • Licht
  • Blendende Scheinwerfer, Helles oder flackerndes Licht, Neonlicht

Mögliche Trigger sind individuell sehr verschieden und können bei jedem anders ausgeprägt sein. Wenn Sie Ihre Trigger kennen, lassen sich manche davon bewusst vermeiden. Finden Sie Ihre persönlichen Auslöser heraus, indem Sie ein Kopfschmerztagebuch führen.

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Symptome von Migräne

Eine Migräne kann in vier verschiedenen Phasen verlaufen, wobei nicht alle Patienten alle Phasen kennen.

Vorbotenphase

Bei ca. 30 % der Migränepatienten kündigt sich ein Anfall durch Vorbotensymptome an, die zwischen zwei Stunden oder auch zwei Tagen dauern können. Das sind meist psychische, vegetative oder neurologische Symptome, die sich von denen der Auraphase unterscheiden. Am häufigsten berichten Patienten über Geräuschempfindlichkeit, häufiges Gähnen und Müdigkeit, aber auch über Störungen im Magen-Darm-Trakt. Heißhungerattacken auf bestimmte Lebensmittel werden ebenfalls oft erwähnt.

Auraphase

15-20 % der Migränefälle gehen mit einer Aura einher. In dieser Phase treten meist visuelle Störungen auf, wie lokale Verluste der Wahrnehmung von Strukturen, die aber auch als zusätzliche Strukturerkennung auftreten kann (negatives oder positives Skotom). Ein Verlust des räumlichen Sehens und Unschärfe oder Sensibilitätsstörungen wie Kribbelempfindungen in Armen, Beinen und Gesicht sind in dieser Phase ebenfalls typisch. Zusätzlich können die Geruchsempfindungsstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Sprachstörungen oder andere neurologische Ausfälle auftreten. Diese Phase wird von Patient zu Patient ganz unterschiedlich wahrgenommen. Charakteristisch für Migräneauren ist die Dynamik des Prozesses, aber auch die Verschiebung der Aurasymptome, z. B. von Seh- zu Sensibilitätsstörungen bis hin zu Sprachstörungen und Lähmungserscheinungen. Diese Dynamik ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu anderen neurologischen Erkrankungen. Die Aura hat keine schädigenden Wirkungen auf das Hirngewebe, die Anzeichen sind vorübergehend und dauern in der Regel bis zu einer Stunde.

Kopfschmerzphase

Nach den bisher schon lästigen Symptomen der ersten beiden Phasen kommt dann der eigentliche Kopfschmerz dazu. Er tritt in 79 % der Fälle halbseitig auf, insbesondere im Bereich von Stirn, Schläfe, Auge und manchmal ist auch die entsprechende gesamte Gesichtshälfte betroffen. Der pulsierende Schmerz nimmt bei körperlicher Betätigung zu, und nur Ruhe, Dunkelheit und das Ausschalten aller störenden Faktoren bringt eine Linderung. Diese Kombination von vegetativen Symptomen und den Kopfschmerzen ist eine hohe Belastung für die Menschen, sie sind blass, appetitlos und haben einen hohen Leidensdruck. Diese Phase variiert zwischen einer Stunde bis zu mehreren Tagen, je nach Migräneform oder Patient. Eventuell betroffene Kinder haben eher kürzere Migräneattacken und mehr Schwindelanfälle und Gleichgewichtsstörungen. Einige Sonderformen der Migräne können auch ohne Kopfschmerz auftreten.

Rückbildungsphase

In dieser Phase nehmen alle Begleitsymptome und der Kopfschmerz ab, bis der Patient sich zwar beschwerdefrei, aber müde und abgespannt durch die Anstrengungen der vorangegangenen Ereignisse fühlt. Diese Phase kann bis zu 24 Stunden dauern.

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Chronische Migräne

Von chronischer Migräne spricht man, wenn Betroffene mindestens drei Monate lang an über 15 Tagen pro Monat Beschwerden haben. Diese Form ist seltener und betrifft am ehesten Frauen ab 40 Jahren. Ärzte unterscheiden zwischen einer Migräne mit Aura und einer ohne. Bei der Form mit Aura, die auch als klassische Migräne bezeichnet wird, gehören Symptome wie Sehstörungen dazu. Etwa 15 bis 20 Prozent der Betroffenen leiden daran. Einige Patienten verlieren zwischenzeitlich sogar ihre Sehkraft. Das kann große Panik verursachen, aber Sie müssen sich keine Sorgen machen: Das lässt nach und das Sehvermögen kehrt vollständig zurück.

Therapie von Migräne

Migräne ist eine Erkrankung, die derzeit durch medizinische Maßnahmen nicht heilbar ist. Die Intensität der Migräneanfälle und die Anfallshäufigkeit kann durch geeignete Maßnahmen reduziert werden, was die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessert. Dabei unterscheidet man in Akuttherapie und Prophylaxe.

Migräne ist eine komplexe Krankheit mit vielen möglichen Symptomen, Schweregraden und Ausprägungen. Daher kann es auch kein Patentrezept zu ihrer Therapie geben. Ein wichtiger erster Schritt ist die präzise Diagnose durch den Arzt. Denn es gibt zahlreiche andere Kopfschmerzformen, die jeweils auch einer anderen Behandlung bedürfen. Außerdem kann ein neu aufgetretener oder plötzlicher Kopfschmerz auch auf eine ernstere Erkrankung oder einen Notfall hinweisen und bedarf dann natürlich einer Behandlung der Ursache.

Akuttherapie

Das Ziel einer medikamentösen Migräne-Behandlung ist es, den Kopfschmerz und die Begleitsymptome zu lindern. Generell sollten Sie mit Ihrem behandelnden Arzt absprechen, welche Medikamente Sie einnehmen. Denn: auch die in der Apotheke frei erhältlichen Substanzen haben Nebenwirkungen - z.B. können Acetylsalicylsäure und Ibuprofen die Magenschleimhaut schädigen. Bei vielen Patienten mit einer Migräne erweisen sich diese Arzneimittel zudem als zu schwach.

Medikamente zur Akutbehandlung

  • Schmerzmittel: Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Paracetamol, Diclofenac, Metamizol. Diese sollten nicht länger als 10 Tage im Monat eingenommen werden, um medikamenteninduzierten Kopfschmerz zu vermeiden.
  • Triptane: Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan, Zolmitriptan. Sie wirken gegen den Kopfschmerz, Übelkeit und Erbrechen. Triptane sollten auf keinen Fall an mehr als 10 Tagen im Monat verabreicht werden.
  • Antiemetika: Metoclopramid oder Domperidon. Diese Medikamente wirken gegen Übelkeit und Erbrechen. Sie regen die Magen-Darm-Tätigkeit an und schaffen die Voraussetzung dafür, dass das Migräne- bzw. Schmerzmittel im Körper bleibt.
  • Kombinationspräparate: Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) und Koffein. Die Kombination aus Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) und Koffein ist am besten erforscht. Auch Koffein alleine kann hilfreich sein. Es wird empfohlen, Kombinationspräparate nicht länger als 10 Tage im Monat und einfache Schmerzmittel nicht länger als 15 Tage im Monat einzunehmen, um das Risiko von medikamenteninduzierten Kopfschmerzen zu vermeiden.

Migräneprophylaxe

Die Migräneprophylaxe zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren. Es gibt verschiedene medikamentöse und nicht-medikamentöse Optionen.

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Medikamentöse Prophylaxe

  • Betablocker: Propranolol, Metoprolol und Bisoprolol.
  • Antidepressiva: Amitriptylin. Es wird meistens gut vertragen.
  • Antiepileptika: Topiramat. Topiramat ist für Schwangere und Stillende nicht geeignet!
  • OnabotulinumtoxinA (Botox): Teil der Standardprophylaxe bei chronischer Migräne.
  • Monoklonale Antikörper: Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab, Eptinezumab. Sie wirken, indem sie ein Molekül namens CGRP blockieren, das bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle spielt.

Nicht-medikamentöse Prophylaxe

  • Akupunktur: Bei einigen Patienten ist Akupunktur hilfreich.
  • Neurostimulation des Nervus supraorbitalis: Studien haben gezeigt, dass diese Methode bei einigen Patienten die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen reduziert.
  • Ausdauersport, Biofeedback oder Verhaltenstherapie.
  • Personalisierte Ernährung: Eine Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig-stabil hält (niedrig-glykämisch), kann laut neueren Studien eine effektive Migräneprophylaxe sein. Starke Blutzuckerschwankungen können nämlich Migräneanfälle fördern.

Behandlung des Status migraenosus

Eine der Eigenarten von Migräneattacken aus Sicht der Betroffenen ist, dass sie immer dann auftreten, wenn man sie gerade überhaupt nicht gebrauchen kann. So wenig vorhersehbar der individuelle Verlauf der Migräne ist, sie hält sich jedoch auch an Regeln: spätestens nach 72 Stunden ist die Migräne vorbei. Aber bedauerlicherweise gibt es auch von dieser Regel eine Ausnahme: den Status migraenosus. Mit diesem Begriff bezeichnet man Migräneattacken, die aus welchen Gründen auch immer länger als 72 Stunden anhalten.

Therapieansätze bei Status migraenosus

  • Verzicht auf Schmerzmittel und Triptane: Ab dem vierten Tag einer Migräne sollte auf Schmerzmittel und Triptane verzichtet werden, da diese die Attacke verlängern können.
  • Medikamente gegen Übelkeit: Dimenhydrinat (Vomex® A), Promethazin oder Melperon, Amitriptylin, Doxepin oder Trimipramin.
  • Kortison-Zubereitungen: Prednisolon. Es wird das Kortison meist intravenös verabreicht, was den Vorteil eines relativ schnellen Wirkeintritts unter Umgehung der Aufnahme im Magen-Darmbereich bietet.

Alternative Behandlungen

  • Akupressur: Effektiv kann auch Akupressur sein. Das wurde sogar durch eine Studie bestätigt.
  • Hausmittel: Ingwertee, ätherische Öle aus Kamille, Fenchel bzw. Pfefferminze.

Umgang mit Migräne im Alltag

  • Stressmanagement: Weniger Stress, dafür mehr Entspannung.
  • Regelmäßiger Tagesablauf: Regelmäßiger Schlaf, ausgewogene Ernährung.
  • Kopfschmerztagebuch: Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch, um Trigger zu identifizieren.
  • Ausreichend Flüssigkeit: Achten Sie darauf, genug zu trinken und keine Mahlzeit auszulassen.
  • Sport: Regelmäßiger Sport kann helfen, Stress abzubauen.

Forschung und neue Behandlungsansätze

Die Forschung im Bereich Migräne ist weiterhin aktiv. Es gibt neue Behandlungsformen, sowohl für den Akutfall als auch prophylaktisch. Es wird nicht mehr nach der Ursache gesucht, sondern nach dem Entstehungsmechanismus der einzelnen Migräne-Attacken.

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