Migräne: Ursachen und Auslöser im Laufe der Jahre

Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Es handelt sich um eine komplexe neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Die Forschung hat in den letzten Jahrzehnten bedeutende Fortschritte gemacht, um die Ursachen und Auslöser dieser Erkrankung besser zu verstehen. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Aspekte von Migräne, von den möglichen Ursachen und Triggern bis hin zu den Veränderungen, die im Laufe des Lebens auftreten können.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich in der Regel durch anfallsartige, mittelstarke bis starke Kopfschmerzen äußert. Diese Kopfschmerzen sind oft pulsierend oder pochend und können sich auf einer oder beiden Kopfhälften lokalisieren lassen. Zusätzlich zu den Kopfschmerzen können Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und eine Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen auftreten.

Migräne mit Aura

Einige Migränepatienten erleben zusätzlich eine sogenannte Aura, die sich durch neurologische Störungen wie Sehstörungen (z. B. Flimmern oder Lichtblitze), Empfindungsstörungen oder Sprachstörungen äußern kann. Die Aura kündigt sich meist vor der Kopfschmerzphase an und dauert in der Regel zwischen 5 und 60 Minuten. Zwischen 15 und 20 Prozent der Migränepatienten erleben ihre Migräne mit einer Aura.

Ursachen von Migräne

Die genauen körperlichen Ursachen für Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Wissenschaftler sind sich jedoch einig, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen.

Genetische Veranlagung

Eine genetische Veranlagung scheint eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne zu spielen. Verwandte ersten Grades von Patienten mit Migräne mit Aura haben ein 3,8-fach erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Allerdings lässt sich Migräne nur in Ausnahmefällen auf ein einzelnes Gen zurückführen. Vielmehr sind wahrscheinlich mehrere genetische Bedingungen (polygenetisch) die Ursache für eine Migräne.

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Botenstoffe im Gehirn

Auch Botenstoffe im Gehirn (Neurotransmitter) spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne. Insbesondere der Botenstoff Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) steht im Verdacht, eine wichtige Rolle zu spielen. CGRP befindet sich im gesamten Nervensystem, also auch in Gehirn und Rückenmark. Studien haben gezeigt, dass CGRP für die Weiterleitung von Schmerzsignalen während einer Migräne-Attacke verantwortlich zu sein scheint.

Überaktivität der Nervenzellen

Möglicherweise liegt dem Beginn der Migräne auch eine Überaktivität der Nervenzellen im Migränezentrum des Hirnstamms als Ursache zugrunde. Das Nervensystem und die Reizverarbeitung stehen bei Migräne-Patienten unter Hochspannung. Die Überaktivität der Nerven veranlasst Fasern des Trigeminusnervs (fünfter von insgesamt zwölf Hirnnerven) dazu, Schmerzsignale an das Gehirn auszusenden.

Migräne-Trigger: Auslöser einer Attacke

Viele Migränepatienten berichten von bestimmten auslösenden Faktoren, sogenannten Triggern, die eine Migräne-Attacke auslösen können. Diese Trigger sind individuell sehr verschieden. Was bei einem Patienten im Verdacht steht, die Migräne hervorzurufen, muss nicht zwangsläufig auch auf andere Betroffene zutreffen.

Häufige Migräne-Trigger

Zu den häufigsten Migräne-Triggern gehören:

  • Stress: Migräne durch Stress kommt bei etwa 80 Prozent der Betroffenen infrage.
  • Wetterumschwünge: Wetterfühlige Migränepatienten bemerken Veränderungen der Temperatur oder des Luftdrucks manchmal daran, dass sich eine Kopfschmerzattacke ankündigt.
  • Hormonschwankungen: Viele Patientinnen leiden während ihrer Periode an Kopfschmerzen. Auch eine Migräne in der Schwangerschaft oder den Wechseljahren aufgrund von einschneidenden Veränderungen im Hormonhaushalt der Frau ist denkbar.
  • Veränderung des gewohnten Tagesrhythmus: Wird der gewohnte Schlafrhythmus und Tagesablauf nicht beibehalten, reagieren manche Patienten mit starken Schmerzen.
  • Bestimmte Nahrungsmittel: Etwa 20 Prozent aller Migränepatienten machen bestimmte Nahrungsmittel als Auslöser aus. Hier sind besonders Schokolade, Käse, Zitrusfrüchte und Alkohol (Rotwein!) zu nennen. Da viele Betroffene auf eine ganze Reihe von Lebensmitteln mit Migräne reagieren, werden zudem bestimmte Konservierungsstoffe als Auslöser vermutet.
  • Körperliche Anstrengung: Manche Patienten leiden infolge von körperlicher Aktivität unter einer Migräne nach Sport.
  • Reizüberflutung: Bei Migränepatienten ist die Verarbeitung mancher Sinnesreize im Gehirn verändert. Diese Reize sind deshalb nicht nur während einer Attacke unangenehm. Vielmehr ist auch eine Migräne durch Reizüberflutung möglich.
  • Medikamente: Eventuell können auch Medikamente ein Trigger-Faktor sein.

Migräne-Tagebuch

Um festzustellen, welche Migräne-Auslöser auf dich selbst zutreffen, solltest du deine Beschwerden über einen längeren Zeitraum beobachten. Dabei kann dir ein Migräne-Tagebuch helfen. Jedoch solltest du deine Beobachtungen auch immer kritisch hinterfragen.

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Migräne im Laufe des Lebens

Migräne unterliegt im Laufe des Lebens immer wieder Veränderungen. Im Alter berichten viele Patienten, dass sich die Kopfschmerzerkrankung bessert. Dennoch muss das nicht sein.

Migräne im Alter

Ein Großteil der Patienten erhält die Diagnose Migräne bereits im Jugendalter oder als junge Erwachsene. Auch wenn Migräne nicht heilbar ist, unterliegt sie jedoch oftmals stetigen Veränderungen. So können die einzelnen Attacken nicht nur völlig unterschiedlich ablaufen, sondern phasenweise häufiger beziehungsweise seltener auftreten. Im Alter beobachten Experten die Tendenz, dass Migräne abnimmt und bei einigen Patienten sogar ganz verschwindet. Dazu ändert sich zumeist die Ausprägung der Attacken. Dies können typische Veränderungen der Migräne im Alter sein:

  • Die Kopfschmerzzeiten verkürzen sich.
  • Begleitsymptome wie Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit sind schwächer ausgeprägt.
  • Bei Patienten, die in jüngeren Jahren an Migräne mit Aura gelitten haben, kommt es im Alter manchmal zu Auraerscheinungen, aber ohne das Kopfschmerzen entstehen.

Warum sich bei vielen Menschen die Migräne im Alter abschwächt, ist bisher noch ungeklärt. Ein Faktor könnten, zumindest bei Frauen, die Wechseljahre sein. Sind diese überstanden, fällt die monatliche Schwankung des Hormons Östrogen weg, ein häufiger Trigger für Migräne.

Kopfschmerzen im Alter: Migräne oder andere Ursachen?

Auch wenn die Migräneneigung bei älteren Menschen eher sinkt, leiden auch sie unter Kopfschmerzen. Untersuchungen zeigen dabei, dass sich die Ursachen ändern. Im Alter treten Kopfschmerzen vorranging als Folge einer anderen Erkrankung auf. Fachleute sprechen von sekundären Kopfschmerzen. Mögliche Ursachen sind unter anderem:

  • schlecht angepasste Brillengläser
  • Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer)
  • Bluthochdruck
  • Neuralgien (Nervenschmerzen)
  • Neuropathien (Nervenerkrankung)
  • Nebenwirkung von Arzneimitteln

Dazu leiden Menschen im höheren Alter nicht selten an Spannungskopfschmerzen. Dahinter stecken mitunter Verspannungen der Halswirbelsäule oder depressive Verstimmungen. Auch die besonders heftigen Clusterkopfschmerzen können bei Senioren auftreten, jedoch selten zum ersten Mal. Da sie kaum bekannt sind, fällt manchmal die Diagnose schwer.

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Migräne mit Aura im Alter

Bei älteren Menschen können visuelle Erscheinungen oftmals auch ohne Kopfschmerzen entstehen. Nicht immer sind sie einer Migräne zuzuschreiben, vor allem dann nicht, wenn sie zuvor noch nie aufgetreten sind. Es können zum einen harmlose Ursachen dahinterstecken, aber ebenso ernsthafte. Vor allem ein Schlaganfall äußert sich ähnlich, zudem kann eine Aura in einen Schlaganfall übergehen (migränöser Infarkt). Daher ist es wichtig, bei ungewöhnlichen Sehstörungen, Taubheitsgefühlen, Gleichgewichtsstörungen und ähnlichen Auffälligkeiten einen Arzt aufzusuchen. Patienten, die an einer Migräne mit Aura leiden, haben ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall.

Besonderheiten der Behandlung bei Migräne im Alter

Für ältere Migränepatienten müssen jedoch einige Punkte vor der Anwendung beachtet werden:

  • Funktionsstörungen der Nieren oder der Leber können eine veränderte Wirksamkeit der Medikamente hervorrufen.
  • Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck müssen besondere Beachtung finden.
  • Augenmerk sollte auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, zum Beispiel Psychopharmaka oder Herz-Kreislauf-Mittel, gelegt werden.
  • Patienten, die unter Gefäßerkrankungen leiden, beispielsweise der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK), dürfen keine Triptane einnehmen.

Migräne-Prophylaxe im Alter

Leiden ältere Menschen häufig unter Migräne oder wird die Erkrankung gar chronisch, sollte über Maßnahmen zur Vorbeugung nachgedacht werden. Allerdings weichen auch hier die Empfehlungen gegenüber jungen Patienten ab. Fachleute raten dazu, bei der Auswahl der Substanzen auf mögliche Nebenwirkungen zu achten und den Gesundheitszustand des Patienten zu berücksichtigen. So sollten Diabetiker möglichst keine Betablocker zur Migräne-Prophylaxe erhalten. Ab vier Migränetagen im Monat besteht die Möglichkeit, auf eine spezielle Antikörpertherapie zurückzugreifen. Dazu ist es im höheren Alter ebenfalls empfehlenswert, auf einen gesunden Lebensstil zu achten. Eine entspannte Nackenmuskulatur und Halswirbelsäule beugen einer Migräne-Attacke vor.

Diagnose und Behandlung von Migräne

Die Diagnose einer Migräne erfolgt in der Regel durch eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung beim Arzt. In manchen Fällen können auch bildgebende Verfahren wie CT oder MRT eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen.

Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Migräne zu behandeln. Dazu gehören:

  • Akutbehandlung: Bei akuten Migräne-Attacken können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol sowie migränespezifische Medikamente wie Triptane eingesetzt werden.
  • Prophylaxe: Bei häufigen Migräne-Attacken können Medikamente zur Vorbeugung eingesetzt werden, beispielsweise Betablocker, Antidepressiva oder Antiepileptika. Seit einigen Jahren ist auch eine Antikörpertherapie zur Vorbeugung von Migräne zugelassen.
  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Entspannungstechniken wie Yoga, Qi Gong oder Meditationen können helfen, Stress zu reduzieren und das Risiko auf eine durch Stress ausgelöste Migräneepisode reduzieren. Auch das Führen eines Migräne-Tagebuchs kann helfen, Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden.

Leben mit Migräne

Migräne kann eine starke Belastung für die Betroffenen im Alltag darstellen. Viele Migränepatienten leiden zusätzlich unter einer Überempfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen, wodurch sie sich in ein dunkles Zimmer zurückziehen müssen. Den normalen Alltag zu bestreiten oder gar der Arbeit nachzugehen, bleibt für viele Betroffene während eines Migräneanfalls unmöglich.

Strategien im Umgang mit Migräne

Es gibt verschiedene Strategien, die Betroffenen helfen können, mit Migräne besser umzugehen:

  • Identifizieren und Vermeiden von Triggern: Das Führen eines Migräne-Tagebuchs kann helfen, individuelle Auslöser zu identifizieren und diese möglichst zu vermeiden.
  • Stressmanagement: Entspannungstechniken und Stressabbau können helfen, die Häufigkeit und Intensität von Migräne-Attacken zu reduzieren.
  • Regelmäßiger Lebensstil: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeitszufuhr können helfen, Migräne vorzubeugen.
  • Austausch mit anderen Betroffenen: Der Austausch mit anderen Migränepatienten in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren kann hilfreich sein, um sich gegenseitig zu unterstützen und Erfahrungen auszutauschen.

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