Das menschliche Auge ist ein komplexes Organ, das uns die Fähigkeit gibt, die Welt um uns herum zu sehen. Doch verschiedene Erkrankungen können dieses Sehvermögen bedrohen. Dieser Artikel beleuchtet zwei wichtige Augenerkrankungen, das Glaukom (Grüner Star) und die Amaurose (Blindheit), ihre Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.
Was ist Glaukom (Grüner Star)?
Das Glaukom, auch bekannt als Grüner Star, ist eine fortschreitende Erkrankung des Sehnervs, die zu Gesichtsfeldausfällen und im schlimmsten Fall zur Erblindung führen kann. Weltweit ist das Glaukom die zweithäufigste Ursache für Erblindung. In Deutschland leiden schätzungsweise 1% der Bevölkerung daran, wobei die Häufigkeit mit zunehmendem Alter steigt.
Ursachen des Glaukoms
Ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung eines Glaukoms ist ein erhöhter Augeninnendruck. Das gesunde Auge produziert kontinuierlich Kammerwasser, das die Augenlinse und die Hornhaut mit Nährstoffen versorgt. Dieses Kammerwasser fließt dann über einen Ringkanal in ableitende Blutgefäße ab. Wenn dieser Abfluss behindert ist, kann der Augeninnendruck steigen.
Ein erhöhter Augeninnendruck kann die Durchblutung des Sehnervs beeinträchtigen und zum Absterben von Nervenzellen führen. Diese Schädigung des Sehnervs wird als Glaukom bezeichnet.
Weitere Risikofaktoren für die Entstehung eines Glaukoms sind:
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- Niedriger Blutdruck
- Wechselhafter Blutdruck
- Genetische Veranlagung
- Durchblutungsstörungen
- Tinnitus
- Migräne
- Diabetes mellitus
- Starke Kurz- oder Weitsichtigkeit
- Ethnische Zugehörigkeit (dunkelhäutige Menschen sind häufiger betroffen)
Symptome des Glaukoms
Beginnende Sehnerv-Veränderungen verlaufen oft symptomlos. Gesichtsfeldausfälle treten meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung auf, weshalb viele Betroffene die Erkrankung erst spät bemerken. Eine Therapie kann das Fortschreiten des Glaukoms lediglich aufhalten, eine Verbesserung des Gesichtsfeldes ist nicht möglich.
Formen des Glaukoms
Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Glaukomen. Primäre Glaukome treten ohne vorherige Augenerkrankung auf, während sekundäre Glaukome die Folge einer anderen Erkrankung, eines Unfalls, einer Operation oder der Einnahme von Medikamenten sein können.
Zu den verschiedenen Formen des Glaukoms gehören:
- Primär chronisches Offenwinkelglaukom (PCOWG): Hierbei ist der Abfluss des Kammerwassers im Trabekelmaschenwerk gestört.
- Okuläre Hypertension: Erhöhter Augeninnendruck ohne Schädigung des Sehnervs.
- Normaldruckglaukom: Schädigung des Sehnervs trotz normalen Augeninnendrucks.
- Winkelblockglaukom: Akute Verlegung des Kammerwasserabflusses, die zu einem Glaukomanfall führt.
- Pseudoexfoliationsglaukom: Ablagerung einer staubähnlichen Substanz in den Abflusswegen.
- Pigmentdispersionsglaukom: Pigmentpartikel verstopfen das Trabekelmaschenwerk.
Diagnose des Glaukoms
Die Glaukom-Früherkennung ist nur bei einem Augenarzt möglich. Dieser bestimmt den Augeninnendruck und untersucht den Sehnerv. Bei einem Glaukom-Verdacht werden computerbasierte Systeme zur Analyse von Gesichtsfeldveränderungen und zur Dokumentation von Veränderungen am Sehnerv eingesetzt.
Folgende Untersuchungen werden zur Diagnose eines Glaukoms durchgeführt:
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- Augeninnendruckmessung (Tonometrie)
- Untersuchung des Sehnervs (Funduskopie)
- Spaltlampenuntersuchung
- Gonioskopie (Untersuchung des Kammerwinkels)
- Perimetrie (Gesichtsfelduntersuchung)
- Optische Kohärenztomographie (OCT)
Behandlungsmöglichkeiten beim Glaukom
Ziel der Glaukombehandlung ist es, den Augeninnendruck zu senken und den Sehnerv zu schützen. Dies kann durch die regelmäßige Gabe von Augentropfen, eine Laserbehandlung oder eine Operation erreicht werden.
- Augentropfen: Es gibt verschiedene Augentropfen, die entweder den Abfluss des Kammerwassers verbessern oder die Kammerwasserproduktion reduzieren.
- Selektive Lasertrabekuloplastik (SLT): Bei diesem Verfahren wird das Trabekelmaschenwerk mit einem Laserstrahl behandelt, um den Abfluss zu verbessern.
- Trabekulektomie: Hierbei wird ein künstlicher Abfluss für das Kammerwasser geschaffen.
- Drainageimplantate: Ein winziges Silikonschläuchlein wird in die Vorderkammer eingeführt, um den Abfluss des Kammerwassers zu ermöglichen.
- Zyklophotokoagulation: Mit Hilfe eines Laserstrahls wird der Ziliarkörper verödet, um die Kammerwasserproduktion zu reduzieren.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Schädigung des Sehnervs irreparabel ist. Daher ist die Früherkennung des Glaukoms von großer Bedeutung. Auch nach einer Operation ist eine regelmäßige Kontrolle des Augeninnendrucks erforderlich, da ein Glaukom jederzeit wieder auftreten kann.
Glaukomanfall
Ein Glaukomanfall ist eine seltene, akut schmerzhafte Erkrankung mit sehr hohem Augeninnendruck. Begleitet von starken Kopfschmerzen und Übelkeit ist das Auge gerötet, verliert schnell an Sehkraft und droht zu erblinden. Eine sofortige augenärztliche Behandlung ist erforderlich.
Was ist Amaurose (Blindheit)?
Der Begriff Amaurose bezeichnet die Blindheit, also das vollkommene Unvermögen einer Lichtwahrnehmung in einem oder beiden Augen.
Ursachen der Amaurose
Es gibt verschiedene Erkrankungen, die einer Amaurose zugrunde liegen können. Die häufigsten Ursachen für eine Erblindung in Europa sind:
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- Diabetes mellitus (diabetische Netzhauterkrankung)
- Altersbedingte Makuladegeneration
- Grüner Star (Glaukom)
- Verletzungen
- Entzündungen
- Netzhautablösung
Zwei spezielle Formen der Amaurose sind:
- Amaurosis fugax (flüchtige Blindheit): Hierbei kommt es zu einer kurzzeitigen, meist einseitigen Erblindung, die durch eine vorübergehende Durchblutungsstörung der Netzhaut verursacht wird.
- Lebersche kongenitale Amaurose (LCA): Eine angeborene, erbliche Form der Blindheit, die bereits im Säuglingsalter auftritt.
Symptome der Amaurose
Das Hauptsymptom der Amaurose ist der Verlust des Sehvermögens. Je nach Ursache können weitere Symptome auftreten.
- Amaurosis fugax: Plötzliche, kurzzeitige Erblindung auf einem Auge, meist ohne Schmerzen.
- Lebersche kongenitale Amaurose: Blindheit oder starke Sehbehinderung auf beiden Augen, oft begleitet von Augenzittern (Nystagmus), Schielen (Strabismus) und Weitsichtigkeit.
Diagnose der Amaurose
Der Augenarzt kann durch verschiedene Untersuchungen die Ursache der Amaurose feststellen. Dazu gehören:
- Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte)
- Visusprüfung (Bestimmung der Sehschärfe)
- Spaltlampenuntersuchung
- Funduskopie (Augenspiegelung)
- Elektroretinografie (ERG)
Bei Verdacht auf eine Amaurosis fugax sollten weitere Untersuchungen durch einen Neurologen und einen Gefäßchirurgen erfolgen, um die Durchblutung der hirnversorgenden Arterien zu überprüfen.
Behandlung der Amaurose
Die Behandlung der Amaurose richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.
- Amaurosis fugax: Behandlung der Durchblutungsstörung, z.B. durch Medikamente zur Blutverdünnung und eine gesunde Lebensweise. Bei Arteriitis temporalis ist eine Behandlung mit Kortison erforderlich.
- Lebersche kongenitale Amaurose: In einigen Fällen ist eine Gentherapie möglich.
Blinde Menschen können sich mithilfe von verschiedenen Hilfsmitteln in ihrer Umwelt zurechtfinden, wie z.B. Computerprogrammen zur Sprachausgabe, Haushaltsgeräten mit akustischen Signalen und Blindenstöcken. Blindenhunde können die Sicherheit unterwegs erhöhen.
Krankheitsverlauf und Prognose
Der Krankheitsverlauf und die Prognose der Amaurose hängen von der Ursache ab. Die Amaurosis fugax ist meist vorübergehend, sollte aber als Warnsignal für einen drohenden Schlaganfall ernst genommen werden. Die Lebersche kongenitale Amaurose ist eine unheilbare Erkrankung, wobei in einigen Fällen eine Gentherapie die Sehfähigkeit verbessern kann.