Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die zum Verlust geistiger Fähigkeiten führt. Sie ist die häufigste Form der Demenz, von der schätzungsweise 60 bis 70 Prozent aller Demenzkranken betroffen sind. Obwohl die genauen Ursachen noch nicht vollständig erforscht sind, sind eine Reihe von Risikofaktoren identifiziert worden, die die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, erhöhen können. Glücklicherweise gibt es auch Maßnahmen, die ergriffen werden können, um das Risiko zu senken oder den Ausbruch der Krankheit zu verzögern.
Demenz: Ein Überblick
Demenz ist ein Oberbegriff für über 50 verschiedene hirnorganische Erkrankungen, die mit einem fortschreitenden Verlust geistiger Fähigkeiten einhergehen. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form, gefolgt von der vaskulären Demenz, die durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht wird. Weitere Formen sind die frontotemporale Demenz und die Lewy-Körperchen-Demenz.
Risikofaktoren für Alzheimer
Eine Expertenkommission der renommierten medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ hat für Demenz zwei neue Risikofaktoren identifiziert, gegen die man vorgehen kann: Sehschwäche und zu hohe Cholesterinwerte.
Nicht beeinflussbare Risikofaktoren
- Alter: Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter deutlich an.
- Genetische Faktoren: In seltenen Fällen (ca. 1 Prozent) ist Alzheimer erblich bedingt (familiäre Alzheimer-Demenz, FAD). Es gibt jedoch auch einen genetischen Risikofaktor: Varianten im Gen für ein Eiweiß namens Apo-Lipoprotein E (ApoE). Das Eiweiß ApoE ist bei allen Menschen vorhanden, es wird für den Transport von Cholesterin im Blut benötigt. Das ApoE-Gen liegt in drei Varianten vor. Eine scheint eine Person vor einer Alzheimer-Erkrankung zu schützen, eine andere macht ihn empfänglicher für die Erkrankung.
Beeinflussbare Risikofaktoren
Die Lancet-Kommission identifizierte 14 beeinflussbare Risikofaktoren. Die Vermeidung aller schädigenden Faktoren könnte bis zu 40 Prozent des Risikos senken und dazu beitragen, den kognitiven Abbau zu bremsen.
- Geringe Bildung in jungen Jahren: Geistige Anregung in jungen Jahren schützt das Gehirn - besonders durch den Aufbau sogenannter kognitiver Reserven.
- Unbehandelte Schwerhörigkeit: Wenn das Gehör nachlässt, verarbeitet das Gehirn weniger Reize - es muss mehr Energie aufbringen, um Sprache zu verstehen.
- Hirnverletzungen: Ein Sturz, eine Schlag, ein Zusammenprall - Schwere oder wiederholte Kopfverletzungen erhöhen das Risiko für Demenzerkrankungen wie Alzheimer und die chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE).
- Bluthochdruck: Bluthochdruck im mittleren Lebensalter erhöht das Risiko für alle Demenzformen, insbesondere für die vaskuläre Demenz.
- Alkoholkonsum: Studien zeigen: Schon mehr als drei Liter Bier oder zwei Liter Wein pro Woche führt zum Verlust der grauen Masse im Gehirn und damit zu einem höheren Risiko für alle Formen der Demenz.
- Adipositas: Übergewicht - besonders im mittleren Lebensalter- erhöht das Risiko, später an einer Demenz zu erkranken.
- Rauchen: Rauchen erhöht das Risiko für Alzheimer und vaskuläre Demenz - vor allem durch die negativen Auswirkungen auf Herz, Gefäße und Gehirn.
- Depression: Anhaltende Niedergeschlagenheit, sozialer Rückzug und mangelnde Selbstfürsorge belasten nicht nur die Seele - sondern auch das Gehirn.
- Soziale Isolation: Soziale Isolation bedeutet, dass ein Mensch nur selten Kontakt zu anderen hat - zum Beispiel, wenn er allein lebt, kaum Besuch bekommt oder nicht mehr aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnimmt.
- Bewegungsmangel: Wer sich im Alltag kaum bewegt, erhöht sein Risiko, an einer Demenz zu erkranken.
- Luftverschmutzung: Was wir einatmen, kann auch unser Gehirn erreichen. Feine Partikel aus Abgasen, Industrie, Holz- und Kohleöfen können Entzündungen auslösen, die Gefäße schädigen und langfristig die geistige Gesundheit beeinträchtigen.
- Diabetes: Typ-2-Diabetes zählt zu den am besten belegten Risikofaktoren für Demenz.
- Sehschwäche: „Menschen, die im Alter nicht mehr gut sehen, verlassen aus Angst vor Stürzen häufig nicht mehr die Wohnung, was zur sozialen Isolation beiträgt“, erklärt Prof. Dr. „Oft fallen auch Lesen, Teilnahme an Gesellschaftsspielen, Handarbeiten oder Bewegung schwer - alles Dinge, die den Kopf fit halten.
- Erhöhte Cholesterinwerte: Viele Studien haben gezeigt, dass ein Zusammenhang zwischen hohem LDL-Cholesterin und späteren Demenz besteht. LDL-Cholesterin begünstigt Gefäßverkalkungen und das Fortschreiten von Ablagerungen in den Gefäßen.
Präventionsmaßnahmen
Obwohl es keine Garantie dafür gibt, Alzheimer zu verhindern, können bestimmte Maßnahmen ergriffen werden, um das Risiko zu senken oder den Ausbruch der Krankheit zu verzögern.
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- Gesunder Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung und ausreichend geistiger Stimulation ist der beste und einfachste Weg, um einer Demenz bestmöglich vorzubeugen.
- Regelmäßige Bewegung: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive Bewegung pro Woche. Bewegung beeinträchtigt die Durchblutung des Gehirns, schwächt Nervenzellen und begünstigt den geistigen Abbau.
- Gesunde Ernährung: Für bessere Cholesterinwerte kann man etwas tun: „Sie lassen sich durch Sport und eine gesunde Ernährung in der Regel gut senken“, erklärt Prof. Dr. Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung.
- Geistige Aktivität: Das Gehirn braucht Anregung: Gespräche, Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten halten es wach und leistungsfähig.
- Soziale Kontakte: Wer viele Kontakte pflegt und sozial aktiv ist, kann sein Demenzrisiko nachhaltig senken.
- Vermeidung von Risikofaktoren: Was dem Körper schadet, ist auch schädlich für das Gehirn: Faktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel und Bluthochdruck erhöhen das Risiko, an einer Demenz zu erkranken.
- Frühe Diagnose und Behandlung: Eine frühe Diagnose bei Alzheimer ist in vieler Hinsicht wichtig, auch wenn die Krankheit an sich bislang nicht heilbar ist. Sie bildet die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen, die im nächsten Schritt getroffen werden sollten.
Fortschritte in Diagnostik und Therapie
Große Fortschritte in Diagnostik und Therapie der Demenzerkrankung Alzheimer sind in nächster Zukunft zu erwarten. Sie werden die bisherige Behandlung der Krankheit auf den Kopf stellen. Was muss passieren, dass diese Innovationen bei den Menschen ankommen? Seit diesem Jahr stehen zwei Antikörper zur ursächlichen Behandlung der frühen Alzheimer-Demenz zur Verfügung. Ursächlich bedeutet: Sie bauen aktiv Amyloid-Plaques ab. Das sind Eiweißablagerungen im Hirn, die bei der Entstehung der Krankheit eine zentrale Rolle spielen.
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