Das Glioblastom (GBM), auch Astrozytom WHO-Grad IV genannt, ist der häufigste bösartige hirneigene Tumor bei Erwachsenen. Es entsteht meist innerhalb weniger Monate aus den Stützzellen des Nervensystems, den Gliazellen. Aufgrund seiner bunten Schnittfläche mit Einblutungen und Nekrosen (Gewebsuntergang) wird es auch als Glioblastoma multiforme bezeichnet. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über das Glioblastom, von den Symptomen und Diagnosemethoden bis hin zu den aktuellen Behandlungsansätzen und Forschungsergebnissen.
Was ist ein Glioblastom?
Ein Gehirntumor ist eine Wucherung im Gehirn. Dieser Tumor kann gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) sein. Gehirntumore entstehen entweder im Gehirngewebe oder den Gehirnhäuten. In diesem Fall spricht man von einem primären Hirntumor. Sitzt der ursprüngliche Tumor in einer anderen Körperregion und hat im Gehirn Metastasen gebildet, handelt es sich um einen sekundären Hirntumor.
Das Glioblastom ist ein aggressiver, primärer Hirntumor, der sich durch schnelles Wachstum und Infiltration in das gesunde Hirngewebe auszeichnet. Es ist die schwerwiegendste Form des Hirntumors und macht etwa die Hälfte aller Gliome aus. Nach der WHO-Klassifikation der Tumoren des Nervensystems entspricht das Glioblastom dem WHO-Grad IV, was bedeutet, dass es sich biologisch sehr bösartig verhält und schnell wächst.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Glioblastoms sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass Mutationen im Erbgut der Gliazellen zu unkontrolliertem Zellwachstum führen können. Risikofaktoren für die Entwicklung eines Glioblastoms sind:
- Alter: Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt über 60 Jahren.
- Geschlecht: Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
- Genetische Faktoren: In seltenen Fällen können genetische Veranlagungen das Risiko erhöhen.
- Vorangegangene Strahlentherapie: Eine frühere Strahlentherapie des Kopfes kann das Risiko für die Entwicklung eines Glioblastoms erhöhen.
Symptome eines Glioblastoms
Die Symptome eines Glioblastoms hängen von der Größe, Art und Lage des Tumors ab. Aufgrund des aggressiven Wachstums treten die ersten Symptome oft frühzeitig auf. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
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- Starke Kopfschmerzen: Regelmäßige Kopfschmerzen, die sich im Liegen verstärken und nachts oder nach dem Aufstehen am stärksten sind. Oft treten sie gemeinsam mit unerklärlicher Übelkeit und Erbrechen auf und werden im Verlauf weniger Wochen stärker.
- Neurologische Ausfälle: Je nach Größe und Lage des Tumors kann es zu verschiedensten neurologischen Ausfällen kommen, wie z.B. Lähmungen, Seh- und Koordinationsstörungen sowie sprachliche und kognitive Einschränkungen.
- Epileptische Anfälle: Ein epileptischer Anfall kann bei etwa jedem fünften Hirntumor-Patienten das erste Anzeichen der Erkrankung sein.
- Persönlichkeitsveränderungen: In seltenen Fällen kann es zu Persönlichkeitsveränderungen kommen, wie z.B. Antriebslosigkeit, Überreiztheit oder Aggressivität.
- Hirnödeme: Typischerweise bilden sich Hirnödeme, die zu einem erhöhten Druck im Gehirn führen und schließlich zum Koma führen können.
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch Anzeichen anderer Erkrankungen sein können. Bei Verdacht auf einen Hirntumor sollte jedoch umgehend ein Arzt aufgesucht werden.
Diagnose des Glioblastoms
Zur Diagnose eines Glioblastoms werden verschiedene neurologische Tests und bildgebende Verfahren eingesetzt.
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt untersucht den Patienten auf neurologische Ausfälle, die den Verdacht auf einen Hirntumor stützen können.
- Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT): Diese bildgebenden Untersuchungen zeigen selbst kleinste Gewebsneubildungen und ermöglichen eine Diagnose. Moderne Untersuchungen können beispielsweise zeigen, wie aktiv Stoffwechsel und Durchblutung des Tumors sind.
- Biopsie: Nach einer Diagnose gibt eine Gewebeprobe Aufschluss darüber, ob der Tumor gut- oder bösartig ist. In der Regel wird diese im Rahmen einer Operation gewonnen, deren Ziel es ist, den Tumor vollständig zu entfernen. Je nach Lage und Ausprägung kann ein Neurochirurg die Gewebeprobe alternativ mit einer Nadel durch ein kleines Loch im Schädel entnehmen.
- Liquoruntersuchung: Manche Hirntumoren können Krebszellen in das Hirnwasser (Liquor) schwemmen. Indem eine Probe dieser Flüssigkeit entnommen und untersucht wird, kann eine solche Streuung festgestellt und in der Therapie berücksichtigt werden.
- PET/MRT-Kombinationsdiagnostik: Eine spezielle Kombinationsdiagnostik aus Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und Magnetresonanztomographie (MRT) mit einem hochsensitiven Verfahren ermöglicht eine deutlich individuellere Verlaufsprognose nach einer Radiochemotherapie.
Behandlungsmöglichkeiten beim Glioblastom
Die Behandlung eines Glioblastoms zielt darauf ab, die Tumormasse zu reduzieren, das Wachstum zu verlangsamen und die Symptome zu lindern. Da das Glioblastom jedoch in der Regel nicht vollständig heilbar ist, konzentriert sich die Behandlung auch auf die Verbesserung der Lebensqualität des Patienten. Die Standardbehandlung umfasst:
- Operation: Das Ziel der Operation ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen, um die Überlebenszeit maximal zu verbessern. Bedingt durch die mikrochirurgische Resektion kann gewebeschonend gearbeitet werden. Die Neuronavigation (intraoperativ verfügbares 3D-Modell des Kopfes anhand einer MRT) erleichtert den gezielten Zugang und ermöglicht eine Resektionskontrolle. Die Markierung des Tumors mit einem Fluoreszenzfarbstoff (5-Aminolävulinsäure, 5-ALA) erlaubt es, vitales Tumorgewebe von umgebendem, normalem Gewebe zu unterscheiden. Die Ultraschalldissektion ermöglicht ein sehr schonendes, schichtweises Abtragen des Tumors.
- Strahlentherapie: Nach Entfernung des Tumors beginnt eine Strahlentherapie, die verbliebene Glioblastomzellen abtöten soll. Wichtig ist eine möglichst zielgerichtete Bestrahlung, damit wenig gesunde Zellen beschädigt werden. In der Regel dauert eine Bestrahlung sechs Wochen, was insgesamt ca. 30 Sitzungen an allen Werktagen in diesem Zeitraum bedeutet.
- Chemotherapie: Die Chemotherapie erfolgt bei einem Glioblastom zunächst flankierend zur Strahlentherapie. Der Wirkstoff Temozolomid wird dabei in Tablettenform zu Hause eingenommen. Er wird meist relativ gut vertragen - es kommt nicht zum Haarausfall, meist lediglich zu Müdigkeit und Übelkeit, in seltenen Fällen zu Veränderungen des Blutbildes.
- Tumortherapiefelder (TTF): Optune ist ein tragbares Gerät, das in einem Rucksack aufbewahrt wird, und beschichteten Keramikplättchen, die auf der Kopfhaut angebracht werden. Die lokale, nicht-invasive Behandlung kann zu Hause durchgeführt werden und sollte 18 Stunden täglich getragen werden. Behandelt wird das Glioblastom dabei mit Tumortherapiefeldern (elektrische Wechselfelder), die das Tumorwachstum unterdrücken.
- Palliative Therapie: Ist der Krebs nicht heilbar, liegt der Schwerpunkt der Behandlung darauf, die Beschwerden zu lindern. So können beispielsweise stärkere Schmerzmittel oder Medikamente gegen epileptische Anfälle und Übelkeit helfen, die Symptome der Erkrankung abzuschwächen. Psychoonkologische Betreuung kann Patienten und Angehörigen helfen, mit den Ängsten, Sorgen und Hoffnungen umzugehen.
Aktuelle Forschung und innovative Therapieansätze
Die Forschung im Bereich Glioblastom ist sehr aktiv und zielt darauf ab, neue und effektivere Behandlungsmethoden zu entwickeln. Einige vielversprechende Ansätze sind:
- Immuntherapie: Die Immuntherapie zielt darauf ab, das Immunsystem des Körpers zu aktivieren, um die Krebszellen zu bekämpfen. Ein neuer Ansatz in der zellulären Immuntherapie, der von Forschern des Deutschen Krebsforschungszentrums (Dkfz) und der Universitätsmedizin Mannheim entwickelt wurde, zielt auf das Protein PTPRZ1 ab, das in Glioblastomzellen wieder auftritt und das Wachstum und die Ausbreitung des Tumors unterstützt. Durch die Modifizierung von T-Zellen mit einem Rezeptor, der dieses Protein erkennt, konnten die Forscher in Laborexperimenten mit Mäusen die Glioblastomzellen töten.
- Gezielte Therapien: Gezielte Therapien zielen auf spezifische Moleküle oder Signalwege in den Krebszellen ab, die für deren Wachstum und Überleben wichtig sind.
- Gentherapie: Die Gentherapie zielt darauf ab, genetische Defekte in den Krebszellen zu korrigieren oder die Zellen empfindlicher für andere Behandlungen zu machen.
- Kombinationstherapien: Die Kombination verschiedener Therapieansätze, wie z.B. Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie und Immuntherapie, kann die Wirksamkeit der Behandlung verbessern.
Die Rolle der Techniker Krankenkasse (TK)
Im Zusammenhang mit der Behandlung von Glioblastomen spielt die Kostenübernahme durch die Krankenkassen eine wichtige Rolle. Die Techniker Krankenkasse (TK) ist eine der größten Krankenkassen in Deutschland und übernimmt in der Regel die Kosten für wissenschaftlich anerkannte Behandlungen von Glioblastomen, wie z.B. Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie.
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In einem Fall, in dem die TK die Kostenerstattung für eine bestimmte Behandlung ablehnte, erließ das zuständige Sozialgericht Nürnberg eine einstweilige Anordnung und verpflichtete die TK zur Kostenübernahme. Die TK legte gegen diese Entscheidung Beschwerde vor dem Bayerischen Landessozialgericht ein, nahm diese aber später zurück. Dieser Fall verdeutlicht die Bedeutung der individuellen Prüfung von Behandlungsansprüchen und die Möglichkeit, diese gegebenenfalls gerichtlich durchzusetzen.
Leben mit einem Glioblastom
Die Diagnose Glioblastom ist für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine große Belastung. Es ist wichtig, sich umfassend über die Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und sich professionelle Unterstützung zu suchen. Es gibt zahlreiche Organisationen und Selbsthilfegruppen, die Patienten und Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Trotz der ungünstigen Prognose ist es wichtig, die Lebensqualität zu erhalten und jeden Tag bewusst zu leben. Viele Patienten mit Glioblastom können durch die Behandlung ihre Symptome lindern und ihre Lebenszeit verlängern. Die Teilnahme an klinischen Studien kann eine Möglichkeit sein, Zugang zu innovativen Therapien zu erhalten und zur Weiterentwicklung der Behandlung von Glioblastomen beizutragen.
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