Epilepsie ist eine chronische neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch plötzliche, unkontrollierte elektrische Entladungen im Gehirn. Obwohl Epilepsie eine erhebliche Herausforderung darstellen kann, ermöglichen moderne Diagnose- und Behandlungsmethoden den meisten Betroffenen, ein erfülltes und qualitativ hochwertiges Leben zu führen.
Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick darüber, was zu tun ist, wenn eine Person mit Epilepsie alleine einen Anfall hat. Er behandelt die verschiedenen Arten von Anfällen, die erforderlichen Erste-Hilfe-Maßnahmen, die Bedeutung der Prävention und die langfristige Betreuung von Menschen mit Epilepsie.
Epilepsie: Ursachen, Diagnose und Behandlung
Epilepsie äußert sich in wiederholt auftretenden epileptischen Anfällen. Die Diagnose einer Epilepsie erfordert in den meisten Fällen eine medikamentöse Behandlung. Auch ein einzelner Anfall kann, in Verbindung mit Auffälligkeiten im EEG (Elektroenzephalogramm) oder MRT (Magnetresonanztomographie), ein ausreichend hohes Risiko für weitere Anfälle darstellen, um eine medikamentöse Behandlung zu rechtfertigen. In seltenen Fällen treten Anfälle nur alle paar Jahre auf, sodass die Notwendigkeit einer Behandlung sorgfältig abgewogen werden muss.
Die Behandlung von Epilepsie basiert hauptsächlich auf Antikonvulsiva, Medikamenten, die speziell gegen Epilepsie entwickelt wurden. Die Wahl des geeigneten Medikaments hängt von der Art der Epilepsie ab (fokal oder generalisiert) sowie von der Art der Anfälle (fokal, generalisiert, Absencen, Myoklonien usw.). Paradoxerweise können bestimmte Antiepileptika bei falscher Anwendung die Epilepsie sogar verschlimmern. Daher ist eine genaue Diagnose unerlässlich, um zwischen fokalen und generalisierten Epilepsien zu unterscheiden.
Es ist wichtig zu beachten, dass fokale und generalisierte Epilepsien sich von fokalen und generalisierten Anfällen unterscheiden. Generalisierte Anfälle können sowohl bei fokalen als auch bei generalisierten Epilepsien auftreten. Diese Unterscheidung bezieht sich auf die Veränderungen im Gehirn, die im EEG sichtbar sind, und auf den Anfallstyp, den ein Patient erlebt.
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Epilepsie ist eine dynamische Erkrankung, deren Verlauf sich im Laufe der Zeit verändern kann. Einige Epilepsiesyndrome treten als Ausdruck einer vorübergehenden Erregbarkeit des Gehirns auf und verschwinden nach einiger Zeit wieder. Ein typisches Beispiel ist die Absencen-Epilepsie des Schulalters. Andere Formen, wie Anfälle nach Autoimmunenzephalitiden, können vorübergehende Entzündungen im Gehirn verursachen, die nicht unbedingt zu einer dauerhaften Epilepsie führen. Bei den meisten Epilepsien, die im Jugend- oder Erwachsenenalter auftreten und eine strukturelle oder nachgewiesene Ursache haben, ist ein dauerhaftes Verschwinden unwahrscheinlich. Die Häufigkeit und Stärke der Anfälle kann jedoch variieren.
Obwohl mit Medikamenten Anfallsfreiheit erreicht werden kann, bedeutet dies nicht, dass die Epilepsie geheilt ist. Das primäre Ziel der Behandlung ist die Anfallsfreiheit, da dies den größten Einfluss auf die Lebensqualität hat. Wenn Anfallsfreiheit mit dem ersten oder zweiten Antiepileptikum nicht erreicht wird, spricht man von Therapierefraktärität. In solchen Fällen können alternative Therapieoptionen wie Epilepsiechirurgie in Betracht gezogen werden.
Eine seltene, aber schwerwiegende Komplikation bei Epilepsie ist der plötzliche unerwartete Tod bei Epilepsie (SUDEP). Dies tritt auf, wenn nach einem Anfall Herz- und Atemzentrum so stark unterdrückt werden, dass der Betroffene verstirbt. Regelmäßige Medikamenteneinnahme und Anfallsfreiheit sind der beste Schutz vor SUDEP. Risikofaktoren für SUDEP sind nächtliche generalisierte Anfälle und ein junges Alter oder männliches Geschlecht. In solchen Fällen sollten Maßnahmen zur Eliminierung nächtlicher Anfälle ergriffen werden. Anfallsdetektionsgeräte können Angehörige nachts warnen, um im Bedarfsfall Hilfsmaßnahmen einzuleiten.
Ein Notfallausweis mit Informationen über die Erkrankung und Medikation kann in Notfallsituationen hilfreich sein. Ein Anfallskalender kann insbesondere in Phasen der Medikamentenumstellung nützlich sein, um die Wirksamkeit der Therapie zu überwachen.
Die Wahl des richtigen Antikonvulsivums hängt von der Art der Epilepsie und der Art der Anfälle ab. Der Neurologe wird die spezifischen Faktoren des Patienten berücksichtigen, wie z. B. das Alter, das Geschlecht, den Kinderwunsch und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. In bestimmten Fällen können neben der medikamentösen Therapie auch eine Diät (z. B. die ketogene Diät), ein Schrittmacher oder eine epilepsiechirurgische Behandlung in Frage kommen.
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Antikonvulsiva stabilisieren die Nervenzellen im Gehirn, um unkontrollierte Entladungen zu verhindern. Sie werden in der Regel zweimal täglich eingenommen, wobei die Einnahmezeitpunkte in den Tagesablauf integriert werden sollten, um das Vergessen zu vermeiden. Einige Medikamente sind auch als Saft oder lösliche Tabletten erhältlich, um die Einnahme zu erleichtern. Bei Schluckstörungen können bestimmte Antiepileptika auch als Lösung zur intravenösen Verabreichung verwendet werden.
Bei prolongierten Anfällen, die länger als fünf Minuten dauern, kann eine Notfallmedikation erforderlich sein, die von Außenstehenden verabreicht wird. Diese Medikamente können als kleine Spritze in die Backentaschen oder als Zäpfchen über den Anus verabreicht werden.
Wenn trotz Medikation weiterhin epileptische Anfälle auftreten, sollten alternative Therapieoptionen wie andere Medikamente, Epilepsiechirurgie, Stimulatoren oder die ketogene Diät mit dem Neurologen besprochen werden.
Die regelmäßige Einnahme von Antikonvulsiva ist entscheidend, um Anfälle zu unterdrücken und das Risiko von Verletzungen und SUDEP zu minimieren. Wenn eine Einnahme vergessen wurde, sollte die Dosis so schnell wie möglich nachgeholt werden, es sei denn, es ist fast Zeit für die nächste Dosis. In diesem Fall sollte die vergessene Dosis ausgelassen und das reguläre Einnahmeschema fortgesetzt werden.
Antiepileptika wirken optimal, wenn keine Anfälle mehr auftreten und keine nennenswerten Nebenwirkungen auftreten. Zu Beginn der Behandlung können jedoch vorübergehende Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Abgeschlagenheit auftreten. Wenn ein Medikament nicht gut wirkt, kann die Dosis schrittweise erhöht oder ein anderes Medikament ausprobiert werden.
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Antiepileptika können verschiedene Nebenwirkungen haben, darunter Müdigkeit, Abgeschlagenheit, verlangsamtes Denken, Zittern oder Schwindel. In den meisten Fällen werden die Medikamente jedoch gut vertragen und verursachen keine Nebenwirkungen. Bei Auftreten von Nebenwirkungen sollte dies mit dem Neurologen besprochen werden.
Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall
Ein epileptischer Anfall kann beängstigend sein, daher ist es wichtig zu wissen, was zu tun ist, um die Person zu schützen und zu unterstützen. Hier sind einige grundlegende Erste-Hilfe-Maßnahmen:
- Ruhe bewahren: Ein epileptischer Anfall ist in den meisten Fällen harmlos und dauert nur wenige Sekunden bis Minuten. Es drohen keine langfristigen Hirnschäden oder das Absterben von Nervenzellen.
- Auf die Uhr schauen und Beginn des Anfalls merken: Die Dauer des Anfalls ist eine wichtige Information für den Arzt.
- Verletzungen verhindern, vor allem am Kopf: Legen Sie etwas Weiches unter den Kopf der Person, um Verletzungen zu vermeiden.
- Gefahrenzone verlassen: Wenn sich die Person in einer gefährlichen Umgebung befindet, bringen Sie sie in Sicherheit.
- Nichts in den Mund stecken: Versuchen Sie nicht, den Mund der Person zu öffnen oder etwas zwischen die Zähne zu schieben. Dies kann zu Verletzungen führen.
- Person nicht festhalten: Lassen Sie den Anfall seinen Lauf nehmen und versuchen Sie nicht, die Person festzuhalten.
- Atemwege prüfen: Stellen Sie nach dem Anfall sicher, dass die Atemwege frei sind. Entfernen Sie Erbrochenes oder Speichel aus dem Mund.
- Stabile Seitenlage: Bringen Sie die Person in die stabile Seitenlage, um zu verhindern, dass sie an Erbrochenem erstickt.
- Dableiben, bis die Verwirrtheit nachgelassen hat: Bleiben Sie bei der Person, bis sie vollständig wach und orientiert ist.
- Beruhigend zureden: Sprechen Sie beruhigend mit der Person und bieten Sie Unterstützung an.
- Notfallkontakt anrufen: Wenn Sie unsicher sind, wie Sie weiter vorgehen sollen, rufen Sie einen Notfallkontakt der Person an.
- Notarzt rufen: Rufen Sie den Notarzt (112), wenn:
- Der Anfall länger als fünf Minuten dauert (Status epilepticus).
- Auf den ersten Anfall direkt ein zweiter Anfall folgt, ohne dass die Person zwischendurch wieder zu Bewusstsein gelangt ist.
- Es durch den Anfall zu Verletzungen gekommen ist.
- Es sich um den ersten epileptischen Anfall der Person handelt.
- Die Person Atemprobleme hat.
- Die Person nicht wieder zu sich kommt.
- Videoaufnahme erstellen (wenn möglich): Eine Videoaufnahme des Anfalls kann dem Arzt bei der Diagnose helfen.
- Notizen machen: Dokumentieren Sie die Dauer, die prägnantesten Symptome und den Ablauf des epileptischen Anfalls.
Wann ist ein Anfall ein Notfall?
In den meisten Fällen ist ein epileptischer Anfall kein Notfall und hört von selbst wieder auf. Es gibt jedoch bestimmte Situationen, in denen ein Notarzt gerufen werden muss:
- Status epilepticus: Ein Anfall, der länger als fünf Minuten dauert.
- Serielle Anfälle: Mehrere Anfälle hintereinander, ohne dass die Person zwischendurch wieder zu Bewusstsein gelangt.
- Verletzungen: Verletzungen, die durch den Anfall verursacht wurden.
- Erstanfall: Der erste epileptische Anfall der Person.
- Atemprobleme: Schwierigkeiten beim Atmen nach dem Anfall.
- Bewusstlosigkeit: Anhaltende Bewusstlosigkeit nach dem Anfall.
In diesen Fällen ist es wichtig, schnell zu handeln, um Komplikationen zu vermeiden.
Selbstständiges Leben mit Epilepsie
Selbstständiges Wohnen ist für viele Menschen mit Epilepsie ein wichtiger Bestandteil eines selbstbestimmten Lebens. Es gibt verschiedene Hilfen und Unterstützungsmöglichkeiten, um dies zu ermöglichen:
- Notrufsender: Alleinlebende Personen können mit einem Notrufsender auf Knopfdruck Hilfe rufen.
- Ambulant unterstütztes Wohnen: Diese Wohnform bietet regelmäßige Unterstützung im Alltag.
- Assistenzhunde: Speziell ausgebildete Assistenzhunde können Krampfanfälle erkennen, bevor sie auftreten, und so Verletzungen verhindern oder Leben retten.
- Persönliche Assistenz: Die Anstellung persönlicher Assistenten kann eine Möglichkeit sein, um selbstständig zu Hause zu wohnen.