Einführung
Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als idiopathisches Parkinson-Syndrom oder Morbus Parkinson, ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des Nervensystems. Sie ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste ihrer Art. In Deutschland sind etwa 400.000 bis 500.000 Menschen betroffen. Obwohl eine Heilung derzeit nicht möglich ist, gibt es vielfältige Therapieansätze, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Behandlungsoptionen und gibt praktische Ratschläge für den Umgang mit der Erkrankung.
Diagnose und erste Schritte
Früherkennung und Diagnose
Die Parkinson-Krankheit macht sich oft schleichend bemerkbar. Es können Jahre oder sogar Jahrzehnte vergehen, bis erste Beschwerden auftreten und erkannt werden. Symptome wie eine Riechstörung, Schlafstörungen, Verstopfung oder eine leisere Stimme können Vorboten sein. Die Diagnose wird in der Regel von einem Neurologen gestellt, der eine körperliche Untersuchung durchführt und auf typische Parkinson-Symptome achtet. Zusätzliche Tests wie ein Riechtest, eine Ultraschalluntersuchung oder ein MRT können die Diagnose unterstützen.
Umgang mit der Diagnose
Die Diagnose Parkinson ist oft ein Schock für Betroffene und Angehörige. Es ist wichtig, sich umfassend über die Erkrankung zu informieren und eine gute ärztliche Begleitung zu suchen. Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann ebenfalls sehr wertvoll sein.
Netzwerk und Unterstützung
Verschaffen Sie sich einen Überblick darüber, wer Ihnen vor Ort weiterhelfen kann, und notieren Sie sich relevante Kontakte und Empfehlungen. Dieses Netzwerk wird wahrscheinlich über die Zeit wachsen. Es gibt viele Gründe, warum es für Patienten und ihre Angehörigen wertvoll sein kann, sich über die Parkinson-Erkrankung zu informieren. Das Wissen über die Grundlagen der Parkinson-Krankheit, einschließlich ihrer Symptome, Ursachen und des Verlaufs, kann Ihnen dabei helfen, die Erkrankung besser zu verstehen. Wenn Patienten und Angehörige gut informiert sind, können Arztbesuche weniger überfordernd sein. Im Rahmen von Parkinson-Selbsthilfegruppen oder ähnlichen Veranstaltungen können Sie sich mit anderen Patienten oder Angehörigen austauschen. Selbsthilfegruppen bieten ein Umfeld, in dem Sie wertvolle Informationen und praktische Ratschläge erhalten können, die aus den direkten Erfahrungen anderer stammen.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie ist ein zentraler Bestandteil der Parkinson-Behandlung. Ziel ist es, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen und die Symptome zu lindern.
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Levodopa (L-Dopa)
Levodopa ist das wirksamste Medikament zur Behandlung des echten Parkinson-Syndroms. Es wird im Körper in Dopamin umgewandelt und kann die Symptome deutlich verbessern. Da Dopamin die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann, wird Levodopa als Prodrug eingesetzt. Es wird üblicherweise mit Carbidopa kombiniert, um zu verhindern, dass Levodopa bereits im Körper in Dopamin umgewandelt wird, bevor es das Gehirn erreicht hat.
Dopamin-Agonisten
Dopamin-Agonisten ähneln dem Dopamin chemisch und wirken im Körper wie der natürliche Botenstoff. Sie sind schwächer wirksam als L-Dopa, werden aber oft zu Beginn der Behandlung als alleiniges Mittel bei jüngeren Patienten eingesetzt. Dopamin-Agonisten haben andere Nebenwirkungen als L-Dopa, daher ist es wichtig, das für den Patienten am besten verträgliche Medikament zu finden.
COMT-Hemmer und MAO-B-Hemmer
COMT-Hemmer und MAO-B-Hemmer verzögern den Abbau von L-Dopa bzw. Dopamin im Körper. Sie können die Wirksamkeit von L-Dopa unterstützen und seine Nebenwirkungen reduzieren. Es gibt wissenschaftliche Hinweise darauf, dass ein frühzeitiger Einsatz aus der Medikamentengruppe der MAO-B-Hemmer sogar das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen kann.
Weitere Medikamente
Es gibt noch weitere Medikamente, welche u.a. die Wirksamkeit von L-Dopa unter-stützen und damit seine Nebenwirkungen reduzieren. So genannte COMT-Hemmer und MAO-B-Hemmer verzögern den Abbau von L-Dopa bzw. Dopamin im Körper.
Wichtig bei der Einnahme
Die Medikamente sollten immer zu einem festen Zeitpunkt eingenommen werden, um einen besseren Überblick über die Wirkdauer zu bekommen und die Einnahme als Routine in den Alltag zu integrieren. Es kann helfen, sich einen Wecker auf dem Smartphone zu stellen, oder die Einnahme mit anderen alltäglichen Aufgaben zu kombinieren, zum Beispiel mit der morgendlichen Hygieneroutine im Badezimmer. Für die meisten Parkinson-Medikamente gilt, dass die Einnahme zusammen mit einer kleineren Mahlzeit besser verträglich ist. Bei der Einnahme von L-Dopa Präparaten ist jedoch unbedingt zu berücksichtigen, dass besonders eiweißreiche Nahrung die Aufnahme von Levodopa stören und die Wirkung der entsprechenden Medikamente reduzieren kann. L-Dopa Präparate sollten deshalb nicht mit besonders eiweißreichen Mahlzeiten wie Fisch oder Fleisch eingenommen werden, sondern nur mindestens eine Stunde davor oder danach. Außerdem gibt es noch zahlreiche weitere Ernährungstipps bei Parkinson, welche Beschwerden lindern und die Behandlung unterstützen können. Zudem erleichtert eine Einnahme der Medikamente mit Flüssigkeit den Schluckvorgang (Parkinson-Patientinnen und Patienten leiden oft an Schluckbeschwerden) und die Wirkstoffe werden im Magen schneller freigesetzt. Verwenden Sie hierfür aber unbedingt Wasser mit wenig Kohlensäure, um das Aufstoßen zu verhindern und nehmen oder verabreichen Sie die Medikamente nicht mit Fruchtsäften, da diese zu Wechselwirkungen führen können.
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Nebenwirkungen und Spätkomplikationen
Nach langjähriger medikamentöser Therapie können Wirkungsschwankungen, Nebenwirkungen und Spätkomplikationen wie Überbewegungen (Hyperkinesen, Dyskinesien), On-Off-Fluktuationen oder Freezing auftreten, die es so lange wie möglich aufzuschieben gilt. Sie machen außerdem eine permanente Beobachtung und laufende Anpassung der Dosierung und Medikation notwendig. Die Wirkung und Wirkungsdauer der Medikamente lässt mit der Zeit nach, worauf meistens mit einem Wechsel des Wirkstoffes, einer kombinierten Therapie mit MAO-B-Hemmern, L-Dopa, COMT-Hemmern und Dopaminagonisten, oder einer erhöhten Dosierung reagiert werden muss. Zudem können Nebenwirkungen auftreten, etwa Verwirrtheit, Ödeme, Psychosen oder Wesensveränderungen wie Punding, Sturheit, depressive Verstimmungen und exzessives Essen. Diese nehmen mit steigender Dosis - insbesondere der Dopaminagonisten - zu. Oft nehmen Patientinnen und Patienten im späteren Verlauf bei Parkinson weitere Medikamente gegen die zunehmenden Nebenwirkungen, medikamenteninduzierte Psychosen oder andere Begleiterkrankungen ein. Hierbei sind die Wechselwirkungen der Parkinson-Medikamente unbedingt zu berücksichtigen.
Individuelle Anpassung der Therapie
Die Therapie beginnt meist mit Medikamenten in Tablettenform. Jedoch muss sie nicht immer direkt nach der Diagnose gestartet werden. Der Beginn der Behandlung erfolgt stets in enger Abstimmung mit den Ärztinnen und Ärzte, denn bei der Auswahl der richtigen Wirkstoffe gibt es einige Dinge zu beachten. Zudem reagiert nicht jeder Mensch auf jedes Medikament gleich, weshalb die Therapie mehrheitlich mit sehr geringer Dosierung gestartet und dann langsam erhöht wird. Eine laufende Anpassung und Erweiterung der Therapie bis ins hohe Lebensalter ist üblich. Auch hängen Start der Therapie und ausgewählte Wirkstoffe stark von der Ausprägung einzelner Symptome und der Sorge vor späteren Nebenwirkungen wie Wirkungsschwankungen ab. Besonders in der Frühphase der Erkrankung können die zur Verfügung stehenden Medikamente wie Levodopa, Dopaminagonisten und MAO-B-Hemmer die Symptome meist sehr positiv beeinflussen. Man spricht hier auch von der sog. Honeymoon-Phase, die nach der erstmaligen Einstellung auf die richtigen Präparate und Wirkstoffe einige Jahre anhalten kann. Mit der Zeit lässt die Wirkung jedoch nach und die Belastung durch die Nebenwirkungen nimmt zu. Bestehen im Frühstadium nur sehr leichte Beschwerden, so kann anfänglich auch vollständig auf eine medikamentöse Therapie verzichtet werden, bis die voranschreitende Symptomatik sie unerlässlich macht. Gerade bei jüngeren Patientinnen und Patienten werden Medikamente meist so spät wie möglich eingesetzt.
Nicht-medikamentöse Therapien
Ergänzend zur medikamentösen Behandlung spielen nicht-medikamentöse Therapien eine wichtige Rolle, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Physiotherapie
Die Physiotherapie ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Behandlung des Parkinson-Syndroms. Die Therapie fördert die Beweglichkeit, Körperstabilität und Reaktionsfähigkeit. Sie kann daneben bei Patienten im fortgeschrittenen Stadium einer Versteifung von Gelenken (Kontraktur) vorbeugen.
Logopädie
Die Logopädie stellt eine wichtige Therapiemaßnahme zur Verbesserung der Sprechstörung bei Parkinson-Syndromen dar. Trainiert werden die Muskeln für das Stimmvolumen, die Atemtechnik und die klare Aussprache.
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Ergotherapie
Ergotherapie und weiteren übenden Behandlungen, welche die Lebensqualität verbessern und Symptome zusätzlich lindern können, spielen eine wichtige Rolle. Denn das alleinige Hochdosieren der Medikamente bei nachlassender Wirkung im Spät- und Endstadium kann die Nebenwirkungen so sehr verstärken, dass diese die positiven Effekte überwiegen. Hier kann es dann auch Sinn ergeben, einzelne Medikamente geringer zu dosieren oder wegzulassen, anstatt noch ein weiteres einzunehmen. Setzen Sie die Medikamente aber niemals ohne Rücksprache ab. Das Gleiche gilt für eine Veränderung der Dosierung. Die Therapie erfolgt stets in sehr enger Abstimmung mit den Ärztinnen und Ärzte.
Sport und Bewegung
Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Bewegung in vielerlei Hinsicht positiv auf die Symptome und die Entwicklung der Parkinson-Erkrankung auswirkt. Sport hilftBei Parkinson ist jede Art von Sport gut und hilfreich. HintergrundWarum Sport?Das Wichtigste zu Beginn: Sport und regelmäßige körperliche Aktivität können den Einschränkungen von Beweglichkeit, Gleichgewicht und Körperhaltung bei Parkinson entgegenwirken. Auch Schlafstörungen, Depressionen und Verstopfung können durch sportliche Betätigung gebessert werden. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass Nervenzellen im Gehirn möglicherweise durch regelmäßigen Sport geschützt werden. Art und Intensität des persönlichen Trainingsprogramms sollten an die vorliegenden Symptome und Fähigkeiten angepasst werden. Um Langeweile und sinkender Motivation entgegenzuwirken, sollte das Trainingsprogramm aus verschiedenen Komponenten bestehen. WirkungWarum soll ich trainieren?Die Symptome der Parkinson-Krankheit führen zu Bewegungsverarmung und verminderter Aktivität im Alltag. Gezieltes Training kann helfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und die einzelnen Symptome zu lindern. Sport vermindert nicht nur die körperlichen Symptome. Er kann auch dabei helfen, geistige und psychische Symptome, wie z. B. Konzentrationsstörungen, Depressionen, Ängste und Müdigkeit zu lindern. Jeder sportlich aktive Mensch weiß: Nach dem Training fühlt man sich besser und ist stolz auf die geleistete Aktivität. Eine Studie bei Menschen mit Parkinson hat gezeigt, dass ein Sportpensum von mindestens 2,5 h / Woche zu einer Verbesserung von Allgemeinbefinden und Lebensqualität führte - verglichen mit anderen Betroffenen, die keinen oder weniger Sport trieben. SportartenWelcher Sport ist geeignet?Ein ideales Trainingsprogramm enthält Ausdauer-, Kraft-, Gleichgewichts- und Dehnungsübungen und sollte über die Woche verteilt mindestens drei Stunden umfassen.Wählen Sie Aktivitäten aus, die Sie auch tatsächlich schaffen können. Es macht keinen Sinn, ein ausgefeiltes, auf jedes einzelne Symptom ausgerichtetes Sportprogramm zu planen, das sich dann als zu anspruchsvoll oder eintönig herausstellt. Es kann daher Sinn ergeben, die Übungen regelmäßig zu wechseln oder zu verändern. Eine denkbare Variante wäre z. B. MotivationWie bleibe ich motiviert?Wählen Sie den Sport aus, der Ihnen Spaß macht - so bleiben Sie auch langfristig aktiv. Denken Sie daran, dass Musik in vielerlei Hinsicht hilfreich bei der Umsetzung des Trainingsprogrammes sein kann. Die Lieblingsmusik steigert die Motivation, und der vorgegebene Rhythmus erleichtert es, die Bewegungen gut zu koordinieren. Einige Aktivitäten lassen sich besser in einer Gruppe umsetzen und machen so auch mehr Spaß. Achten Sie auch immer auf ein sicheres Training. Durch die Anwesenheit von Trainer:innen ist eine korrekte Ausführung der Übungen gewährleistet.Leiden Sie unter Wirkschwankungen - also einer ungleichmäßigen Wirkung der Parkinson-Medikamente? Dann sollten Sie das Training in den „ON-Phasen“ planen, wenn die Wirkung der Medikamente am besten ist. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, vor einer größeren Aktivität eine Bedarfsmedikation einzunehmen.
Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung ist immer wichtig: Nicht nur um gesund zu bleiben, sondern auch sein Leiden zu lindern. Gerade bei einem Parkinson-Syndrom spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Während der Verdauung können Eiweiße, die beispielsweise in Lebensmitteln wie Fleisch oder Milch enthalten sind, die Aufnahme von Levodopa stören. So kommt es in manchen Fällen dazu, dass die motorischen Symptome unterschiedlich stark auftreten. Sollten derartige Schwankungen häufiger auftreten, ist es ratsam, dass Betroffene ihren behandelnden Arzt informieren.
Hilfsmittel
Neben medikamentösen, physikalischen und alternativen Therapien können auch schon einfache Hilfsmittel im eigenen Haushalt Betroffenen das Leben mit der Parkinson-Krankheit erleichtern. Damit können Betroffene eventuelle Einbüßen in der Selbstständigkeit abbauen und Bewegungsabläufe trainieren. Schlüsselhilfe / Aufsperrhilfe: Parkinson-Patienten mit starkem Muskelzittern in der Hand haben oft Probleme, den Schlüssel ins Schlüsselloch zu treffen. Hilfsmittel für das Essen, Trinken und Kochen: Spezielles Essbesteck aus dickem Edelstahl liegt besonders gut in der Hand und kann Parkinson-Patienten dabei unterstützen, trotz starkem Muskelzittern in der Hand weiterhin selbstständig zu essen. Hilfsmittel zum Anziehen: Gerade feinmotorische Handgriffe wie das Anziehen von Strümpfen, Schuhen oder das Zuknöpfen von Kleidungsstücken stellt Parkinson-Patienten vor Herausforderungen. Pflegehilfsmittel zum Verbrauch: Bestimmte Hygieneprodukte wie beispielsweise Einmalhandschuhe oder Desinfektionsmittel sollen im Pflegealltag vor Infektionen schützen. Sofern eine ärztliche Verordnung vorliegt, kann die Krankenkasse die Kosten für die unterschiedlichen Therapien und Hilfsmittel erstatten. Bei pflegebedürftigen Menschen mit Parkinson kann es sinnvoll sein, Übungen des sogenannten Bobath-Konzepts in den Pflegealltag zu integrieren. Es kann dabei helfen, Bewegungen zu stabilisieren und Muskelspannungen zu regulieren.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Die Tiefe Hirnstimulation (THS) ist ein etabliertes Therapieverfahren, das seit über 25 Jahren bei weltweit circa 100.000 Patienten angewandt wurde. Die Indikation zur THS sollte in einem spezialisierten Zentrum gestellt werden und kann dann zum Einsatz kommen, wenn es im Krankheitsverlauf zu Schwankungen der Beweglichkeit mit überbeweglichen (Dyskinesien) oder unterbeweglichen (Hypokinese) Phasen kommt, die zu einer Einschränkung der Lebensqualität führen und/oder wenn ein Tremor im Vordergrund des Beschwerdebildes steht, der nur unzureichend mittels einer medikamentösen Therapie beeinflusst werden kann.
Verfahren
Bei der THS werden Elektroden stereotaktisch in tiefere Gehirnregionen implantiert, und zwar handelt es sich beim idiopathischen Parkinsonsydnrom in der Regel um den Nucleus subthalamicus (STN) oder die Pars interna des Globus pallidus (GPi). Mit Hilfe eines implantierten Impulsgenerators erfolgt in den entsprechenden Regionen eine individuell steuerbare elektrische Stimulation.
Wirksamkeit
In mehreren großen Studien konnte dahingehend nachgewiesen werden, dass die erzielte Symptomreduktion mit einer erheblichen Besserung der Lebensqualität für den Betroffenen einhergeht. Obwohl die Tiefe Hirnstimulation die Parkinson-Erkrankung nicht heilen kann, ist hierdurch eine in der Regel über viele Jahre anhaltende Beschwerdelinderung möglich. Zudem ist mittlerweile bekannt, dass eine mögliche Operation frühzeitig erfolgen sollte, d.h. bevor Patienten durch die o.g. Beschwerden relevant in ihren beruflichen und sozialen/familiären Aktivitäten eingeschränkt werden.
Leben mit Parkinson
Alltag und Lebensstil
Die Vielfalt an Symptomen und die fortschreitende Natur der Parkinson-Krankheit erfordern meist Anpassungen im Lebensstil, um die Lebensqualität so weit wie möglich zu erhalten. Im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf ist in der Regel eine umfassende Betreuung erforderlich. Die Notizen können Sie zum Beispiel in einem kleinen Symptom-Tagebuch festhalten. Es ist wichtig, dass Sie offen miteinander sprechen und so einen Weg finden, den Sie gemeinsam gehen können. Wenn die Selbstständigkeit im Alltag einer Person mit Parkinson abnimmt, hat sie einen eventuellen Anspruch auf Pflegegrad. Sollten Sie oder Ihr Angehöriger zunehmend Unterstützung im Alltag benötigen, raten wir Ihnen zu einem Pflegetagebuch. Ein Pflegetagebuch unterstützt Sie auch beim Antrag auf Pflegegrad. pflege.de hat einen kostenlosen Pflegegradrechner entwickelt, mit dem Sie den voraussichtlichen Pflegegrad berechnen können.
Psychische Gesundheit
Kognitive Einschränkungen, geminderte Problemlösefähigkeit und Gedächtnisstörungen treten bei der Parkinson-Krankheit häufig auf. Fast immer verstärken solche Faktoren das Gefühl der Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Darüber hinaus lassen sich die typischen Symptome nicht immer verbergen, sodass Betroffene sich in vielen Fällen schämen. Daher ziehen sie sich zunehmend zurück und meiden die Öffentlichkeit. Das erhöht das Risiko, eine Depression zu entwickeln. Neben dem Dopamin-Mangel kann es im Krankheitsverlauf zugleich zu einem Mangel an anderen Botenstoffen kommen, wie etwa dem Botenstoff Serotonin. Neben den psychischen Veränderungen können auch einzelne Parkinson-Medikamente Auswirkungen auf die Persönlichkeit und das Verhalten des Betroffenen haben. Impulskontrollstörungen können durch die Einnahme von Dopaminagonisten ausgelöst werden. Spiel- oder Kaufsucht können die Folge sein. Eine Anpassung der Medikamente kann in diesen Fällen Abhilfe schaffen.
Rechtliche und finanzielle Aspekte
Wie eine Parkinson-Erkrankung im Einzelfall verläuft, ist nicht vorhersehbar. Es gibt jedoch einige mögliche Folgen, die im Laufe der Parkinson-Krankheit auftreten können. Vor allem bei älteren Patienten kann es bereits im frühen Stadium zu geistigen Veränderungen kommen. Der Denkprozess wird langsamer, sich zurechtzufinden wird schwieriger und die Dinge zu planen fällt zunehmend schwerer. Ein Teil der Patienten entwickelt im Zuge ihrer Parkinson-Krankheit einen deutlichen geistigen Abbau. In solchen Fällen wird von der sogenannten Parkinson-Demenz gesprochen, die mit Verwirrtheitsphasen einhergehen kann.
Ansprüche auf Pflegegrad
Die Diagnose Parkinson kann das Leben für Betroffene und seine Angehörigen zunächst auf den Kopf stellen und die Gefühlswelt durcheinanderbringen. Für die einen ist es ein Schock, für die anderen womöglich eine Erleichterung, da seine Beschwerden einen Namen bekommen. Im weiteren Verlauf der Parkinson-Krankheit können sich die Symptome auf verschiedene Lebensbereiche auswirken - ob Beruf, Familie oder bei alltäglichen Aktivitäten wie dem Autofahren. Dadurch haben viele Betroffene Angst, zunehmend auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein.
Selbsthilfegruppen und Austausch
Über die eigenen Beschwerden und Ängste zu sprechen, kann sehr hilfreich sein - sowohl für die Patienten als auch für deren Angehörige. Viele Patienten und Angehörige wünschen sich außerdem einen Austausch mit Personen in ähnlicher Lebenslage. Diese Möglichkeit bekommen sie beispielsweise in einer Parkinson-Selbsthilfegruppe. Eventuell können auch Sie im Rahmen der Selbsthilfe leichter über die eigenen Sorgen sprechen oder wertvolle Tipps von anderen Betroffenen erhalten. Zu erfahren, wie andere Betroffene ihren Weg mit Parkinson gehen, kann Ihnen womöglich auf Ihrem eigenen Weg helfen.
Schwerbehindertenausweis und GdB
Der Grad der Behinderung, kurz GdB, bei der Parkinson-Krankheit hängt von den Symptomen und dem Ausmaß ab, in dem sie die alltägliche Funktionsfähigkeit einer Person beeinträchtigen. Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Diese Angaben sind nur eine grobe EinschätzungBitte beachten Sie, dass dies Ihnen nur eine grobe Orientierung geben soll. Der GdB wird immer individuell festgelegt und berücksichtigt neben den motorischen Synptomen auch nicht-motorische Symptome wie psychische und kognitive Beeinträchtigungen. Daher ist es wichtig, dass eine gründliche medizinische Bewertung durchgeführt wird, um den korrekten GdB zu bestimmen. Wenden Sie sich dafür bitte an Ihren Hausarzt oder an das zuständige Versorgungsamt. Auf der Internetseite REHADAT finden Sie Ihr zuständiges Versorgungsamt. REHADAT ist ein unabhängiges Informationsangebot zur beruflichen Teilhabe und Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Wie die Chancen auf einen Pflegegrad bei Parkinson stehen, hängt vom individuellen Allgemeinzustand ab. Als Faustregel gilt: Je stärker die Selbstständigkeit des Patienten beeinträchtigt ist, desto wahrscheinlicher ist sein Anspruch auf einen von insgesamt fünf Pflegegraden.
Forschung und Ausblick
Morbus Parkinson ist bislang nicht heilbar. Mit geeigneten Therapien lässt sich die Krankheit jedoch oft über Jahre hinweg gut kontrollieren. Eine wichtige Rolle spielt die medikamentöse Behandlung. So kann die Gabe von Dopaminvorstufen (z. B. in Form des Antiparkinson-Wirkstoffs L-Dopa) den Dopaminmangel ausgleichen. Ist die medikamentöse Behandlung nicht mehr ausreichend, kommt ein so genannter Hirnschrittmacher in Frage. Wer eine Krankheit heilen möchte, muss sie zunächst einmal verstehen. Forschende des DZNE fahnden daher nach den Ursachen für das Nervensterben bei Parkinson - sowohl bei der sporadischen als auch bei der erblichen Form der Erkrankung. Andere erforschen die Rolle von Entzündungsprozessen oder bestimmten Genmutationen. Außerdem gehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DZNE der Frage nach, wie geschädigte Mitochondrien zur Krankheitsentstehung beitragen können. Die „Kraftwerke der Zelle“ können schädliche Sauerstoffradikale abgeben und bauen zudem Dopamin ab. Ein weiteres wichtiges Forschungsziel ist aber auch die Suche nach so genannten Biomarkern: das sind messbare biologische Merkmale (z. B. im Blut oder Nervenwasser), die eine Früherkennung von Parkinson erlauben und helfen, das Fortschreiten der Erkrankung besser im Auge zu behalten.