Was Ärzte bei einem Schlaganfall tun: Behandlung und Vorgehensweise

Ein Schlaganfall ist eine plötzliche Störung der Durchblutung im Gehirn, die zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen führt. Mediziner bezeichnen dies als Apoplex, Apoplexia cerebri oder Apoplexie. In Deutschland erleiden jährlich rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall, was ihn zur dritthäufigsten Todesursache macht. Schlaganfallpatienten sind zumeist über 70 Jahre alt, aber auch Kinder und Erwachsene können betroffen sein. Die Überlebenden sind oft geistig oder körperlich behindert.

Symptome und Diagnose

Ein Schlaganfall äußert sich durch verschiedene neurologische Störungen und Ausfälle. Art und Intensität der Symptome variieren je nach körperlicher Verfassung des Patienten und dem Ort des Hirnschlags. Zu den häufigsten Anzeichen gehören:

  • Akut auftretendes Lähmungs-, Schwäche- oder Taubheitsgefühl auf einer Körperseite
  • Lähmung aller vier Extremitäten (Tetraparese)
  • Sehstörungen
  • Sprachstörungen
  • Drehschwindel und Unsicherheit beim Stehen
  • Koordinationsstörungen
  • Bewusstlosigkeit, Aussetzen von Atmung und Puls

Ein Hirnschlag tritt schlagartig auf, kann sich aber bei einem Drittel der Patienten durch eine transitorische ischämische Attacke (TIA) ankündigen, die zu einem zeitlich begrenzten Auftritt der typischen Symptome führt.

Jeder Schlaganfall ist ein Notfall, der einer umgehenden Behandlung bedarf. Bereits bei Verdacht sollte sofort ein Notarzt gerufen werden. Dieser überprüft die Vitalfunktionen und erfragt die Symptome. Eine belastbare Diagnose ist nur mit bildgebenden Verfahren möglich. In der Regel wird eine Computertomografie des Kopfes (kraniale CT) veranlasst, um festzustellen, ob ein Gefäßverschluss oder eine Hirnblutung vorliegt. Die kraniale CT wird oft durch eine CT-Angiografie oder CT-Perfusion ergänzt. Vereinzelt wird eine Angiografie durchgeführt, um Gefäßmissbildungen oder Gefäßlecks sichtbar zu machen. Zudem sind eine umfassende Untersuchung der Herzfunktion und Blutuntersuchungen wichtig.

Akutbehandlung in der Stroke Unit

Die Behandlung eines Schlaganfalls erfordert besondere Fachkenntnisse und sollte idealerweise in einer Spezialabteilung (Stroke Unit) erfolgen. Da bei einem Schlaganfall Hirnzellen schnell absterben, werden im Rahmen der Akutbehandlung die Vitalfunktionen des Patienten kontrolliert und stabilisiert.

Lesen Sie auch: Mythen und Fakten über eingeklemmte Nerven im Rücken

Ischämischer Schlaganfall

Ischämische Schlaganfälle, die durch einen Gefäßverschluss verursacht werden, werden in der Regel durch eine Lyse-Therapie (Thrombolyse) behandelt. Dabei werden gerinnselauflösende Medikamente (Thrombolytika) verabreicht, um den Gefäßverschluss zu beheben und Nervenzellen zu retten. Die Therapie sollte möglichst innerhalb von viereinhalb Stunden nach Auftreten der ersten Symptome beginnen.

Eine weitere Methode ist die mechanische Beseitigung des Blutgerinnsels (Thrombektomie). Dabei wird ein dünner Katheter über eine Arterie in der Leiste bis zum Gerinnsel im Gehirn vorgeschoben und das Gerinnsel unter Röntgenkontrolle entfernt. Die Thrombektomie wird vor allem bei größeren Gerinnseln angewendet, die nicht allein durch Medikamente entfernt werden können. In Berlin läuft derzeit ein Modellprojekt mit sogenannten STroke Einsatz-MObilen (STEMO), die mit einem Computertomographen und einem Minilabor ausgerüstet sind, um die Diagnose und Thrombolyse bereits im Rettungswagen zu beginnen.

Hämorrhagischer Schlaganfall

Hämorrhagische Schlaganfälle, die auf einer Hirnblutung beruhen, werden anders behandelt. Kleinere Hirnblutungen erfordern in der Regel keine Operation, sondern lediglich die Vermeidung von Aktivitäten, die den Druck im Kopf erhöhen. Ausgedehnte Hirnblutungen bedürfen hingegen einer Operation, um das Blut zu beseitigen und den Druck auf das Gehirn zu reduzieren. In manchen Fällen ist es notwendig, Teile des Schädelknochens zu entfernen, um die Schwellung des Gehirns zu reduzieren.

Bei einer Subarachnoidalblutung aus einem Aneurysma muss das Aneurysma durch einen Katheter-Eingriff oder eine Operation verschlossen werden.

Rehabilitation und Langzeittherapie

Schlaganfälle machen stets eine langfristige Therapie erforderlich. Ziel ist die Rückkehr zum Alltag und die Minimierung von Folgeschäden. Die Rehabilitation beginnt idealerweise bereits auf der Stroke Unit mit aktivierenden Maßnahmen (Frührehabilitation).

Lesen Sie auch: Beschäftigung für Demenzpatienten: Der Demenz Muff

Therapien

  • Ergotherapie: Wirkt motorischen Störungen entgegen und hilft, alltägliche Fähigkeiten wiederzuerlangen.
  • Physiotherapie: Hilft beim Umgang mit Lähmungen und verbessert die Bewegungsfähigkeit.
  • Logopädie: Therapiert Sprachstörungen (Aphasie, Dysarthrie) und Schluckstörungen (Dysphagie).
  • Neuropsychologische Therapie: Behandelt Störungen der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses und anderer kognitiver Funktionen.

Weitere Maßnahmen

  • Medikamentöse Einstellung: Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin müssen medikamentös eingestellt werden, um das Risiko für Folgeschlaganfälle zu minimieren. Nach einem ischämischen Schlaganfall oder einer TIA werden Thrombozytenfunktionshemmer verschrieben, um weiteren Anfällen vorzubeugen. Bei Vorhofflimmern erfolgt eine Antikoagulationstherapie.
  • Hilfsmittel: Je nach Bedarf können Hilfsmittel wie Gehhilfen, Rollstühle oder Treppenlifte den Alltag erleichtern.
  • Psychologische Betreuung: Viele Patienten entwickeln nach einem Schlaganfall eine Depression, die konsequent behandelt werden muss.
  • Schlaganfall-Selbsthilfegruppen: Bieten Betroffenen und ihren Angehörigen eine Möglichkeit, sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.
  • Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Olivenöl und Fisch kann dazu beitragen, Risikofaktoren wie hohe Cholesterin- oder Zuckerwerte zu senken. Bei Schluckstörungen ist eine angepasste Ernährung wichtig, um Mangelernährung und das Eindringen von Nahrungsresten in die Lunge zu vermeiden.

Rehabilitationseinrichtungen

Viele Reha-Maßnahmen werden ambulant, aber auch in stationären geriatrischen oder neurologischen Reha-Kliniken angeboten. Ältere Schlaganfall-Patienten haben unter Umständen einen Rechtsanspruch auf eine sogenannte geriatrische Rehabilitation. Die neurologische Rehabilitation trainiert intensiv die Funktionen, die durch den Schlaganfall beeinträchtigt wurden.

Prävention

Einem Schlaganfall kann bedingt vorgebeugt werden, indem Risikofaktoren minimiert werden. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Fehlernährung
  • Alkoholkonsum
  • Psychischer Stress
  • Vorhofflimmern

Durch eine gesunde Lebensweise, die regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und den Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum umfasst, kann das Schlaganfallrisiko deutlich gesenkt werden. Die medikamentöse Einstellung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes ist ebenfalls entscheidend.

Lesen Sie auch: Kann man Alzheimer rückgängig machen?

tags: #was #machen #arzte #bei #einem #schlaganfall