Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen grundlegend verändern kann. Neurologen spielen eine zentrale Rolle in der Behandlung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie dem Schlaganfall. Sie sind nicht nur für die Akutversorgung zuständig, sondern begleiten die Patienten auch während der Rehabilitation und Nachsorge, um ihnen eine bestmögliche Rückkehr in ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
Aufgaben des Neurologen bei einem Schlaganfall
Neurologen sind Spezialisten für Erkrankungen des Nervensystems und somit die ersten Ansprechpartner bei einem Schlaganfall. Ihre Aufgaben umfassen ein breites Spektrum, das von der Diagnosestellung über die Akutbehandlung bis hin zur langfristigen Betreuung reicht.
Diagnosestellung und Ursachenforschung
Nach einem Schlaganfall ist es entscheidend, die Ursache für den Schlaganfall festzustellen. Neurologen nutzen hierfür verschiedene Untersuchungsmethoden, darunter hoch entwickelte technische Geräte wie EEG, EMG, NLG und farbcodierte Duplexsonographie. Diese Untersuchungen helfen, Funktionsausfälle oder Fehlsteuerungen des Gehirns, des Rückenmarks, der Sinnesorgane, der peripheren Nerven sowie der Muskulatur zu erkennen und die Durchblutung der hirnversorgenden Arterien zu messen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen bilden die Grundlage für die weitere Behandlung. Neben den neurologischen Krankheitsdetails interessiert sich der Neurologe auch für den Patienten als Gesamtperson.
Akutbehandlung zur Minimierung von Hirnschäden
Bei einem akuten Schlaganfall gilt der Leitsatz „Time is brain“ (Zeit ist Gehirn). Das heißt, jede Minute zählt! Nach der Diagnosestellung versuchen Ärzte zunächst die Schäden im Gehirn des Patienten möglichst zu minimieren. In vielen Kliniken gibt es spezielle Abteilungen für Schlaganfall-Patienten, sogenannte „Stroke Units“, die auf die multidisziplinäre Behandlung von Schlaganfällen spezialisiert sind.
Hat ein Blutgerinnsel den Apoplex ausgelöst, erfolgt - wenn möglich - die sogenannte Thrombolyse oder „Lyse-Therapie“. Dabei werden dem Schlaganfall-Patienten Medikamente verabreicht, die das Blutgerinnsel auflösen sollen. Diese Therapie ist in Einzelfällen bis zu neun Stunden nach dem Auftreten ersten Symptome möglich. Als weitere Methode steht die sogenannte Thrombektomie zur Verfügung, wenn größere Blutgefäße im Gehirn verschlossen sind. Hierbei handelt es sich um ein katheterbasiertes Verfahren, bei dem ähnlich wie bei einer Herzkatheteruntersuchung versucht wird, das verschlossene Gefäß wieder zu eröffnen. Hierzu wird der Katheter über die Leistenarterie eingeführt. Wenn möglich, versuchen Ärztinnen und Ärzte, beide Verfahren (Thrombolyse und Thrombektomie) zu kombinieren. Die Erfolgsaussichten sind umso größer, je früher nach Auftreten der Symptome die Behandlung erfolgen kann.
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Ist der Apoplex Folge einer Hirnblutung, so wird der Patient möglicherweise am offenen Gehirn operiert. Dieses Verfahren kommt jedoch nicht bei allen Hirnblutungen zur Anwendung, sondern hängt von der Art und Lokalisation der Blutung ab. In der Regel erfolgt die Überwachung auf der „Stroke Unit“, um den Blutdruck rasch zu senken und Komplikationen früh zu erkennen und zu behandeln. Bewusstlose oder beatmungspflichtige Patienten kommen direkt auf die Intensivstation und werden ganzheitlich überwacht. Blutdruck und Blutzucker des Schlaganfall-Patienten müssen exakt eingestellt werden. Ist ein Blutgefäß verstopft, versuchen Ärzte, das Gerinnsel aufzulösen und/oder zu entfernen.
Festlegung der weiteren Behandlung und Rehabilitation
Darauf basierend wird gemeinsam mit dem Patient oder der Patientin und den Angehörigen die weitere medikamentöse und therapeutische Behandlung festgelegt. Im Mittelpunkt steht die Behandlung der Folgen eines Schlaganfalls. Hierbei spielen verschiedene Therapieformen eine Rolle, darunter Krankengymnastik, Ergotherapie und Logopädie. Der Neurologe koordiniert diese Maßnahmen und passt sie individuell an die Bedürfnisse des Patienten an.
Die medizinische Rehabilitationsbehandlung zielt darauf ab, den Schlaganfallbetroffenen möglichst wieder die Rückkehr in sein bisheriges soziales und ggf. auch berufliches Umfeld zu ermöglichen. In der Behandlung geht es einerseits darum, durch geeignete Trainingsverfahren und zum Teil auch durch medikamentöse Unterstützung eine Rückbildung der körperlichen Funktionseinschränkungen (Schädigungen) zu erzielen. Andererseits geht es darum, die Alltagskompetenz des Schlaganfallbetroffenen wieder zu fördern. Das heißt seine Fähigkeit, sich alleine zu waschen, anzuziehen, sich Mahlzeiten zubereiten etc. wieder zu erlangen. Dies kann einerseits durch eine Verbesserung der körperlichen Funktionen (Schädigungen) erreicht werden, andererseits aber auch durch Erlernen von Strategien, wie man mit körperlichen Einschränkungen besser zurechtkommen kann und durch die Verordnung und das Erlernen des Umganges mit entsprechend geeigneten Hilfsmitteln.
Beratung zur Schlaganfallprävention
Zudem beraten Neurologen zu Möglichkeiten, einen erneuten Schlaganfall zu verhindern. Meist werden Kontrolluntersuchungen durchgeführt wie beispielsweise eine Ultraschallkontrolle der Halsschlagadern. Der Neurologe ist ständig über die aktuellsten medikamentösen und nichtmedikamentösen Behandlungsmethoden informiert, um für den individuellen Patienten und seine Krankheit die bestmögliche Therapie auswählen zu können.
Die neurologische Rehabilitation: Phasen und Ziele
Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall ist ein komplexer Prozess, der in verschiedene Phasen unterteilt ist. Ziel ist es, die durch den Schlaganfall verursachten Schädigungen und Einschränkungen zu minimieren und dem Patienten eine möglichst hohe Lebensqualität zurückzugeben.
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Phasen der neurologischen Rehabilitation
- Neurologische Frührehabilitationsmaßnahmen der Phase B: Diese Phase kommt für Patienten mit schwersten neurologischen Krankheitsbildern infrage, die überwiegend bettlägerig sind, auch Patienten mit gestörter Bewußtseinslage.
- Neurologische Früh-Rehabilitation der Phase C: In dieser Phase werden Patienten mit neurologischen Krankheitsbildern behandelt, die zumindest sitzmobilisiert sind und keiner intensivmedizinischen Überwachung mehr bedürfen. Ziel ist hier insbesondere die Selbständigkeit bei den basalen Aktivitäten des täglichen Lebens.
- Neurologische Rehabilitation der Phase D (Anschlussrehabilitation / Anschlussheilbehandlung): Diese Phase ist für Patienten vorgesehen, die zumindest bei Benutzung von Hilfsmitteln bereits wieder bei den basalen Verrichtungen des täglichen Lebens selbständig geworden sind. Ziel ist hier das Erreichen von Alltagskompetenz in solchem Maße, dass eine weitgehend selbständige Lebensführung bzw.
Ziele der neurologischen Rehabilitation
Die neurologische Rehabilitation verfolgt verschiedene Ziele, die sich an den individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten des Patienten orientieren. Dazu gehören:
- Verbesserung der körperlichen Funktionen: Hierzu zählen beispielsweise die Wiederherstellung der Bewegungsfähigkeit, die Verbesserung der Koordination und die Reduktion von Lähmungen.
- Förderung der Alltagskompetenz: Ziel ist es, dem Patienten zu ermöglichen, alltägliche Aufgaben wie Waschen, Anziehen, Essen und Gehen wieder selbständig auszuführen.
- Erhöhung der Lebensqualität: Die Rehabilitation soll dazu beitragen, dass der Patient wieder am sozialen Leben teilnehmen kann und seine Lebensqualität verbessert wird.
Formen der neurologischen Rehabilitation
Die neurologische Rehabilitation kann in verschiedenen Formen durchgeführt werden:
- Stationäre neurologische Rehabilitationsbehandlung: Die Behandlung erfolgt in Spezialkliniken für neurologische Rehabilitationsbehandlung. Dies entspricht einer stationären Behandlung wie in einem Akutkrankenhaus, nur dass die rehabilitativen Behandlungskonzepte ganz im Vordergrund stehen. Neben der ärztlichen Versorgung sind im interdisziplinären Behandlungsteam Pflegekräfte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Sprachtherapeuten, Psychologen und der Sozialdienst tätig. Diese Berufsgruppen arbeiten gemeinsam an den für jeden Patienten individuell festgelegten Rehabilitationszielen. Hierzu gehören die Verbesserung der körperlichen Funktionen (z.B. Lähmung), der Fähigkeit, Aktivitäten des täglichen Lebens durchzuführen (Anziehen, Waschen, Essen, Gehen, Treppensteigen etc.) sowie die Versorgung mit Hilfsmitteln soweit nötig (z.B. Rollstuhl, Versorgung mit Hilfsmitteln in der eigenen Wohnung/Haus, wie z.B. Haltegriffe, Badewannenlifter etc.).
- Ambulant/teilstationär: Das Angebot entspricht dem der stationären neurologischen Behandlung (interdisziplinäre Behandlung durch ein Team von Therapeuten). Der Patient wohnt jedoch bereits zu Hause und wird an Werktagen tagsüber in der Einrichtung behandelt.
- Ambulante Rehabilitation: Sind die körperlichen Beeinträchtigungen soweit zurückgebildet, dass kein interdisziplinärer Ansatz mehr erforderlich ist, aber in bestimmten Bereichen weiterhin körperliche Funktionseinschränkungen vorliegen, so erfolgt von zu Hause aus eine ambulante Behandlung durch die jeweils sachkompetenten Therapeuten (z. B. Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden).
Nachsorge und langfristige Betreuung durch den Neurologen
Auch nach Abschluss der Rehabilitation ist die Betreuung durch einen Neurologen wichtig. Er überwacht den Gesundheitszustand des Patienten, passt die medikamentöse Therapie an und berät zu weiteren Maßnahmen zur Schlaganfallprävention.
Vermeidung eines zweiten Schlaganfalls
Neben der Rehabilitation steht in der Weiterbehandlung die Vermeidung eines zweiten Schlaganfalls im Vordergrund. Hierzu gehört die Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen. Der Neurologe führt regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch und passt die Therapie bei Bedarf an.
Anpassung des Lebensstils
Gemeinsam mit dem behandelnden Hausarzt wird unter Umständen auch der Lebensstil angepasst. Zum Beispiel wird hierbei die Ernährung umgestellt oder mehr körperliche Aktivität in den Alltag gebracht. Eine besondere Ernährung nach einem Schlaganfall kann eine gute Prävention sein, um einen weiteren Schlaganfall zu verhindern. Mit einer gesunden Ernährung im Alter können Risikofaktoren wie zu hohe Cholesterin- oder Zuckerwerte durchaus in Schach gehalten werden, die als Ursache für einen Schlaganfall gelten können. Orientieren Sie sich an den Grundregeln der „mediterranen Diät“: Eine Mischkost aus viel Obst und Gemüse, Olivenöl, Fisch sowie wenig rotem Fleisch.
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Unterstützung im Alltag
Der Neurologe wirkt als wichtige Schaltstelle zwischen Patient und Hausarzt, anderen Fachärzten, Krankenhäusern, Physio- und Sprachtherapeuten, zu Versorgungsamt, Rentenversicherungsträgern, Krankenkassen, Medizinischem Dienst und Apotheken. Er hilft bei der Organisation von Hilfsmitteln und unterstützt den Patienten bei der Bewältigung des Alltags.
Fahrtauglichkeit nach Schlaganfall
Neurologische Erkrankungen können die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen, das gilt auch für den Schlaganfall. Eine Verkehrsgefährdung liegt vor, wenn entweder der Grad der festgestellten Beeinträchtigung der körperlichen und/oder geistigen Leistungsfähigkeit den Anforderungen beim Führen eines Kraftfahrzeuges auch in Belastungssituationen nicht genügt, oder, wenn von einem Kraftfahrer in einem absehbaren Zeitraum die Gefahr des plötzlichen Versagens der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit zu erwarten ist.
Die Einschätzung, ob eine Person nach einem Schlaganfall noch bzw. wieder fahrtauglich ist, erfordert Sachkompetenz. Wer einen Führerschein besitzt und danach erst eine Körperbehinderung erleidet, hat die Pflicht, in geeigneter Weise Vorsorge zu treffen. Beispielsweise könnte eine betroffene Person zunächst mit dem behandelnden Arzt über das Thema sprechen und sich beraten lassen. Auch der Kontakt zu einem Fahrlehrer und ggf. eine praktische Fahrprobe mit einem Fahrlehrer können helfen, die eigene Fahreignung besser einschätzen zu können.
Eine rechtsverbindliche Auskunft erhält man, wenn man bei der zuständigen Behörde eine freiwillige Mitteilung über die Erkrankung oder Einschränkung einreicht, damit der Führerschein gegebenenfalls geändert wird oder erforderliche Auflagen bzw. Die Straßenverkehrsbehörde entscheidet, ob eine medizinisch-psychologische Untersuchung erforderlich ist, oder, ob ein Fahrgutachten beim TÜV ausreichend ist. Oftmals wird eine medizinisch-psychologische Untersuchung verlangt. Die medizinische Untersuchung stellt ein fachärztliches Gutachten dar, daneben ist eine testpsychologische Untersuchung erforderlich, zusätzlich wird eine Fahrprobe gemacht und Auflagen erteilt, wie das Fahrzeug ausgerüstet bzw. umgebaut werden müsste. Ist dies alles abgeschlossen, erhält der Untersuchte ein entsprechendes Gutachten, das er bei der Führerscheinstelle vorlegt, entsprechende Auflagen und Beschränkungen werden dann im Führerschein eingetragen. Die Kosten für die Begutachtung hat der Untersuchte in aller Regel selbst zu tragen, sie belaufen sich auf einige hundert Euro.
Innovative Therapieansätze und Technologien
Die Behandlung von Schlaganfallpatienten entwickelt sich stetig weiter. Neue Therapieansätze und Technologien eröffnen vielversprechende Möglichkeiten, die Rehabilitation zu unterstützen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Rechnergestütztes Training
Ein rechnergestütztes Training für Schlaganfallpatienten haben Ärzte und Therapeuten einer Rehabilitationsklinik mit einem Unternehmen für medizinische Computerspiele entwickelt. Die Methode nutzt die Plastizität des Gehirns, um über kognitive Prozesse funktionsfähige Gehirnzellen anzuregen, Aufgaben geschädigter Areale zu übernehmen.
Im Trainingsprogramm „Senso move“ üben die Patienten typische Alltagsbewegungen der oberen Extremitäten wie Greifen, Drehen oder Halten. Jede Trainingssequenz dauert circa fünf Minuten. Sie zerfällt in vier Schritte:
- Beobachten einer Handbewegung im Film
- Bewusstes Vorstellen des Bewegungsablaufs
- Nachahmen mit realen Gegenständen (zum Beispiel Becher, Lappen, Stifte)
- Pausenminute
Durch die Beobachtung werden die motorischen Hirnareale aktiviert. In der zweiten Phase bauen die Patienten mental die Illusion auf, dass sich die gelähmte Hand bewegt. Das unterscheidet die digitale Methode vom Vorgehen der Spiegeltherapie, bei der die gesunde Seite diese Vorstellung über ihr Spiegelbild hervorruft.
Voraussetzung ist jedoch, dass die Patienten bereit und in der Lage sind, sich auf die mentale Aufgabe zu konzentrieren. Die kognitiv-mnestischen Funktionen dürften daher nur wenig beeinträchtigt sein, eine hohe Compliance sei wesentlich.
Telemedizinische Angebote
Telemedizinische Angebote ermöglichen es, Patienten auch aus der Ferne zu betreuen und Therapien durchzuführen. Dies ist besonders für Patienten in ländlichen Gebieten oder mit eingeschränkter Mobilität von Vorteil.