Fortnite und das Gehirn: Auswirkungen und Risiken

Fortnite, ein weltweit beliebtes Videospiel, hat die Aufmerksamkeit von Eltern, Pädagogen und Forschern gleichermaßen auf sich gezogen. Während das Spiel für viele ein harmloses Freizeitvergnügen darstellt, warnen Experten vor potenziellen Auswirkungen auf das Gehirn und das Verhalten, insbesondere bei Jugendlichen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Fortnite und seine möglichen Konsequenzen.

Die Attraktivität von Fortnite

Fortnite ist ein Online-Spiel, das in verschiedenen Modi gespielt werden kann. Der beliebteste Modus ist "Battle Royale", bei dem bis zu 100 Spieler auf einer Insel gegeneinander antreten, um als letzter Überlebender hervorzugehen. Die Spieler sammeln Ressourcen, bauen Strukturen und kämpfen gegeneinander, um zu überleben. Ein weiterer Modus ist "Rette die Welt", in dem die Spieler gemeinsam gegen Zombiehorden kämpfen. Fortnite bietet auch einen Kreativmodus, in dem die Spieler ihre eigenen Inseln und Welten erschaffen können.

Die Attraktivität von Fortnite liegt in seinem spannenden Gameplay, den schnellen Erfolgserlebnissen und der Möglichkeit, mit Freunden zusammenzuspielen. Das Spiel ist kostenlos spielbar, was die Hürde für den Einstieg senkt und eine große Anhängerschaft anzieht. Die Möglichkeit, Charaktere mit "Skins" (Kleidung und Accessoires) individuell zu gestalten, trägt ebenfalls zur Beliebtheit des Spiels bei.

Mögliche Auswirkungen auf das Gehirn

Videospiele wie Fortnite können das Gehirn auf verschiedene Weise beeinflussen. Studien haben gezeigt, dass exzessives Spielen zu Veränderungen in der Gehirnstruktur und -funktion führen kann.

Belohnungssystem

Videospiele aktivieren das Belohnungssystem im Gehirn, indem sie Botenstoffe wie Dopamin ausschütten. Diese Botenstoffe erzeugen angenehme Gefühle und motivieren die Spieler, weiterzuspielen. Bei häufigem Spielen kann es zu einer Dauerstimulation des Belohnungssystems kommen, was dazu führt, dass andere Aktivitäten als weniger lohnend empfunden werden.

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Gehirnentwicklung

Bei Jugendlichen kann häufiges Spielen die Gehirnentwicklung beeinflussen. Eine Studie der Universität Ulm zeigte, dass bereits eine Stunde täglicher World of Warcraft-Konsum zu einer Abnahme des Hirnvolumens im orbitofrontalen Kortex führt, einem Bereich, der für Emotionsregulierung und Entscheidungsfindung verantwortlich ist. Eine andere Studie ergab, dass Shooter-Spiele zu einem Rückgang der grauen Substanz im Hippocampus führen können, einem Bereich, der für die Gedächtnisbildung wichtig ist.

Aufmerksamkeit und Konzentration

Einige Studien deuten darauf hin, dass Actionspiele die Aufmerksamkeit und Konzentration verbessern können. Gamer können schneller von einer Aufgabe zu einer anderen wechseln und Informationen schneller verarbeiten. Allerdings kann exzessives Spielen auch zu Unkonzentriertheit und Ablenkung führen, insbesondere bei Jugendlichen, die unter dem FOMO-Symptom (Fear of Missing Out) leiden.

Sehfähigkeit

Menschen, die regelmäßig Actionspiele spielen, können eine bessere Sehfähigkeit entwickeln. Studien haben gezeigt, dass Gamer eine bessere visuelle Wahrnehmung von Graustufen haben.

Suchtpotenzial

Fortnite und andere Videospiele haben ein Suchtpotenzial. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Computerspielstörung als Krankheit anerkannt. Sie definiert "Gaming Disorder" als wiederkehrendes, kontinuierliches oder episodisches Spielen, das mit Kontrollverlust, zunehmender Priorisierung gegenüber anderen Lebensinhalten und Fortsetzung trotz negativer Konsequenzen einhergeht.

Risikofaktoren

Verschiedene Faktoren können zur Entwicklung einer Computerspielsucht beitragen. Dazu gehören biologische Prädisposition, Persönlichkeitstypus (erhöhter Neurotizismus), mangelnde Konfliktstrategien, geringe Gewissenhaftigkeit und Selbstwertprobleme. Kinder und Jugendliche, die unter Ängsten, Depressionen, ADHS oder Schlafstörungen leiden, sind ebenfalls gefährdeter.

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Warnzeichen

Eltern sollten auf Warnzeichen achten, die auf eine mögliche Computerspielsucht hindeuten. Dazu gehören:

  • Kontrollverlust über die Spieldauer
  • Zunehmende Priorisierung des Spielens gegenüber anderen Aktivitäten
  • Fortsetzung des Spielens trotz negativer Konsequenzen (z.B. schlechtere schulische Leistungen, soziale Isolation)
  • Bagatellisierung negativer Konsequenzen
  • Entzugserscheinungen (z.B. Reizbarkeit, Unruhe)

Hilfe und Behandlung

Wenn Eltern den Verdacht haben, dass ihr Kind computerspielsüchtig ist, sollten sie professionelle Hilfe suchen. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die bei der Behandlung von Computerspielsucht eingesetzt werden können. Dazu gehören Verhaltenstherapie, Familientherapie und Medikamente.

Weitere Risiken

Neben den Auswirkungen auf das Gehirn und dem Suchtpotenzial birgt Fortnite weitere Risiken, insbesondere für Kinder und Jugendliche.

Gewalt

Fortnite ist ein Spiel, in dem Gewalt eine Rolle spielt. Obwohl das Spielcomicartig und ohne Blut dargestellt wird, können gewalthaltige Inhalte dennoch negative Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche haben. Studien haben gezeigt, dass gewalthaltige Videospiele die Aggressivität erhöhen und die Empathie verringern können.

Cybergrooming und Beleidigungen

Je nach Sicherheitseinstellungen kann es in Fortnite vorkommen, dass Kinder und Jugendliche von Fremden per Spielchat kontaktiert werden. Dies kann zu Cybergrooming, Beleidigungen und der Herausgabe persönlicher Informationen führen.

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Kostenfallen

Obwohl Fortnite kostenlos spielbar ist, enthält das Spiel viele Aufforderungen, Geld für Skins und andere virtuelle Gegenstände auszugeben. Kinder und Jugendliche können dazu verleitet werden, große Summen Geld auszugeben, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein.

Körperliche Beschwerden

Langes Sitzen vor dem Computer oder der Konsole kann zu körperlichen Beschwerden wie Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Karpaltunnelsyndrom und Augenproblemen führen.

Empfehlungen für Eltern

Eltern spielen eine wichtige Rolle bei der Prävention von negativen Auswirkungen von Fortnite und anderen Videospielen. Hier sind einige Empfehlungen für Eltern:

  • Informieren Sie sich über Fortnite: Lassen Sie sich das Spiel von Ihrem Kind erklären und machen Sie sich mit den Inhalten und Funktionen vertraut.
  • Setzen Sie klare Regeln: Vereinbaren Sie feste Spielzeiten und sorgen Sie für ihre Einhaltung.
  • Achten Sie auf die Altersfreigabe: Fortnite ist von der USK ab 12 Jahren freigegeben. Manche Experten raten sogar dazu, Kindern das Spiel erst mit 14 Jahren zu erlauben.
  • Überprüfen Sie die Sicherheitseinstellungen: Stellen Sie sicher, dass die Sicherheitseinstellungen im Spiel und auf dem Gerät angemessen sind.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Risiken: Erklären Sie Ihrem Kind die Risiken von Cybergrooming, Beleidigungen und Kostenfallen.
  • Fördern Sie andere Aktivitäten: Ermutigen Sie Ihr Kind, sich auch anderen Hobbys und Aktivitäten zu widmen, wie Sport, Musik oder Lesen.
  • Beobachten Sie Ihr Kind: Achten Sie auf Veränderungen im Verhalten, in der Stimmung oder in den schulischen Leistungen Ihres Kindes.
  • Suchen Sie professionelle Hilfe: Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind computerspielsüchtig ist, suchen Sie professionelle Hilfe.

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