Marklagerläsionen im Gehirn, auch bekannt als White Matter Hyperintensities (WMH), sind Bereiche mit abnormalem Erscheinungsbild im Marklager des Gehirns, die in bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT) sichtbar sind. Diese Läsionen können vielfältige Ursachen haben und unterschiedliche Symptome verursachen. Die Diagnose erfordert eine sorgfältige Abwägung klinischer und radiologischer Befunde, während die Therapie auf die zugrunde liegende Ursache abzielt und oft symptomatisch ist.
Einführung
Veränderungen in den kleinsten Blutgefäßen des Gehirns können zu Schlaganfällen und Demenz führen. Diese sogenannten zerebralen Mikroangiopathien entstehen, wenn die Durchblutung in diesen Gefäßen gestört ist. Die Möglichkeiten zur Behandlung dieser Erkrankungen sind derzeit begrenzt, was teilweise darauf zurückzuführen ist, dass die Entstehung dieser Erkrankungen noch nicht ausreichend verstanden ist.
Ursachen von Marklagerläsionen
Marklagerläsionen können verschiedene Ursachen haben, die von vaskulären Erkrankungen über entzündliche Prozesse bis hin zu Stoffwechselstörungen reichen. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Läsionen nicht immer auf eine spezifische Erkrankung hinweisen und auch bei gesunden älteren Menschen auftreten können.
Vaskuläre Ursachen
Eine Hauptursache für Marklagerläsionen ist die Mikroangiopathie, die oft als Folge von arteriellem Bluthochdruck entsteht. Hypertoniebedingte Marklagerveränderungen können sowohl in der Computertomographie (CT) als auch in der Magnetresonanztomographie (MRT) nachgewiesen werden, wobei die MRT aufgrund des höheren Weichteilkontrasts diese bereits sehr früh und sensitiv darstellen kann.
Entzündliche Ursachen
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die sich in multiplen demyelinisierenden Läsionen im ZNS äußert. Diese Läsionen können sich klinisch als fokale Defizite in verschiedenen neurologischen Funktionssystemen zeigen oder kontinuierlich entwickeln.
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Andere Ursachen
Neben vaskulären und entzündlichen Ursachen können auch andere Faktoren zur Entstehung von Marklagerläsionen beitragen:
- Alter: Mit zunehmendem Alter treten Marklagerläsionen häufiger auf.
- Migräne: Bei Menschen mit Migräne finden sich nicht selten Läsionen im Gehirn.
- Karpaltunnelsyndrom: Eine KTS-OP kann auch einmal nicht erfolgreich sein oder gleichartige Beschwerden treten durch Narbenbildung auf.
Symptome von Marklagerläsionen
Die Symptome von Marklagerläsionen können je nach Lokalisation und Ausdehnung der Läsionen variieren. Einige Menschen mit Marklagerläsionen haben keine Symptome, während andere eine Vielzahl von neurologischen Beschwerden entwickeln können.
Kognitive Beeinträchtigungen
Kognitive Defizite sind häufige Symptome von Marklagerläsionen. Diese können sich in Form von Gedächtnisproblemen, Aufmerksamkeitsstörungen, verlangsamter Informationsverarbeitung und Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung äußern.
Motorische Defizite
Marklagerläsionen können auch motorische Defizite verursachen, wie z. B. Schwäche, Ungeschicklichkeit, Gangstörungen und Gleichgewichtsprobleme.
Sensibilitätsstörungen
Sensibilitätsstörungen wie Taubheit, Kribbeln, Brennen oder Schmerzen können ebenfalls durch Marklagerläsionen verursacht werden.
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Weitere Symptome
Weitere mögliche Symptome von Marklagerläsionen sind:
- Schwindel
- Schluckbeschwerden
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Blasenfunktionsstörungen
- Chronische Müdigkeit
Diagnose von Marklagerläsionen
Die Diagnose von Marklagerläsionen basiert in der Regel auf einer Kombination aus klinischer Untersuchung, Anamnese und bildgebenden Verfahren.
Anamnese und klinische Untersuchung
Der Arzt wird zunächst eine detaillierte Anamnese erheben, um Informationen über die Krankengeschichte, Risikofaktoren und aktuellen Symptome zu sammeln. Anschließend erfolgt eine gründliche neurologische Untersuchung, um mögliche Defizite festzustellen.
Bildgebende Verfahren
Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist das wichtigste bildgebende Verfahren zur Diagnose von Marklagerläsionen. Im MRT lassen sich diese Veränderungen am besten in der T2*-gewichteten oder FLAIR(fluid atten-uated inversion recovery)-Sequenz nachweisen. In dem FLAIR-Bild zeigen sich hyperintense Veränderungen, die in dieser Sequenz gut, auch direkt angrenzend an den Ventrikel, nachweisbar sind.
Liquoruntersuchung
Bei unklaren Fällen kann eine Liquoruntersuchung durchgeführt werden, um entzündliche oder infektiöse Ursachen auszuschließen. Die Liquoruntersuchung kann klären, ob eine entzündliche Hirnerkrankung vorliegt.
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Therapie von Marklagerläsionen
Die Therapie von Marklagerläsionen zielt in erster Linie auf die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache ab. Darüber hinaus können symptomatische Therapien eingesetzt werden, um die Beschwerden zu lindern.
Behandlung der Grunderkrankung
Bei vaskulären Ursachen ist eine konsequente Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen von entscheidender Bedeutung. Bei entzündlichen Erkrankungen wie MS kommen immunmodulatorische Therapien zum Einsatz, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.
Symptomatische Therapie
Symptomatische Therapien können je nach Art und Schwere der Beschwerden eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise:
- Kognitives Training: zur Verbesserung der kognitiven Funktionen
- Physiotherapie: zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten
- Ergotherapie: zur Anpassung des Wohnumfelds und zur Erleichterung des Alltags
- Schmerztherapie: zur Linderung von Schmerzen
- Medikamente: zur Behandlung von spezifischen Symptomen wie Depressionen, Angstzuständen oder Schlafstörungen
Differenzialdiagnose
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jede Marklagerveränderung eine mikroangiopathische Schädigung darstellt. Relativ einfach zu unterscheiden sind Marklagerveränderungen (Leukenzephalopathien) nach Strahlentherapien und/oder intrathekaler Chemotherapie. Auch die „posteriore Leukenzephalopathie“, die bei verschiedenen Chemotherapien, aber auch bei der (Prä-)Eklampsie beschrieben wurde, ist gut zu differenzieren.
Eine weitere Erkrankung, die der Form von mikroangiopathischen Marklagerveränderungen sehr nahekommen kann und teilweise auch mit einer Demenz einhergeht, ist die Encephalomyelitis disseminata. Natürlich sind hier die Klinik, der Liquorbefund und das Alter der Patienten recht sichere Differenzierungskriterien.
Zukunftsperspektiven
Die Forschung im Bereich der zerebralen Mikroangiopathie zielt auf die Etablierung von neuen Bildgebungs- und anderen Biomarkern ab, die bereits die frühen Krankheitsstadien erfassen können. In grundlagenorientierten Arbeiten am Tiermodell ist es das Ziel, molekulare Zielstrukturen zu identifizieren, die zu neuen Therapien führen.
Insgesamt nimmt die Nachweisgrenze für strukturelle Veränderungen wie Mikroblutungen deutlich zu. Je besser wir die zerebrale Mikroangiopathie verstehen, umso mehr vaskuläre Demenzen werden sich vermeiden lassen.
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