Einführung
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Sie kann von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein. In einigen Fällen treten vor oder während der Kopfschmerzen auch neurologische Symptome auf, sogenannte Auren, die sich als Sehstörungen äußern können. Es gibt Hinweise darauf, dass Migräne mit bestimmten Herzerkrankungen und -eingriffen in Verbindung stehen kann. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Migräne und Aortenklappenersatz, wobei insbesondere auf mögliche Ursachen, Risiken und Behandlungsansätze eingegangen wird.
Fallbeispiel: Endokarditis mit ungewöhnlicher Erstmanifestation
Ein 28-jähriger Patient wurde in der Notaufnahme mit Sehstörungen, Kopfschmerzen und Fieber aufgenommen. Zunächst wurde eine Meningitis vermutet. Die klinische Untersuchung zeigte Hautveränderungen, und die transösophageale Echokardiographie (TEE) bestätigte eine fadenförmige Vegetation auf der Aortenklappe, was auf eine Endokarditis hindeutete. Laborchemisch zeigten sich erhöhte Entzündungswerte und eine Thrombozytopenie. In den Blutkulturen wuchs Staphylococcus aureus. Der Patient entwickelte Komplikationen wie ein Rezidiv der Endokarditis nach Aortenklappenersatz, eine intrazerebrale Blutung mit Ventrikeleinbruch und eine resultierende Hemiplegie. Als prädisponierender Faktor wurde eine bikuspide Aortenklappe festgestellt. Dieser Fall verdeutlicht, dass eine Endokarditis sich auch mit ungewöhnlichen Symptomen wie Sehstörungen manifestieren kann, die zunächst an eine Meningitis denken lassen.
Persistierendes Foramen Ovale (PFO) und Migräne
Ein persistierendes Foramen ovale (PFO) ist eine angeborene Öffnung zwischen den beiden Herzvorhöfen, die bei etwa 25 bis 30 Prozent der Bevölkerung vorkommt. Normalerweise verschließt sich diese Öffnung nach der Geburt. Es gibt Hinweise darauf, dass ein PFO mit Migräne in Verbindung stehen könnte. Forscher um Carlo Vigna haben gezeigt, dass der Verschluss eines PFO bei Migränepatienten die Anzahl der Migräneattacken reduzieren kann. In einer Studie wurde bei 82 Patienten mit mäßiger bis schwerer Migräne ein PFO mittels Katheter verschlossen. Nach sechs Monaten zeigte sich eine Reduktion der Migräneattacken um 50 Prozent im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die medikamentös behandelt wurde. Bei 34 Prozent der operierten Patienten verschwand die Migräne sogar vollständig, während dies bei medikamentöser Behandlung nur bei 7 Prozent der Fall war.
Die genauen Mechanismen, die hinter diesem Zusammenhang stehen, sind noch nicht vollständig geklärt. Eine mögliche Erklärung ist, dass durch das offene Foramen ovale winzige Plaques (Mikroemboli) in den arteriellen Blutkreislauf und von dort ins Gehirn gelangen können. Diese Plaques könnten die Durchblutung beeinträchtigen und so Migräneattacken begünstigen.
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Migränepatienten ein PFO haben und nicht jedem Migränepatienten mit einem PFO durch einen Verschluss geholfen werden kann. Die Entscheidung für einen PFO-Verschluss sollte daher individuell und in Absprache mit einem Kardiologen und Neurologen getroffen werden.
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Visuelle Auren und Hirnläsionen
Visuelle Auren, die häufig bei Migräne auftreten, können Anzeichen für kleine Verletzungen der visuellen Hirnrinde sein. Eine Studie der University of California San Francisco (UCSF) ergab, dass Patienten mit Läsionen im Okzipital- und Parietallappen zwölfmal häufiger unter migränebedingten visuellen Auren litten als Patienten ohne solche Läsionen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass visuelle Auren möglicherweise auf eine Hirnverletzung oder kleine Schlaganfälle hinweisen können. Eine weitere mögliche Erklärung ist, dass das Loch den Durchgang kleiner Blutgerinnsel ermögliche, die dann den Blutfluss zu kleinen Bereichen des Gehirns blockieren.
Aortenklappenersatz und neurologische Komplikationen
Nach einem Aortenklappenersatz können verschiedene neurologische Komplikationen auftreten, darunter auch Migräne. Eine Studie zeigte, dass Patienten nach einer Operation, insbesondere bei Migräne mit Aura, ein erhöhtes Risiko für einen ischämischen Schlaganfall haben. Die Gesamtinzidenz für Schlaganfälle innerhalb von 30 Tagen nach einem chirurgischen Eingriff lag bei 0,6 Prozent. Bei Migränepatienten war das Risiko jedoch signifikant erhöht (Odds Ratio, OR 1,75). Insbesondere Patienten mit Migräne mit Aura hatten ein deutlich höheres Risiko (OR 2,61).
Die genauen Ursachen für dieses erhöhte Risiko sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass Migränepatienten empfindlicher auf zerebrale Durchblutungsstörungen reagieren könnten. Zudem könnten Mikroembolien aufgrund von Shuntanomalien in Lunge oder Herz eine Rolle spielen.
Fallbeispiel: PFO-Verschluss bei Vorhofflimmern und Migräne
Ein Patient mit Vorhofflimmern, bei dem im Rahmen einer Pulmonalvenenisolation ein kleines offenes Foramen ovale festgestellt wurde und der zudem unter Migräneattacken leidet, fragt sich, ob es sinnvoll ist, das PFO in einem Eingriff zu verschließen. In diesem Fall ist eine sorgfältige Abwägung der Vor- und Nachteile eines PFO-Verschlusses erforderlich. Es ist wichtig zu beachten, dass ein PFO nur eine von vielen möglichen Ursachen für Migräne ist und dass nicht jeder Migränepatient von einem PFO-Verschluss profitiert. Die Entscheidung sollte in enger Absprache mit dem behandelnden Kardiologen und Neurologen getroffen werden.
Ein weiteres Fallbeispiel: Ein Patient, bei dem nach einer Pulmonalvenenisolation ein PFO festgestellt wurde, sollte sich einer erneuten TEE-Untersuchung unterziehen, bei der kein PFO mehr festgestellt werden konnte. In diesem Fall ist es wichtig zu berücksichtigen, dass ein PFO nicht immer leicht nachzuweisen ist. Die Darstellung des PFO hängt von den Vorhofdruckwerten zum Zeitpunkt der Untersuchung ab. Es ist daher wahrscheinlich, dass das PFO weiterhin besteht, aber bei der letzten Untersuchung nicht dargestellt werden konnte.
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Psychokardiologische Aspekte nach Herz-OP
Nicht selten treten nach Herzinfarkt oder Herz-OP Depressionen oder Ängste auf. Eine Herz-Operation ist für viele Betroffene angsteinflößend. Nach einer Herz-OP kann es zu psychischen Belastungen bis hin zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) mit Wesensveränderungen, Ängsten oder Depressionen kommen. Studien legen daher nahe: Wer vor einer Herz-OP psychologische Unterstützung erhält, ist hinterher schneller wieder fit, hat weniger Ängste und kann besser schlafen.
Die Psychokardiologie untersucht, wie Herz und Psyche aufeinander reagieren und wie dieses Zusammenspiel Betroffenen zum Beispiel vor oder nach einer schweren Herz-OP oder nach einem Herz-Infarkt nützen kann. Betroffene sollen zu der inneren Überzeugung gelangen, dass sie dank ihrer eigenen Kraft die schwierige Situation gut bewältigen können. Diese sogenannte Selbstwirksamkeit kann den Heilungsverlauf verbessern und dabei helfen, eine schwere Herz-OP besser zu überstehen.
Verschluss-Schirme bei PFO
Es gibt zahlreiche verschiedene Verschluss-Schirme und diese in unterschiedlichen Größen. Jeder zugelassene Schirm ist in entsprechenden Studien geprüft und sicher. Fast alle sind sogenannte Doppelschirme, bei denen sich zwei Scheiben in beiden Vorhöfen befinden, die miteinander durch das Loch hindurch durch eine „Nabe“ verbunden sind und die Wände des PFO „nietenähnlich“ zusammenhalten. Man unterscheidet die Gruppe der Amplatzer-artigen Schirme von anderen: Erstere sind nach ihrem Erfinder, dem österreichisch-amerikanischen Kurt Amplatz benannt. Sie bestehen aus einer Vielzahl von Nitinol-Drähten (Nickel-Titan-Legierung mit Memory-Effekt bei 37 Grad) und aus zwischen ihnen liegenden dünnen Gewebeflächen (Polyester und andere). Sie werden heute von verschiedenen Firmen (Abbott-Amplatzer, Occlutech-Figulla, Lifetech-CeraFlex etc.) hergestellt und unterscheiden sich nur in Details, die man unterschiedlich betonen kann. Schirme, die sich auflösen, gibt es zurzeit nicht, sie haben sich nicht bewährt. Alle heute üblichen Schirme sind MRT-kompatibel, führen aber zu Bildstörungen, wenn das Herz selbst mit MRT untersucht wird.
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