Umgang mit der Angst vor einem epileptischen Anfall

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, von der weltweit mehr als 60 Millionen Menschen betroffen sind. Für viele Betroffene ist die ständige Angst vor einem unvorhersehbaren Anfall eine erhebliche Belastung. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte der Angst vor epileptischen Anfällen und bietet Informationen und Strategien, um mit dieser Angst umzugehen.

Epilepsie: Eine Einführung

Epilepsie umfasst eine Vielzahl chronischer Erkrankungen des zentralen Nervensystems, die durch eine Überaktivität der Nervenzellen im Gehirn verursacht werden. Diese Überaktivität kann zu anfallsartigen Funktionsstörungen führen, die von kaum merklichen geistigen Abwesenheiten bis hin zu schweren Krampfanfällen mit Bewusstseinsverlust reichen. Es gibt generalisierte Anfälle, bei denen das gesamte Gehirn betroffen ist, und fokale Anfälle, die nur in einem Teil des Gehirns entstehen.

Ursachen und Auslöser

Die Ursachen der Epilepsie sind noch nicht vollständig geklärt. In vielen Fällen spielt eine erbliche Veranlagung eine Rolle. Andere Ursachen können Unfälle, Veränderungen in der Gehirnstruktur oder Genmutationen sein. Epileptische Anfälle können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter:

  • Schlafmangel
  • Unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Starke körperliche oder seelische Belastung (Stress)
  • Hohes Fieber
  • Alkohol und Alkoholentzug
  • Drogen oder Schlafmittelentzug
  • Flackerndes Licht (selten)

Die Angst vor dem Anfall: Eine ständige Belastung

Für viele Menschen mit Epilepsie ist die Angst vor einem erneuten Anfall eine ständige Begleiterscheinung. Diese Angst kann das Leben der Betroffenen stark einschränken und zu sozialer Isolation, Arbeitsunfähigkeit und psychischen Problemen führen.

Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen

Die Angst vor einem Anfall kann sich auf verschiedene Bereiche des Lebens auswirken:

Lesen Sie auch: MS-Medikamente im Detail erklärt

  • Soziale Aktivitäten: Betroffene vermeiden möglicherweise soziale Aktivitäten aus Angst vor einem Anfall in der Öffentlichkeit.
  • Beruf: Die Angst vor einem Anfall kann die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen, insbesondere wenn der Beruf bestimmte Anforderungen stellt (z. B. Autofahren, Arbeiten in der Höhe).
  • Freizeit: Aktivitäten wie Schwimmen, Sport oder Reisen können vermieden werden, um das Risiko eines Anfalls zu minimieren.
  • Psychische Gesundheit: Die ständige Angst kann zu Depressionen, Angststörungen und Panikattacken führen.

Frühwarnsysteme als Hoffnungsträger

Für Patienten, deren Anfälle medikamentös nicht kontrolliert werden können, gibt es neue Hoffnung in Form von Frühwarnsystemen. Ein US-amerikanisches Unternehmen hat ein solches System entwickelt, das rechtzeitig vor kommenden Anfällen warnt. Dieses Gerät, etwa so groß wie eine Zigarettenschachtel, könnte das Leben von Tausenden von Epilepsie-Patienten verändern.

Funktionsweise des Frühwarnsystems

Das Frühwarnsystem misst permanent die Hirnaktivität (EEG) über Elektroden, die unter die Schädeldecke eingepflanzt werden. Die Signale werden an eine kleine Box weitergeleitet, die unterhalb des Schlüsselbeins implantiert ist, und von dort drahtlos an ein Handgerät, das der Patient bei sich trägt. Das Handgerät analysiert das EEG und detektiert Veränderungen, die sich schon lange vor einem epileptischen Anfall aufbauen. Das Gerät kalkuliert, wie wahrscheinlich es ist, dass der Patient einen Anfall haben wird, und signalisiert dies über verschiedene Leuchten:

  • Rotes Licht: Hohes Risiko
  • Weißes Licht: Moderates Risiko
  • Blaues Licht: Kein Risiko

Vorteile des Frühwarnsystems

  • Rechtzeitige Warnung: Das Gerät warnt die Patienten Minuten oder sogar Stunden vor einem Anfall, sodass sie sich rechtzeitig in eine sichere Umgebung bringen können.
  • Wiedergewinnung von Unabhängigkeit: Menschen, die nur ab und zu einen Anfall erleiden, aber in ständiger Angst davor leben, können durch das Frühwarnsystem ihre Unabhängigkeit zurückgewinnen.
  • Möglichkeit zur Anfallsverhinderung: In Zukunft könnte das Frühwarnsystem in Kombination mit schnell wirkenden Medikamenten (z. B. Benzodiazepinen) dazu beitragen, einen drohenden Anfall ganz zu verhindern.

Strategien zur Bewältigung der Angst

Neben medikamentösen Behandlungen und Frühwarnsystemen gibt es verschiedene Strategien, die Menschen mit Epilepsie helfen können, ihre Angst zu bewältigen:

Psychotherapie

Eine individuell angepasste Psychotherapie kann sehr wirksam sein, insbesondere bei dissoziativen Anfällen, die oft Folge unbewusster seelischer Belastung sind. Auch bei Angstzuständen und Depressionen kann eine Psychotherapie helfen, die Ursachen der Angst zu erkennen und Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln.

Entspannungstechniken

Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und die Angst vor Anfällen zu reduzieren.

Lesen Sie auch: Cortison-Therapie bei Epilepsie im Detail

Verhaltenstherapie

Verhaltenstherapeutische Ansätze können helfen, Vermeidungsverhalten abzubauen und sich wieder mehr zuzutrauen.

Selbsthilfegruppen

Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein, um Ängste und Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen.

Moses-Schulungen

Moses-Schulungen sind spezielle Schulungen für Menschen mit Epilepsie, die Informationen über die Erkrankung, den Umgang mit Anfällen und Strategien zur Bewältigung der Angst vermitteln.

Medikamentöse Behandlung

In einigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva oder angstlösenden Medikamenten sinnvoll sein, um die Angst zu reduzieren.

Umgang mit Triggern

Es ist wichtig, die individuellen Auslöser für epileptische Anfälle zu kennen und diese möglichst zu vermeiden. Dies kann beispielsweise bedeuten, auf ausreichend Schlaf zu achten, Stress zu reduzieren oder bestimmte Lichtverhältnisse zu meiden.

Lesen Sie auch: Präventive Maßnahmen gegen Demenz

Verhalten bei einem epileptischen Anfall

Wenn man Zeuge eines epileptischen Anfalls wird, ist es wichtig, ruhig und besonnen zu bleiben und die Person vor Verletzungen zu schützen.

Allgemeine Maßnahmen

  • Sorgen Sie für Sicherheit, indem Sie gefährliche Gegenstände beiseite räumen.
  • Polstern Sie den Kopf des Betroffenen ab.
  • Lockern Sie enge Kleidung am Hals, um die Atmung zu erleichtern.
  • Bitten Sie Menschen, die in der Situation nicht helfen können, weiterzugehen.
  • Bleiben Sie nach dem Anfall bei der Person und bieten Sie Ihre Unterstützung an.
  • Wenn die Person nach dem Anfall erschöpft ist und einschläft, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage.

Was man nicht tun sollte

  • Die betroffene Person festhalten oder zu Boden drücken.
  • Der betroffenen Person etwas in den Mund schieben.

Wann den Notruf wählen?

  • Bei einem großen generalisierten Anfall mit Verkrampfungen und Bewusstseinsverlust.
  • Wenn der Anfall länger als 5 Minuten dauert (Status epilepticus).
  • Wenn sich 2 oder mehr Anfälle kurz hintereinander ereignen, ohne dass sich der Betroffene dazwischen erholen konnte.
  • Wenn keine Epilepsie bekannt ist und keine Information verfügbar ist.

Selbstinduzierte Anfälle

In seltenen Fällen induzieren Patienten ihre Anfälle selbst, oft durch visuelle Reize wie Augenschluss mit forcierter Aufwärtsbewegung der Augen, bestimmte Handbewegungen vor den Augen oder das Starren auf eine Lichtquelle. Die Behandlung gestaltet sich in der Regel schwierig, aber Verhaltenstherapien, Entspannungstechniken und spezielle Brillen oder Kontaktlinsen können helfen.

Dissoziative Anfälle

Dissoziative Anfälle sind plötzliche Bewegungsstörungen oder Bewusstseinsveränderungen ohne organische Ursache im Gehirn. Sie sind meist Folge unbewusster seelischer Belastung und können mit Psychotherapie behandelt werden.

Psychiatrische Komorbidität

Epilepsie-Patienten leiden häufig auch unter psychiatrischen Erkrankungen wie Depressionen, Panik- und Angstattacken. Diese können Teil der Anfalls-Symptome sein oder unabhängig davon auftreten. Eine дифференциальная диагностика ist wichtig, um die richtige Behandlung einzuleiten.

tags: #was #tun #gegen #angst #vor #epileptischen