Viele Frauen erleben während der Wechseljahre eine Vielzahl von Symptomen, von denen einige unerwartet und beunruhigend sein können. Taubheitsgefühle im Gesicht, oft begleitet von Kribbeln, sind ein solches Symptom, das viele Betroffene verunsichert. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für diese Empfindungen und bietet einen umfassenden Überblick über Lösungsansätze und Behandlungsoptionen.
Vielfältige Symptome in den Wechseljahren
Die Wechseljahre, auch Klimakterium genannt, sind eine natürliche Übergangsphase im Leben einer Frau, in der die Eierstöcke allmählich ihre Funktion einstellen und die Produktion von Geschlechtshormonen wie Östrogen und Progesteron sinkt. Diese hormonelle Umstellung kann eine Vielzahl von körperlichen und psychischen Symptomen auslösen.
Viele Frauen leiden in den Wechseljahren und auch danach in der zweiten Nachthälfte über Wochen und Monate an Symptomen wie Taubheit und Kribbeln in Armen und Beinen, Hitze im Kopf, Schmerzen in den Schultern und an den Handgelenken, dann aber auch Kribbeln im Mund, auf der Wange, auf der Zunge, im Ohr und im Gesicht. Irgendwann sind sie wieder weg und irgendwann wieder da.
Typische Symptome der Wechseljahre sind:
- Hitzewallungen und Schweißausbrüche
- Schlafstörungen
- Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit
- Trockene Haut und Schleimhäute
- Gewichtszunahme
- Gelenkschmerzen
- Libidoverlust
- Haarausfall
Mögliche Ursachen für Taubheitsgefühl im Gesicht
Taubheitsgefühle im Gesicht während der Wechseljahre können verschiedene Ursachen haben. Es ist wichtig, diese zu verstehen, um geeignete Maßnahmen ergreifen zu können.
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Hormonelle Veränderungen
Die hormonellen Veränderungen, insbesondere der sinkende Östrogenspiegel, spielen eine zentrale Rolle bei vielen Wechseljahresbeschwerden, einschließlich Taubheitsgefühlen. Die verringerte Konzentration von Östrogen und Progesteron, die beide wichtige Botenstoffe im Gehirn sind, kann zu Irritationen bei der Weiterleitung von Nervenimpulsen führen. In Folge kann es zu Kribbeln und Brennen kommen und manchmal auch zu Taubheitsgefühlen.
Östrogen beeinflusst die Kollagenproduktion und die Hautfeuchtigkeit positiv. Körperliche Beschwerden bei der Verdauung können beispielsweise in der Perimenopause auftreten. Ursache ist oft Stress, der zu Magenbeschwerden führen kann. Auch Blähungen können ein erster Hinweis auf die Wechseljahre sein, denn dein Stoffwechsel ändert sich. Wenn du das Gefühl hast, dass es in oder an deinem Mund brennt, dieser kribbelt, sich heiß oder taub anfühlt, kann das ebenfalls an den hormonellen Veränderungen liegen. Die Schleimhauthormone im Mund haben Sexualhormonrezeptoren, die mit einem Rückgang des Östrogens abnehmen. Dies kann zu diesen unangenehmen Empfindungen und Schmerzen führen. Außerdem nimmt auch die Speichelproduktion in den Wechseljahren ab, dein Mund wird trockener. Das kann dein Geschmacksempfinden beeinflussen, manchmal spürst du vielleicht einen metallenen Geschmack im Mund.
Parästhesien
Rund jede vierte Frau in den Wechseljahren entwickelt Parästhesien. Charakteristisch für diese Sensibilitätsstörungen ist zumeist ein unangenehmes Kribbeln, das vor allem an Armen und Händen und seltener an Beinen und Füßen auftritt. Es fühlt sich an, als ob Ameisen über die jeweiligen Hautpartien laufen. Manchmal berichten betroffene Frauen auch von einem brennenden oder schmerzhaften Gefühl auf der Haut der Extremitäten, das mit einem Insektenstich vergleichbar ist. Auch Taubheitsgefühle werden in diesem Zusammenhang beschrieben, die sich auf die gesamte Extremität oder auf eine Stelle konzentrieren, zum Beispiel auf den gesamten Arm, auf die Hand oder einen beziehungsweise mehrere Finger.
Nervensystem
Auch vegetative Veränderungen können auftreten, also Veränderungen im Bereich des Nervensystems, welches nicht willentlich gesteuert wird und Lebensfunktionen wie Herzschlag, Atmung, Verdauung und Stoffwechsel reguliert. Progesteron und Östrogene üben einen entgegengesetzten Einfluss auf das vegetative Nervensystem aus. Bei vielen Frauen geht das sich stets verändernde Konzentrationsverhältnis der Hormone mit Herzrasen, gesteigerter Nervosität, Schlafstörungen (vor allem Problemen beim Durchschlafen), Antriebslosigkeit, Reizbarkeit oder Stimmungsschwankungen einher. Auch Missempfindungen wie Taubheitsgefühle oder Kribbeln und Brennen in den Armen und Beinen oder im ganzen Körper (Parästhesie) stehen meist in Zusammenhang mit dem Nervensystem.
Weitere mögliche Ursachen
Obwohl hormonelle Veränderungen und Parästhesien die häufigsten Ursachen für Taubheitsgefühle im Gesicht während der Wechseljahre sind, sollten auch andere Faktoren in Betracht gezogen werden:
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- Stress und Angst: Psychischer Stress kann sich in körperlichen Symptomen äußern, einschließlich Taubheitsgefühlen.
- Nährstoffmangel: Ein Mangel an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen, insbesondere B-Vitamine, Magnesium und Kalzium, kann Nervenfunktionen beeinträchtigen und zu Empfindungsstörungen führen.
- Durchblutungsstörungen: Probleme mit der Durchblutung, insbesondere im Gesichtsbereich, können Taubheitsgefühle verursachen.
- Verspannungen: Verspannungen der Halswirbelsäulenmuskulatur können den Nervus vagus beeinträchtigen und zu Missempfindungen führen.
- Andere Erkrankungen: In seltenen Fällen können Taubheitsgefühle im Gesicht auch durch andere Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Schlaganfall oder Trigeminusneuralgie verursacht werden.
Was tun bei Taubheitsgefühl im Gesicht?
Wenn Sie während der Wechseljahre unter Taubheitsgefühlen im Gesicht leiden, gibt es verschiedene Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um die Beschwerden zu lindern.
Ärztliche Untersuchung
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache der Taubheitsgefühle abzuklären. Der Arzt kann andere Erkrankungen ausschließen und Ihnen bei der Wahl der geeigneten Behandlung helfen.
Der Arzt kann nichts finden: Es ist kein Schlaganfall (keine Sprachstörungen, keine Lähmungserscheinungen, kein Bluthochdruck, kein Abweichen der Zunge zu einer Seite, keine Koordinationsstörungen). Es ist auch keine Multiple Sklerose: MRT und Liquorpunktion haben keine Entzündung im Nervensystem nachweisen können. Selbst der Zahnarzt kann keine entzündlichen Prozesse feststellen. Die Suche geht weiter: Eisenmangel, Vitamin-B(12)- und Vitamin-D-Mangel wurden behoben, die Blutzuckerwerte sind normal und auch die Schilddrüse, Nebenschilddrüse und Nebenniere sind unauffällig. Eine Histamindiät wird vielleicht schon gemacht. Der Gang zum Orthopäden ist absolviert: Ein Karpaltunnelsyndrom ist es nicht, auch ist die Halswirbelsäule weitgehend in Ordnung. Auch kann der Neurologe im EEG (Elektroenzephalogramm), bei der Reflexprüfung oder bei der Elektromyographie (EMG) nichts Auffälliges feststellen.
Hormontherapie
Eine Hormonersatztherapie (HET) kann helfen, den sinkenden Östrogenspiegel auszugleichen und Wechseljahresbeschwerden, einschließlich Taubheitsgefühle, zu lindern. Bei der Hormontherapie oder Hormonersatztherapie (HET oder HRT) wird der natürliche Hormonmangel durch die Gabe synthetischer Hormone ausgeglichen. Dadurch sollen die Beschwerden, die aus dem hormonellen Ungleichgewicht entstehen, gelindert werden.
Eingesetzt werden überwiegend Kombinationspräparate mit Östrogen und Gestagen. Reine Östrogenpräparate (Monotherapie) werden heute in der Regel nur zur lokalen Anwendung oder bei Frauen verordnet, denen die Gebärmutter operativ entfernt wurde. Die Medikamente werden meist in Form von Tabletten, Pflastern oder Gels verabreicht.
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Die Hormonersatztherapie gilt als besonders wirksam, ist jedoch auch mit Nebenwirkungen verbunden. So steigt beispielsweise das Risiko für Thrombosen, Herzinfarkt oder Brustkrebs. Auch kann es zu Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme, Übelkeit oder Bluthochdruck kommen.
Sogenannte bioidentische Hormone werden aus pflanzlichen Stoffen wie Soja oder der Yams-Wurzel hergestellt und gelten daher als halb-synthetische Hormone. Sie werden deshalb mitunter als "natürliche Alternative" bezeichnet, können jedoch ebenfalls Nebenwirkungen verursachen.
In beiden Fällen ist eine eingehende ärztliche Beratung empfehlenswert, um die Vor- und Nachteile der jeweiligen Therapieform gründlich abzuwägen und den richtigen Zeitpunkt für den Therapiebeginn zu wählen.
Natürliche Heilmittel und Hausmittel
Es gibt eine Reihe von natürlichen Heilmitteln und Hausmitteln, die bei Taubheitsgefühlen im Gesicht während der Wechseljahre helfen können:
- Pflanzliche Mittel: Mönchspfeffer, Granatapfelextrakt, Johanniskraut, Soja, Schafgarbe, Rotklee oder Traubensilberkerze können helfen, den Hormonhaushalt auszugleichen.
- Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten kann die Nervenfunktionen unterstützen. Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von B-Vitaminen, Magnesium und Kalzium.
- Entspannungstechniken: Yoga, Meditation, Atemübungen und andere Entspannungstechniken können helfen, Stress abzubauen und die Nerven zu beruhigen.
- Kneippanwendungen: Wechselwarme Güsse an Armen und Beinen können die Durchblutung fördern und die Nervenfunktion verbessern.
- Akupunktur: Akupunktur kann helfen, das vegetative Nervensystem zu regulieren und Missempfindungen zu lindern.
- Regelmäßige Bewegung: Bewegung, eine wichtige Maßnahme ist, Ihren Körper in Bewegung zu halten oder zu bringen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie spazieren gehen, wandern, joggen, walken, tanzen, schwimmen oder sich für Yoga oder Pilates entscheiden.
Medikamentöse Behandlung
In einigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung erforderlich sein, um Taubheitsgefühle im Gesicht zu lindern.
- Antidepressiva: Antidepressiva können bei Depressionen und Angstzuständen helfen, die mit Taubheitsgefühlen einhergehen können.
- Antikonvulsiva: Antikonvulsiva können bei Nervenschmerzen und Missempfindungen helfen.
- Schmerzmittel: Schmerzmittel können bei Bedarf zur Linderung von Schmerzen eingesetzt werden.
Weitere Tipps
- Vermeiden Sie Stress: Stress kann die Symptome der Wechseljahre verschlimmern. Versuchen Sie, Stress abzubauen, indem Sie Entspannungstechniken anwenden, Sport treiben oder Zeit mit Freunden und Familie verbringen.
- Schlafen Sie ausreichend: Schlafstörungen sind ein häufiges Symptom der Wechseljahre. Achten Sie auf eine gute Schlafhygiene, indem Sie regelmäßig schlafen gehen und aufstehen, eine entspannende Schlafumgebung schaffen und Koffein und Alkohol vor dem Schlafengehen vermeiden.
- Trinken Sie ausreichend Wasser: Dehydration kann die Symptome der Wechseljahre verschlimmern. Trinken Sie täglich ausreichend Wasser, um Ihren Körper hydriert zu halten.
- Vermeiden Sie Alkohol und Koffein: Alkohol und Koffein können Hitzewallungen und andere Symptome der Wechseljahre verschlimmern. Versuchen Sie, diese Substanzen zu vermeiden oder zu reduzieren.
- Führen Sie ein Tagebuch: Führen Sie ein Tagebuch über Ihre Symptome, um herauszufinden, was sie auslöst und wie Sie sie am besten lindern können.
- Sprechen Sie mit anderen Frauen: Es kann hilfreich sein, mit anderen Frauen zu sprechen, die die Wechseljahre durchleben. Sie können Ihnen Unterstützung, Ratschläge und Ermutigung geben.
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