Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem. Eine Umfrage der Techniker Krankenkasse (TK) aus dem Jahr 2019 ergab, dass fast 70 % der Befragten mindestens einmal im Jahr unter Kopfschmerzen litten. Frauen sind besonders häufig betroffen, wobei jede fünfte Frau ein- oder mehrmals pro Woche Kopfschmerzen hat. Viele Menschen greifen bei Kopfschmerzen schnell zu Schmerzmitteln, was jedoch zu unerwünschten Nebenwirkungen und sogar zu medikamenteninduzierten Kopfschmerzen führen kann. Es ist ratsam, Schmerzmittel an weniger als 10 Tagen im Monat einzunehmen. Heilpflanzen, wie Weidenrinde, können helfen, Schmerzmittel zu reduzieren.
Die schmerzlindernde Kraft der Weidenrinde
Schon unsere Vorfahren suchten nach natürlichen Wegen, Kopfschmerzen zu lindern. Seit Jahrtausenden wird die Rinde von Weidenbäumen wie der Reif-Weide (Salix daphnoides), der Lorbeer-Weide (Salix pentandra), der Bruch-Weide (Salix fragilis) oder der Silber-Weide (Salix alba) verwendet. Der Hauptwirkstoff in der Weidenrinde ist Salicin, das im Körper zu Salicylsäure umgewandelt wird.
Der Wirkmechanismus der Salicylsäure ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass sie wie Acetylsalicylsäure (ASS) wirkt, indem sie das Enzym Cyclooxygenase (COX) hemmt, das schmerzauslösende Botenstoffe (Prostaglandine) produziert. Andere Inhaltsstoffe der Weidenrinde, wie Flavonoide, unterstützen diese Wirkung.
Obwohl es nur wenige klinische Studien zum direkten Effekt von Weidenrinde bei Kopfschmerzen gibt, liegen viele positive praktische Erfahrungen vor. Die Sachverständigenkommission für pflanzliche Arzneimittel (Kommission E) empfiehlt daher den Einsatz von Weidenrinde bei Kopfschmerzen.
Anwendung von Weidenrinde bei Kopfschmerzen und Migräne
Ein pflanzliches Arzneimittel mit Weidenrinden-Extrakt war früher in Apotheken erhältlich, ist aber leider nicht mehr verfügbar. Weidenrinde ist jedoch weiterhin als Teebestandteil erhältlich. Da der Geschmack nicht jedermanns Sache ist, empfiehlt es sich, sie mit anderen Heilpflanzen zu mischen, die sich ebenfalls bei Kopfschmerzen bewährt haben. Dazu gehören Schafgarbe (Achillea millefolium), Mutterkraut (Tanacetum parthenium) und Augentrost (Euphrasia officinalis).
Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie
Mutterkraut ist am besten hinsichtlich seiner Wirkung gegen Kopfschmerzen erforscht und zeigt in Praxis und einzelnen, kleinen Studien hilfreiche Effekte bei Spannungskopfschmerzen und Migräne. Für Schafgarbe und Augentrost gibt es bisher keine wissenschaftlichen Belege für ihre Wirkung bei Kopfschmerzen, aber aufgrund positiver Erfahrungen in der Erfahrungsheilkunde können sie dennoch hilfreich sein.
Teerezept bei Kopfschmerzen
Das folgende Teerezept vereint Schafgarbe, Augentrost, Mutterkraut und Weide mit den beruhigenden Blüten der Linden (Tilia platyphyllos oder T. cordata):
Zutaten:
- 20 g Lindenblüten (Tiliae flores)
- 50 g Schafgarbenkraut (Millefolii herba)
- 50 g Augentrostkraut (Euphrasiae herba)
- 50 g Mutterkraut (Tanaceti parthenii herba)
- 70 g Weidenrinde (Salicis cortex)
Zubereitung/Dosierung/Anwendung:
Bis zu 6 Wochen lang bis zu 3-mal täglich 1 gestrichenen EL der Mischung mit 250 ml siedendem Wasser zugedeckt 20 Minuten ziehen lassen und ungesüßt vor den Mahlzeiten trinken. Nach einer 6-wöchigen Anwendung empfiehlt sich eine mindestens einmonatige Pause. Dann kann der Tee erneut angewendet werden.
Wichtige Hinweise:
- Nicht einnehmen bei bekannter Salicylat-Unverträglichkeit oder Allergie gegenüber Korbblütlern oder in der Schwangerschaft und der Stillzeit.
- Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind von der Teemischung nicht zu erwarten.
- Anhaltende, wiederkehrende oder neu auftretende Kopfschmerzen bedürfen bei Kindern und Erwachsenen unbedingt einer sorgfältigen ärztlichen Diagnostik und keiner Eigenbehandlung.
- Eine sofortige notärztliche Versorgung muss bei Kopfschmerzen erfolgen, die mit Bewusstseinseinschränkungen oder Wahrnehmungsstörungen einhergehen, und vor allem nach einer Kopfverletzung.
Weitere Hausmittel und Strategien bei Migräne
Neben Weidenrinde gibt es noch weitere Hausmittel und Strategien, die bei Migräne helfen können:
- Rückzug in einen dunklen, ruhigen Raum: Dies ist besonders hilfreich bei den ersten Anzeichen einer Migräneattacke. Ein kalter Waschlappen auf der Stirn kann zusätzlich Linderung verschaffen.
- Koffein: Kann helfen, erweiterte Blutgefäße im Gehirn zu verengen.
- Ingwer: Wirkt gegen Übelkeit und kann Migräneschmerzen lindern.
- Pfefferminzöl: Kann auf Stirn, Schläfen und Nacken aufgetragen werden, um Schmerzen zu lindern. Pfefferminztee kann ebenfalls beruhigend wirken.
- Lavendelöl: Kann Migräneschmerzen verringern.
- Magnesium: Eine ausreichende Magnesiumzufuhr kann helfen, Migräne vorzubeugen oder zu lindern, insbesondere bei menstruationsbedingter Migräne. Frauen sollten 300 mg Magnesium pro Tag zu sich nehmen, Männer 350 mg.
- Entspannungstechniken: Studien haben gezeigt, dass Entspannungstechniken helfen können, Stress abzubauen und besser mit Migräne umzugehen.
- Regelmäßiger Tagesablauf: Feste Zeiten für Mahlzeiten und Bettruhe können helfen, Migräneanfälle zu reduzieren.
- Kognitive Verhaltenstherapie: Kann helfen, ungünstige Erwartungen und die Furcht vor dem nächsten Migräneanfall zu lindern.
- Vermeidung von Triggern: Es ist wichtig, die persönlichen Migräne-Trigger zu kennen und zu vermeiden.
Weidenrinde als Nahrungsergänzungsmittel
Natura Vitalis hat die traditionelle Verwendung von Weidenrinde als natürliches Lebensmittel wieder aufleben lassen und bietet ein Nahrungsergänzungsmittel mit Weidenrindenextrakt an. Dieses Produkt ist nicht als Schmerzmittel gedacht, sondern soll das allgemeine physiologische Wohlbefinden unterstützen, insbesondere bei intensiven Belastungen des Alltags. Die Rezeptur enthält zusätzlich Vitamin C, das zu einer normalen Funktion des Immunsystems beiträgt.
Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne
Die Kapseln enthalten einen hochdosierten Weidenrindenextrakt (1200 mg pro Tagesverzehrempfehlung, entsprechend 90 mg natürlichem Salicin). Bei intensiven körperlichen Belastungen empfiehlt es sich, die Weidenrinde-Kapseln mit Flexi-Bel complete oder Sacra Weihrauch Gold zu kombinieren.
Die Geschichte der Weidenrinde als Heilmittel
Die Verwendung von Weidenrinde als Heilmittel hat eine lange Tradition. Bereits die Ägypter kannten im 4. Jahrtausend v. Chr. die Wirkung der Weidenrinde. Hippokrates von Kos beschrieb um 400 v. Chr. die ernährungsphysiologischen Wirkungen eines Auszuges aus Weidenrinde. Hildegard von Bingen empfahl den Extrakt zur Unterstützung des physiologischen Wohlbefindens.
Im Mittelalter wurde Weidenrinde als bitteres Gebräu zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen verwendet. 1763 entdeckte Edmund Stone die schmerzlindernde Wirkung einer Essenz aus Silberweidenrinde wieder.
1828 isolierte Johann Andreas Buchner erstmals Salicin aus der Weidenrinde. 1859 gelang es Hermann Kolbe, aus Salicin Salicylsäure zu gewinnen. Felix Hoffmann entwickelte 1897 Acetylsalicylsäure (ASS), den Wirkstoff von Aspirin.
Natürliches Salicin vs. synthetische Acetylsalicylsäure
Im Vergleich zur synthetisch hergestellten Acetylsalicylsäure hat das natürliche Salicin aus der Weidenrinde einige Vorteile. Es wird erst im Laufe der Verdauung zur Wirksubstanz Salicylsäure umgewandelt, was die Magenschleimhaut weniger belastet. Zudem wird der synthetisch hergestellten Acetylsalicylsäure eine blutverdünnende Wirkung nachgesagt, die bei Salicylsäure nicht festzustellen ist.
Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?
Neueste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Wirksamkeit der Weidenrinde nicht allein auf das Salicin zurückzuführen ist, sondern auch auf andere Inhaltsstoffe wie Flavonoide, Chalkone und Gerbstoffe.
tags: #weidenrindenextrakt #bei #migrane