Epilepsie bei Weißen Schweizer Schäferhunden: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch das wiederholte Auftreten von Krampfanfällen gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch eine vorübergehende Störung der elektrischen Aktivität im Gehirn. Bei Hunden, einschließlich der Weißen Schweizer Schäferhunde, kann Epilepsie verschiedene Ursachen haben und sich unterschiedlich äußern. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten von Epilepsie bei Weißen Schweizer Schäferhunden.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie äußert sich durch das wiederholte Auftreten von unterschiedlich ausgeprägten Krampfanfällen. Im Gehirn erzeugen Hirnzellen elektrische Signale, leiten sie weiter und empfangen Signale von anderen Zellen. Diese Signale werden verarbeitet und weitergeleitet. Zu starke Signale werden normalerweise abgeschwächt. Bei einem Anfall handelt es sich um ein starkes, kurzes elektrisches Signal, das sich im Gehirn ausbreiten kann, weil es nicht ausreichend abgeschwächt wird. Dies führt zu den vielfältigen Symptomen, die bei einem Anfall auftreten können.

Die Ursache für diese Störung der Hirnaktivität kann im Gehirn selbst liegen. Sie kann aber auch durch eine Störung außerhalb des Gehirns verursacht werden, beispielsweise durch eine Stoffwechselerkrankung wie eine Nierenfunktionsstörung oder Leberversagen. Bei Epilepsie treten die Anfälle wiederholt und mit einer gewissen Regelmäßigkeit auf.

Formen der Epilepsie

Grundsätzlich wird zwischen zwei Hauptformen der Epilepsie unterschieden:

  1. Echte oder primäre idiopathische Epilepsie: Hier kann keine spezifische Ursache festgestellt werden, oder es wird eine genetische Ursache vermutet. Idiopathische Epilepsien kommen bei Hunden relativ häufig vor, wobei sowohl Rassehunde als auch Mischlinge betroffen sind. Bei bestimmten Rassen (u. a. Golden- und Labrador Retriever, Beagle, Collie, Pudel, Berner Sennenhund, Schäferhund) und damit auch bei Kreuzungen dieser Rassen tritt die Krankheit häufiger auf. Inzwischen wurde bei einigen Rassen nachgewiesen, dass Epilepsie erblich ist, bei vielen anderen vermutet man dies.

    Lesen Sie auch: Weiße Flecken im CT: Was steckt dahinter?

  2. Symptomatische Epilepsie: Hier liegt eine andere Grunderkrankung zugrunde. Innerhalb dieser Gruppe gibt es zwei Unterformen:

    • Sekundäre (intrakranielle) Epilepsie: Die Ursache liegt im Gehirn selbst.
    • Reaktive (extrakranielle) Epilepsie: Die Ursache liegt außerhalb des Gehirns.

Bei sekundärer und reaktiver Epilepsie muss das Ziel darin bestehen, die primäre Ursache für das Entstehen der Anfälle zu beseitigen.

Erscheinungsformen von Krampfanfällen

Krampfanfälle können sich unterschiedlich äußern. Man unterscheidet hauptsächlich zwischen generalisierten und fokalen Anfällen:

  • Generalisierte Krampfanfälle: Hier breitet sich ein elektrischer Impuls durch das gesamte Gehirn aus. Es entsteht das Krankheitsbild, das man früher auch als „Grand Mal” bezeichnete. Bei einem solchen Anfall stürzt der Patient zu Boden, wenn er nicht bereits auf der Seite liegt, und es kommt zur Bewusstlosigkeit. Anfänglich versteift sich der Patient und nachfolgend treten Krämpfe mit Laufbewegungen auf. Hierbei kann es zu unkontrolliertem Urin- und Kotabsatz kommen, einige Tiere haben Schaum vor dem Maul oder verlieren Speichel. Hin und wieder kann es zu Lautäußerungen wie Jaulen oder Schreien kommen, die jedoch nicht von Schmerzen herrühren. Bei einem generalisierten Anfall ist ein Hund bewusstlos, obwohl er die Augen offen hat.

  • Fokale Krampfanfälle: Das Wort fokal bezieht sich darauf, dass der Anfall nicht vollständig generalisiert auftritt. Er hat sich also von einem Teil des Gehirns nicht auf das gesamte Gehirn ausgedehnt. Bei den fokalen Krampfanfällen nimmt man auf bestimmte Körperteile begrenzte Veränderungen am Tier wahr. Beispielsweise wird nur eine Pfote hochgezogen. Diese Form gliedert sich in zwei Unterformen:

    Lesen Sie auch: Umfassende Infos zu Neurologen

    • Einfach fokale Krampfanfälle: Der Patient bleibt bei Bewusstsein (z. B. nur Krampf in einer Pfote + Verziehen der Lippen).
    • Komplex fokale Krampfanfälle: Es treten Bewusstseinstörungen auf.

Ursachen von Epilepsie bei Weißen Schweizer Schäferhunden

Die genauen Ursachen für Epilepsie bei Weißen Schweizer Schäferhunden sind vielfältig und oft nicht vollständig geklärt. Wie bei anderen Rassen können folgende Faktoren eine Rolle spielen:

  • Genetische Veranlagung: Bei der idiopathischen Epilepsie wird eine genetische Ursache vermutet. Dies bedeutet, dass bestimmte Linien von Weißen Schweizer Schäferhunden eine höhere Prädisposition für die Entwicklung von Epilepsie haben. Epilepsie ist als chronische Erkrankung geschlechtsunabhängig und tritt bei Hündinnen genauso häufig auf wie bei Rüden. Bei Hündinnen ist mitunter eine Zunahme der Anfallshäufigkeit während der Läufigkeit zu beobachten.

  • Sekundäre Epilepsie: Ursachen im Gehirn selbst können sein:

    • Angeborene Fehlbildungen: Ein Beispiel für eine angeborene Anomalie ist der Wasserkopf (Hydrozephalus) bei Welpen.
    • Tumore: Hirntumore können ebenfalls Epilepsie auslösen.
    • Entzündungen: Entzündungen des Gehirns (Enzephalitis) oder der Hirnhäute (Meningitis) können zu Krampfanfällen führen.
    • Verletzungen: Schädel-Hirn-Traumata können Narben im Gehirn hinterlassen, die später Epilepsie verursachen.
  • Reaktive Epilepsie: Ursachen außerhalb des Gehirns können sein:

    • Stoffwechselstörungen: Nierenfunktionsstörungen, Leberversagen oder Unterzuckerung (Hypoglykämie) können Krampfanfälle auslösen.
    • Vergiftungen: Bestimmte Giftstoffe können das Nervensystem schädigen und Epilepsie verursachen.

Es besteht häufig eine Verbindung zwischen dem Auftreten eines Anfalls und Ernährung, Anstrengung und/oder Aufregung.

Lesen Sie auch: Funktion und Aufbau der weißen Substanz

Diagnose von Epilepsie

Die Diagnose von Epilepsie bei Weißen Schweizer Schäferhunden kann eine Herausforderung sein, da es keinen einzigen Test gibt, der die Erkrankung definitiv bestätigen kann. Der Tierarzt wird in der Regel folgende Schritte unternehmen:

  1. Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte des Hundes, einschließlich der Beschreibung der Anfälle (Art, Häufigkeit, Dauer, Auslöser).

  2. Klinische Untersuchung: Allgemeine Untersuchung des Hundes, um andere Erkrankungen auszuschließen.

  3. Neurologische Untersuchung: Überprüfung der neurologischen Funktionen des Hundes, wie Reflexe, Koordination und Bewusstsein.

  4. Blutuntersuchungen: Überprüfung der Organfunktionen und des Stoffwechsels, um reaktive Ursachen auszuschließen.

  5. Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) des Gehirns erforderlich sein, um strukturelle Veränderungen im Gehirn zu erkennen.

  6. Ausschluss anderer Ursachen: Es ist wichtig, andere Ursachen für Krampfanfälle auszuschließen, wie z.B. Herzerkrankungen, Infektionen oder Vergiftungen.

Behandlung von Epilepsie

Epilepsie kann bei Weißen Schweizer Schäferhunden durch Behandlung oft wirksam behandelt werden. Ziel der Behandlung ist es, die Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu reduzieren und die Lebensqualität des Hundes zu verbessern. Der Eckpfeiler der Epilepsiebehandlung bei Hunden sind krampflösende Medikamente. Die Behandlung von Epilepsie erfordert eine engagierte Behandlung.

  • Medikamentöse Therapie: Krampflösende Medikamente wie Phenobarbital oder Imepitoin werden häufig eingesetzt, um die Anfallshäufigkeit zu kontrollieren. Es ist wichtig, die Medikamente regelmäßig und in der vom Tierarzt verordneten Dosis zu verabreichen. Die Dosierung muss möglicherweise im Laufe der Zeit angepasst werden. Wichtig ist, die Medikamente nicht plötzlich abzubrechen, da dies schwere Anfälle auslösen kann.

  • Ernährung: In einigen Fällen kann eine spezielle Diät helfen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.

  • Chirurgischer Eingriff: In seltenen Fällen kann ein chirurgischer Eingriff in Betracht gezogen werden, z. B. bei Tumoren oder anderen strukturellen Veränderungen im Gehirn.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Behandlung von Epilepsie eine lebenslange Aufgabe sein kann. Mit der richtigen Behandlung können die meisten Hunde mit Epilepsie jedoch ein normales Leben führen und ihre Lebensqualität genießen.

Was tun bei einem Anfall?

Wenn Ihr Weißer Schweizer Schäferhund einen Anfall erleidet, ist es wichtig, ruhig zu bleiben und folgende Maßnahmen zu ergreifen:

  1. Bleiben Sie ruhig: Panik hilft weder Ihnen noch Ihrem Hund.

  2. Sorgen Sie für Sicherheit: Entfernen Sie alle Gegenstände in der Umgebung Ihres Hundes, an denen er sich während des Anfalls schaden könnte.

  3. Schützen Sie Ihren Hund: Legen Sie eine weiche Decke oder ein Kissen unter den Kopf Ihres Hundes, um Verletzungen zu vermeiden.

  4. Halten Sie Ihre Hände vom Maul Ihres Hundes fern: Während eines Anfalls kann es zu unkontrollierten Muskelkontraktionen kommen, die zu Bissverletzungen führen können.

  5. Beobachten Sie den Anfall: Achten Sie auf die Art des Anfalls, die Dauer und die Symptome. Diese Informationen können Ihrem Tierarzt bei der Diagnose und Behandlung helfen.

  6. Kontaktieren Sie Ihren Tierarzt: Wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert oder Ihr Hund mehrere Anfälle kurz hintereinander hat, suchen Sie sofort einen Notarzt auf.

Prognose

Die Prognose für Hunde mit Epilepsie hängt von der Ursache und der Schwere der Erkrankung ab. Bei idiopathischer Epilepsie ist die Prognose in der Regel gut, da die Anfälle mit Medikamenten oft wirksam behandelt werden können. Bei sekundärer Epilepsie hängt die Prognose von der Behandlung der Grunderkrankung ab.

tags: #weisse #schweizer #schaferhunde #epilepsie