Welche Matratze ist bei Nervenschmerzen geeignet? Ein umfassender Ratgeber

Rückenschmerzen sind in Deutschland weit verbreitet und beeinträchtigen die Lebensqualität vieler Menschen. Oftmals entwickeln sie sich zu einem chronischen Problem. Obwohl es nur wenige Studien über den direkten Einfluss von Matratzen auf Rückenschmerzen gibt, zeigen die meisten, dass Probanden auf unterschiedliche Matratzen reagieren. Dies deutet darauf hin, dass moderne Matratzen durchaus in der Lage sein können, Rückenschmerzen zu reduzieren. Die Wahl der richtigen Matratze bei Nervenschmerzen hängt von verschiedenen Faktoren ab, die im Folgenden beleuchtet werden.

Die Bedeutung von Schlaf und die Rolle der Matratze

Schlaf spielt eine entscheidende Rolle für die Regeneration und die Gesundheit unseres Organismus. Werden diese Prozesse durch unruhigen Schlaf gestört, kann dies langfristige negative Auswirkungen haben. Eine falsche Matratze ist zwar selten die Ursache für schwere Rückenprobleme, kann aber bestehende Schmerzen verschlimmern, wenn der Körper nicht ausreichend unterstützt wird.

Krankenkassen wie die AOK geben Tipps für die richtige Matratze, um eine Verstärkung von Rückenschmerzen durch falsche Schlafunterlagen zu vermeiden. Auch Orthopäden und Schlafforscher betonen, dass eine ungeeignete Matratze oft Ursache von Schlafstörungen, Verspannungen oder Schmerzen im Rücken sowie im Schulter-Nacken-Bereich sein kann.

Typische Symptome einer falschen Matratze

Es gibt eine Reihe von Symptomen, die auf eine ungeeignete Schlafunterlage hindeuten können:

  1. Häufige Positionswechsel: Unruhe im Schlaf, da weder Bauch-, Rücken- noch Seitenlage als bequem empfunden wird.
  2. Kalte Füße: Eine schlechte Schlafposition kann Durchblutungsstörungen verursachen, die sich durch kalte Füße bemerkbar machen.
  3. Rückenschmerzen und Verspannungen: Sowohl eine zu harte als auch eine zu weiche Matratze können Rückenschmerzen und Verspannungen verursachen, da der Körper versucht, Schieflagen auszugleichen und nicht richtig entspannen kann.
  4. Einschlafen von Händen und Füßen: Wenn Schulter oder Hüfte nicht ausreichend in die Matratze einsinken können, werden Nerven und Blutbahnen in den Gelenken eingeklemmt, was zu Taubheitsgefühlen führen kann.
  5. Rückenschmerzen im oberen, mittleren und unteren Rücken: Dies ist eines der häufigsten Probleme im Zusammenhang mit einer falschen Matratze.

Die Lendenwirbelsäule (LWS) und Hyperlordose

Eine der Hauptproblemzonen unseres Körpers ist die Lendenwirbelsäule (LWS), die von Natur aus eine Lordose aufweist. Eine übermäßige Krümmung der LWS, eine Hyperlordose (Hohlkreuz), stört die Funktion der Lordose und führt zu Rückenproblemen. Ursachen für eine Hyperlordose sind muskuläre Dysbalancen durch einseitige Belastung, Überbelastung, dauerhaftes Sitzen und zu wenig Bewegung.

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In der Nacht finden wichtige Regenerierungsprozesse statt, die durch eine ungünstige Lage aufgrund einer falschen Matratze oder nicht passenden Härtegraden gestört werden können. Eine Hyperlordose kann in Verbindung mit anderen Umständen der Vorläufer von Bandscheibenproblemen sein. Durch die Fehlstellung in der Lendenwirbelsäule öffnen sich die Abstände zwischen den Wirbelkörpern Richtung Rücken, wodurch es zur Kompression der Nervenwurzel und zu Schmerzen im unteren Rücken kommen kann.

Bandscheiben und das Iliosakralgelenk (ISG)

Die Bandscheiben, die zwischen den Wirbelkörpern sitzen, benötigen in der Nacht Entlastung, um sich wieder mit Flüssigkeit zu füllen. Dafür ist es notwendig, dass die Matratze die Wirbelsäule perfekt auffängt. Auch bei einer Bandscheibenvorwölbung (Bandscheibenprotrusion) ist es essentiell, dass sich die umgebenden Strukturen in der Nacht entspannen und locker lassen, damit der Druck auf den Faserring der Bandscheibe nachlassen und diese sich wieder mit Flüssigkeit füllen kann.

Das Iliosakralgelenk (ISG) verbindet Kreuzbein und Darmbein und überträgt das Gewicht vom Oberkörper auf die Beine. Bei einer Hyperlordose können Schmerzen in diesem Bereich auftreten. Die Wahl der richtigen Matratze ist in diesem Fall essenziell, um den Druck auf die Iliosakralgelenke im Liegen zu reduzieren und Entspannung zu ermöglichen.

Orthopädisch-ergonomische Gesichtspunkte und Punktelastizität

Experten betonen, dass es gerade bei Personen mit Rückenbeschwerden wichtig ist, dass die Matratze nach orthopädisch-ergonomischen Gesichtspunkten hergestellt wird. Eine punktelastische Matratze gibt an den Stellen nach, an denen der Körper aufliegt, wodurch Körpergewicht und Auflagendruck gleichmäßig verteilt werden. Dies gewährleistet eine angepasste Lage der Wirbelsäule, bei der diese in ihrer Doppel-S-Krümmung optimal gestützt wird. Im Gegensatz dazu können Matratzen ohne diesen Effekt, mit einer sogenannten Flächenelastizität, im Schlaf eine starke Verkrümmung der Wirbelsäule hervorrufen, die sich am Morgen durch verspannte und schmerzhafte Muskeln und Gelenke bemerkbar macht.

Der richtige Härtegrad und Liegezonen

Schlafforscher und Orthopäden sind sich einig, dass es nicht unbedingt eine besonders harte Matratze für Menschen mit Rückenschmerzen sein muss. Den einen "richtigen" Härtegrad gibt es nicht. Auch wenn eine extra weiche Matratze nicht zu empfehlen ist, spielt der Härtegrad einer Matratze eine untergeordnete Rolle im Vergleich zu Körperform und -größe.

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Viele Matratzenhersteller legen Wert auf individuell anpassbare Matratzen. Neben dem Härtegrad spielen eingebaute Liegezonen eine wichtige Rolle. Jede Zone soll sich dem Körper perfekt anpassen und für ein entspanntes Liegegefühl sorgen, sowohl für Seitenschläfer als auch für Menschen, die bevorzugt auf dem Bauch oder Rücken schlafen. Es gibt 3-Zonen-, 5-Zonen- und 7-Zonen-Matratzen, wobei sich die 7-Zonen-Matratze hauptsächlich durchgesetzt hat.

Im Grunde sind alle Zonen wichtig für einen angenehmen Schlaf, da unser Körper ein Funktionssystem ist. Ein perfektes Zusammenspiel aller Zonen sorgt letztendlich dafür, dass das Körpergewicht optimal auf die Liegefläche verteilt und die Wirbelsäule bestmöglich unterstützt wird. Allerdings können auch die einzelnen Zonen nicht jeder Körperform wirklich gerecht werden, es sei denn, sie sind modular und individuell anpassbar.

Modulare Matratzen

Modulare Matratzen unterscheiden sich von anderen Schlafunterlagen durch ihre hohe Punktelastizität, gute Anpassung und Druckentlastung sowie die Möglichkeit einer individuellen Anpassung. Die einzelnen Zonen gewährleisten eine perfekte Anpassung an die Körperform und eine bestmögliche Unterstützung des oberen und unteren Rückens. Besonders für Seitenschläfer ist so eine Matratze sehr bequem. Bei modularen Systemen ist auch die Größe der einzelnen Zonen individuell beeinflussbar. Immer häufiger sind gerade orthopädische Matratzen modular aufgebaut, da sie sich als ideal für Menschen mit chronischen Rückenbeschwerden erweisen.

Schlafposition und individuelle Bedürfnisse

Die Schlafposition kann sich bei Menschen mit chronischen Rückenschmerzen positiv oder negativ auswirken. Häufig wird das Schlafen in Seitenlage als angenehm empfunden, vorausgesetzt, die natürliche S-Form der Wirbelsäule wird unterstützt und Schulter und Becken können optimal in die Matratze einsinken. Während sich Menschen mit Schulter-Nackenbeschwerden häufig als Bauchschläfer entpuppen, werden Personen mit Rückenschmerzen im Lendenbereich wie von selbst zum Rückenschläfer, da der Körper sich im Schlaf automatisch in diese entspannte Position bewegt.

Es gibt wahrscheinlich nicht die "eine richtige" Matratze gegen Rückenschmerzen, die überall die passende Unterstützung bietet. Was für den einen eine rückenschonende Matratze sein kann, stellt sich für jemand anderen als Katastrophe heraus. Was gut für den eigenen Rücken ist, kann immer nur der Betroffene selbst beurteilen.

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Tipps zur Auswahl der richtigen Matratze

  1. Individuelle Bedürfnisse: Um die beste Matratze bei Rückenschmerzen zu finden, ist es essentiell, die individuellen Bedürfnisse der Person zu kennen und das Schlafsystem darauf auszurichten.
  2. Orthopädische Gesichtspunkte: Achten Sie auf Matratzen, die nach orthopädischen und ergonomischen Gesichtspunkten konzipiert wurden und dadurch die bestmögliche individuelle Anpassung an Körperform und Beschwerdebild ermöglichen.
  3. Gesamtsystem: Nicht nur die Matratze beeinflusst das Liegegefühl und die Entspannung des Körpers beim Schlafen. Die sinnvolle Kombination von Matratze, Lattenrost und Kissen ist der Schlüssel für eine bestmögliche Regeneration im Schlaf.

Matratzen bei Fibromyalgie

Eine Matratze, die in Modulbauweise individuell angepasst wird, kann bei Fibromyalgie den Druck am Bindegewebe nachhaltig reduzieren. Es geht um die Entlastung des Bindegewebes, indem man versucht, das empfindliche Bindegewebe möglichst weich zu lagern, um Druckspitzen zu vermeiden. Der Druck soll sich maximal homogen verteilen, um an keinem Teil des Körpers besonders stark in Erscheinung zu treten.

Menschen haben konvexe Körperpartien wie Schultern, Gesäß oder Hüfte, die anders gelagert werden müssen, als konkave Körperbereiche wie die Taille. Wenn diese unterschiedlichen Bereiche mit dem gleichen Härtegrad gelagert werden, kommt es zu Druckspitzen. Es müssen also verschiedene Körperbereiche jeweils anders gelagert werden, damit sich das Liegen überall gleich angenehm anfühlt.

Für Fibromyalgiepatienten wird oft ein Topper aus hochelastischem Kaltschaum mit einem Raumgewicht von 70 kg/m³ verwendet, der speziell angeschnitten wird, um die Oberfläche stärker aufzulösen. Der Härtegrad sollte gut abgestimmt und berechnet werden, denn viele Fibromyalgiepatienten mögen gar nicht so sehr weich liegen.

Anti-Schmerz-Matratzen

Es gibt spezielle Schmerz-Matratzen, die eine Schmerztherapie in der Nacht ermöglichen und das Liegen und Aufstehen schmerzfreier gestalten sollen. Diese Matratzen sind oft für Menschen mit Arthrose, Osteoporose oder Krebs geeignet, die unter starken Liegeschmerzen leiden.

Voraussetzungen für die richtige Matratze bei Rückenschmerzen

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die einen Einfluss auf die Ergonomie der Matratze haben. Gerade bei Rückenschmerzen und -problemen kommt es auf drei wesentliche Aspekte an:

  1. Hohe Punktelastizität: Punktelastische Matratzen zeichnen sich durch ihre optimale Anpassung an die jeweiligen Körperpartien aus. Schwerere Körperpartien sinken ein, während Nacken und Rücken ausreichend gestützt werden.
  2. Richtiger Härtegrad: Der Härtegrad sollte weder zu weich noch zu hart sein, um eine natürliche Haltung der Wirbelsäule zu gewährleisten.
  3. Integrierte Liegezonen: Zonen ermöglichen eine perfekte Anpassung der Matratze an den Körper, sodass die Wirbelsäule gerade liegt. Besonders beliebt ist die 7-Zonen-Technologie.

Matratzenmaterialien

  • Viscoschaummatratzen: Sind sehr anpassungsfähig, weil der Schaumstoff auf Körperwärme reagiert und sich so sehr flexibel an die Körperform anpasst.
  • Kaltschaummatratzen: Punkten ebenfalls hinsichtlich ihrer Anpassungsfähigkeit.
  • Federkernmatratzen: Überzeugen durch ihren sehr hohen Schlafkomfort. Bei Rückenschmerzen empfiehlt sich eine Taschenfederkernmatratze.

Schlafpositionen und Matratzenwahl

  • Rückenlage: Verteilt das Körpergewicht gleichmäßig und entlastet die Gelenke. Eine Matratze, die Hüfte und Schultergürtel ein wenig einsinken lässt, die anderen Körperregionen jedoch aktiv stützt, ist ideal.
  • Bauchlage: Weniger empfehlenswert bei Rückenschmerzen, da sie zu einer ungesunden Haltung und Überstreckung der Halswirbelsäule führen kann.
  • Seitenlage: Hier sollte ein Seitenschläferkissen verwendet werden, um den gesamten Körper zu stützen und die Wirbelsäule in einer geraden Linie zu halten.

Matratzen für Übergewichtige

Menschen mit mehr Körpergewicht sind mit einer speziellen XXL-Matratze am besten beraten. Diese Modelle sind dank eines hohen Raumgewichts sehr strapazierbar und können auch höherem Druck standhalten. Besonders geeignet sind Federkernmatratzen.

Wann ist es Zeit für eine neue Matratze?

Eine Matratze sollte etwa alle 8 bis 10 Jahre ausgetauscht werden. Anzeichen für eine durchgelegene Matratze sind:

  • Bildung von Liegekuhlen
  • Mangelnde Hygiene
  • Niedriges Raumgewicht

Orthopädische Matratzen

Orthopädische Matratzen unterstützen die Wirbelsäule in jeder Schlafposition und sorgen für eine ergonomisch korrekte Körperhaltung. Dank ihrer punktelastischen Materialien passen sie sich individuell an Schultern, Rücken und Becken an.

Lammfell und Super-Weichlagerung bei Fibromyalgie

Eine klinische Untersuchung deutet darauf hin, dass eine Super-Weichlagerung auf einem speziellen Lammfell das Schmerzempfinden im Bett lindern kann. Die vertikale Fellstruktur kann den Gewichtsdruck auf die Tenderpunkte merkbar verringern.

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