Migräne ist eine chronische neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft einseitige, pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen und Licht- und Lärmempfindlichkeit sind typisch. Sumatriptan ist ein Triptan, das speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt wurde. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Sumatriptan, einschließlich seiner Wirkungsweise, Anwendung, Dosierung, Nebenwirkungen und Kontraindikationen. Ziel ist es, Patienten und Ärzten gleichermaßen fundierte Informationen für eine optimale Migränebehandlung zu bieten.
Was ist Migräne und wie wirkt Sumatriptan?
Migräne ist eine komplexe neurologische Regulationsstörung, die phasenhaft auftritt. Die Ursache liegt in einer polygenetischen Prädisposition. Während einer Migräneattacke werden trigeminale Neuronen aktiviert, was zur Ausschüttung von Neuropeptiden wie CGRP führt.
Sumatriptan gehört zur Klasse der Triptane und ist ein Serotonin-Agonist. Es imitiert die Eigenschaften des körpereigenen Botenstoffes Serotonin und wirkt auf folgende Weise:
- Verengung der Blutgefäße: Sumatriptan besetzt die Serotonin-Bindungsstellen auf den Blutgefäßen in den Hirnhäuten, was zu einer Verengung der Blutgefäße führt.
- Hemmung der Entzündung: Es hemmt die Freisetzung entzündlicher Eiweißstoffe (Neuropeptide) im Gehirn.
- Reduktion der Schmerzimpulse: Sumatriptan reduziert die Weiterleitung von Schmerzimpulsen.
Wann sollte Sumatriptan eingenommen werden?
Sumatriptan sollte so früh wie möglich nach Beginn der Kopfschmerzphase einer Migräneattacke eingenommen werden. Es ist jedoch auch wirksam, wenn es zu einem späteren Zeitpunkt während des Anfalls eingenommen wird. Die Wirksamkeit und Sicherheit von Sumatriptan ist bei Kindern unter 10 Jahren nicht nachgewiesen worden. Die Anwendung von Sumatriptan Tabletten bei Kindern von 10 bis 17 Jahren wird daher nicht empfohlen. Erfahrungen zur Anwendung von Sumatriptan bei Patienten über 65 Jahre sind begrenzt. Bis zum Vorliegen weiterer klinischer Daten wird die Anwendung von Sumatriptan bei Patienten über 65 Jahre jedoch nicht empfohlen.
Welche Darreichungsformen von Sumatriptan gibt es?
Sumatriptan ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, die sich in ihrer Anwendungsgeschwindigkeit und Wirkdauer unterscheiden:
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- Filmtabletten: Sumatriptan Filmtabletten liegen in zwei Darreichungsformen mit 50 mg und 100 mg vor. Die Anfangsdosis von Sumatriptan in Tablettenform beträgt 50 mg.
- Subkutane Injektion (Pen): Eine besonders schnelle Wirksamkeit lässt sich mit Sumatriptan 6 mg mittels eines Autoinjektors (Pen) erzielen. Dabei wird die Wirksubstanz durch eine feine Nadel unter die Haut gespritzt.
- Nasenspray: Es gibt zwei unterschiedliche Dosierungen mit 10 mg sowie mit 20 mg Sumatriptan. Die optimale Dosis beträgt bei Erwachsenen 20 mg.
Die Wahl der Darreichungsform hängt von den individuellen Bedürfnissen des Patienten und der Schwere der Migräneattacke ab. Sumatriptan als Spritze gilt Experten zufolge als das am schnellsten wirksame Triptan gegen akute Migräne. Schon nach zehn Minuten spüren Patienten eine Besserung.
Dosierung und Anwendung von Sumatriptan
Die Dosierung von Sumatriptan variiert je nach Darreichungsform:
- Tabletten: Es wird die Einnahme von 50 mg Sumatriptan empfohlen. Einige Patienten können 100 mg Sumatriptan benötigen. Nur wenn bereits abgeklungene Beschwerden wieder auftreten, kann eine weitere Dosis innerhalb der nächsten 24 Stunden eingenommen werden, jedoch im Abstand von mindestens zwei Stunden. Insgesamt dürfen nicht mehr als 300 mg Sumatriptan innerhalb von 24 Stunden eingenommen werden.
- Subkutane Injektion: Sumatriptan 6 mg wird subkutan injiziert. Sollte nach Anwendung von Sumatriptan 6 mg s.c. ein Wiederkehrkopfschmerz auftreten, kann dieser wahlweise mit einer erneuten subcutanen Injektion von Sumatriptan behandelt werden.
- Nasenspray: Die empfohlene Dosis beträgt bei Erwachsenen 20 mg. Beim Wiederauftreten der Schmerzen kann die Dosis erneut eingenommen werden, wobei man jedoch einen Mindestabstand von 2 Stunden einhalten sollte. Die empfohlene Dosierung von Sumatriptan nasal ist die Applikation von 10 mg Sumatriptan in ein Nasenloch. Insgesamt dürfen nicht mehr als 2 Dosen Sumatriptan nasal 10 mg im Abstand von zwei Stunden innerhalb von 24 Stunden angewendet werden.
Mögliche Nebenwirkungen und Gegenanzeigen von Sumatriptan
Wie alle Medikamente kann auch Sumatriptan Nebenwirkungen verursachen. Häufige Nebenwirkungen sind:
- Müdigkeit
- Schwindelgefühl
- Übelkeit
- Brennen in Nase oder Hals
- Nasenbluten
- Schmerzen und Engegefühl im Brustkorb, die in den Halsbereich ausstrahlen können
In seltenen Fällen kann es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Herzproblemen kommen.
Sumatriptan darf nicht angewendet werden bei:
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- Überempfindlichkeit gegen Sumatriptan oder einen der sonstigen Bestandteile
- Herzinfarkt in der Vorgeschichte oder ischämischer Herzkrankheit
- Koronaren Vasospasmen (Prinzmetal-Angina)
- Peripheren vaskulären Erkrankungen
- Schlaganfall (CVA) oder vorübergehenden ischämischen Attacken (TIA) in der Krankheitsgeschichte
- Schweren Leberfunktionsstörungen
- Mittelschwerem bis schwerem Bluthochdruck und leichtem unkontrollierten Bluthochdruck
- Gleichzeitiger Anwendung mit Ergotamin- oder Ergotaminderivat-haltigen Arzneimitteln oder einem anderen Triptan/5-HT1-Rezeptor-Agonisten
- Gleichzeitiger Anwendung mit Monoaminooxidase-Hemmern und nicht innerhalb von zwei Wochen nach Abbruch einer Therapie mit einem Monoaminooxidase-Hemmer.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Sumatriptan kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Besondere Vorsicht ist geboten bei der Einnahme von:
- Ergotamin-haltigen Arzneimitteln
- Anderen Triptanen
- Selektiven Serotonin-Reuptake-Hemmern (SSRI) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmern (SNRI)
- Monoaminoxidase-Hemmern (MAO-Hemmer)
- Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Patienten sollten ihren Arzt oder Apotheker über alle Medikamente informieren, die sie einnehmen, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.
Sumatriptan in Schwangerschaft und Stillzeit
Während der Schwangerschaft sollte eine akute Migräneattacke zunächst mit Analgetika wie Paracetamol und NSAR (Ibuprofen, Naproxen) behandelt werden. NSAR dürfen jedoch nicht nach der 28. SSW eingenommen werden. Es gibt nur begrenzte Informationen zur Sicherheit von Sumatriptan bei schwangeren Frauen. Ihr Arzt wird mit Ihnen besprechen, ob Sie Sumatriptan-ratiopharm® bei Migräne während der Schwangerschaft einnehmen sollten oder nicht.
Es wurde gezeigt, dass Sumatriptan nach subkutaner Anwendung in die Muttermilch übergeht. Die Exposition des Säuglings kann minimiert werden, indem das Stillen für 12 Stunden nach der Anwendung vermieden wird.
Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:
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- Die Kopfschmerzen plötzlich und heftig auftreten.
- Die Kopfschmerzen von Fieber, Nackensteifigkeit, Verwirrtheit, Krampfanfällen, Doppeltsehen, Taubheitsgefühl oder Schwäche begleitet werden.
- Die Kopfschmerzen sich trotz Behandlung verschlimmern.
- Sumatriptan nicht ausreichend wirksam ist oder unerwünschte Nebenwirkungen verursacht.
- Mehr als 10 Migräne-Tage pro Monat auftreten.
Weitere wichtige Informationen
- Medikamentenübergebrauch: Der übermäßige Gebrauch von Arzneimitteln zur Behandlung von Kopfschmerzen kann diese verschlimmern. Triptane sollten auf keinen Fall an mehr als 10 Tagen im Monat verabreicht werden.
- Alternativen: Patienten, die bisher erfolgreich bereits mit Sumatriptan in Tablettenform behandelt wurden, sollten nicht auf ein anderes Triptan umgestellt werden.
- Individuelle Behandlung: Um den bestmöglichen Behandlungserfolg zu erreichen, ist es ratsam, die medikamentöse Migränetherapie in einen individualisierten Behandlungsplan zu integrieren.
Die Rolle der Schmerzklinik Kiel
Die Neurologisch-Verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel bietet eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen und anderen Kopfschmerzarten an. Die Klinik bietet sowohl stationäre als auch ambulante Behandlungsmöglichkeiten.
Um einen Aufnahmetermin zu planen, sind folgende Schritte erforderlich:
- Der behandelnde Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
- Der Arzt füllt die Aufnahme-Checkliste aus.
- Der Patient füllt den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
- Alle Unterlagen werden an die auf der Aufnahme-Checkliste angegebene Anschrift gesendet.
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