Das Risiko von Magenmedikamenten und Alzheimer: Ein umfassender Überblick

Sodbrennen und Magenbeschwerden sind weit verbreitete Leiden, die oft mit Medikamenten wie Säureblockern behandelt werden. Diese Medikamente, bekannt als Protonenpumpenhemmer (PPI), können zwar schnell Linderung verschaffen, doch ihre langfristige Einnahme birgt potenzielle Risiken, die es zu verstehen gilt. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise von Magenmedikamenten, ihre potenziellen Nebenwirkungen, insbesondere im Hinblick auf das Demenzrisiko, und alternative Behandlungsansätze.

Die Funktionsweise von Magenmedikamenten

Um die potenziellen Risiken von Magenmedikamenten zu verstehen, ist es wichtig, ihre Funktionsweise zu kennen. Es gibt verschiedene Arten von Medikamenten zur Behandlung von Magenbeschwerden, die sich in ihrer Wirkungsweise und Anwendungsdauer unterscheiden:

  • Antazida: Hydrotalcit und Magaldrat sind Antazida, die überschüssige Magensäure binden. Sie wirken schnell, aber ihre Wirkung hält nur kurz an. Hydrotalcit AbZ 500 mg Kautabletten enthalten beispielsweise 500 mg Hydrotalcit. Riopan Kautabletten enthalten Magaldrat, das schnell die überschüssige Magensäure neutralisieren und den pH-Wert des Magens über einen längeren Zeitraum auf einem physiologischen Niveau halten soll.
  • Protonenpumpenhemmer (PPI): Omeprazol und Pantoprazol sind PPI, die die Säureproduktion im Magen fast vollständig unterdrücken. Sie wirken verzögert, aber ihre Wirkung hält 24 Stunden an. Omeprazol AbZ Protect 20 mg magensaftresistente Hartkapseln enthalten 20 mg Omeprazol, während Pantoprazol-ADGC 20 mg magensaftresistente Tabletten 20 mg Pantoprazol enthalten.

PPI werden allein in Deutschland so oft verschrieben und eingenommen, dass der Jahresumsatz mit PPI etwa eine Milliarde Euro beträgt. Die Mittel sind leicht an der Endung -prazol erkennbar. Ihr Haupteinsatzgebiet sind Sodbrennen und Magen-Darm-Geschwüre. Genauso werden PPI als sogenannter Magenschutz begleitend zur Blutverdünnung (ASS, Clopidogrel) oder zu Schmerztherapien z. B. mit Diclofenac oder Ibuprofen eingesetzt.

Mögliche Nebenwirkungen von PPI bei Langzeiteinnahme

Lange Zeit galten Protonenpumpenhemmer als relativ harmlos. Doch in letzter Zeit wird zunehmend über erhebliche Nebenwirkungen dieser Medikamente, die zu einem dauerhaft niedrigen Säurewert im Magen führen, berichtet.

PPI können die Aufnahme bestimmter Nährstoffe beeinträchtigen. Durch Kalziummangel steigt das Risiko, Knochenbrüche zu erleiden. Auch ein Mangel an Magnesium und Vitamin B12 kann entstehen. Mögliche Folgen sind Konzentrationsstörungen, Lähmungen und Blutarmut. Werden Bakterien durch die Magensäure nicht abgetötet, können sie sich im Darm ansiedeln und z. T. schweren Durchfall verursachen. Einige Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Säureblocker das Herzinfarktrisiko und die Gefahr für Leber- und Nierenschäden erhöhen.

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Vitamin B12-Mangel

Im Vergleich zu Antazida greifen PPI in den Zellstoffwechsel der Magenschleimhautzellen ein und hemmen dort die Magensäureproduktion. In diesen Zellen wird auch der sogenannte Intrinsic-Factor gebildet. Dieses kleine Transporterprotein ist für die Resorption des Vitamin B12 aus der Nahrung erforderlich. Wenn die Zellen aber medikamentös blockiert sind, dann bilden sie nicht nur weniger oder gar keine Magensäure mehr, sondern auch nur noch unzureichende Mengen des Intrinsic-Factors. Das Vitamin B12 aus der Nahrung kann nun nicht mehr aufgenommen werden und es kommt zu einem Vitamin-B12-Mangel.

Im Körper ist das Vitamin B12 insbesondere an der Blut- und Zellneubildung beteiligt sowie für den Schutz von Nerven und Gehirn zuständig. Die Folgen eines Vitamin-B12-Mangels sind entsprechend zahlreich und können - wenn der Mangel nicht rechtzeitig entdeckt wird - auch im Falle z. B. einer Operation schwerwiegende Folgen haben. Zu den Symptomen eines Vitamin-B12-Mangels können u. a. Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Depressionen, Muskelschwäche und Kribbeln in Händen und Füßen gehören. Da Vitamin B12 gemeinsam mit Folsäure und Vitamin B6 auch am Abbau des Homozysteins beteiligt ist, kann ein Vitamin-B12-Mangel zu gravierenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen.

In einer Studie von 2025 wurde festgestellt, dass in der Mangel-Gruppe deutlich mehr Patienten waren, die auch PPI oder H2-Rezeptor-Antagonisten (Antihistaminika zur Hemmung der Magensäurebildung) eingenommen hatten. Ja, ein Vitamin-B12-Mangel war in der PPI-Gruppe gar um 65 Prozent wahrscheinlicher als in der arzneimittelfreien Gruppe. Je höher ausserdem die Dosis der PPI war, umso höher auch das Risiko eines Mangels. Patienten beispielsweise, die mehr als 1,5 Tabletten pro Tag nahmen, hatten ein doppelt so hohes Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel. Wer also PPI einnimmt, sollte regelmässig seinen Vitamin-B12-Spiegel überprüfen lassen und ggf. Vitamin B12 einnehmen.

Das mögliche Demenzrisiko

Möglicherweise fördern Säureblocker bei älteren Menschen sogar die Demenz: Im Rahmen einer großen amerikanischen Studie erkrankten Senioren, die über eine längere Zeit Säureblocker einnahmen, mit einer um 44% höheren Wahrscheinlichkeit an Demenz als Patienten in der Kontrollgruppe.

In unserem Artikel Vitamin B12 schützt Gehirn und Nerven erklären wir, dass Vitamin B12 die sogenannte Myelinscheide, die die Nervenzellen umgibt, schützt und an deren Bildung sowie Regeneration beteiligt ist. Fehlt Vitamin B12, was gerade bei älteren Menschen überdurchschnittlich oft der Fall ist, dann kann es sogar zu Symptomen kommen, die einer Demenz ähneln. Schon ein milder Vitamin-B12-Mangel genügt, um den geistigen Verfall zu beschleunigen. Bei Demenzsymptomen (besser schon vorher) gilt es also in jedem Fall, auch den Vitamin-B12-Spiegel zu bestimmen (HoloTC im Serum) und dieses entsprechend hochdosiert zu ergänzen (u. U. per Injektion). Stehen die Symptome tatsächlich mit einem Vitamin-B12-Mangel in Verbindung, bessern sich die Beschwerden und die " Demenz" kann sogar ganz verschwinden.

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Weitere Risiken und Bedenken

Zusätzlich zu den genannten Risiken gibt es weitere Bedenken im Zusammenhang mit der Einnahme von Magenmedikamenten:

  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: Wer neben PPI regelmäßig auf weitere Arzneien angewiesen ist, sollte sich über mögliche Wechselwirkungen informieren. Diese können etwa bei Schlafmitteln und Herzmedikamenten auftreten.
  • Säure-Rebound-Effekt: Daher sollte eine länger laufende Therapie nicht abrupt, sondern ausschleichend über längere Zeit beendet werden.
  • Infektionsrisiko: Bei zu langer Therapie drohen vor allem immungeschwächten Patienten und Patientinnen vermehrt Magen-Darm-Infektionen.
  • Nierenschäden: In anderen Studien ermittelten Forscherteams, dass PPI Nierenschäden begünstigen könnten. Dazu gehören akute Nierenentzündung, chronisches Nierenversagen oder dessen Verschlechterung.

Alternativen zur Langzeiteinnahme von PPI

Angesichts der potenziellen Risiken der Langzeiteinnahme von PPI ist es wichtig, alternative Behandlungsansätze in Betracht zu ziehen. Hier sind einige Optionen:

  • Lebensstiländerungen: Am Anfang jeder Therapie sollte ein Gespräch über Allgemeinmaßnahmen stehen. Besonders wichtig ist eine Gewichtsreduktion (bei Übergewicht). Oft kann damit der Verbrauch an Medikamenten gesenkt oder das Problem sogar ganz gelöst werden. Die Art der Ernährung hat keinen sicheren Einfluss auf die Erkrankung. Mediterrane Kost scheint Vorteile zu haben. Ansonsten sollte der Patient unverträgliche Speisen und Getränke meiden. Schlafen mit erhöhtem Oberkörper (schiefe Ebene) oder in Linksseitenlage kann vorteilhaft sein. Bauchatmung trainiert die Zwerchfellschenkel, die an der Antireflux-Barriere beteiligt sind. Eine genügende Nachtruhe wirkt sich positiv auf die Sensitivität der ösophagealen Schleimhaut aus.
  • Antazida und Alginate: Bei Patienten mit leichten bis moderaten Refluxbeschwerden ohne höhergradige Läsionen in der Speiseröhre kann man auch eine reine Symptombehandlung ohne PPI erwägen. Es konnte gezeigt werden, dass ein Alginat die Symptome hier ebenso gut kontrolliert wie 20 mg Omeprazol. Auch für Sodbrennen in der Schwangerschaft sind Alginate eine gute Option.
  • Chirurgische Optionen: Für Patient/innen, die unter schwerem Reflux leiden, kommt daher auch eine OP infrage. Das herkömmliche Verfahren ist eine so genannte "Manschettenoperation". Sie wird heute über vier 0,5 - 1 Zentimeter große Schnitte in der Schlüssellochtechnik durchgeführt. Der obere Anteil des Magens wird dabei wie eine Manschette um den unteren Schließmuskel der Speiseröhre gelegt und vernäht. Die Manschette verstärkt den Verschlussmechanismus und verengt den Eingang in den Magen, sodass der Rückfluss von Magensäure verhindert wird.
  • Überprüfung der Medikamenteneinnahme: Medikamente können Reflux fördern oder die Ösophagusschleimhaut auch direkt schädigen. Refluxfördernd sind zum Beispiel Calciumantagonisten und Nitrate, während zum Beispiel Kalium und Bisphosphonate direkte Schäden setzen können.

Wichtige Hinweise zur Einnahme von Magenmedikamenten

Damit die Magensäure auch tatsächlich weniger wird und die Beschwerden abnehmen, sollten Sie einige Dinge bei der Einnahme von PPI beachten:

  • Protonenpumpeninhibitoren (PPI) auf nüchternen Magen nehmen, da sie sonst nicht helfen. Am besten eine Stunde vor der nächsten Mahlzeit.
  • Bestehen die Beschwerden tagsüber, sollten Sie das Medikament vor dem Frühstück schlucken. Also nach dem Aufstehen rechtzeitig daran denken, damit Sie den Zeitabstand einhalten.
  • Treten die Probleme mit der Magensäure nachts auf, nimmt man PPI eine halbe Stunde vor dem Abendessen.
  • Sie haben vergessen, das Mittel zu nehmen? Bitte jetzt nicht zum nächsten Einnahmezeitpunkt zwei Tabletten oder Kapseln schlucken, sondern einfach mit der normalen Dosis weitermachen.

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