Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem, das viele Menschen betrifft. Fachleute unterscheiden über 250 verschiedene Arten von Kopfschmerzen, wobei Spannungskopfschmerzen und Migräne die häufigsten sind. Der Welttag der Migräne, der jährlich am 5. September stattfindet, soll auf die Probleme aufmerksam machen, die mit Kopfschmerzen verbunden sind, und Patienten über Kopfschmerzen aufklären. Die Initiative für den bundesweiten Kopfschmerztag in Deutschland geht primär auf eine Kooperation des Bundesverbands Deutsche Schmerzhilfe e. V. mit der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) sowie der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) und das Jahr 1999 zurück.
Was sind Kopfschmerzen?
Aktuell unterscheiden Mediziner über 250 verschiedene Arten von Kopfschmerzen. Diese Schmerzempfindungen im Kopfbereich beruhen in der Regel auf der Reizung schmerzempfindlicher Kopforgane und können dementsprechend recht unterschiedliche Quellen bzw. Ursachen haben. Entgegen der weitverbreiteten Annahme zählt die eigentliche Hirnmasse des Menschen aber hier nicht dazu. Die ist nämlich eigentlich nicht schmerzempfindlich. Im Folgenden einige Beispiele für mögliche Schmerzverursacher:
- Blutgefäße im Gehirn
- Hirnhaut
- Nervenstränge im Gehirn
- die obersten Spinalnerven
- Sehnerv oder Übermüdung der Augen
- Zähne bzw. Zahnwurzeln.
Bis zu 90 Prozent aller Deutschen leiden mindestens einmal im Leben unter Kopfschmerzen. Regelmäßig betroffen sind laut Deutscher Schmerzhilfe mehr als die Hälfte der Erwachsenen und knapp 20 Prozent der Kinder zwischen acht und 16 Jahren.
Spannungskopfschmerzen und Migräne
Rund 320 verschiedene Arten von Kopfschmerzen gibt es. Der Spannungskopfschmerz und die Migräne sind die beiden häufigsten Kopfschmerzarten. Sie werden in die Kategorie "primäre" Kopfschmerzen eingeordnet und gelten als Krankheit. "Sekundäre" Kopfschmerzen treten als Folge anderer Erkrankungen auf, zum Beispiel durch eine Erkältung, Bluthochdruck oder eine Verletzung an Kopf oder Halswirbel.
Spannungskopfschmerzen
Unter Spannungskopfschmerzen leiden etwa 10 Prozent der Frauen und 6,5 Prozent der Männer, so die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Die Intensität von Spannungskopfschmerzen kann variieren. Betroffene wissen sich oft nur noch mit Schmerztabletten zu helfen. Dabei könnten Schmerztabletten selbst Kopfschmerzen verursachen, wenn sie zu häufig eingenommen werden. Die DGN empfiehlt deshalb bei häufigen Kopfschmerzen Entspannungsverfahren, Stressbewältigung und Verhaltenstherapien. Auch Physiotherapie und Ausdauersport können helfen. Bei besonders schweren Fällen könnten Medikamente helfen, dann aber nicht Schmerzmittel, sondern eine Dauertherapie mit Amitriptylin, einer Substanz, die der Klasse der Antidepressiva angehört.
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Migräne
Migräne spielt noch einmal in einer ganz anderen Liga: die Schmerzen sind schier unerträglich und jede Bewegung, aber auch viele Sinneseindrücke verstärken sie noch. Wer Glück hat, leidet nur einige Stunden. Bei anderen hält der Migräneanfall über 72 Stunden an. Migräne kann heutzutage gut behandelt werden. Eins vorweg: Migräne ist keine harmlose Unpässlichkeit, sondern eine ernste und anerkannte neurologische Erkrankung mit echtem Leidensdruck.
14,8 Prozent aller Frauen und 6,0 Prozent der Männer erfüllen die kompletten Kriterien für Migräne. Dagegen gibt es spezielle Schmerzmittel wie Triptane - und neuerdings Gepante und Ditane. Die Daten einer Studie des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2020 zeigen allerdings, dass die Mehrheit der Betroffenen freiverkäufliche Schmerzmittel verwendet, die nicht speziell gegen Kopfschmerzen entwickelt wurden: "Das ist schade, denn vielen Betroffenen könnten Schmerzen erspart werden. Es wird unterschätzt, dass die Migräne eine neurologische Krankheit ist, bei der eine neurologische Betreuung angeraten ist. Beispielsweise wissen wir, dass eine Migräne zu einem höheren Schlaganfallrisiko bei jüngeren Menschen führt", erklärt Prof. Dr. med. Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung in einer Pressemeldung der DGN.
Für Migräne typisch sind mäßige bis starke Kopfschmerzen, die überwiegend nur auf einer Seite des Kopfes auftreten. Betroffene lokalisieren sie hinter Stirn, Schläfe oder Auge und beschreiben sie als pulsierend, pochend oder hämmernd. Körperliche Aktivität - oft reichen kleine Bewegungen - verstärkt die Schmerzen, Auf Licht, Geräusche und Gerüche reagieren die meisten Migränebetroffenen ebenfalls empfindlich.
Migräne kommt anfallsartig, wobei die einzelnen Anfälle zwischen 4 und 72 Stunden anhalten können. Bei etlichen Betroffenen kündigt sich ein Migräneanfall durch eine sogenannte Aura an: Sehstörungen wie farbige Lichtblitze oder gezackte Linien, verschwommenes Sehen oder teilweise Ausfälle des Gesichtsfeldes können mögliche Symptome sein. Seltener treten Doppelbilder auf. Daneben kann es aber auch zu Sensibilitätsstörungen kommen, die sich als ein Kribbeln oder durch ein Taubheitsgefühl äußern. In der Regel halten die Symptome einer Aura zwischen 5 und 60 Minuten an. Sie verschwinden meist, bevor der Migräneschmerz einsetzt.
Migräne bei Kindern
Kopfschmerzen sind unter Kindern und Jugendlichen ebenso häufig verbreitet wie unter Erwachsenen. Laut einer Greifswalder Untersuchung geht nur ein Viertel der Schüler, die regelmäßig von Kopfschmerzen betroffen sind, zum Kinder- und Jugendarzt. Migräne kann bei Kindern andere Symptome haben als bei Erwachsenen. So geht der Migräne-Kopfschmerz bei Kindern häufig von der Mitte der Stirn aus und ist nicht nur einseitig wie bei älteren Betroffenen. Zudem klagen Kinder oft über Migräne am Nachmittag, während bei Erwachsenen viele Migräneattacken am Morgen beginnen. Die Anfälle sind bei Kindern von kürzerer Dauer (bis etwa zwei Stunden) als bei Erwachsenen. Der Spannungskopfschmerz wandert - wie bei den Erwachsenen - vom Nacken zur Stirn und kann auch bis zu den Augen oder Wangen reichen. Eltern sollten aufmerksam werden, wenn die Häufigkeit der Kopfschmerzen bei Kindern zunimmt oder die Kinder wiederholt wegen Schmerzen aus dem Schlaf aufwachen. Bei leichten Migräneattacken sind Kühlung, Reizabschirmung und Schlaf sinnvoll.
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Chronische Migräne
Vielen Menschen und sogar Ärzten ist die Chronische Migräne als Erkrankung, bzw. der Begriff, noch unbekannt. Was viele nicht wissen: Sie ist eine eigenständige Krankheitsform, die sich von anderen Arten des Kopfschmerzes deutlich unterscheidet. Sie kann den Alltag und die Lebensqualität der Betroffenen extrem beeinträchtigen.
Üblicherweise tritt Migräne in unregelmäßigen Abständen als anfallsartiger Kopfschmerz auf. Diese gut voneinander abgrenzbaren Kopfschmerzattacken werden auch Episoden genannt. Wird die Migräne immer häufiger und geht eine Migräneattacke nahezu ohne Pause in die nächste über, kann aus der Episodischen Migräne eine Chronische Migräne werden.
Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist eine schwere Migräne eine der am stärksten einschränkenden Erkrankungen. Bei einer chronischen Migräne bestehen seit 3 Monaten oder länger Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, davon 8 oder mehr Tage mit Migräne. Haben Sie im Monat mehr Tage mit Kopfschmerzen als ohne, kann das ein Hinweis auf Chronische Migräne sein.
Selbsttest für Chronische Migräne
Wenn Sie häufig unter Kopfschmerzen leiden, kann ein Selbsttest Anhaltspunkte geben, ob Sie Chronische Migräne haben könnten.
Typische Symptome
- Wiederholte Kopfschmerzattacken, die unbehandelt 4-72 Stunden anhalten
- Meist nur eine Kopfseite betroffen, wobei der Schmerz die Seite wechseln kann
- Dumpfer, drückender Schmerz
- Bewegung (Aufstehen, Gehen, Bücken, Treppensteigen) verschlimmert den Schmerz, er wird stechend, pulsierend oder pochend
- Mittlere bis starke Schmerzintensität, die zu Beeinträchtigung im Alltag führt
Typische Begleiterscheinungen
- Übelkeit und/oder Erbrechen
- Lichtempfindlichkeit
- Geräusche wie Musik oder Straßenlärm werden unerträglich
- Geruch von z.B. Parfüm oder Blumenduft wird als störend empfunden
- Allgemeines Krankheitsgefühl
- Erhöhtes Ruhebedürfnis und der Wunsch, sich zurückzuziehen
- Appetitlosigkeit
Mögliche Vorboten und Auslöser
Mögliche Vorboten einer Migräne ohne Aura
Bereits ein paar Tage vor der eigentlichen Migräneattacke können sogenannte Vorboten Hinweise auf den nächsten Anfall liefern. Etwa 30 % der Menschen mit Migräne ohne Aura beschreiben dieses Phänomen. Mögliche Symptome, die auf eine bevorstehende Migräneattacke hindeuten, sind Stimmungsschwankungen, häufiges Gähnen, Heißhunger oder Appetitlosigkeit, extremer Durst sowie Verdauungsprobleme.
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Mögliche Vorboten einer Migräne mit Aura
Zickzack-Formen, Blitze oder Wortfindungsstörungen: Bevor der eigentliche Migränekopfschmerz einsetzt, kommt es bei etwa 10-15 % der Migränepatienten zu neurologischen Reiz- und Ausfallerscheinungen. Die sogenannte Aura kündigt die nächste Migräneattacke an. In der Regel klingen die Symptome spätestens nach einer Stunde wieder vollständig ab. Der typische Migränekopfschmerz tritt entweder zusammen mit den Ausfallerscheinungen auf oder etwas verzögert.
Beispiele für Symptome einer Aura
- Sehstörungen, die bei geöffneten und geschlossenen Augen auftreten
- Sehfeldeinschränkung
- Flimmersehen
- Blendende Kreise oder Vierecke, die sich immer weiter ausbreiten
- Lichtblitze, Zickzackstrukturen oder Sterne vor den Augen
- Gefühlsstörungen
- Taubheitsgefühle in Arm, Bein oder im Gesicht
- Sensibilitätsstörungen, z.B. Kribbeln in Armen oder Beinen
- Essen kann anders schmecken oder geschmacklos werden
- Lähmungserscheinungen
- Sprech- und Wortfindungsstörungen
- Aussprache und/oder die richtige Verwendung von Worten ist beeinträchtigt
Mögliche Auslöser (Trigger)
Es gibt bestimmte innere und äußere Einflussfaktoren, die eine Migräne-Attacke begünstigen können. Viele Migränepatienten wissen mit der Zeit, auf welche Dinge oder Situationen bei ihnen eine Attacke folgt. Solch mögliche Auslöser, auch Trigger genannt, sind:
- Aufregung oder Stress
- Entspannungsphasen nach Stresssituationen, z.B. der abrupte Wechsel vom stressigen Alltag in die erholsame Urlaubszeit
- Schlafmangel oder veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus, z.B. durch späteres Zubettgehen oder längeres Ausschlafen am Wochenende
- Körperliche Anstrengung bei Sport, Freizeitaktivitäten oder der Arbeit
- Nackenschmerzen
- Hormonelle Veränderungen durch Periode, Schwangerschaft oder Wechseljahre
- Auslassen von Mahlzeiten
- Lebensmittel, z.B.: Käse, Alkohol, Kaffee und das darin enthaltene Koffein (auch die Reduzierung des Kaffeekonsums), Cola, Schokolade
- Wetterumschwünge und Klimawechsel
- Temperaturanstieg mit plötzlicher Hitze, Luftdruckveränderungen, Föhnwetter
- Düfte und Gerüche
- Parfüm, Zigarettenrauch, Duftbaum im Auto, Raumsprays
- Licht
- Blendende Scheinwerfer, Helles oder flackerndes Licht, Neonlicht
Mögliche Trigger sind individuell sehr verschieden und können bei jedem anders ausgeprägt sein. Die gute Nachricht: Wenn Sie Ihre Trigger kennen, lassen sich manche davon bewusst vermeiden. Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, vermeidbare Auslöser von Migräne zu entdecken.
Diagnose und Behandlung
Die Ausprägung der Beschwerden hilft Experten, eine Migräne von anderen Arten des Kopfschmerzes zu unterscheiden. Um die Diagnose Migräne zu stützen und Ansatzpunkte für eine Behandlung zu bekommen, bietet es sich an, ein sogenanntes Kopfschmerztagebuch zu führen. Das funktioniert auch digital über die kostenlose Migräne-App der Schmerzklinik Kiel. Darin wird vermerkt, wann und wie lange die Kopfschmerzen auftraten, ob es Begleiterscheinungen wie Übelkeit oder Vorboten gab, ob und wenn ja, welche Medikamente eingenommenen wurden, und ob diese gewirkt haben. Wenn mehr als fünfmal Schmerzattacken mit den typischen Beschwerden aufgetreten sind.
Bei der Akuttherapie der Migräne ist es das Ziel, möglichst rasch die Schmerzattacke sowie Übelkeit und Erbrechen zu beenden. Um die Schmerzen zu lindern oder auszuschalten, greifen die meisten Migränebetroffenen zuerst zu rezeptfreien Schmerzmitteln wie beispielsweise Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen. Gegen die Übelkeit gibt es ebenfalls Medikamente (Antiemetika), die idealerweise kurz vor den Schmerzmitteln eingenommen werden. Neben den klassischen Schmerzmitteln kommen auch spezielle Wirkstoffe wie die Triptane infrage. Sie sollten erst nach der Aura und kurz vor oder zu Beginn der Kopfschmerzphase eingenommen werden.
Auch wenn (niedrig dosierte) Schmerzmittel und auch manche Triptane rezeptfrei erhältlich sind, empfiehlt es sich, bei Migräne ärztlichen Rat einzuholen. Zumal die Akutmedikation nicht länger als drei Tage am Stück eingenommen werden sollte - und an weniger als 10 Tagen im Monat, um einem Medikamenten-Übergebrauchs-Kopf-Schmerz (MÜK) vorzubeugen.
Zur Vorbeugung eines Migräneanfalls kommen medikamentöse und nichtmedikamentöse Maßnahmen zum Einsatz. Die Medikamente stammen aus ganz verschiedenen Substanzklassen und sind verschreibungspflichtig. Wichtig ist zudem, den Lebensstil zu verändern und Migräne-Auslöser zu vermeiden.
Migräne begünstigt Begleiterkrankungen
Menschen mit Migräne leiden häufig zusätzlich an Angststörungen und Depressionen. Zudem haben Migränepatienten ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Auch zeigt sich ein Zusammenhang von Migräne und hohem Blutdruck sowie Herzkreislauf-Erkrankungen und anderen Schmerzerkrankungen.
Kopfschmerzen durch Schmerztabletten
Unter Spannungskopfschmerzen leiden etwa 10 Prozent der Frauen und 6,5 Prozent der Männer, so die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Betroffene wissen sich oft nur noch mit Schmerztabletten zu helfen. Dabei könnten Schmerztabletten selbst Kopfschmerzen verursachen, wenn sie zu häufig eingenommen werden.
Initiativen und Unterstützung
Die neue Initiative »Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen« möchte die Versorgung der Patienten verbessern und startet am 5. September 2019 zum Weltkopfschmerztag. Die Kampagne „Migräne verstehen - bevor sie laut wird“ wurde gemeinsam mit Ärztinnen, Ärzten und Betroffenen entwickelt. Sie vermittelt Wissen, teilt persönliche Erfahrungen und bietet eine unterstützende Community.