Wer bekommt eher Alzheimer? Risikofaktoren und Präventionsmöglichkeiten

Die Diagnose Alzheimer-Demenz ist für die meisten Betroffenen und ihre Angehörigen ein einschneidendes Ereignis. Sie kann jedoch auch dazu beitragen, zuvor unerklärliche Verhaltensänderungen oder Persönlichkeitsveränderungen verständlicher zu machen. Die Art und Weise, wie ein Mensch mit der Krankheit umgeht, hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter Veränderungen im Gehirn, der Charakter, die Lebensgeschichte, die aktuelle Lebenssituation und die Beziehungen zu anderen Menschen. Während manche Menschen trotz der Alzheimer-Demenz ein aktives und erfülltes Leben führen können, benötigen die meisten Unterstützung. Auch für Angehörige und Freunde stellt die Erkrankung eine große Herausforderung dar.

Umgang mit der Diagnose und Unterstützung

Der Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen, beispielsweise in Selbsthilfegruppen, wird oft als wertvoll empfunden. Im Laufe der Zeit müssen wichtige Entscheidungen getroffen werden, die Unterstützung im Alltag, die Behandlung, die spätere Versorgung und die passende Wohnform (häusliches Umfeld, Pflegeheim, Wohngruppe) betreffen. Es ist wichtig, dass Menschen mit Demenz aktiv an Entscheidungen über ihre Belange beteiligt werden, solange dies möglich ist. Angehörige sollten in die Behandlungspläne einbezogen werden und Angebote erhalten, die auf ihre persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Dazu gehören Schulungen, praktische Hilfen und Beratung bei finanzieller Unterstützung und Antragsstellung. Wenn eine Demenzerkrankung weit fortgeschritten ist und eine umfassende Betreuung erforderlich wird, kann der Umzug in eine Einrichtung mit fachkundiger Pflege, Betreuung und medizinischer Versorgung die beste Lösung für alle Beteiligten sein.

Das Alzheimer-Risiko: Wer ist gefährdet?

Viele Menschen fragen sich, ob sie selbst an Alzheimer erkranken könnten. Tatsächlich ist niemand vor dieser Krankheit geschützt. Nach aktuellem Forschungsstand gibt es eine Reihe von Risikofaktoren, die die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz begünstigen können.

Der entscheidende Faktor: Das Alter

Das Alter spielt eine entscheidende Rolle. Vor dem 70. Lebensjahr tritt die Erkrankung eher selten auf. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Alzheimer oder einer anderen Form der Demenz zu erkranken, jedoch deutlich an. Der langsam fortschreitende Abbau der Großhirnrinde (Hirnatrophie) bei der Alzheimer-Krankheit beginnt meist im höheren Lebensalter, etwa ab 65 Jahren.

Genetische Faktoren

Genetische Faktoren spielen bei der Entstehung von Alzheimer nur eine untergeordnete Rolle. Allerdings gibt es einen genetischen Risikofaktor: Varianten im Gen für ein Eiweiß namens Apo-Lipoprotein E (ApoE). Dieses Eiweiß ist für den Transport von Cholesterin im Blut notwendig und liegt in drei Varianten vor, wobei eine vor Alzheimer zu schützen scheint, während eine andere die Anfälligkeit für die Erkrankung erhöht.

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Weitere Risikofaktoren

Neben Alter und Genetik gibt es weitere Faktoren, die das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung erhöhen können:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bluthochdruck (Hypertonie), erhöhte Cholesterinwerte (Hypercholesterinämie), ein erhöhter Homocystein-Wert und Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) können das Risiko erhöhen. Sie belasten die Gefäße oder den Stoffwechsel und fördern Entzündungen oder schädliche Ablagerungen im Gehirn.
  • Diabetes: Typ-2-Diabetes zählt zu den am besten belegten Risikofaktoren für Demenz. Ein schlecht eingestellter Blutzucker bei Diabetes-Patienten erhöht ebenfalls das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung.
  • Übergewicht: Übergewicht, besonders im mittleren Lebensalter, erhöht das Risiko, später an einer Demenz zu erkranken. Besonders problematisches Bauchfett, das Fettgewebe um die Organe im Bauchbereich, fördert hohen Blutdruck und entzündliche Erkrankungen und belastet die Gefäße.
  • Rauchen: Rauchen erhöht das Risiko für Alzheimer und vaskuläre Demenz, vor allem durch die negativen Auswirkungen auf Herz, Gefäße und Gehirn.
  • Alkoholkonsum: Regelmäßiger, hoher Alkoholkonsum kann zum Verlust der grauen Masse im Gehirn führen und das Risiko für alle Formen der Demenz erhöhen. Langjährige schwere Alkoholabhängigkeit kann das Wernicke-Korsakoff-Syndrom auslösen, eine bleibende Gehirnschädigung durch Vitamin-B1-Mangel.
  • Soziale Isolation und Einsamkeit: Soziale Isolation und das Gefühl der Einsamkeit können das Risiko erhöhen, an Demenz zu erkranken, da das Gehirn Anregung durch Gespräche, Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten benötigt.
  • Luftverschmutzung: Feine Partikel aus Abgasen, Industrie und Holzöfen können Entzündungen auslösen, die Gefäße schädigen und langfristig die geistige Gesundheit beeinträchtigen.
  • Sehschwäche: Unbehandelte Sehschwächen können dem Gehirn wichtige Reize entziehen und das Demenzrisiko erhöhen.
  • Kopfverletzungen: Schwere oder wiederholte Kopfverletzungen erhöhen das Risiko für Demenzerkrankungen wie Alzheimer und die chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE).
  • Bewegungsmangel: Wer sich im Alltag kaum bewegt, erhöht sein Risiko, an einer Demenz zu erkranken.
  • Depressionen: Anhaltende Niedergeschlagenheit, sozialer Rückzug und mangelnde Selbstfürsorge belasten nicht nur die Seele, sondern auch das Gehirn.

Die Bedeutung der kognitiven Reserve

Geistige Anregung in jungen Jahren schützt das Gehirn, besonders durch den Aufbau sogenannter kognitiver Reserven. Diese Reserve ermöglicht es dem Gehirn, Schäden besser zu kompensieren.

Frauen und Alzheimer: Ein erhöhtes Risiko?

Frauen erkranken deutlich häufiger an Alzheimer als Männer. Rund zwei Drittel der Alzheimer-Erkrankten sind Frauen. Lange galt die höhere Lebenserwartung von Frauen als Grund, doch neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass auch geschlechtsspezifische Unterschiede, insbesondere im Hormonhaushalt, eine Rolle spielen könnten.

Der weibliche Hormonhaushalt

Ein zentraler Faktor ist der weibliche Hormonhaushalt, insbesondere Estradiol, ein Hormon aus der Gruppe der Östrogene. Studien deuten darauf hin, dass der sinkende Estradiolspiegel vor, während und nach der Menopause das Risiko für Alzheimer erhöhen könnte. Umgekehrt könnte ein Ausgleich dieses Hormonspiegels durch Hormonpräparate einen schützenden Effekt haben.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen

Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen eine wichtige Rolle. Nach der Menopause haben Frauen ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, da der Östrogenmangel die Gefäße weniger schützt und die Cholesterin- und Blutdruckwerte sich verschlechtern können.

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Sozioökonomische Faktoren

Soziale und ökonomische Gründe können ebenfalls eine Rolle spielen. Frauen verdienen oft weniger als Männer und haben dadurch einen schlechteren Zugang zum Gesundheitssystem. Sie arbeiten oft in kognitiv weniger anspruchsvollen Berufen oder unterbrechen ihre Karriere für Familienarbeit, was das Gehirn weniger fordert. Durch die Doppelbelastung von Erwerbsarbeit und unbezahlter Care-Arbeit sind Frauen oft großem Stress ausgesetzt und haben ein höheres Risiko, an Depressionen zu erkranken.

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Forschung

Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Entstehung, der Diagnose und der Behandlung der Alzheimer-Krankheit werden immer noch zu wenig berücksichtigt. Es ist noch nicht ausreichend erforscht, welche Rolle weibliche Hormone und genetische Faktoren beim Abbau der Nervenzellen im Gehirn spielen. Viele Diagnoseverfahren orientieren sich an Symptomen, die bei Männern häufiger vorkommen, was dazu führen kann, dass Alzheimer bei Frauen später oder falsch diagnostiziert wird.

Prävention: Was kann man tun?

Obwohl es keine Garantie dafür gibt, nicht an Alzheimer zu erkranken, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, das Risiko zu senken und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Es gibt genetische Risiken, aber auch der Lebensstil spielt eine Rolle.

Lebensstil und Ernährung

Ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung und ausreichend geistiger Stimulation ist der beste Weg, um einer Demenz bestmöglich vorzubeugen. Was dem Körper schadet, ist auch schädlich für das Gehirn: Faktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel und Bluthochdruck erhöhen das Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Früh im Leben an das eigene Gehirn zu denken ist wichtig, denn Gehirngesundheit entscheidet sich im mittleren Lebensalter.

Die Livingston-Studie: 12 Risikofaktoren im Blick

Die Livingston-Studie identifizierte zwölf veränderbare Risikofaktoren für Demenz:

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  1. geringe Bildung in jungen Jahren
  2. unbehandelte Schwerhörigkeit
  3. Hirnverletzungen
  4. Bluthochdruck
  5. Alkoholkonsum
  6. Adipositas mit BMI über 30
  7. Rauchen
  8. Depression
  9. Soziale Isolation
  10. Bewegungsmangel
  11. Luftverschmutzung
  12. Diabetes

Die Vermeidung dieser Faktoren kann das Demenzrisiko deutlich senken.

Weitere präventive Maßnahmen

  • Regelmäßige Bewegung: Bewegung senkt hohen Blutdruck und hilft, frisches Blut ins Gehirn zu schicken. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive Bewegung pro Woche.
  • Geistige Aktivität: Geistige Anregung in jedem Alter hält das Gehirn fit und baut kognitive Reserven auf.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann dazu beitragen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes vorzubeugen, die wiederum Risikofaktoren für Demenz sind.
  • Soziale Kontakte: Pflegen Sie soziale Kontakte und bleiben Sie aktiv am gesellschaftlichen Leben beteiligt.
  • Vermeidung von Kopfverletzungen: Schützen Sie Ihren Kopf vor Stößen und Stürzen.
  • Stressbewältigung und ausreichend Schlaf: Stress und Schlafmangel können das Gehirn belasten.
  • Regelmäßige ärztliche Kontrollen: Lassen Sie regelmäßig Ihren Blutdruck, Cholesterinspiegel und Blutzucker überprüfen.

Prävention ist in jedem Alter möglich

Es ist nie zu spät, mit der Prävention zu beginnen. Auch im höheren Lebensalter können Maßnahmen ergriffen werden, um das Demenzrisiko zu senken.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose von Demenzerkrankungen lässt sich bei den meisten Betroffenen mit einfachen Mitteln stellen. Auch die Alzheimer-Krankheit kann mit geringem diagnostischen Aufwand gut erkannt werden. Sofern Warnsignale vorliegen, zum Beispiel Vergesslichkeit für wiederkehrende Ereignisse und alltägliche Begebenheiten, Wortfindungsstörungen oder Orientierungseinbußen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Gerade bei leichten, beginnenden Einbußen ist es empfehlenswert, - nach Absprache mit dem Hausarzt - einen Facharzt (Neurologe bzw. Psychiater) oder eine Gedächtnissprechstunde aufzusuchen.

Medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlung

In der Behandlung von Patienten mit Demenzerkrankungen spielen Medikamente eine wichtige Rolle. Sie werden zur Stabilisierung der geistigen Leistungsfähigkeit und der Alltagsbewältigung, zur Milderung von Verhaltensstörungen und in manchen Fällen auch zur Verhinderung weiterer Schädigungen des Gehirns eingesetzt. Zur Behandlung gehören auch die geistige und körperliche Aktivierung der Betroffenen, die richtige Weise des Umgangs, die bedarfsgerechte Gestaltung der Wohnung und die Beratung der Angehörigen.

Neue Medikamente zur ursächlichen Behandlung

Seit 2025 sind in der Europäischen Union zwei Antikörper zur ursächlichen Behandlung der frühen Alzheimer-Demenz zugelassen: Lecanemab (Handelsname "Leqembi") und Donanemab (Handelsname "Kisunla"). Diese Medikamente bauen aktiv Amyloid-Plaques ab, die bei der Entstehung der Krankheit eine zentrale Rolle spielen. Da beide Wirkstoffe mit starken Nebenwirkungen verbunden sein können, sind für die Behandlung damit strenge Richtlinien erlassen worden.

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