Mehr als zwei Drittel der Deutschen leiden gelegentlich unter Kopfschmerzen. Bei Wetterwechseln treten die Beschwerden gehäuft auf. Viele Betroffene berichten von einem klaren Zusammenhang zwischen Wetterumschwüngen und ihren Beschwerden. Diese sogenannte wetterbedingte Migräne ist mehr als ein bloßer Zufall: Temperaturstürze, Luftdruckveränderungen und feuchte Luft können im Körper regelrechte Kettenreaktionen auslösen - mit schmerzhaften Folgen für das Nervensystem.
Kopfschmerz und seine Auswirkungen
Es gibt 250 Arten von Kopfschmerzen. Nach Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) kommen bei 70 Prozent der Deutschen Kopfschmerzen vereinzelt oder sogar an mindestens 15 Tagen im Monat vor. Besonders häufig treten die Beschwerden bei Wetterwechseln auf. Patienten geben häufig Wetterfühligkeit als Grund für den Kopfschmerz an. Dabei ist es nicht das Wetter selbst, das krank macht. Es wirkt vielmehr auf die Schwachstellen unseres Körpers. Patienten mit niedrigem Blutdruck fühlen sich bei Wetterwechseln, aber auch bei extrem hohen Temperaturen oft ausgelaugt und müde. Einige klagen über Schwindel bis hin zu Übelkeit. Die Beschwerden können so ausgeprägt sein, dass Betroffene die Notaufnahme aufsuchen.
Mythos oder Realität: Migräne und Wetter
Migräne wird oft missverstanden und ist mit zahlreichen Mythen behaftet - von „Das Wetter ist schuld“ bis hin zu „Migräne ist nur eine Ausrede“. Doch was ist wirklich dran an diesen Behauptungen? Was sind Vorurteile und was ist wissenschaftlich bewiesen?
Mythos Nr. 1: „Menschen mit Migräne stellen sich nur an“ Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass das Gehirn von Menschen mit Migräne anders funktioniert und viel mehr äußere Reize wahrnimmt. Das „Migränehirn“ kann diese Reize aber nicht so gut filtern und arbeitet darum ununterbrochen. So kann es zu einer Reizüberflutung kommen.
Mythos Nr. 2: „Migräne ist nur eine Ausrede“ Menschen mit Migräne sind in vielen Fällen besonders perfektionistisch, sehr gut strukturiert und zuverlässig.
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Mythos Nr. 3: „Das Wetter ist schuld“ Forschende haben noch nicht herausgefunden, was genau am Wetter der Auslöser sein kann. Während die einen auf hohen Luftdruck reagieren, kann bei anderen Menschen ein niedriger Luftdruck Migräne auslösen. Außerdem hat sich gezeigt, dass Veränderungen der Lufttemperatur Migräne auslösen können - egal, ob es wärmer oder kälter wird.
Mythos Nr. 4: „Schokolade löst Migräne aus“ Schokolade ist nicht der Hauptgrund für Migräne. Der Heißhunger auf bestimmte Speisen ist bereits ein Symptom der Migräne.
Mythos Nr. 5: „Migräne ist eine Frauenkrankheit“ Die angeborene Veranlagung für Migräne ist unter Frauen und Männern gleich hoch. Im Alter zwischen ca. 20 und 50 Jahren haben Frauen zwei- bis dreimal häufiger Migräne als Männer, da durch die besondere hormonelle Situation der Frau mehr Attacken ausgelöst werden.
Welche Wetterfaktoren Migräne auslösen können
Die Natur hat viele Gesichter und manche davon sind für Migränepatientinnen und -patienten besonders belastend. Zu den häufigsten Auslösern zählen:
- Plötzliche Temperaturwechsel: Ein Anstieg oder Abfall um mehr als fünf Grad kann ein Migräneauslöser sein. Ein Temperaturanstieg um sechs Grad bereits einen Anstieg der Migräneattacken um 36 Prozent nach sich zieht. Auch ein Anstieg der Luftfeuchtigkeit um 20 Prozent erhöht demnach die Anzahl der Kopfschmerzattacken um rund 22 Prozent.
- Luftdruckschwankungen: Besonders bei Gewitter, Föhnwetter oder vor Wetterfronten reagiert der Körper empfindlich. Bei sinkendem Luftdruck weiten sich Blutgefäße im Gehirn, was Migräneanfälle begünstigt.
- Hohe Luftfeuchtigkeit: Diese begünstigt Spannungszustände und Kreislaufprobleme. Hohe Luftfeuchtigkeit führt oft zu Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen, während trockene Luft Schleimhäute reizt und Entzündungen begünstigt - beides perfekte Trigger für Kopfschmerzen.
- Starke Sonneneinstrahlung: Sie kann in Verbindung mit anderen Faktoren Migräne verstärken. Blendendes Sonnenlicht und hohe Temperaturen sind für viele Migränepatienten problematisch. Photophobie, also Lichtempfindlichkeit, verstärkt Migräne oft zusätzlich. Kombiniert mit Dehydration und Überhitzung können solche Bedingungen regelrechte Kopfschmerzstürme auslösen.
Die sogenannte Migräne durch Wetterumschwung ist also ein Zusammenspiel aus mehreren Reizen, auf die besonders sensible Menschen reagieren.
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Wie reagiert der Körper auf Wetterumschwünge?
Wetterumschwünge beeinflussen mehr als nur unsere Laune. Sie wirken sich direkt auf Blutgefäße, Nervensystem und Hormonhaushalt aus. Besonders stark beeinflussen sie unseren Serotoninspiegel, einen wichtigen Botenstoff im Gehirn, der Stimmung und Schmerzempfinden reguliert. Bei Wetterwechseln sinkt der Serotoninspiegel oft rapide ab. Gleichzeitig verengen oder erweitern sich die Blutgefäße, was das typische Hämmern im Kopf verursachen kann. Hinzu kommt eine erhöhte Reizempfindlichkeit des Nervensystems. Kurzum: Der Körper befindet sich im Ausnahmezustand.
Anzeichen einer wetterbedingten Migräne
Wetterbedingte Migräne entwickelt sich nicht aus dem Nichts. Oft kündigt sie sich mit bestimmten Vorboten an. Diese sogenannten Prodromalsymptome können Stunden oder sogar Tage vor dem eigentlichen Anfall auftreten:
- Müdigkeit oder Erschöpfung
- Reizbarkeit
- Sehstörungen oder Lichtempfindlichkeit
- Heißhunger oder Appetitlosigkeit
- Nackenschmerzen oder Muskelverspannungen
Diese Anzeichen sollte man ernst nehmen, denn je früher man eine Migräneattacke erkennt, desto besser lässt sie sich oft noch abmildern.
Was hilft bei Migräne durch Wetter?
Wenn der Schmerz einmal da ist, zählt jede Minute. Diese Maßnahmen können helfen, die Beschwerden zu lindern:
- Schmerzmittel frühzeitig einnehmen: Am besten bei den ersten Symptomen, nicht erst, wenn der Schmerz voll ausgebrochen ist.
- Rückzugsort aufsuchen: Ein dunkler, ruhiger und kühler Raum ist oft besser geeignet als ein hell beleuchtetes Büro.
- Licht und Lärm meiden: Das Gehirn ist in dieser Phase überreizt.
- Kühlende Kompressen auf Stirn oder Nacken: Lindern Entzündungsprozesse und entspannen.
- Körperliche Anstrengung vermeiden: Sie kann die Symptome verstärken.
Es empfiehlt sich, eine „Migräne-Notfallbox“ bereitzuhalten, in der Schmerzmittel, Schlafmaske, Ohrstöpsel und Kühlpads griffbereit sind.
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Migräne-Tagebuch: Muster erkennen, Auslöser vermeiden
Nicht jede veränderte Wetterlage löst Migräne aus, aber viele Betroffene erkennen wiederkehrende Muster. Ein Migräne-Tagebuch hilft, den Zusammenhang zwischen Wetter und den Beschwerden zu entschlüsseln. Notiere darin regelmäßig:
- Datum und Uhrzeit der Attacke
- Vorboten und Symptome
- Wetterlage (Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit)
- Schlafverhalten, Ernährung, Stresslevel
So entwickelt man mit der Zeit ein Gefühl dafür, wann man besonders achtsam sein sollte und kann vorbeugende Maßnahmen rechtzeitig ergreifen.
Vorbeugung: Was man im Alltag tun kann
Wetter kann man nicht ändern, aber man kann lernen, besser damit umzugehen.
- Regelmäßige Bewegung im Freien: Wer bei Wind und Wetter spazieren geht, Fahrrad fährt, walkt oder joggt, hält den Kreislauf in Schwung, verbessert seine Anpassungsfähigkeit und schützt sich so vor Kopfschmerzen.
- Den Körper stärken: Beschwerden wie wetterbedingte Kopfschmerzen können durch eine gesunde Lebensweise verbessert werden. Verzichten Sie möglichst auf Nikotin und schlafen Sie ausreichend (7,5 Std.).
- Temperaturwechsel-Training: Saunagänge oder Wechselduschen trainieren die Gefäße, das Immunsystem und lindern so Kopfschmerzen durch Wetterfühligkeit. Ideal dafür: ein Kneipp-Schenkelguss am Morgen. Dafür mit kaltem Wasser (bis 18 Grad) die Außenseite eines Beines von Fuß bis Hüfte abduschen.
- Vor allem sollten extreme Temperaturwechsel vermieden werden. Dazu zählen plötzliche Warm-Kalt-Wechsel, etwa durch Klimaanlagen im Auto, aber auch sehr kalte Getränke oder Speisen.
- Auch eine ausgewogene Ernährung ist wichtig. Ein stabiler Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt kann Attacken vorbeugen.
- Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus stabilisiert den Biorhythmus und senkt das Risiko für Attacken. Studien zeigen, dass ein unregelmäßiger Schlaf die Ausschüttung von Signalstoffen im Gehirn beeinflusst und Migräne verstärken kann.
- Auch Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Meditation oder progressive Muskelentspannung können hilfreich sein. Sie unterstützen dabei, Stress abzubauen und den Körper widerstandsfähiger gegen äußere Reize zu machen. Ergänzend wirkt regelmäßige Bewegung wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren vorbeugend gegen Migräne.
Medikamente bei wetterbedingten Kopfschmerzen: Was wirklich hilft
Wenn natürliche Mittel nicht ausreichen, können medikamentöse Behandlungen gezielt dabei helfen, Migräneattacken bei Wetterwechsel zu lindern oder zu verhindern. Wichtig ist dabei, frühzeitig zu handeln, idealerweise schon bei den ersten Vorboten.
- Schmerzmittel (Analgetika): Wirkstoffe wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (ASS) können leichte bis mittelstarke Migräneattacken abschwächen, vor allem, wenn sie frühzeitig eingenommen werden. Wichtig: Tageshöchstmengen laut Beipackzettel beachten!
- Triptane: Bei mittelstarken bis starken Attacken greifen viele Betroffene zu Triptanen. Diese speziellen Migränemittel wirken auf die erweiterten Blutgefäße im Gehirn und helfen auch bei Übelkeit und Lichtempfindlichkeit. Es gibt sie in Tablettenform, als Nasenspray und Injektion.
- Antiemetika: Wenn Übelkeit im Vordergrund steht, können Medikamente wie Metoclopramid oder Domperidon ergänzend eingenommen werden, um die Wirkung anderer Mittel zu verbessern.
- Prophylaxe bei häufigen Anfällen: Treten Migräneanfälle regelmäßig auf, etwa mehr als dreimal im Monat, kann eine vorbeugende Behandlung sinnvoll sein. Dazu zählen Betablocker, Antikonvulsiva, bestimmte Antidepressiva oder auch neuere monoklonale Antikörper gegen CGRP (ein Botenstoff, der bei Migräne eine Rolle spielt).
Wichtig: Sprich vor der Einnahme von Migränemedikamenten immer mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Nur so lässt sich die richtige Therapieform finden, abgestimmt auf deine Beschwerden und mögliche Vorerkrankungen.
Wann man ärztlichen Rat suchen sollte
Gelegentliche Migräneattacken lassen sich oft gut selbst behandeln. Doch es gibt Situationen, in denen ärztliche Unterstützung wichtig ist:
- wenn man mehr als drei Migräneanfälle pro Monat hat
- wenn die Schmerzen besonders intensiv oder langanhaltend sind
- wenn neue Symptome wie Sprachstörungen oder Lähmungen auftreten
- wenn man das Gefühl hat, dass die Lebensqualität leidet
Eine Neurologin oder ein Neurologe kann gemeinsam mit dir klären, ob eine spezielle Therapie oder medikamentöse Prophylaxe sinnvoll ist, zum Beispiel mit Triptanen oder Betablockern.
Fazit: Achtsam durch den Wetterumschwung
Wetterumschwünge können heftige Migräneattacken auslösen, doch man ist ihnen nicht schutzlos ausgeliefert. Mit einem wachsamen Blick für die persönlichen Auslöser, einem strukturierten Alltag und gezielten Entspannungstechniken kann man die Kontrolle zurückgewinnen. Nehmen Sie Ihren Körper ernst, hören Sie auf seine Signale und holen Sie sich Unterstützung, wenn es nötig ist. Denn Lebensqualität ist das Ergebnis guter Selbstfürsorge.
Zusätzliche Tipps
- Apps nutzen: Apps wie „WeatherX“ warnen vor starken Druckschwankungen.
- Ohrstöpsel gegen Druckschwankungen: Diese mindern körperliche Reaktionen und können vorbeugen.
- Bleib hydriert: Regelmäßige Flüssigkeitszufuhr (Wasser, nicht Kaffee!) hilft, den Körper stabil zu halten.
- Nutze Luftbefeuchter bei trockener Luft, um deine Schleimhäute zu schützen. Ein einfacher Trick: Stelle eine Schale Wasser auf die Heizung, um die Luft zu befeuchten.
- Vermeide Alkohol und Koffein, die den Körper zusätzlich dehydrieren können.
- Migräne-Sonnenbrille: Investiere in eine Brille mit UV- und Lichtfilter, speziell für Migränepatienten.
- Kühlende Hilfen: Eine Kühlkompresse im Nacken oder auf der Stirn bringt schnelle Linderung.
- Tagesplanung: Meide heiße Mittagsstunden und bleibe in kühlen Räumen.
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