Wetterwechsel und Rückenerkrankungen: Mythos oder Realität?

Seit langem hält sich der Glaube, dass Schmerzen und Wetterwechsel zusammenhängen. Viele Menschen berichten davon, dass sie bei bestimmten Wetterlagen verstärkt unter Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen oder Kopfschmerzen leiden. Doch was ist dran an dieser "Wetterfühligkeit"? Beeinflusst das Wetter tatsächlich unsere Schmerzen, oder handelt es sich lediglich um einen Mythos? Dieser Frage widmen wir uns im folgenden Artikel.

Studienlage: Kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Wetter und Rückenschmerzen

Wissenschaftler des George Institute for Global Health in Newtown haben in zwei aktuellen Studien den Zusammenhang zwischen Wetter und Schmerzen im unteren Rückenbereich sowie Kniearthrosen untersucht. Dazu analysierten sie Daten von fast 1000 Patienten mit Schmerzen im unteren Rückenbereich sowie etwa 350 mit Kniearthrosen. Die Wissenschaftler verglichen die Wetterdaten aus der Studienperiode vom Australian Bureau of Meterology mit dem Zeitpunkt, als die Probanden über die ersten Schmerzen klagten, sowie mit den klimatischen Bedingungen eine Woche bzw. einen Monat zuvor.

Die Ergebnisse der Studien zeigten, dass es keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Wetterfaktoren wie Niederschlag, Luftfeuchtigkeit, Windverhältnissen oder Luftdruck und dem Einsetzen von Rückenschmerzen gibt. Lediglich wärmere Temperaturen gingen mit einer minimal höheren Schmerzhäufigkeit einher, die jedoch knapp die Signifikanzschwelle unterschritt.

Auch eine Metaanalyse australischer Forscher um Manuela Ferreira von der University of Sydney, die elf Studien aus sieben verschiedenen Ländern auswertete, kam zu dem Schluss, dass es keinen Zusammenhang zwischen Wetter und Schmerzen des Bewegungsapparats gibt. In die Analyse flossen Daten von mehr als 15.000 Teilnehmern ein, die an Erkrankungen der Muskeln oder Knochen wie Rheuma oder Rückenschmerzen litten. Die Forscher fanden kein Muster, das darauf hindeutete, dass Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, Temperaturen oder Niederschlag mit stärkeren Schmerzen in Knien, Hüften oder Rücken korrelierten.

Dr. Daniel Steffens von der Universität Sydney untersuchte bereits vor einigen Jahren den Zusammenhang zwischen Wetterlage und Rückenschmerzen. Auch seine Ergebnisse waren größtenteils negativ, auch wenn sich für Böigkeit und Geschwindigkeit des Windes signifikante Assoziationen ergaben. Klinisch relevant waren die Effekte jedoch nicht.

Lesen Sie auch: Ursachen von Migräne bei Wetteränderung

Ausnahme: Hohe Temperaturen und Gichtanfälle

Eine mögliche Ausnahme von der fehlenden Korrelation zwischen Wetter und Schmerzen fanden die Forscher in Bezug auf Gichtanfälle. Eine Studie hatte gezeigt, dass hohe Temperaturen und sehr trockene Luft das Risiko für einen Gichtanfall verdoppeln können. Die Erkrankung wird durch kleine Kristalle aus Harnsäure ausgelöst, die sich in Gelenken ablagern. Es wird vermutet, dass dieser Prozess durch Dehydration bei sehr hohen Temperaturen begünstigt werden kann.

Subjektives Empfinden und Muskelverspannungen

Auch wenn die wissenschaftliche Evidenz für einen direkten Zusammenhang zwischen Wetter und Rückenschmerzen fehlt, berichten viele Menschen davon, dass sich ihre Beschwerden bei kaltem Wetter verschlimmern. Dafür gibt es verschiedene Erklärungsansätze.

Kälte kann dazu führen, dass sich die Muskeln versteifen und verspannen. Die Muskeln der Wirbelsäule können fest und angespannt werden, was zu Schmerzen führen kann. Zudem kann Kälte die Gelenkschmiere eindicken, was zu einer vermehrten Gelenksteife führen kann.

Auch ein fallender Luftdruck vor einem Sturm oder bei drastischen Temperaturänderungen kann bei manchen Menschen Beschwerden auslösen.

Was tun bei wetterbedingten Rückenschmerzen?

Auch wenn das Wetter nicht die Ursache von Rückenschmerzen ist, können bestimmte Wetterlagen die Beschwerden verstärken. Hier sind einige Tipps, was Sie dagegen tun können:

Lesen Sie auch: Der Conus Medullaris: Eine detaillierte Analyse

  • Warmhalten: Tragen Sie warme Kleidung, besonders in Schichten, um Ihren Körper vor Kälte zu schützen. Achten Sie darauf, dass Ihr unterer Rücken warm bleibt. Nachts können eine Heizdecke oder zusätzliche Decken helfen, die Muskeln vor Anspannung zu bewahren. Halten Sie Ihr Zuhause so warm wie möglich.
  • Gute Schuhe: Tragen Sie Winterschuhe mit Profilen, um Ausrutschen und Stürzen vorzubeugen.
  • Aufwärmen und Dehnen: Nehmen Sie sich vor dem Verlassen des Hauses ein paar Minuten Zeit, um sich zu dehnen und innerlich aufzuwärmen.
  • Richtiges Heben: Wenn Sie Schnee schaufeln müssen, gehen Sie langsam vor und überladen Sie Ihre Schaufel nicht. Heben Sie mit den Beinen, nicht mit dem Rücken, und bewegen Sie eher kleinere Schneeschaufeln als eine große, schwere Schneeschaufel. Verdrehen Sie sich nicht den Rücken, während Sie die Schaufel anheben.
  • In Form bleiben: Auch wenn es im Winter schwerfällt, ist es wichtig, in Form zu bleiben, um Ihrem Rücken zu helfen. Regelmäßige Bewegung und Sport stärken die Muskeln und verbessern die Beweglichkeit.
  • Physikalische Therapie: Moor- und Thermalbäder, Fangokneten und viel Bewegung können helfen, die Beschwerden zu lindern, sofern die entzündliche Aktivität sich in Grenzen hält.
  • Medikamente: Bei Bedarf können schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente eingenommen werden.

Lesen Sie auch: Rückenmarksanatomie im Detail erklärt

tags: #wetterwechsel #bei #ruckenmark #erkrankung