Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem die Myelinscheiden angreift, die die Nervenfasern schützen. Dies führt zu einer Vielzahl von Symptomen, die von Missempfindungen und Sehstörungen bis hin zu Muskellähmungen reichen können. Die genauen Ursachen von MS sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Die medizinische Forschung arbeitet kontinuierlich daran, neue Erkenntnisse über MS zu gewinnen und wirksame Behandlungsstrategien zu entwickeln.
Neue Therapieansätze und Forschungsergebnisse
Propionsäure und die Darmflora
Die Universität Bochum hat festgestellt, dass die Darmflora von MS-Patienten oft beeinträchtigt ist und nicht genügend Propionsäure bildet. Propionsäure ist eine kurzkettige Fettsäure, die eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Immunsystems spielt. Die Idee ist, diesen Mangel durch die Gabe von Natriumpropionat auszugleichen, um das Immunsystem zu unterstützen. Erste Versuchsreihen zeigen vielversprechende Ergebnisse, so dass diese Therapie bald zu einer allgemeinen Empfehlung werden könnte. Natriumpropionat ist in Kapselform erhältlich und wird bereits in der Tiermedizin verwendet.
Hochdosiertes Biotin
In Frankreich laufen seit mehreren Jahren Versuchsreihen mit hochdosiertem Biotin (Vitamin B7) für Patienten mit chronisch-progredienter MS. Auch hier scheinen die Ergebnisse vielversprechend zu sein, wobei Tagesdosen von bis zu 300 mg eingesetzt werden.
GM-CSF-Inhibitoren
Die Erkenntnis, dass bestimmte Vitamine im Labor als GM-CSF-Inhibitoren wirken, hat die Pharmaindustrie dazu veranlasst, patentierbare Antikörper gegen GM-CSF zu entwickeln. Diese Antikörper sollen in den nächsten Jahren auf ihre Wirksamkeit an Patienten getestet werden. Es ist jedoch wichtig, die entsprechenden Studien sorgfältig zu bewerten und auszuwerten, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.
Die Rolle von DEL-1 bei Entzündungen
Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) haben gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam die Bedeutung des Proteins DEL-1 bei der Regulierung von Entzündungen untersucht. DEL-1 spielt eine zentrale Rolle dabei, übermäßige Entzündungen abklingen zu lassen. Das Verständnis der Funktionsweise von DEL-1 könnte neue Ansätze für die Behandlung von Krankheiten wie Multipler Sklerose, Stoffwechselerkrankungen, entzündlichen Knochenerkrankungen oder Krebs liefern.
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Das Protein MOG und Multiple Sklerose
Forscher der Monash University in Melbourne haben die Struktur des Proteins MOG (Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein) entschlüsselt, das eine entscheidende Rolle bei der Multiplen Sklerose spielt. MOG befindet sich am äußersten Rand der Markscheide, die die Nervenzellen schützt. Bei MS stuft der Körper MOG als fremd ein und greift es an. Die genaue Funktion von MOG ist noch unbekannt, aber es könnte für die Erhaltung der Markscheide oder für den Signalisierungsprozess, der die Myelinisation stoppt, mitverantwortlich sein. Die Erkenntnisse aus den MOG-Studien könnten zu einer besseren Behandlung von MS führen.
MLC1 als potenzielles Zielantigen bei MS
Forschende des Universitätsklinikums Bonn (UKB), der Universität Bonn und der FAU Erlangen-Nürnberg haben mit dem Membranprotein MLC1 ein potentielles Zielantigen bei MS identifiziert. MLC1 wird auf Astrozyten und Neuronen exprimiert und könnte eine klinische Relevanz über die MS hinaus besitzen. Zukünftige Studien müssen sich mit dem diagnostischen und prognostischen Wert von MLC1-spezifischen Antikörpern bei neuroinflammatorischen Erkrankungen wie MS beschäftigen und die Rolle der MLC1-Expression von Neuronen und Astrozyten charakterisieren.
Kuhmilch und Multiple Sklerose
Auslöser einer Studie waren Berichte von MS-Patientinnen und -Patienten, dass es ihnen schlechter geht, wenn sie Milch, Quark oder Joghurt zu sich nehmen. Die Forschenden fanden heraus, dass der Kuhmilch-Inhaltsstoff Casein in Kombination mit einem Wirkverstärker bei Mäusen neurologische Störungen verursachen kann. Bei den Mäusen wurde die Isolierschicht um die Nervenfasern, das Myelin, geschädigt. Es wird vermutet, dass eine fehlgeleitete Immunreaktion eine Rolle spielt, bei der das Immunsystem Casein mit einem Eiweiß namens MAG verwechselt, das für die Produktion von Myelin wichtig ist. Die B-Zellen im Blut von MS-Kranken sprechen der Studie zufolge besonders stark auf Casein an. Es wird vermutet, dass die Betroffenen durch den Konsum von Milch eine Allergie gegen Casein entwickelt haben. Sobald sie nun Frischmilchprodukten zu sich nehmen, stellt das Immunsystem massenhaft Casein-Antikörper her, die aufgrund der Kreuzreaktivität mit MAG auch die Myelinschicht um die Nervenfasern schädigen. Es wird momentan ein Selbsttest entwickelt, mit dem Betroffene überprüfen können, ob sie entsprechende Antikörper in sich tragen.
Weizen und Multiple Sklerose
Ein Forschungsteam der Universitätsmedizin Mainz hat herausgefunden, dass eine weizenhaltige Ernährung die Schwere einer Multiple Sklerose-Erkrankung (MS) fördern kann. Dies bewirkten die Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI), natürliche Proteine im Weizen, während die Glutenproteine die entzündlichen Reaktionen nicht beeinflussten. Die Studien bestätigen, dass die Ernährung und die Darmgesundheit den Verlauf von chronisch-entzündlichen Erkrankungen, zu denen auch MS gehört, beeinflussen können. Die Forschungsgruppe will nun untersuchen, inwieweit eine weizenfreie Ernährung medikamentöse Therapien der MS verbessern kann.
Die Bedeutung von Ernährung und Lebensstil
Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Ernährung und Lebensstil eine wichtige Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf von MS spielen können. Eine ausgewogene Ernährung, die reich an entzündungshemmenden Lebensmitteln ist und möglicherweise den Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel wie Kuhmilchprodukte oder Weizen beinhaltet, könnte dazu beitragen, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.
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Natürliche Entzündungshemmer als Alternative zu NSAR
Im Sport kommt es durch Verletzungen, Überlastungen und extrem hohen physischen Belastungen zu ständigen entzündlichen Veränderungen. Ernährung kann aber auch stark entzündungshemmend wirken und somit nicht nur die Regeneration beschleunigen und präventiv wirken, sondern auch Medikamente, welche regenerationshemmend wirken und viele unerwünschten Nebenwirkungen haben, ersetzen. Hierzu wurden insbesondere pflanzliche Inhaltsstoffe und Enzyme untersucht, die sich adäquat dosiert z. B. auch als Nahrungsergänzungsmittel eignen. Enzyme wie Bromelain aus der Ananas, sind bereits lange im Sportbereich bekannt und brauchen den Vergleich der Wirksamkeit zu COX-hemmenden Arzneimitteln als sogenannte „natürliche“ Arzneimittel nicht zu scheuen. Weitere interessante Substanzen sind Omega 3 Fettsäuren und Vitamin D. Kurkumin und Boswellia serrata weisen ebenfalls antiinflammatorische Kapazitäten auf, die bei Athleten untersucht wurden. Ebenso haben die Inhaltsstoffe der roten Beete und die Anthocyanine der Sauerkirsche stark entzündungshemmende Wirkung.
Eiweißzufuhr und Regeneration
Im Rahmen der Regeneration und der Remodellierung des Muskelsehnenapparates wird im Leistungssport eine qualitativ hochwertige Eiweißzufuhr von mindestens 2 g / kg / KG angestrebt und im Trainingsprozess insbesondere die Gabe nach Belastung, um die Proteinbiosynthese optimal zu stimulieren. Bei Muskelverletzungen werden inzwischen 2-2,5 g Eiweiß pro kg / KG empfohlen.
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