Mit ausreichend Einsatz und Durchhaltevermögen können wir scheinbar Unmögliches erreichen und jedes Ziel verwirklichen. Motivation ist der unsichtbare Antrieb, der uns durch das Leben trägt. Doch was genau passiert im Gehirn, wenn Motivation entsteht? Dieser Artikel beleuchtet die komplexen neurobiologischen Prozesse, die unser Verlangen nach Belohnung steuern und uns zu Handlungen motivieren.
Die Rolle des Gehirns und der Neuroplastizität
Das Gehirn spielt eine entscheidende Rolle bei der Motivation. Das komplexe Zusammenspiel verschiedener Gehirnregionen beeinflusst unser Verlangen nach Belohnung und motiviert uns, bestimmte Handlungen auszuführen. Die Neuroplastizität, die Fähigkeit des Gehirns, sich anzupassen und zu verändern, ist ein weiterer zentraler Aspekt. Sie ermöglicht es uns, Gewohnheiten zu formen und zu modifizieren. Durch gezieltes mentales Training können wir die Neuroplastizität unseres Gehirns nutzen, um Motivation zu stärken. Aufmerksamkeit, Lernen und Neuroplastizität hängen sehr eng zusammen. Unser Gehirn entwickelt sich lernend plastisch weiter, wenn es optimale Bedingungen findet: Wir sind aufmerksam für etwas, weil es uns wichtig ist und wir annehmen, die Aufgabe bewältigen zu können.
Neuroplastizität: Die Anpassungsfähigkeit des Gehirns
Unser Gehirn passt sich ein Leben lang an unsere gemachten Erfahrungen an. Es reagiert damit auf Herausforderungen und bereitet uns auf ähnliche, folgende Herausforderungen vor. Diese Anpassungen werden in der Gehirnforschung „Neuroplastizität“ genannt. In der frühen Kindheit ist diese Plastizität am höchsten, sie hält aber bis zum letzten Atemzug an. Die genetische Veranlagung bildet zwar die Ausgangsbasis, doch wie stark und umfangreich die Gene aktiviert werden, hängt von weiteren Faktoren ab, wie insbesondere den Erfahrungen und dem Leben in einem langweiligen, reizarmen, oder, - viel besser fürs Gehirn - spannenden Umfeld mit neuen Impulsen. Die Neurowissenschaften unterscheiden zwei Formen der Neuroplastizität: die funktionell und die strukturelle Plastizität. Die funktionelle Plastizität ändert die Effizienz der synaptischen Übertragung zwischen den Neuronen durch den Umbau oder Aufbau von Rezeptoren (wie kleine Steckverbindungen zwischen den Neuronen). Die Schnelligkeit der synaptischen Übertragung von Informationen wird demnach modifiziert. Die strukturelle Plastizität hingegen verändert das Gehirn anatomisch, also wirklich in seiner Struktur - die Dichte und oder das Volumen ganzer Gehirnareale verändert sich, z. B. der grauen und weißen Substanz (im äußeren Teil des Gehirns), die Dicke der Hirnrinde oder die Form der Windungen (Gyri) (Jäncke 2021, S. 529ff) - und das nicht nur nachweisbar bei Musikern oder Sportlern, sondern bei jedem Menschen, denn das Lernen initiiert solche plastischen Prozesse ein Leben lang.
Aufmerksamkeit: Der Schlüssel zur Neuroplastizität
Aufmerksamkeit, so Bear, Connors, Paradis (2018) wird im Gegensatz zu einem allgemeinen Erregungszustand, der unspezifisch ist, oft als selektive Aufmerksamkeit bezeichnet (ebda S. 782). Selektive Aufmerksamkeit ist die „Fähigkeit, sich auf einen bestimmten Aspekt des sensorischen Inputs zu konzentrieren“ (ebda S. 778). Durch die selektive Aufmerksamkeit können wir einen Teil der auf uns einströmenden Informationen bevorzugt verarbeiten und den Rest ignorieren (ebda S. 778). Richten wir unseren Fokus beispielsweise jetzt auf das, was schön ist in unserem Leben oder unserer Umgebung (ein schönes Bild, der schlafender Husky neben dem Schreibtisch oder die Pflanze weiter rechts), ignorieren wir tendenziell das, was uns nicht gefällt (unaufgeräumte Aktenberge oder Staub auf der Lampe). Je nachdem, wohin wir den Fokus richten, nehmen wir wahr. Und je zentrierter der Fokus, desto tiefer die Wahrnehmung. Im Ruhezustand sind im Gehirn Areale aktiv, die als „Default-Mode-Netzwerk“ (Ruhezustandsnetzwerk) bezeichnet werden. Es sind unter anderem der mediale präfrontale Cortex (Stirnbereich) und der Hippocampus (eine kleine Struktur in den Schläfen, die aussieht wie ein Seepferdchen). Dieses Netzwerk ist im Ruhezustand aktiver als bei herausfordernden Aufgaben. Wechselt der Aufmerksamkeitsmodus vom Ruhezustand in den Aufmerksamkeitszustand, vermindert sich die Aktivität im Default-Mode-Netzwerk und erhöht sich in denjenigen Netzwerken, die für die spezifische Aktivität gebraucht werden (z.B. visuell oder auditiv). Diese Aktivität bezieht sich entweder auf die Wahrnehmung betreffend (perzeptorische) oder das Körperempfindungen verarbeitend (sensorische) Aufgaben. Zwei Formen der Aufmerksamkeit werden unterschieden: die exogene und die endogene Aufmerksamkeit. Exogene Aufmerksamkeit ist die durch äußere Reize erregte Aufmerksamkeit, die z. B. durch auffällige Färbung, Lichtreflexe oder Bewegungen unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Endogene Aufmerksamkeit lenkt die Aufmerksamkeit vom Gehirn „bewusst auf ein Objekt oder einen Ort“, um gezielt „einem Verhalten zu dienen“ (Bear, Conners, Paradise 2018, S. 783). Und diese können wir bewusst steuern, indem wir uns fokussiert einlassen auf jemanden oder etwas. Durch erhöhte Aufmerksamkeit, werden andere Wahrnehmungen beschränkt, wodurch die Geschwindigkeit und Präzision der Verarbeitung zunehmen (ebda S. 782). Wir können also die Dinge schneller und Präziser erledigen, wenn wir aufmerksam sind. Aufmerksamkeit erhöht das Arousal und stärkt die Merkfähigkeit wodurch sie ein wichtiger Schlüssel zur Neuroplastizität ist. Judy Willis legt in ihrem Band Researched based strategies to ignite students learning (2020) dar, dass Aufmerksamkeit eine Grundbedingung des Lernens ist. Es ist wichtig, das Interesse der Zuhörenden, Studierenden oder Schüler/innen zu wecken, damit der Torwächter des Retikulären Aktivierungssystems (RAS) - ein Nervenstrang vom Hirnstamm bis zum Mittelhirn, der wie ein Filtersystem für das Gehirn ist - geöffnet bleibt und Lernen über das Limbische System im präfrontalen Cortex reflektiert werden kann. Der Neurotransmitter Acetylcholin spielt bei diesem Prozess eine zentrale Rolle. „Acetylcholin wird freigesetzt, wenn man ein bestimmtes Verhalten ausführt (Aufmerksamkeit) oder wenn das Gehirn einen neuen Reiz erhält“. Mit der Freisetzung von Acetylcholin ist „der Filter offen“, und zwar bis zu mehreren Minuten lang. (Merzenich 2014). Das Gehirn wird somit aktiviert und die plastischen Prozesse für die nächsten Minuten ermöglicht. Darüber hinaus aktivieren neuartige Reize die Produktion von Noradrenalin (ebenfalls ein Neurotransmitter), was das positive Erregungsniveau erhöht. Merzenich stellte in eigenen Untersuchungen fest, dass wenn etwas den Versuchstieren wirklich wichtig war, große Veränderungen in deren Gehirnen auftraten, während wenn etwas irrelevant war, keine Veränderungen auftraten. (Merzenich 2014). Auch war die Stärke der Anstrengung für die Neuroplastizität entscheidend: Je härter und konzentrierter die Tiere an einer Aufgabe arbeiten mussten, desto stärker war der neuronale Effekt.
Dopamin: Der Schlüsselbotenstoff im Belohnungssystem
Dopamin, ein Neurotransmitter, spielt eine Schlüsselrolle im Belohnungssystem des Gehirns. Wenn wir positive Erfahrungen machen, wird Dopamin freigesetzt, was zu positiven Gefühlen und einem Verlangen nach weiteren Belohnungen führt. Dieser Mechanismus der positiven Verstärkung ist entscheidend für die langfristige Aufrechterhaltung von Motivation. Die Neurobiologie der Motivation enthüllt, dass Dopamin als Schlüsselakteur im Belohnungssystem des Gehirns eine zentrale Rolle spielt. Der Neurotransmitter Dopamin wird verstärkt ausgeschüttet, wenn wir positive Erfahrungen machen. Dies geschieht beispielsweise bei der Nahrungsaufnahme, sozialen Interaktionen oder dem Erreichen persönlicher Ziele. Dopamin spielt eine Schlüsselrolle im Verlangen nach Belohnung. Wenn wir eine positive Erfahrung machen und Dopamin freigesetzt wird, entsteht eine Verbindung zwischen diesem angenehmen Gefühl und dem Streben nach ähnlichen Erlebnissen. Die tiefe Verknüpfung von Dopamin mit dem Belohnungssystem verdeutlicht, wie Neurobiologie und Psychologie in der Motivation eng miteinander verbunden sind. Dopamin ist der zentrale Botenstoff des Belohnungssystems: Wird eine Aufgabe erledigt, schüttet das Gehirn Dopamin aus, was Glücksgefühle erzeugt und uns motiviert, neue Ziele anzugehen. Dopamin leitet Reize unmittelbar ans Gehirn weiter und reagiert auf äußere Impulse: Es wird ausgeschüttet und verströmt gute Gefühle, wenn wir die Laufrunde oder Prüfung geschafft haben. Erst Dopamin sorgt also für einen Belohnungseffekt. Und einmal gespürt, wollen wir immer mehr davon. Wir wollen dieses Gefühl erneut haben und setzen uns neue Ziele, gehen neue Herausforderungen an. Die Vorfreude auf die Glücksmomente spornen uns an. Denn im Zusammenspiel mit dem Wohlfühlhormon Serotonin befördert uns Dopamin in eine Belohnungsspirale. Also schnüren wir die Laufschuhe einige Tage später erneut, weil wir uns danach fit und leichter fühlen. Also räumen wir das Zimmer auf, weil wir uns danach freuen, wie ordentlich und übersichtlich es aussieht. Wir wollen etwas schaffen, weil es sich gut anfühlt. Es entsteht ein innerer Antrieb nach Belohnung, der uns agieren und Ziele erreichen lässt. Kurzum: Es entsteht Motivation. Das Belohnungssystem im Gehirn wandelt sich im Laufe des Lebens. Besonders eindrücklich zeigt sich dies in der Pubertät und im Alter. Eine Studie von Jessica R. Cohen von der University of California in Los Angeles etwa zeigte, dass junge Menschen in der Pubertät besonders viel Dopamin in ihrem Striatum ausschütten, wenn sie riskante Handlungen erfolgreich abschließen. Dies motiviert sie dazu, ähnliche Situationen erneut zu suchen - und erklärt das mitunter merkwürdige risikobetonte Verhalten von Teenagern. Ursache der hohen Dopamin-Ausschüttung im Gehirn der Jugendlichen ist nach Ansicht der Forscher der massive Umbau des Gehirns in der Pubertät. Er setzt manche Kontrollmechanismen für einige Zeit außer Kraft, während andere noch nicht vollständig aufgebaut sind. Auch im Alter wandelt sich die Reaktion des Gehirns auf Dopamin. Das zeigen Studien von Jean-Claude Dreher vom französischen Institute des Sciences Cognitives in Bron und Karen Berman vom amerikanischen National Institute of Mental Health in Bethesda. Die Forscher ließen Probanden im Alter von 25 und 65 Jahren zu einem Spiel antreten, bei dem man finanzielle Belohnungen gewinnen konnte, und untersuchten dabei deren Gehirnaktivität per Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT). Dabei zeigte sich, dass zwar in beiden Altersgruppen je nach Belohnung etwa gleich viel Dopamin ausgeschüttet wurde. Das Gehirn der älteren Teilnehmer reagierte darauf aber weniger intensiv als das der jüngeren. Vor allem der präfrontale Cortex antwortete auf das Dopamin in sehr unterschiedlicher Weise. Bei den jüngeren Probanden nahm die Aktivität in diesem Bereich mit steigender Dopamin-Ausschüttung zu. Bei den älteren beobachteten die Forscher den gegenteiligen Effekt: Je höher der Dopaminspiegel, desto weniger aktiv war der präfrontale Cortex.
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Weitere Botenstoffe und Hirnareale, die Motivation beeinflussen
Dachte man bis vor Kurzem, dass nur das Belohnungszentrum darüber entscheidet, ob ein Mensch eher willensstark und motiviert oder antriebslos und untätig ist, weiß man heute, dass mehrere Areale, verteilt im gesamten Gehirn, unser Motivationslevel beeinflussen. Im Gehirn haben gleich mehrere Botenstoffe, auch Neurotransmitter genannt, einen entscheidenden Einfluss auf die Motivation. Macht uns etwas Spaß, verspüren wir Freude oder Lust, dann schüttet unser Gehirn bestimmte Botenstoffe wie beispielsweise Dopamin, Adrenalin oder Serotonin aus - und unser Motivationssystem wird in Gang gesetzt. Angst kann motivieren - allerdings nur, wenn sie unterbewusst (etwa wenn jemand einem heranfahrenden Auto ausweicht) oder in geringen Dosen auftritt. Wird das Angstzentrum, die sogenannte Amygdala, zu häufig aktiviert, entwickelt sich die Furcht zum Demotivator im Gehirn. Der sogenannte Nucleus accumbens ist Teil des Belohnungssystems und gilt als eine der wichtigsten Schaltzentralen der Motivation. Die Gier, das Verlangen nach mehr, die Vorfreude auf den nächsten Kick - all diese Emotionen werden über dieses daumennagelgroße Hirnareal gesteuert. Auch das ventrale Striatum gehört zum Belohnungssystem. Hier hat die intrinsische Motivation, also der Selbstantrieb eines Menschen, ihren Ursprung. Je häufiger das Zentrum aktiviert wird, desto größeren Antrieb verspürt ein Mensch. Drei zentrale Selbstmotivatoren haben Forscher ausgemacht: Anerkennung, Macht und Anschluss. Sie sind, neben Grundmotivationen wie Überleben, Essen oder Schlafen, der kleinste gemeinsame Nenner menschlicher Aktion. Positive Erfahrungen (zum Beispiel die ersten Schritte als Baby, ein Sieg beim Fußballspiel oder eine gelungene Präsentation vor Kollegen) werden im emotionalen Gedächtnis abgespeichert. Wie stark ein Mensch motiviert ist, entscheidet nicht nur das Charakterprofil, sondern vor allem auch das Motiv. Dabei gilt: „Je besser man etwas kann, je mehr Spaß macht es und je mehr Sinn für einen Menschen darin liegt, desto höher ist sein Antrieb“, erklärt der Psychologe Hugo Kehr von der TU München. Der Kopf steht für: Ist mir das Ziel wichtig? Herz oder Bauch für: Mache ich das gerne? Und die Hand für: Wie gut kann ich das, was ich tue? Wird keine oder eine der Fragen mit Ja beantwortet, ist die Motivation gleich Null. Werden zwei Fragen mit Ja beantwortet, ist die Motivation meist hoch, aber noch gebremst. Erst wenn alle drei Faktoren erfüllt sind, kommt es zum Flow im Gehirn.
Praktische Tipps zur Förderung der Motivation
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Motivation gezielt zu fördern. Dazu gehören:
- Kleine Erfolgserlebnisse: Schrittweise Zwischenziele (z. B. erst 1 km statt 5 km laufen) sowie Lebensmittel mit Omega-3-Fettsäuren, B- und C-Vitaminen (Fisch, Nüsse, Obst, Gemüse, Vollkorn) kurbeln die Produktion an. Um das Gehirn daran zu erinnern, wie schön Erfolgserlebnisse sind, sollte man sich zunächst kleine Zwischenziele stecken. Kann man sich zum Beispiel nicht überwinden, fünf Kilometer zu laufen, fängt man eben klein an. Einen Kilometer zu laufen ist besser als sich gar nicht aufzuraffen, denn das Gehirn schüttet Dopamin auch bei kleinen Erfolgen aus. Und schon wächst die Motivation, weil der Körper das Glücksgefühl abspeichert und es wiederhaben will. Die Folge: Es kommt zu einem Rückkopplungseffekt und zu einer verstärkten Dopamin-Produktion. Je mehr kleine oder große Erfolge wir feiern, desto mehr Glückshormone schütten wir aus - und das Verlangen wächst und wächst. Also, was lernen wir daraus? Nicht so lange nachdenken, wann und wie man laufen oder aufräumen soll. Einfach anfangen!
- Passende Ernährung: Gerade Lebensmittel mit vielen Omega-3-Fettsäuren erhöhen die Versorgung, weil sie Strukturen für die Dopamin-Bahnen im zentralen Nervensystem aufbauen. Omega-3-Fettsäuren sind vor allem in Fisch wie Lachs und Makrele zu finden, aber auch in hochwertigen Ölen, Leinsamen, Algen und Nüssen. Genauso empfehlenswert sind vitamin- und nährstoffreiche Lebensmittel wie Obst, Gemüse, aber auch Vollkornprodukte, Reis und Kartoffeln, weil sie viele B- und C-Vitamine enthalten.
- Sportliche Aktivität: Auch durch körperliche Aktivitäten werden die Hormone Dopamin, Serotonin und Endorphin ausgeschüttet. Sie sorgen für das gute Gefühl nach dem Sport.
- Bewusstseinsbildung: Die (Lern)inhalte sollten Aufmerksamkeit erregen, Die Aufmerksamkeit sollte im Lernprozess erhalten bleiben, indem die Relevanz des Inhalts hoch ist (wichtig!) und die Aufgabe nicht zu leicht zu bewältigen ist. Die Aufmerksamkeit kann durch äußere Impulse erregt werden (exogene Aufmerksamkeit), oder durch bewusste innere Fixierung auf eine Aufgabe (endogene Aufmerksamkeit). Beides kann durch die Lehrperson unterstützt werden. Bezüglich der exogenen Aufmerksamkeit nennt Judy Willis zahlreiche Möglichkeiten, die Aufmerksamkeit im Unterricht zu gewinnen und aufrecht zu erhalten, so z. B. durch Videoclips, Musik, Bewegungen, Änderungen im Tonfall und Lautstärke, Nutzung von Spannungspausen, unübliche Kleidung, unübliche Fakten zu Beginn der Stunde, persönliche Geschichten und vieles mehr. Sie sagt, dass das RAS durch „Neuheit, Neugier, Überraschung, Unerwartetes und Veränderung” beeinflusst werden können. Ich habe mich gefragt, wie in anderen Bereichen Spannung erzeugt wird und habe einige Methoden gefunden, die Autor/innen anwenden, um den Leser/die Leserin auf den ersten Seiten für das Buch zu fesseln und im Laufe des Texts „bei der Stange“ zu halten. Meines Erachtens sind einige dieser Methoden sehr gut auf die Lehrsituation übertragbar: Gute Autoren fesseln ihre Leser/innen, indem sie die Aufmerksamkeit auf die Zukunft lenken und durch das angedeutete zukünftige Ereignis Spannung erzeugen: Zukünftig wird etwas Spannendes geschehen (Mehler 2013):. Sätze wie: „Hätte ich gewusst, was auf mich zukommt, wäre mir das Blut in den Adern gefroren“ versetzen die Leser/innen in Spannung, bis sie wissen, was auf die Erzählerin zugekommen ist. So könnte die Lehrperson zu Beginn der Stunde sagen, dass die Schüler/innen sich am Ende der Stunde wundern werden, wie die Lösung ist oder ähnliches. Ich beginne meine Seminare manchmal mit dem Satz: „Heute habe ich Ihnen etwas Spannendes mitgebracht“ Bis kürzlich eine Studierende erwiderte: „Oh, das sagen Sie jedes Mal!“ ;-). Spannende Texte arbeiten häufig mit einem Geheimnis: Das mysteriöse Nicht-Wissen zieht magisch an (Mehler 2013). Ein ungelesener Brief, ein unbekannter Feind, ein Kästchen, Satz oder Wort: Vielleicht kennen Sie den Film Citizen Kane, in dem ein Reporter nach der Bedeutung des letzten Wortes eines Medienmoguls sucht: Rosebud - ein spannender Film. Bevor in einem Buch oder Film das Geheimnis gelüftet wird, wird häufig ein zweites Geheimnis eingeführt, um den Spannungsbogen hoch zu halten und die Leser/innen zu fesseln. So könnten wir uns z. B. einen Vortrag vorstellen, der mit einem Tagebucheintrag eines Menschen beginnt und die Zuhörer/innen nach und nach herausfinden, was aus dem Schreiber im Laufe der Zeit geworden ist. Action erzeugt Spannung: Das bedeutet in Büchern und Filmen oft, viel Handlung gegen die Zeit (Mehler 2013). So kann ebenso im Seminar Action durch Zeitdruck erzeugt werden, z.B. Heute versuchen wir, das ganze Buch fertig zu lesen, wir füllen jetzt ganz schnell diese Tabelle, bis 9:30 Uhr sind wir fertig. Oder auch im Wechsel mit ruhigeren Phasen kann die Spannungskurve austariert werden. Immer wenn es droht langweilig zu werden, braucht Lehre einen Spannungswechsel: Als Methodenwechsel, Wechsel im Tempo oder als Spannung zwischen unterschiedlichen Positionen: z. B. Held gegen Bösewicht. Spannung erzeugt demnach Aufmerksamkeit. Und Spannung bedeutet, Fragen aufzuwerfen, die die Gesprächspartner/innen, Seminarteilnehmer/innen, die Studierenden oder Schülerinnen und Schüler beantwortet haben wollen. Darüber hinaus können wir die endogene Aufmerksamkeit der Lernenden unterstützen, indem wir ihnen beibringen, alle störenden Außenreize auszuschalten (Mobile, Soc Media usw), sich auf eine Sache zunächst über kurze Zeiträume und dann über immer längere Phasen ganz einzulassen und sich somit aufmerksam zu fokussieren. Und noch ein Tipp zum Schluss: Das Außergewöhnliche erregt immer Aufmerksamkeit, während das Durchschnittliche meist Langeweile hervorruft. Schräge Ideen, etwas ausprobieren, kühne Visionen, Superkräfte, große Tragik oder Freude… Lehrende, die mutig sind und keine Angst haben, sich lächerlich zu machen, sind hier sicherlich im Vorteil.
- Intrinsische Motivation: Im Gegensatz zur extrinsischen Motivation bezieht sich die intrinsische Motivation auf innere Anreize, die von persönlichem Interesse, Freude oder dem Wunsch nach persönlichem Wachstum getrieben werden. Im beruflichen Kontext spielt die Motivation zur Selbstfürsorge eine wichtige Rolle (Becker, 2018; Dahmer, 2022). Diese kann sowohl extrinsisch als auch intrinsisch sein und ist oft eine Kombination aus beidem. Mitarbeitende können sich durch äußere Anreize wie Lob, Anerkennung oder BGM-Prämien zunächst engagieren. Allerdings neigen sie eher dazu, diese gesunden Gewohnheiten langfristig beizubehalten, wenn sie persönliche Freude und intrinsische Befriedigung in der Selbstfürsorge finden.
Der Einfluss von Gewohnheiten und Selbstbild auf die Motivation
Wir lieben Gewohnheiten, weil unser Gehirn stark auf die Beibehaltung von Gewohnheiten ausgerichtet ist. Verhalten und Gewohnheiten sind in den neuronalen Schaltkreisen des Gehirns verankert und es kostet viel Energie, einen neuen Schaltkreis zu etablieren. Es ist nicht unmöglich, wie uns die Neuroplastizität des Gehirns zeigt, aber es erfordert Geduld und Energie. Zwei Voraussetzungen, die das Gehirn nicht gerne mag. Denn es ist der größte Energieverbraucher im Körper und Veränderungen bedeuten, dass es noch mehr Energie aufbringen muss. Zudem reagiert das Gehirn am stärksten auf Belohnungen und positive Verstärkung, die jedoch bei Veränderungen nicht immer sofort greifbar sind. Stattdessen müssen wir uns erst anstrengen, mit Verzicht klarkommen und lernen, Menschen zu enttäuschen. Schließlich gibt es auch eine gewisse Vertrautheit und Sicherheit im Gewohnten. Man arbeitet sich zwar zu Tode, hat Schlafprobleme und ein schwaches Immunsystem und gerät ggf. häufig in Konflikte mit der Partnerin/dem Partner. Das Gehirn verarbeitet unaufhörlich eine Unmenge an Informationen, von denen nur sehr wenige tatsächlich den Weg zum Bewusstsein finden. Stellen Sie sich vor, Sie betreten einen komplett dunklen Raum. Der Lichtschalter ist defekt und sie haben nur eine kleine Taschenlampe dabei. Wenn Sie sich in eine Ecke stellen und einen Fleck an der Wand beleuchten, könnte es den Anschein haben, dass das ganze Zimmer voller Flecken ist. Wenn Sie jedoch weitergehen und zum Beispiel ein schönes Gemälde entdecken, werden Sie feststellen, dass die Wand nicht nur hässlich ist. Sie wissen immer noch, dass die Wand einen Fleck hat. Doch Sie entscheiden sich für einen anderen Blickwinkel und nutzen das begrenzte Licht für die schöne Malerei. In dieser Analogie finden wir eine wichtige Erkenntnis der neueren Motivationspsychologie, die empfiehlt, die vorhandenen Ressourcen bewusst wahrzunehmen und nicht nur die Fehler und Mängel. Denn egal worauf wir unsere Wahrnehmung richten, wird dies das Bild sein, das unser Selbstbild prägt: Menschen, die das Positive sehen und sich nicht nur auf das Fehlende konzentrieren, fühlen sich resilienter, selbstwirksamer und empowered. Diese Menschen reden darüber, was sie sehen wollen, und nicht, was sie nicht sehen wollen.
Das Belohnungsgedächtnis und die Bedeutung von Erwartungen
Bemerkenswert ist, dass nicht das reale Lust- oder Unlusterleben primär handlungsleitend ist, sondern bereits die Vorstellung davon. Das bedeutet, dass Motivation entsteht, wenn das dopaminerge System dem Frontalhirn signalisiert, dass eine lohnenswerte Belohnung bevorsteht. Je höher die erwartete Belohnung und je größer die Unsicherheit, ob sie tatsächlich eintritt, desto stärker die neuronale Aktivierung. Zudem konnte gezeigt werden, dass die Dopaminkonzentration besonders dann ansteigt, wenn eine Handlung über mehrere Zwischenschritte hinweg ausgeführt werden muss, um eine Belohnung zu erhalten. Das Belohnungssystem funktioniert wie ein Schaltkreis: In der Großhirnrinde entsteht ein Verlangen. Gibt man ihm nach, gehen Signale unter anderem an das limbische System und den Hippocampus und zuletzt an die Großhirnrinde - als Rückmeldung, dass der Befehl ausgeführt wurde. Wichtigster Mitspieler im System ist das Dopamin. Es generiert Verlangen und Belohnungserwartung und ist damit ein wichtiger Motivator.
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