Hinweis: Die folgenden Informationen zu Hirntumoren werden derzeit überarbeitet und spiegeln möglicherweise nicht den aktuellen wissenschaftlichen Stand wider.
Einführung
Das Glioblastom ist ein aggressiver Hirntumor, der von den Gliazellen ausgeht, den Stützzellen des Gehirns. Es ist die häufigste und bösartigste Form der astrozytären Tumoren und macht mehr als die Hälfte aller Gliome aus. Glioblastome treten vor allem im Großhirn von Erwachsenen auf, typischerweise im Alter zwischen 45 und 70 Jahren. Dieser Artikel beleuchtet die Größe und das Wachstum von Glioblastomen, ihre Entstehung, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.
Astrozytäre Gliome: Ein Überblick
Astrozytäre Gliome sind die häufigsten Gliome, die über 60 % dieser Tumoren ausmachen. Sie werden in verschiedene Grade eingeteilt, wobei das Glioblastom den höchsten Grad (WHO-Grad IV) darstellt. Im Gegensatz zu langsam wachsenden, gutartigen Tumoren, die häufiger bei Kindern und jungen Erwachsenen vorkommen, treten Glioblastome vor allem bei Erwachsenen auf und zeichnen sich durch eine Neigung zu bösartigen Rezidiven und eine schlechtere Prognose aus.
Was ist ein Glioblastom?
Das Glioblastom ist der häufigste aggressive primäre Hirntumor bei Erwachsenen, wobei das Erkrankungsalter meist zwischen 55 und 65 Jahren liegt. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Das aggressive Wachstum dieses Tumors führt zur Einstufung als WHO-Grad IV, dem höchsten Malignitätsgrad in der WHO-Klassifikation für Gliome.
Glioblastome gehören zur Gruppe der Astrozytome und damit zu den Gliomen. Gliome sind primäre hirneigene Tumoren, die im Gehirn oder Rückenmark entstehen - im Gegensatz zu Hirnmetastasen, die Absiedlungen anderer Tumoren sind. Gliome entwickeln sich aus Gliazellen, den Stützzellen, die Nervenzellen im zentralen Nervensystem umgeben. Normalerweise unterstützen diese Zellen die Nervenfunktion, bei Gliomen geraten sie jedoch außer Kontrolle. Der genaue Gliazell-Typ bestimmt Klassifikation, Therapie und Prognose.
Lesen Sie auch: Kontext und Bedeutung: Neurologisch unauffällig
Formen des Glioblastoms
Man unterscheidet zwei Hauptformen des Glioblastoms:
- Primäres Glioblastom (IDH-Wildtyp): Diese Form tritt bei etwa 90 % der Patient:innen auf, entwickelt sich ohne Vorläufer und wächst sehr aggressiv.
- Sekundäres Glioblastom: Diese Form wird heute als Astrozytom, IDH-mutiert, WHO-Grad 4 bezeichnet. Es entsteht meist aus einem niedriggradigen Astrozytom, betrifft eher jüngere Menschen und hat eine etwas günstigere Prognose.
Wachstum und Ausbreitung
Glioblastome zeichnen sich durch schnelles und unkontrolliertes Wachstum aus. Die Tumorzellen infiltrieren das umliegende Hirngewebe, was eine vollständige operative Entfernung erschwert. Glioblastome bilden eigene Blutgefäße, um ihr schnelles Wachstum zu unterstützen. Sie können in allen Hirnregionen auftreten und sich über den Balken in die andere Gehirnhälfte ausbreiten, was zu einem sogenannten "Schmetterlingsgliom" führt.
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Glioblastome bis zu sieben Jahre wachsen können, bevor sie Symptome verursachen und diagnostiziert werden. In ihrer frühen Entwicklung weisen fast alle Glioblastome mindestens eine von drei charakteristischen Erbgutveränderungen auf (Zugewinn des Chromosom 7, Verlust auf Chromosom 9p oder 10). Rasantes Größenwachstum nehmen die Glioblastome aber erst dann auf, wenn zusätzlich eine Mutation den Genschalter für das Telomerase-Gen dauerhaft aktiviert. Das Enzym Telomerase sorgt dafür, dass die Krebszellen sich nun unendlich teilen können und nicht nach einer gewissen Zahl von Zellteilungen an ihr natürliches Limit kommen und absterben.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für die Entstehung von Glioblastomen sind noch nicht vollständig geklärt. Zu den bekannten Risikofaktoren gehören:
- Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken. Glioblastome treten am häufigsten im fortgeschrittenen Alter auf. Ungefähr 7 von 10 Glioblastomen werden im Alter zwischen 55 und 80 Jahren diagnostiziert. Bei Menschen unter 40 Jahren ist dieser Hirntumor sehr selten.
- Strahlenexposition: Menschen, die ionisierender Strahlung ausgesetzt waren, haben ein erhöhtes Risiko für einen Hirntumor. Als gesichert gilt der schädigende Einfluss ionisierender Strahlen - etwa im Rahmen einer Strahlentherapie. Die therapeutische Bestrahlung eines anderen Tumors verursacht dann ein Glioblastom im Nachgang. In diesen Fällen geschieht das ungefähr sieben bis neun Jahre nach einer erfolgten Strahlentherapie eines Hirntumors.
- Erbliche Krankheitsbilder: Glioblastome treten meist sporadisch auf, das heißt sie sind in den meisten Fällen nicht vererbbar. Allerdings gibt es eine Reihe genetischer Erkrankungen, bei denen generell Hirntumore häufiger entstehen: Neurofibromatose (NF), Tuberöse Sklerose (auch Morbus Bournville-Pringle), Turcot-Syndrom, Lynch-Syndrom, Li-Fraumeni-Syndrom.
- Radiofrequenzfelder: Bislang besteht noch kein eindeutig belegter Zusammenhang zwischen der Entstehung allgemein von Gliazell-Tumoren (Gliome) und einwirkender Radiofrequenzstrahlung, wie sie etwa in der mobilen Kommunikation (mobile Telefone, Antennen des Mobilfunknetzes etc.) Verwendung findet.
Symptome
Die Symptome eines Glioblastoms sind vielfältig und hängen von der Lokalisation des Tumors im Gehirn ab. Da diese Hirntumoren schnell wachsen, verursacht der Druck auf das Gehirn meist die ersten Symptome. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
Lesen Sie auch: Entdecken Sie die Geheimnisse des Pferdegehirns
- Kopfschmerzen (oft nachts oder morgens stärker)
- Epileptische Anfälle
- Lähmungen
- Übelkeit und Erbrechen
- Gedächtnisstörungen
- Gefühlsstörungen
- Sehstörungen
- Sprachstörungen
- Veränderungen der Persönlichkeit
Diagnose
Die Diagnose eines Glioblastoms umfasst in der Regel die folgenden Schritte:
- Neurologische Untersuchung: Überprüfung von Sehvermögen, Gehör, Gleichgewicht, Koordination und Reflexen.
- Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) ist das Standardverfahren zur Diagnose von Hirntumoren. Computertomographie (CT) und Positronen-Emissions-Tomographie (PET) können ebenfalls eingesetzt werden.
- Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe zur mikroskopischen und molekularpathologischen Untersuchung. Die Probe des verdächtigen Gewebes wird im Labor mikroskopisch und molekularpathologisch untersucht, um die Art der Zellen, den WHO-Grad sowie wichtige genetische Marker (z. B. IDH-Status, MGMT-Promotor-Methylierung) zu bestimmen.
Behandlung
Die Behandlung eines Glioblastoms erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Die derzeitige Standardtherapie umfasst:
- Operation: Die wichtigste Methode in der Therapie von Glioblastomen ist die Operation. Ziel ist es, so viel Tumorgewebe wie möglich zu entfernen, ohne das umgebende gesunde Hirngewebe zu schädigen. Da Glioblastome von einer Zone infiltrierender Zellen umgeben sind, ist eine vollständige Entfernung nicht möglich.
- Strahlentherapie: Sobald die Operationswunde verheilt ist, folgt die Strahlentherapie. Ziel ist es, verbliebene Tumorzellen, die in gesundes Hirngewebe eingedrungen sind, gezielt abzutöten.
- Chemotherapie: Patient:innen erhalten während der Bestrahlung Temozolomid, gefolgt von sechs Erhaltungszyklen. Der molekulare MGMT-Status hilft bei der Beurteilung, ob Temozolomid besonders wirksam ist.
- Tumor Treating Fields (TTF): TTF sind elektrische Felder, die die Zellteilung der Tumorzellen stören. Über Klebepads auf der Kopfhaut wird ein elektrisches Feld erzeugt. TTF werden meist mit Chemotherapie kombiniert und können nach der Strahlentherapie angewendet werden.
Prognose
Die Prognose für Patienten mit Glioblastom ist trotz intensiver Therapie ungünstig. Glioblastome sind in der Regel nicht heilbar. Die mittlere Überlebenszeit beträgt bei bestmöglicher Therapie etwa 15 Monate bis zwei Jahre. Etwa 5 bis 7 Prozent der Betroffenen überleben durchschnittlich fünf Jahre.
Verschiedene Faktoren können die Prognose beeinflussen, darunter das Alter des Patienten, der allgemeine Gesundheitszustand, die Vollständigkeit der operativen Entfernung des Tumors und das Ansprechen auf die Chemo- und Strahlentherapie. Der MGMT-Promotor-Methylierungsstatus ist ein wichtiger prädiktiver Marker, der die Wirksamkeit der Temozolomid-Chemotherapie beeinflusst.
Leben mit einem Glioblastom
Die Diagnose eines Glioblastoms stellt für Betroffene und ihre Familien eine große Herausforderung dar. Neben der medizinischen Behandlung ist eine umfassende Betreuung wichtig, die psychologische Unterstützung, Schmerztherapie und palliative Maßnahmen umfasst. Ziel ist es, die Lebensqualität der Patienten so gut wie möglich zu erhalten und ihnen ein würdevolles Leben bis zum Ende zu ermöglichen.
Lesen Sie auch: Wie Elefanten denken: Ein Einblick in ihr Gehirn
Forschung und Ausblick
Die Forschung im Bereich der Glioblastom-Therapie schreitet stetig voran. Neue Therapieansätze wie Immuntherapien, Gentherapien und zielgerichtete Therapien werden in klinischen Studien untersucht. Es besteht die Hoffnung, dass diese neuen Ansätze in Zukunft die Prognose von Glioblastom-Patienten verbessern können.