Einführung
Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die das Gedächtnis, das Denken und das Verhalten beeinträchtigt. Der Umgang mit Alzheimer stellt Betroffene, Angehörige und Pflegepersonal vor große Herausforderungen. Dieser Artikel beleuchtet den Einsatz von Labyrinthen als therapeutisches Instrument im Umgang mit Menschen mit Alzheimer. Dabei werden sowohl praktische Erfahrungen als auch wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt.
Das Labyrinth: Mehr als nur ein Irrgarten
Es ist wichtig, das Labyrinth vom Irrgarten abzugrenzen. Im Irrgarten kann man sich verirren und muss ständig neue Entscheidungen treffen, welchen Weg man einschlägt. Ein Labyrinth hingegen führt auf einem verschlungenen Pfad zum Mittelpunkt und wieder hinaus. Es ist ein Ursymbol, das seit über 3000 Jahren bekannt ist und für verschiedene Zwecke genutzt wurde, darunter religiöse Zeremonien.
Das Labyrinth im Franziskanischen Zentrum
Im Franziskanischen Zentrum wurde ein Labyrinth in den Rasen des Gartens eingebettet. Frau Wieser bewegt sich durch dieses Labyrinth, wobei sie anfangs geführt und geleitet werden musste. Der gewundene Pfad erinnert entfernt an ein Gehirn.
Die Idee, ein Labyrinth zu nutzen, entstand im Rahmen eines Projekts und wurde durch die Unterstützung von Renate Müller und Anne Cosack ermöglicht. Ziel war es, einen Raum zu schaffen, in dem sich die Betroffenen bewegen können. Dabei geht es nicht nur um äußere Bedingungen wie barrierefreies Wohnen oder Gedächtnistrainings, sondern auch um die Möglichkeit, sich auf diese vermeintliche "Verrücktheit" einzulassen.
Erfahrungen mit dem Labyrinth
Die TeilnehmerInnen "durchwanderten" das Labyrinth, wobei jeder mit einem Alleinversuch begann. Die Aufgabe bestand darin, dem vorgegebenen Weg zu folgen. Danach folgte ein kompletter Durchgang, um das Muster des Labyrinths zu verinnerlichen. Die Mobilität dauerte zwischen 15 und 30 Minuten.
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Herr Hörster, der an drei Tagen in der Woche die Tagespflege besucht, war anfangs frustriert bei seinen Alleingängen. Er drehte sich im Kreis und lachte darüber. Mit der Zeit fand er sich jedoch in seinem Element zurecht und konnte den Pfad fast fehlerfrei begehen. Das Muster des Labyrinths zu verinnerlichen hat ihm dabei sehr geholfen.
Beobachtungen und Ergebnisse
Die Beobachtungen während der Begehung des Labyrinths zeigten unterschiedliche Reaktionen der TeilnehmerInnen:
- Kraftaufwand: Die Begehung des Labyrinths erforderte unterschiedlichen Kraftaufwand.
- ständiges Umdenken: Die vielen Kehren erforderten ständiges Umdenken in eine neue Richtung.
- äußere Ebene: Das Labyrinth ermöglichte ein Zueinanderfinden auf einer äußeren Ebene.
- Unsicherheit: Die Verwirrung und Orientierungslosigkeit wirkten zutiefst verunsichernd, da die Betroffenen auf Sicherheit und Konstanz angewiesen sind.
- Konzentration: Das Labyrinth half den TeilnehmernInnen, sich zu konzentrieren und sich an den Weg zu erinnern.
- Verantwortung: Das Labyrinth bot die Möglichkeit, jegliche Verantwortung an die Umwelt abzugeben.
- unterdrückte Gefühle: Das Labyrinth schien zu wirken, indem es unterdrückte Gefühle aufrührte.
- Meditation und Entspannung: Das Labyrinth erwies sich als idealer Ort der Meditation und Entspannung.
Eine Statistik, die sich auf die Alleinversuche bezieht, deutet auf eine Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit und der Anzahl der gemeisterten Kurven und Kehren hin. Frau W. und Frau F. zeigten besonders gute Ergebnisse, während Frau B. stagnierende Werte aufwies, was auf eine Einschränkung hindeuten könnte.
Das Labyrinth als Spiegelbild der inneren Welt
Das Labyrinth kann als Spiegelbild der inneren Welt von Menschen mit Alzheimer betrachtet werden. Die Verwirrung und Orientierungslosigkeit, die sie im Alltag erleben, finden sich auch im Labyrinth wieder. Gleichzeitig bietet das Labyrinth einen sicheren Rahmen, in dem sie sich diesen Gefühlen stellen und neue Erfahrungen sammeln können.
Bedeutung für die Pflege
Die Begehung des Labyrinths kann auch für das Pflegepersonal von Bedeutung sein. Es kann helfen, die Perspektive der Betroffenen besser zu verstehen und die eigenen Reaktionen darauf zu reflektieren. Pflegewissenschaftler Professor Stephen Wright betont die Auswirkungen auf die Psychohygiene des Pflegepersonals.
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Es ist wichtig, ein gutes Maß zwischen Führen und Gehenlassen zu finden und die Fähigkeiten der einzelnen Personen gut einzuschätzen und zu fördern. Die Größe des Labyrinths und die Anzahl der Umgänge sollten an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden.
Ablenkungen und Umgang damit
Chronisch altersverwirrte Menschen lassen sich leicht ablenken und können schlecht "bei sich bleiben". Daher ist es wichtig, eine kleine Gruppe für die Begehung des Labyrinths zu wählen und Ablenkungen zu minimieren. Trotzdem sind Ablenkungen ein ständiges Thema, das Fingerspitzengefühl der Begleiter erfordert.
Weitere Einsatzmöglichkeiten
Neben dem beschriebenen Labyrinth im Franziskanischen Zentrum gibt es weitere Möglichkeiten, Labyrinthe im therapeutischen Kontext einzusetzen. So können beispielsweise mobile Labyrinthe aus Stoff oder Holz verwendet werden, die jederzeit begehbar sind. Auch der dekorative Charakter des Symbols kann genutzt werden, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.
"Im Demenzlabyrinth": Eine Graphic Novel zum Thema
Der Dorfener Künstler und Kunsttherapeut Albin Zauner hat mit "Im Demenzlabyrinth" eine Graphic Novel geschaffen, die sich auf die Kraft des Visuellen konzentriert und Text nur in Form von Gedichtzeilen einbezieht. Das Buch erzählt die Geschichte eines alten Schriftstellers, der an Alzheimer erkrankt ist, und thematisiert die innere Erlebniswelt eines Betroffenen.
Zauner schöpft aus seiner langjährigen Erfahrung als Kunsttherapeut und zeigt, wie Demenz den Alltag des Protagonisten verändert. Türen werden zu "falschen Verheißungen", und der Garten wird zu einer verwirrenden und unbekannten Welt. Die Graphic Novel ist ein berührendes und eindringliches Werk, das die LeserInnen auf eine Reise in die Welt der Demenz mitnimmt.
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