Nerven sind für zahlreiche Körperfunktionen unerlässlich. Sie ermöglichen uns Bewegung, Geruchs- und Geschmackssinn, Gefühlsempfindungen und Denkprozesse. Nervenzellen, auch Neuronen genannt, sind auf unterschiedliche Aufgaben spezialisiert. Nozizeptoren, die Schmerzsinneszellen, warnen den Körper vor potenziell schädlichen Einflüssen.
Schmerz lass nach: Wie erkennt man Neuralgien?
Nozizeptoren liegen als freie Nervenendigungen in Haut, Organen und Muskeln. Sie werden durch mechanische Reize (z. B. Stoßen des kleinen Zehs), thermische Reize (Hitze, Kälte), chemische Reize (Säuren, Gifte) oder elektrische Reize aktiviert. Auch körpereigene Schmerzstoffe (z. B. Prostaglandine) können sie anregen. Die Schmerzsignale werden über A-delta-Fasern (schnell leitend) und C-Fasern (langsam leitend) zum Rückenmark transportiert, das zusammen mit dem Gehirn das Zentralnervensystem (ZNS) bildet. Dort werden die Reize verarbeitet und interpretiert.
Die Schmerzwahrnehmung ist für den Organismus überlebenswichtig, da sie uns lehrt, schädliche Handlungen zu vermeiden. Nerven können jedoch auch selbst Schmerzen verursachen, was als Neuralgie oder Nervenschmerz bezeichnet wird. In Deutschland leiden über 5 Millionen Menschen unter plötzlich einschießenden, heftigen Schmerzattacken. Diese können harmlos sein und nach einigen Tagen oder Wochen verschwinden, aber auch bestehen bleiben und chronisch werden.
Neuralgien breiten sich im Versorgungsgebiet eines oder mehrerer Nerven aus. Beispiele sind die Trigeminusneuralgie (Gesichtsschmerzen im Versorgungsbereich des Nervus trigeminus) und die Ischialgie (Schmerzen im Versorgungsgebiet des Nervus ischiadicus, oft vom Gesäß über die Oberschenkelrückseite bis in den Fuß ausstrahlend). Die Post-Zoster-Neuralgie wird durch das Varizella-Zoster-Virus verursacht und äußert sich in anfallsartigen, brennenden, stechenden oder dumpfen Schmerzen.
Neuropathische Schmerzen einer Neuralgie werden durch dauerhafte Reizung oder Schädigung von Nerven ausgelöst. Nervenschädigungen können vielfältige Ursachen haben, wie Entzündungen, Viren, Diabetes mellitus, Operationen oder mechanische Einflüsse. Auch nach Abheilung der Nervenschädigung können weiterhin Schmerzen auftreten, da Nervenzellen ein Schmerzgedächtnis bilden können und überempfindlich werden.
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Die Psyche spielt eine besondere Rolle bei der Schmerzwahrnehmung. Das Gehirn verarbeitet und speichert Schmerz besonders effizient, wenn er mit negativen Gefühlen einhergeht. Chronische Schmerzen können zu Depressionen führen, die wiederum das Schmerzempfinden verstärken können.
Die Diagnose von Neuralgien kann schwierig sein, da sich Nervenschmerzen sehr unterschiedlich äußern. Der Arzt benötigt ein genaues Bild vom Charakter der Schmerzen (Wann, wo, wie lange, wie stark?) und muss der Schmerzursache auf den Grund gehen (innere oder äußere Reize, funktionelle Störung, Fehlstellung, Nervenschmerzen?).
Was ist eine Nervenwurzelentzündung?
Bei einer Nervenwurzelentzündung (Radikulopathie) kommt es zu einer Reizung der Nervenwurzeln im Bereich des Rückens. Die Spinalnerven treten aus dem Rückenmark aus und vereinigen verschiedene Nervenarten zur Nervenwurzel (motorische und sensible Nerven). Eine Nervenwurzelentzündung kann in jedem Abschnitt des Rückenmarks auftreten, häufig im Bereich der Hals- oder Lendenwirbelsäule.
Eine häufige Ursache ist ein Bandscheibenvorfall, bei dem es durch Verlagerung der Bandscheibe zu Druck auf das Rückenmark und die Nervenwurzeln kommt. Auch die Spinalnerven und die Nervenwurzeln können geschädigt bzw. gereizt werden, wodurch es zu einer Entzündung kommen kann.
Symptome einer Nervenwurzelentzündung
Je nachdem, welche Nervenfasern betroffen sind, kann es zu verschiedenen Symptomen kommen:
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- Sensible Nervenfasern: Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühle
- Motorische Nervenfasern: Abschwächung oder Ausfall von Muskeln
Die Höhe der Radikulopathie bestimmt die Lokalisation der Symptome. Es können auch mehrere Beschwerden gleichzeitig auftreten.
Die Schmerzen werden häufig als stechend und sehr stark wahrgenommen und werden im Verlauf etwas dumpfer. Viele leiden unter dauerhaften Schmerzen, die über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben. Des Weiteren kommt es häufig zu einem lageabhängigen Schmerz, der sich beispielsweise im Liegen oft bessert, da in dieser Position die Nervenwurzel etwas entlastet wird.
Aufgrund der Schädigung der Nervenfasern im Bereich des Rückenmarks kann es zu ausstrahlenden Schmerzen entlang des Nervenverlaufs kommen.
Diagnose einer Nervenwurzelentzündung
Für die Diagnose einer Nervenwurzelentzündung ist neben dem Arzt-Patienten-Gespräch vor allem die körperliche Untersuchung sehr wichtig. In Abhängigkeit von den auftretenden Symptomen kann über den Verlauf der Nerven auf die Höhe der Schädigung geschlossen werden.
Zur Bestätigung des Verdachts sollte immer eine Bildgebung erfolgen, also beispielsweise ein MRT. Dies ist auch wichtig, um einen Bandscheibenvorfall als Ursache ausschließen zu können.
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Ein MRT der Wirbelsäule wird standardmäßig bei einer Nervenwurzelentzündung mit Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall durchgeführt. Durch die verschiedenen Eigenschaften des Bandscheibengewebes lässt sich dieses besonders gut im MRT begutachten. Auch andere Veränderungen im Bereich des Bindegewebes können mit einem MRT gut erfasst werden.
Behandlung einer Nervenwurzelentzündung
Die Behandlung einer Nervenwurzelentzündung richtet sich nach deren Ausmaß und der zugrunde liegenden Ursache. Zunächst sollte immer erst eine konservative Therapie versucht werden.
Konservative Therapie
- Schmerzmittel: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac und Ibuprofen, die gleichzeitig die Entzündungsreaktion an der Nervenwurzel reduzieren.
- Cortison: Kann bei starken Schmerzen als therapeutische Option eingesetzt werden, entweder in Tablettenform oder als Infiltration in den Bereich der Nervenwurzel.
- Wärme: Kann nach ein paar Tagen hilfreich sein, da sie lokal die Durchblutung anregt und so auch die Entspannung der Muskeln am Rücken fördert.
- Kinesiotaping: Kann unterstützend eingesetzt werden, um eine bewusste Bewegung zu unterstützen und die Muskeln durch den leichten Zug zu entspannen.
- Osteopathie: Bei einer chronischen Nervenwurzelreizung/Nervenwurzelentzündung ist ein osteopathischer Behandlungsansatz sinnvoll.
Invasive Therapie
- Operation: Bei einem Bandscheibenvorfall kann eine Operation notwendig sein, um den Druck auf die Nervenwurzel zu beseitigen.
Wie lange dauert eine Nervenentzündung?
Die Dauer einer Nervenentzündung ist sehr variabel und hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Ursache der Entzündung: Infektionen, Verletzungen, mechanische Kompression, Autoimmunerkrankungen
- Lokalisation der Entzündung: Betroffener Nerv
- Ausmaß der Entzündung: Schweregrad der Schädigung
- Allgemeine körperliche Verfassung des Betroffenen
- Zeitpunkt des Therapiebeginns: Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen auf eine schnelle Heilung.
Akute Nervenwurzelentzündung
Eine akute Nervenwurzelentzündung, die durch plötzliche Ereignisse wie einen Bandscheibenvorfall oder eine akute Infektion (z.B. Herpes Zoster) ausgelöst wird, kann typischerweise mehrere Tage bis Wochen andauern. Mit entsprechender Behandlung, wie Schmerzmedikation, entzündungshemmenden Medikamenten und physiotherapeutischen Maßnahmen, können die Symptome oft innerhalb von 4 bis 6 Wochen abklingen.
Bei einer Infektion, beispielsweise Borreliose oder Gürtelrose, hängt die Dauer von der Zeitspanne bis zum Einsatz der Antibiotika bzw. antiviralen Therapie ab. Auch nach Abklingen der Symptome nach einer Infektion mit dem Herpes Zoster-Virus kann es zu sog. Post Zoster Schmerzen kommen.
Subakute Nervenwurzelentzündung
Wenn die Entzündung durch eine länger anhaltende Ursache wie chronische mechanische Belastung (z.B. degenerative Veränderungen der Wirbelsäule) ausgelöst wird, kann die Entzündung über mehrere Wochen bis Monate bestehen. In solchen Fällen ist eine längerfristige Therapie notwendig, die neben medikamentöser Behandlung auch gezielte Trainingstherapie und möglicherweise Injektionstherapien umfasst.
Chronische Nervenwurzelentzündung
Chronische Nervenwurzelentzündungen, die durch anhaltende oder wiederkehrende mechanische Kompressionen oder chronische Entzündungszustände entstehen, können über Monate bis Jahre anhalten. In solchen Fällen kann es schwierig sein, die Entzündung vollständig zu beseitigen, und die Behandlung zielt häufig darauf ab, die Symptome zu kontrollieren und die Lebensqualität zu verbessern. In manchen Fällen kann eine chirurgische Intervention erforderlich sein, um die Ursache der Kompression zu beheben.
Bei einer degenerativen, also Verschleiß-bedingten, Nervenwurzelreizung beträgt die Dauer der akuten starken Beschwerden meist einige Wochen.
Erholungsphase
Auch nachdem die akuten Entzündungssymptome abgeklungen sind, kann es einige Zeit dauern, bis die Nervenwurzel vollständig regeneriert ist.
Was Sie selbst tun können
- Für Entspannung sorgen: Wärme kann bei muskulären Verspannungen wahre Wunder bewirken. Ischiasbeschwerden lassen sich zum Beispiel durch wärmende Pflaster und Salben, ein Wärmekissen, einen Saunabesuch oder ein heißes Bad lindern. Die seelische Entspannung hilft dem Körper außerdem, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren.
- In Bewegung bleiben: Bewegung kann Verspannungen lösen, die Muskulatur stärken und Schmerzen lindern. Da körperliche Aktivität positive Emotionen fördert, profitiert auch die Seele. Beginnen Sie sanft: Ein Spaziergang, behutsame Dehnübungen. Wenn Sie sich unsicher sind, sprechen Sie mit einem Arzt oder Physiotherapeuten.
- Den Geist anregen: Beschäftigungen, die guttun und uns ein Stück herausfordern, helfen dabei vom Schmerz abzulenken. Auch die aktive Kontrolle der Gedanken, ist ein wichtiges Hilfsmittel für den Alltag mit Schmerzen.
- Alltagsverhalten bewusst anpassen: Vermeiden Sie belastende Überkopfbewegungen, achten Sie auf Ihre Körperhaltung, vermeiden Sie Stress.
- Sanfte Übungen zur Eigenanwendung: Leichte Bewegungen fördern die Durchblutung und helfen, verspannte Muskelbereiche rund um das Schulterblatt zu lockern. Wichtig: Die Übungen sollten schmerzfrei ausführbar sein und nicht gegen Widerstand erfolgen.
Wie kann man Nervenschmerzen behandeln?
Bei der Behandlung kommen zum Beispiel schmerzlindernde Medikamente wie Antidepressiva oder Opioide zum Einsatz. Auch die Therapie einer zugrundeliegenden Infektion mittels Antibiotika oder Virostatika beziehungsweise Operationen (etwa beim Karpaltunnelsyndrom) sind möglich.
Vorbeugung von Nervenentzündungen
Um Nervenentzündungen und damit verbundenen Schmerzen vorzubeugen, sollten Sie in erster Linie auf eine gesunde Lebensweise achten. Das heißt: Möglichst wenig Stress, Alkohol in Maßen, ausreichend Erholung und regelmäßig Sport.