Interkostalneuralgie und andere Neuralgien können für Betroffene sehr belastend sein. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Ursachen, Symptome, Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten und die Dauer der Krankschreibung bei verschiedenen Arten von Neuralgien, insbesondere der Interkostalneuralgie und der Gürtelrose (Herpes Zoster). Ziel ist es, Betroffenen und Interessierten einen fundierten Einblick in diese Schmerzzustände zu geben und die Bedeutung einer frühzeitigen und zielgerichteten Therapie hervorzuheben.
Was ist Neuralgie?
Neuralgie bezeichnet Nervenschmerzen, die durch Schädigungen oder Reizungen von Nerven verursacht werden. Diese Schmerzen können in verschiedenen Körperregionen auftreten und unterschiedliche Ursachen haben. Zu den häufigsten Formen gehören die Interkostalneuralgie, die Trigeminusneuralgie und die Post-Zoster-Neuralgie.
Interkostalneuralgie: Nervenschmerzen zwischen den Rippen
Ursachen und Symptome
Bei einer Interkostalneuralgie leiden Patienten unter Nervenschmerzen, die zwischen den Rippen verlaufen. Diese Schmerzen können ziehend oder stechend sein und länger als zwei bis drei Tage anhalten. Häufig werden sie als Stiche beim Atmen empfunden, die sich durch Husten, Druck auf den Brustkorb oder Bewegung verstärken können. Auch Juckreiz im Bereich der Rippen kann auftreten. Die Schmerzen sind oft nicht auf den Rippenbereich begrenzt, sondern können sich gürtelförmig bis zum Rücken ausbreiten.
Die Ursachen für eine Interkostalneuralgie können vielfältig sein. Häufig liegen altersbedingte Wirbelsäulenerkrankungen wie Spondylitis (Wirbelsäulenentzündung) oder Osteochondrose (Degeneration von Knochen und Knorpel) vor. Weitere mögliche Auslöser sind Gürtelrose, Rippenfrakturen, Rippenfellentzündung, Muskelverhärtungen rund um die Rippen oder Lungenentzündungen. Psychischer Stress kann ebenfalls eine Rolle spielen, da er Fehlhaltungen und Muskelverspannungen verursachen kann, die zu Interkostalneuralgie führen.
Diagnose und Behandlung
Aufgrund der vielfältigen Ursachen ist eine gründliche Untersuchung und exakte Diagnose von großer Bedeutung. Zunächst erfolgt ein ausführliches Gespräch zwischen Arzt und Patient, um die genauen Symptome zu erfahren. In einer körperlichen Untersuchung sucht der Arzt nach schmerzhaften Druckpunkten, die typischerweise paravertebral (am seitlichen Brustkorb), in der Axillarlinie (Höhe der Achsel) oder paramedian (seitlich der Mittellinie) liegen.
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Je nach Befund kommen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten infrage. Muskelverhärtungen lassen sich oft bereits mit konservativen Maßnahmen wie Physiotherapie oder Massageanwendungen lösen. Eine medikamentöse Behandlung kann ebenfalls in Betracht gezogen werden, häufig im Rahmen einer Infiltrationstherapie, bei der Schmerzmittel direkt an die betroffene Stelle injiziert werden. Auch Osteopathie kann bei der Behandlung von Interkostalneuralgie hilfreich sein, insbesondere wenn Ursachen wie Myogelosen, Fehlstellungen oder Blockierungen vorliegen. Kinesiotaping kann ebenfalls zur Linderung beitragen, indem es die Muskulatur unterstützt und schmerzhafte Überbelastungen vorbeugt.
Dauer und Krankschreibung
Die Dauer einer Interkostalneuralgie kann unterschiedlich ausfallen. Je nach Ursache verschwinden Schmerzen und Beschwerden bereits wenige Tage nach Behandlungsbeginn. In anderen Fällen dauert die Behandlung insgesamt etwas länger, insbesondere wenn langwierigere Erkrankungen wie eine Wirbelsäulenentzündung oder eine Osteochondrose zugrunde liegen.
Bei starken Schmerzen, die durch kleinste Bewegungen verstärkt werden, ist eine Krankschreibung bis zur Ausheilung der Interkostalneuralgie bedeutend. Gleichzeitig sollten schwere körperliche Tätigkeiten vermieden werden, da sie zu einer Verschlimmerung der Beschwerden führen können. Die Dauer der Krankschreibung richtet sich nach der Behandlung der Beschwerden, der Erkrankungszeit und der Art der beruflichen Tätigkeit. Körperlich schwer arbeitende Menschen können möglicherweise länger krankgeschrieben werden.
Vorbeugung und Selbsthilfe
Die gezielte Vorbeugung einer Interkostalneuralgie ist aufgrund der Vielzahl ihrer Ursachen kaum möglich. Nichtsdestotrotz hilft es, auf eine gesunde und aktive Lebensweise zu achten, um Wirbelsäulenerkrankungen und Muskelverspannungen vorzubeugen. Sport und gesunde Ernährung stärken die Abwehrkräfte, sodass sich das Infektionsrisiko minimieren lässt.
Bei akuten Beschwerden kann es hilfreich sein, sich gerade hinzusetzen, die Schultern zurückzuziehen und ruhig zu atmen. Wärmende Maßnahmen im Bereich der Rippen können ebenfalls zur Linderung beitragen. Regelmäßige Übungen, wie das langsame Führen der Arme nach hinten, bis eine Spannung im Bereich der Schultern und Brust spürbar ist, können ebenfalls helfen.
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Gürtelrose (Herpes Zoster) und Post-Zoster-Neuralgie
Ursachen und Symptome
Die Gürtelrose ist eine Viruserkrankung, die durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht wird, dem gleichen Erreger, der auch Windpocken auslöst. Nach einer Windpockenerkrankung verbleibt das Virus inaktiv in Nervenknoten und kann bei einer Schwächung des Immunsystems wieder aktiviert werden. Die Viren breiten sich entlang der Nervenbahnen aus und verursachen Entzündungen des Nervengewebes, was zu einem schmerzhaften Hautausschlag führt.
Bei etwa 15 % der Betroffenen kommt es nach Abheilen der Gürtelrose zu anhaltenden Schmerzen im betroffenen Hautbereich, der sogenannten Post-Zoster-Neuralgie (PZN). Diese Schmerzen können brennend, stechend oder bohrend sein und sich über das Gebiet des ursprünglichen Ausschlags hinaus ausbreiten. Die Haut kann überempfindlich sein, sodass bereits leichte Berührungen starke Schmerzen auslösen.
Risikofaktoren und Diagnose
Das Risiko für eine Post-Zoster-Neuralgie steigt mit zunehmendem Alter. Weitere Risikofaktoren sind starke Schmerzen während der akuten Gürtelrose, ein besonders starker Ausschlag oder Schmerzen, die bereits vor Ausbruch des Ausschlags auftreten.
Die Diagnose erfolgt in der Regel aufgrund der Krankengeschichte und der typischen Symptome. Ärztliche Fragebögen und Schmerzintensitätsskalen können eingesetzt werden, um die Symptome zu erfassen.
Behandlung und Vorbeugung
Das Ziel der Behandlung ist es, die Schmerzen zu lindern, die Dauer der Nervenschmerzen zu verkürzen und die Lebensqualität zu verbessern. Lokale Behandlungen mit Lidocain-Salben oder Capsaicin-Pflastern können helfen, die Schmerzen zu reduzieren. Medikamentös können einfache Schmerzmittel, Opioide, Antiepileptika oder Antidepressiva eingesetzt werden. In einigen Fällen kann eine Mitbehandlung durch Schmerzspezialisten erforderlich sein.
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Eine frühzeitige Schmerztherapie wird empfohlen, um chronischen Schmerzen vorzubeugen. Zudem ist eine Impfung gegen Gürtelrose für Personen ab 60 Jahren empfohlen, um das Risiko einer Erkrankung und damit auch einer Post-Zoster-Neuralgie zu reduzieren.
Krankschreibung bei Gürtelrose
Eine Krankschreibung bei Gürtelrose ist wichtig, um die Übertragung der Viren auf andere Menschen zu verhindern. Die Dauer der Krankschreibung hängt vom Krankheitsverlauf ab, beträgt aber in der Regel sieben bis zehn Tage, bis der Hautausschlag vollständig abgeheilt ist. In Berufen mit Körperkontakt oder gemeinsamer Nutzung von Gegenständen ist die Arbeitsunfähigkeit bis zur vollständigen Abheilung der Bläschen unbedingt einzuhalten.
Trigeminusneuralgie: Heftige Gesichtsschmerzen
Ursachen und Symptome
Die Trigeminusneuralgie ist eine seltene Erkrankung, die durch heftige, attackenartige, meist einseitige Gesichtsschmerzen gekennzeichnet ist. Die Schmerzen gehen vom fünften Hirnnerv, dem Trigeminusnerv, aus und werden oft als stechend, drückend oder stromstoßartig beschrieben.
Je nach Ursache wird zwischen klassischer, sekundärer und idiopathischer Trigeminusneuralgie unterschieden. Bei der klassischen Form drücken benachbarte Blutgefäße auf den Nerv und schädigen dessen Umhüllung. Eine sekundäre Trigeminusneuralgie kann durch andere Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Hirntumoren oder Schlaganfälle verursacht werden. Bei der idiopathischen Form lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose erfolgt anhand der typischen Schmerzsymptomatik und durch den Ausschluss anderer Ursachen für Gesichtsschmerzen. Ein Neurologe oder Neurochirurg ist der richtige Ansprechpartner für die Diagnose und weiterführenden Untersuchungen. Diese können Magnetresonanztomografie (MRT), Computertomografie (CT) oder elektrophysiologische Untersuchungen umfassen.
Die Behandlung zielt darauf ab, die Schmerzen zu reduzieren oder zu vertreiben. Medikamentös kommen Antikonvulsiva oder andere Schmerzmittel zum Einsatz. In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf den Nerv zu entlasten.
Verlauf und Prognose
Der Krankheitsverlauf bei der Trigeminusneuralgie ist sehr variabel. Es ist kaum vorhersehbar, wie viel Zeit bis zur nächsten Schmerzattacke vergeht. Die Trigeminusneuralgie beeinträchtigt das Alltagsleben der meisten Betroffenen massiv, nicht nur durch die heftigen Schmerzattacken an sich, sondern auch durch die Angst vor der nächsten Attacke.
Neuritis: Entzündung der Nerven
Ursachen und Symptome
Neuritis bezeichnet eine Entzündung der Nerven, die mit Schmerzen verbunden sein kann. Es können sowohl die peripheren Nerven als auch die Hirnnerven betroffen sein. Die Ursachen für Nervenentzündungen sind vielfältig und können Infektionen, Medikamente, Erkrankungen oder mechanischer Druck auf den Nerv umfassen.
Typische Symptome einer Neuritis sind Schmerzen, Taubheitsgefühle, Kribbeln, Schwäche in den betroffenen Bereichen und motorische Beeinträchtigungen.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose erfolgt durch eine ausführliche Befragung des Patienten (Anamnese) und eine neurologische Untersuchung. Weitere Untersuchungen wie Blutuntersuchungen, Liquoruntersuchung oder bildgebende Verfahren können zur Klärung der Ursache erforderlich sein.
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Nervenentzündung. Bei bakteriellen Infektionen werden Antibiotika eingesetzt, bei viralen Infektionen antivirale Medikamente. Schmerzmittel wie Antidepressiva oder Opioide können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf den Nerv zu entlasten.
Vorbeugung und Krankschreibung
Um Nervenentzündungen vorzubeugen, sollten Sie auf eine gesunde Lebensweise achten, Stress reduzieren, Alkohol in Maßen konsumieren, ausreichend Erholung und Schlaf gönnen und regelmäßig Sport treiben.
Die Dauer der Krankschreibung bei Nervenentzündungen hängt von der Ursache und der Stärke der Beschwerden ab.