Eine Hirnblutung ist ein schwerwiegendes Ereignis, das zu erheblichen Komplikationen führen kann. Zu den gefürchteten Komplikationen gehören Gefäßspasmen, die die Blutversorgung des Gehirns beeinträchtigen und zu weiteren Schäden führen können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose, Behandlung und Prognose von Gefäßspasmen nach Hirnblutungen.
Was sind Gefäßspasmen?
Gefäßspasmen sind Verengungen von Blutgefäßen im Gehirn. Sie treten häufig nach Hirnblutungen auf, insbesondere nach Subarachnoidalblutungen (SAB), die oft durch das Platzen eines Aneurysmas verursacht werden. Die Verengung der Gefäße kann zu einer Minderversorgung des Hirngewebes führen, was wiederum Hirninfarkte zur Folge haben kann.
Ursachen und Risikofaktoren von Hirnblutungen
Hirnblutungen umfassen alle Einblutungen im Inneren des Schädels. Je nach Lage werden sie in intrazerebrale Blutungen (ICB) und extrazerebrale Blutungen (ECB) unterteilt. Extrazerebrale Blutungen betreffen die drei Meningen: Pia mater, Arachnoidea und Dura mater. Je nach Lokalisation werden das Epiduralhämatom, Subduralhämatom und Subarachnoidalhämatom unterschieden.
Die Ursachen von Hirnblutungen sind vielfältig und können spontan auftreten oder Folge einer anderen Erkrankung sein. Häufig sind sie die Folge von Schädel-Hirn-Verletzungen. Blutgerinnungsstörungen und Gefäßerkrankungen können Hirnblutungen jeder Art begünstigen.
Zu den Risikofaktoren für Hirnblutungen zählen:
Lesen Sie auch: Symptome und Behandlungsmethoden bei eingeklemmtem Nerv
- Bluthochdruck: Eine arterielle Hypertonie ist einer der häufigsten Risikofaktoren für intrazerebrale Blutungen.
- Antikoagulantien und Thrombozytenaggregationshemmer: Medikamente wie Phenprocoumon, Warfarin, Clopidogrel und Acetylsalicylsäure erhöhen das Risiko intrakranieller Blutungen.
- Nikotin- und Alkoholabusus: Diese Faktoren prädisponieren für Subarachnoidalblutungen.
- Gefäßerkrankungen: Angeborene Wandschwächen der Tunica media und sekundäre arteriosklerotische oder entzündliche vaskuläre Veränderungen der Hirnbasisarterien können zu Aneurysmen führen.
Subarachnoidalblutung (SAB)
Eine Subarachnoidalblutung (SAB) ist eine Blutung in den Raum zwischen der mittleren und der weichen Hirnhaut. In etwa 85 Prozent der Fälle entsteht eine SAB durch das Reißen eines Aneurysmas im Gehirn. Seltenere Auslöser sind Schädel-Hirn-Verletzungen, Sinusvenenthrombosen, Gefäßentzündungen, Gerinnungsstörungen, Tumoren, Infektionen und Vergiftungen.
Symptome der SAB
Leitsymptome der Subarachnoidalblutung sind schlagartig auftretende, heftigste Kopfschmerzen, die sich rasch vom Nacken oder von der Stirn über den ganzen Kopf ausbreiten. Dieser sogenannte "Vernichtungskopfschmerz" wird oft von Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu und Nackensteifigkeit (Meningismus) begleitet. Je nach Ausmaß der SAB kann es zu Bewusstseinsstörungen bis hin zu tiefem Koma kommen.
Diagnose der SAB
Zur Diagnose einer SAB ist eine Computertomografie (CT) des Schädels besonders aussagekräftig. Innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Blutung lässt sich eine SAB in 95 Prozent der Fälle im CT erkennen. Auch mittels Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) lässt sich eine SAB in den ersten Tagen nach dem Ereignis nachweisen. Falls CT oder MRT einen unauffälligen Befund liefern, hilft bei der Diagnose die Entnahme von Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis) durch eine Lumbalpunktion.
Pathogenese von Gefäßspasmen
Nach einer SAB reizt das Hämatom die kranialen Hirngefäße und die umliegenden meningealen Areale von Arachnoidea und Pia mater. Sekundäre Vasospasmen können fokale Hirnischämien verursachen und zu vegetativen Störungen, fokal-neurologischen Ausfällen, Meningismus, Hydrozephalus und beidseitig positivem Babinski-Zeichen führen.
Dauer von Gefäßspasmen
Gefäßverkrampfungen setzen nach dem vierten Tag nach der Subarachnoidalblutung ein und halten etwa zwei bis drei Wochen an. Durch Beeinträchtigung der Hirndurchblutung bewirken sie oft ein Auftreten oder eine Zunahme der Lähmungen oder Bewusstseinsstörungen.
Lesen Sie auch: Taubheitsgefühl nach zahnärztlichem Eingriff: Ein Leitfaden
Behandlung von Gefäßspasmen
Die Behandlung von Gefäßspasmen zielt darauf ab, die Verengung der Gefäße zu beseitigen und die Durchblutung des Gehirns wiederherzustellen. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze:
- Medikamentöse Therapie: Gefäßspasmen werden medikamentös behandelt, um die Gehirndurchblutung zu verbessern. Nimodipin ist ein häufig verwendetes Medikament zur Vorbeugung und Behandlung von Vasospasmen. In der Akutphase erfolgt die Sicherung bzw. Vermeidung von Komplikationen, v. a. primär mit Nimodipin, sekundär mit Nifedipin, tertiär mit Urapidil. Natriumnitroprussid ist nicht geeignet, da es zu einer Erhöhung des intrakraniellen Drucks (ICP; Hirndruck) führen kann.
- Lokale medikamentöse Behandlung: In der Neuroradiologie kann eine lokale medikamentöse Behandlung etwaiger Vasospasmen erfolgen. Dabei wird über einen Katheter sehr langsam lokal ein gefäßerweiterndes Medikament (Nimodipin) in die betroffenen Gefäße injiziert.
- Mechanische Behandlung: Reicht die lokale medikamentöse Behandlung nicht aus, können kritische Vasospasmen unter Vollnarkose aufgedehnt werden. Über die Leiste wird hierfür ein Katheter ins Gefäßsystem eingeführt und es werden anschließend Aufnahmen der betroffenen Gefäße angefertigt. Zeigen sich Vasospasmen, wird über den Katheter sehr langsam lokal ein gefäßerweiterndes Medikament (Nimodipin) in die betroffenen Gefäße injiziert.
- Statine: Rechtzeitig nach einer Subarachnoidal-Blutung verabreicht, verringern Statine zerebrale Gefäßspasmen.
Weitere therapeutische Maßnahmen
Neben der Behandlung von Gefäßspasmen sind weitere Maßnahmen wichtig, um Komplikationen zu vermeiden und die Genesung zu fördern:
- Bettruhe: Menschen mit einer Subarachnoidalblutung benötigen Bettruhe.
- Überwachung und Einstellung des Blutdrucks und Blutzuckers: Der Blutdruck wird so eingestellt, dass der systolische Druck 160 mmHg nicht übersteigt.
- Fieberbehandlung: Eventuell auftretendes Fieber wird behandelt.
- Operation zur Ausschaltung des Aneurysmas: Ist ein geplatztes Aneurysma Ursache der Subarachnoidalblutung, wird es möglichst rasch vom Blutkreislauf getrennt. Dies ist auf zwei Wegen möglich: Entweder operativ durch einen Neurochirurgen (Clipping) oder über die Blutgefäße durch einen erfahrenen Neuroradiologen (endovaskuläres Coiling).
- Behandlung eines Hydrozephalus: Eine weitere mögliche Komplikation der Subarachnoidalblutung ist der „Wasserkopf“ (Hydrozephalus) - eine durch aufgestaute Hirnflüssigkeit bedingte Erweiterung der Hirnkammern. In manchen Fällen bildet sich der Hydrozephalus spontan wieder zurück. Meist muss das aufgestaute Hirnwasser aber für einige Tage über einen Schlauch nach außen abgeleitet werden.
- Ausgleich von Elektrolytstörungen: Elektrolytstörungen, v. a. Hyponatriämie, sollten ausgeglichen werden.
- Ulkusprophylaxe: Eine Ulkusprophylaxe ist wichtig, um Magen-Darm-Blutungen zu vermeiden.
- Prophylaxe defäkationsassoziierte Hypertonie: Maßnahmen zur Vermeidung von starkem Pressen bei der Defäkation sind wichtig.
- Stressreduktion: Stress sollte reduziert werden, um den Blutdruck nicht unnötig zu erhöhen.
- Schmerztherapie: Um jedweden Stress zu reduzieren, erhält der Kranke ausreichend Schmerzmittel, z. B. Metamizol oder Opioide.
Prognose nach Hirnblutung
Die Prognose einer Hirnblutung hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Lokalisation und Größe der Blutung, das Alter des Patienten und das Vorliegen von Komplikationen wie Gefäßspasmen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können die Prognose verbessern.
Die Subarachnoidalblutung ist potenziell lebensbedrohlich. Insgesamt stirbt jeder zweite Betroffene an einer SAB. Etwa die Hälfte der Überlebenden trägt infolge der Subarachnoidalblutung Spätfolgen wie Lähmungen, Koordinationsstörungen oder geistige Beeinträchtigungen davon, ein Drittel bleibt lebenslang abhängig von fremder Hilfe.
Vorbeugung von Hirnblutungen
Einige Risikofaktoren für Hirnblutungen lassen sich beeinflussen. Dazu gehören:
Lesen Sie auch: Verlauf von Parkinson im Endstadium
- Blutdruckkontrolle: Eine optimale Blutdruckeinstellung senkt das ICB-Risiko erheblich.
- Nichtrauchen: Rauchen erhöht das Risiko für Aneurysmen und Hirnblutungen.
- Maßvoller Alkoholkonsum: Übermäßiger Alkoholkonsum kann den Blutdruck erhöhen und das Risiko für Hirnblutungen steigern.
- Vermeidung von Drogenkonsum: Der Konsum von Drogen wie Kokain kann den Blutdruck stark erhöhen und zu Hirnblutungen führen.
- Aneurysma überwachen lassen: Wenn ein Aneurysma bekannt ist, sollte es regelmäßig überwacht werden, um das Risiko einer Ruptur zu minimieren.