Wartezeiten beim Neurologen: Wie Sie schneller einen Termin bekommen

In Deutschland kann die Wartezeit auf einen Termin beim Neurologen oft frustrierend lang sein. Dies gilt insbesondere für Kassenpatienten. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, wie Sie die Wartezeit verkürzen und schneller professionelle Hilfe erhalten können. Dieser Artikel gibt Ihnen einen umfassenden Überblick über die aktuelle Situation, die Gründe für die langen Wartezeiten und die verschiedenen Optionen, die Ihnen zur Verfügung stehen.

Die Herausforderung: Lange Wartezeiten auf Facharzttermine

Viele Patienten in Deutschland kennen das Problem: Nach einem Fahrradunfall schmerzt das Knie, und eine Magnetresonanztomographie (MRT) wäre dringend erforderlich, aber der nächste freie Termin ist erst in sieben Wochen. Solche Szenarien sind leider keine Seltenheit. Oftmals vergehen Wochen oder sogar Monate, bis man einen Termin bei einem Facharzt erhält. Dies gilt besonders für Neurologen, Radiologen und Kardiologen.

Gründe für die langen Wartezeiten

Die langen Wartezeiten sind auf mehrere Faktoren zurückzuführen:

  • Mangel an Fachärzten: Insbesondere in ländlichen Regionen gibt es zu wenige Fachärzte. Deutschland bildet nicht genügend Ärzte aus, was unter anderem an den Zugangsbeschränkungen (Numerus Clausus) bei den Medizinstudiengängen liegt.
  • Schlechte Arbeitsbedingungen: Viele Fachkräfte steigen aufgrund von Bürokratie und unzureichender Vergütung aus dem Beruf aus. Gleichzeitig gehen viele ältere Ärzte in den Ruhestand, und es gibt nicht genügend Nachwuchs, um diese Lücken zu füllen.
  • Unterscheidung zwischen Kassen- und Privatpatienten: Viele Fachärzte bevorzugen Privatpatienten, was die Wartezeiten für Kassenpatienten verlängert.
  • Budgetierung: Ärzte dürfen nur eine bestimmte Anzahl von Kassenpatienten pro Quartal vollständig abrechnen. Sobald dieses Budget erreicht ist, sinkt der finanzielle Anreiz, neue Patienten schnell aufzunehmen.
  • Demografischer Wandel: Der Anteil der älteren Bevölkerung steigt, was zu einem höheren Bedarf an medizinischer Versorgung führt.
  • Zunahme chronischer Erkrankungen: Chronische Krankheiten, insbesondere psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen, treten vermehrt auf.
  • Verändertes Patientenverhalten: Viele Menschen gehen früher und häufiger zum Arzt, auch für Routineuntersuchungen.

Der Terminservice 116117: Ein Lösungsansatz?

Um Kassenpatienten schneller zu einem Facharzttermin zu verhelfen, wurde der Terminservice 116117 eingerichtet. Dieser Service ist über die bundeseinheitliche Rufnummer 116 117, online über den E-Terminservice oder die App 116117 erreichbar.

Wie funktioniert die Terminvermittlung über 116117?

  1. Kontaktaufnahme: Sie rufen die 116 117 an oder nutzen die E-Terminvergabe. Die Rufnummer 116 117 ist 24 Stunden täglich an sieben Tagen der Woche telefonisch erreichbar.
  2. Dringlichkeitscode: Wenn Sie einen Facharzttermin benötigen, geben Sie den Dringlichkeitscode an, den Sie auf der Überweisung Ihres Hausarztes finden. Für Termine beim Augenarzt oder Gynäkologen ist keine Überweisung erforderlich.
  3. Terminvorschlag: Wenn die Terminvermittlung erfolgreich ist, wird Ihnen innerhalb einer bestimmten Zeitspanne ein Termin angeboten. Die maximale Wartezeit zwischen der Kontaktaufnahme und dem Termin beträgt vier Wochen.
  4. Krankenhausambulanz: Wenn Ihnen kein Termin innerhalb der festgelegten Zeitspanne angeboten werden kann, wird Ihnen ein ambulanter Behandlungstermin in einem Krankenhaus angeboten.
  5. Terminabsage: Wenn Sie einen Termin absagen müssen, rufen Sie den Patientenservice 116 117 an und geben den Termin wieder frei.

Wichtige Hinweise zum Terminservice 116117

  • Der Patientenservice 116 117 vermittelt keine Wunschtermine bei einem bestimmten Arzt oder Psychotherapeuten.
  • Die Terminvermittlung erfolgt nach einer Umkreissuche, die von den jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigungen festgelegt wird. Dies kann bedeuten, dass Sie eine längere Anfahrt in Kauf nehmen müssen.
  • In Akutfällen werden Patienten mit einem standardisierten Ersteinschätzungsverfahren in die richtige Versorgungsebene (offene Arztpraxis, Ärztlicher Bereitschaftsdienst, Notfallambulanz im Krankenhaus, Rettungsdienst/112) vermittelt.
  • Der 12-stellige Dringlichkeitscode ist nicht erforderlich für einen Termin bei einem Augen- und Frauenarzt.
  • Es besteht kein Anspruch auf Vermittlung für Bagatellerkrankungen oder Routineuntersuchungen.
  • Für die Vermittlung an einen Haus-, Kinder- oder Jugendarzt benötigen Sie keinen Dringlichkeitscode.
  • Für die Vermittlung von Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) für Kinder gilt die Vier-Wochenfrist.
  • Für die Vermittlung einer psychotherapeutische Sprechstunde brauchen Sie keine Überweisung.
  • Für die Vermittlung einer zeitnah erforderlichen Probatorik (d.h. anfängliche Sitzungen vor dem eigentlichen Beginn einer Psychotherapie und Akutbehandlung) benötigen Sie eine individuelle Patienteninformation zur ambulanten psychotherapeutischen Sprechstunden (PTV-11-Formular) mit einem Dringlichkeitscode.
  • Nach einem psychotherapeutischen stationären Aufenthalt benötigen Sie kein PTV-11-Formular für eine Akutbehandlung.

Weitere Möglichkeiten, die Wartezeit zu verkürzen

Neben dem Terminservice 116117 gibt es noch weitere Strategien, um schneller einen Termin beim Neurologen zu bekommen:

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  1. Hausarzt konsultieren: Gehen Sie zunächst zu Ihrem Hausarzt. In vielen Fällen kann der Hausarzt Ihnen die nötige Hilfe leisten oder Sie gezielt an einen Facharzt überweisen.
  2. Überweisung mit Dringlichkeitsvermerk: Bitten Sie Ihren Hausarzt um eine Überweisung mit einem Dringlichkeitscode. Damit haben Sie Anspruch auf einen Termin innerhalb von vier Wochen - vermittelt über die Terminservicestelle.
  3. Unterstützung durch die Krankenkasse: Viele Krankenkassen bieten einen eigenen Terminservice für Facharztbesuche an. Dieser Service kann Ihnen helfen, schneller einen Termin zu finden.
  4. Offene Sprechstunden nutzen: Viele Facharztpraxen bieten feste Zeiten an, zu denen gesetzlich Versicherte ohne Termin behandelt werden.
  5. Akutsprechstunde: Fachärzte sind verpflichtet, für akute Fälle kurzfristige Termine bereitzuhalten. Wenn Ihre Beschwerden akut sind, sagen Sie das deutlich.
  6. Warteliste: Bitten Sie darum, auf eine Warteliste für kurzfristige Absagen gesetzt zu werden.
  7. Online-Terminportale: Nutzen Sie Plattformen wie doctolib, jameda oder arzt-direkt, um kurzfristige Online-Termine zu finden.
  8. Videosprechstunde: Viele Fachärzte bieten digitale Sprechstunden per Video an.
  9. Selbstzahlertermin: Wenn Sie bereit sind, die Kosten selbst zu tragen, bieten manche Fachärzte Privat- oder Selbstzahlertermine an.
  10. Termin während der Arbeitszeit: Nehmen Sie Facharzttermine auch während der Arbeitszeit wahr. Arbeitnehmer haben in vielen Fällen Anspruch darauf, medizinisch notwendige Arztbesuche während der Arbeitszeit wahrzunehmen.
  11. Facharztzentren oder MVZs: Rufen Sie bei Facharztzentren oder MVZs (Medizinischen Versorgungszentren) an. Diese Einrichtungen verfügen oft über mehrere Ärzte pro Fachrichtung und haben mehr Flexibilität bei der Terminvergabe.
  12. Schmerzkliniken oder Schmerztherapeuten: Falls es sich um chronische Schmerzen handelt, können Schmerzkliniken oder Schmerztherapeuten eine schnellere Lösung bieten.
  13. Osteopathen und Heilpraktiker: Wenn Sie nicht unbedingt auf eine ärztliche Behandlung angewiesen sind, kann es sich lohnen, auch einen Osteopathen oder Heilpraktiker aufzusuchen.
  14. Private Kliniken und Privatpraxen: Wenn die Wartezeiten in öffentlichen Krankenhäusern oder bei niedergelassenen Fachärzten zu lang sind, kann es sinnvoll sein, sich auch bei privaten Kliniken oder privatärztlichen Praxen umzusehen.
  15. Zusatzversicherung: Denken Sie ggf. über die Anschaffung einer Zusatzversicherung nach.
  16. Ärzte mit weniger guten Online-Bewertungen: Kontaktieren Sie auch Ärzte mit weniger guten Online-Bewertungen. Diese Praxen haben oft kürzere Wartezeiten.
  17. Freundlich, aber bestimmt auftreten: Sagen Sie klar, was Sie brauchen, aber bleiben Sie freundlich und respektvoll.

Neurologische Versorgung: Mehr als nur Medikamente

Es ist wichtig zu beachten, dass neurologische Beschwerden vielfältig sein können. In vielen Fällen sind körperliche Symptome, die zunächst auf eine organische Erkrankung des Nervensystems hinweisen, letztlich Ausdruck einer reinen Störung der seelischen Gesundheit und bedürfen der weiteren psychiatrischen Abklärung und Behandlung. In diesem Fall kann eine psychiatrische Behandlung sinnvoll sein.

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