Gesundes Nervenwasser: Zusammensetzung und Bedeutung für die Nervenzellen

Das Nervenwasser, auch Liquor cerebrospinalis genannt, ist eine klare Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umspült und schützt. Es dämpft das zentrale Nervensystem gegen Erschütterungen ab und versorgt bestimmte Hirnregionen mit Nährstoffen. Die Zusammensetzung des Nervenwassers kann wichtige Informationen über den Zustand des Gehirns und des Nervensystems liefern.

Die Zusammensetzung des Nervenwassers

Der Liquor cerebrospinalis ist eine klare, farblose, eiweiß- und zellarme Flüssigkeit. Ein Erwachsener hat etwa 130 bis 150 Milliliter Liquor, wovon sich etwa ein Viertel in den Hirnkammern (Ventrikeln) befindet und drei Viertel als umhüllender Flüssigkeitsmantel das Gehirn und das Rückenmark umgeben.

Im Labor werden im Nervenwasser rote und weiße Blutkörperchen, Eiweiße (insbesondere Antikörper), Zucker und Laktat sowie gegebenenfalls Erreger und Krebszellen bestimmt. Bei der Beurteilung wird deren Zusammensetzung üblicherweise in Beziehung zu den gleichzeitig ermittelten Blutwerten gesetzt.

Mikronährstoffe und weitere Stoffe

Neben den genannten Bestandteilen enthält das Nervenwasser auch Mikronährstoffe und weitere Stoffe, die für die Funktion der Nervenzellen von Bedeutung sind.

Zu den Mikronährstoffen gehören Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Sie dienen der Aufrechterhaltung lebenswichtiger Stoffwechselfunktionen. Da der Körper sie nicht bzw. nicht in ausreichender Menge bilden kann, müssen sie regelmäßig über die Ernährung aufgenommen werden.

Lesen Sie auch: Visuelle Verarbeitung im Gehirn verstehen

Zu den "weiteren Stoffen" zählen Vitaminoide, essentielle Fett- und Aminosäuren, Ballaststoffe, probiotische Kulturen sowie sekundäre Pflanzenstoffe und Enzyme.

Bedeutung einzelner Nährstoffe für die Nervenzellen

  • Phosphatidylserin: Dieses Phospholipid bildet das Grundgerüst der Zellmembranen und ist somit für die Beweglichkeit und Funktionstüchtigkeit aller Körperzellen erforderlich. Eine geringe Konzentration an Phosphatidylserin hängt mit einer verminderten Freisetzung von Neurotransmittern (Botenstoffe), insbesondere von Acetyl-Cholin, zusammen.
  • Pantothensäure (Vitamin B5): Dieses B-Vitamin trägt zur normalen Synthese von Neurotransmittern wie Acetyl-Cholin bei. Die Vorstufe von Acetyl-Cholin ist Cholin, welches über die Ernährung aufgenommen werden kann.
  • Coenzym Q10: Diese vitaminähnliche Substanz kommt in besonders hohen Konzentrationen in den Herzmuskeln- und den Nervenzellen vor. Es kommt in den Mitochondrien (Energiekraftwerke der Zellen) vor und ist an der Energiegewinnung beteiligt. Mit zunehmendem Alter sinkt der Coenzym Q10-Gehalt im Körper.
  • Docosahexaensäure (DHA): Diese Omega-3-Fettsäure trägt zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion bei.
  • Jod und Vitamin D: Hochseefisch enthält nicht nur die wertvollen Omega-3-Fettsäuren, sondern auch Jod und Vitamin D.

Ernährungsempfehlungen für gesunde Nervenzellen

Eine abwechslungsreiche Ernährung aus frischen, pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln ist von zentraler Bedeutung für die Nervenzellgesundheit.

  • Obst und Gemüse: Sie sind wichtige Nährstofflieferanten für die Gehirn- und Nervengesundheit und enthalten viele Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sowie zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe und Antioxidantien. Es werden täglich insgesamt 5 Portionen (≥ 400 g) empfohlen, idealerweise 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst.
  • Fetter Meeresfisch: Für eine gute Versorgung mit den gesundheitsfördernden Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) sollte einmal wöchentlich fettreicher Meeresfisch (Aal, Lachs, Hering, Makrele, Sardelle, Sardine) verzehrt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät zudem, eine weitere Mahlzeit fettärmeren Meeresfisch pro Woche zu essen.
  • Nüsse: Sie sind allgemein als Nervennahrung, als „Brainfood“ bekannt. Neben den wertvollen Omega-3-Fettsäuren liefern sie B-Vitamine, Mineralstoffe und Antioxidantien.
  • Komplexe Kohlenhydrate: Das Gehirn nutzt zur Energiegewinnung bevorzugt das Kohlenhydrat Glucose. Gute Energielieferanten für das Gehirn sind Haferflocken, denn sie lassen den Blutzuckerspiegel langsam steigen.

Die Bedeutung des Nervenwassers für die Diagnose von Erkrankungen

Die Untersuchung des Nervenwassers, die sogenannte Liquordiagnostik, ist ein wichtiges Instrument zur Diagnose von Erkrankungen des Nervensystems. Durch die Analyse der Zusammensetzung des Nervenwassers können Rückschlüsse auf die Ursache von Störungen gezogen werden.

Liquorpunktion

Die Entnahme von Nervenwasser erfolgt durch eine Liquorpunktion, bei der eine Hohlnadel zwischen zwei Wirbeln in den Liquorraum eingeführt wird. Die Punktion wird in der Regel im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule (lumbal) durchgeführt, da sich dort der Liquor in einer Art Reservoir sammelt, das kein Rückenmark mehr enthält.

Indikationen für eine Liquorpunktion

Eine Liquorpunktion wird unter anderem bei folgenden Erkrankungen und Symptomen eingesetzt:

Lesen Sie auch: Wie das Koala-Gehirn funktioniert

  • Hirnblutungen (z.B. nach einem Unfall oder infolge eines Gefäßrisses)
  • Infektionen des Nervensystems (z.B. bakterielle und virale Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Neuroborreliose)
  • Hirntumoren, Metastasen und Leukämie
  • Multiple Sklerose
  • Plötzlich auftretende starke Kopfschmerzen oder Bewusstseinsverlust
  • Unklare Stoffwechselerkrankungen
  • Alzheimer, Parkinson und andere neurodegenerative Erkrankungen

Ablauf einer Liquorpunktion

Vor der Punktion wird der Patient über den Ablauf und die möglichen Risiken aufgeklärt. Etwa eine halbe Stunde vor der Punktion wird Blut entnommen. Für die Punktion sind eine entspannte Rückenmuskulatur und möglichst weite Wirbelzwischenräume wichtig. Deshalb befindet sich der Patient in einer kauernden Position, bei der die Lendenwirbelsäule gekrümmt wird. Zunächst wird der Einstichbereich gründlich desinfiziert und lokal betäubt. Dann wird die Hohlnadel zwischen zwei Wirbeln in den Liquorraum eingeführt. Es werden drei kleine Portionen Nervenwasser durch Abtropfen gewonnen und zum Labor geschickt. Die Nadel wird herausgezogen, die Einstichstelle zusammengedrückt und mit einem Pflaster verschlossen.

Mögliche Komplikationen

Im Prinzip ist eine Liquorpunktion ein recht ungefährlicher, wenig schmerzhafter Eingriff, der selten mit Komplikationen einhergeht. Vor allem wenn die Bettruhe nicht eingehalten und zu wenig getrunken wird, kann es 24 bis 72 Stunden nach der Punktion zu Kopfschmerzen (v.a. im Sitzen oder Stehen), eventuell mit Nackensteifigkeit, Erbrechen und Hörminderung kommen ("postpunktionelles Syndrom"). Sehr selten treten Infektionen oder Lähmungserscheinungen auf. Gefährlich ist eine Lumbalpunktion bei erhöhtem Hirndruck und Gerinnungsstörungen bzw. der Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten.

Interpretation der Liquorwerte

Die Analyse der Liquorwerte kann wichtige Hinweise auf die Art und Ursache einer Erkrankung des Nervensystems liefern.

  • Rote Blutkörperchen: Bei Hirnblutungen zeigen sich rote Blutkörperchen im Nervenwasser, das dann rosa oder rot gefärbt ist.
  • Entzündungszellen und Antikörper: Bei Infektionen des Nervensystems sind Entzündungszellen und Antikörper im Nervenwasser vorhanden.
  • Krebszellen: Bei Hirntumoren, Metastasen und Leukämie können Krebszellen im Nervenwasser nachgewiesen werden. Das Nervenwasser ist dann häufig trüb-weiß oder -gelb.
  • Oligoklonale Banden: Bei Multiple Sklerose lassen sich bei sehr vielen Patienten typische Veränderungen im Nervenwasser nachweisen (sog. oligoklonale Banden).

Biomarker im Nervenwasser

In den letzten Jahren hat die Forschung zunehmend Biomarker im Nervenwasser identifiziert, die Rückschlüsse auf bestimmte Erkrankungen des Nervensystems zulassen. So konnten Tübinger Forschende eine Gruppe von Eiweißen im Hirnwasser identifizieren, die Rückschlüsse auf Entzündungsvorgänge im Gehirn geben könnten, wie sie bei Alzheimer, Parkinson und anderen neurodegenerativen Erkrankungen auftreten. Diese Eiweiße könnten künftig helfen, Krankheitsprozesse besser zu verstehen und die Wirkung potenzieller Medikamente gegen diese Entzündungen zu testen.

Eine weitere Studie hat gezeigt, dass die Substanz 7-KetoCholesterol in hohen Konzentrationen im Nervenwasser von Patienten mit Multipler Sklerose vorkommt. Diese Substanz lässt Nervenzellen zugrunde gehen und eignet sich möglicherweise als Indikator für die Schwere der Erkrankung.

Lesen Sie auch: Struktur und Funktion des Katzengehirns

Ernährung und Lebensstil für ein gesundes Nervensystem

Neben der medizinischen Diagnostik und Therapie spielt auch die Ernährung und der Lebensstil eine wichtige Rolle für die Gesundheit des Nervensystems.

  • Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, gesunden Fetten und ausreichend Flüssigkeit ist wichtig für die Versorgung des Gehirns mit allen notwendigen Nährstoffen.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität fördert die Durchblutung des Gehirns und kann die kognitiven Funktionen verbessern.
  • Ausreichend Schlaf: Ausreichend Schlaf ist wichtig für die Regeneration des Gehirns und die Konsolidierung von Gedächtnisinhalten.
  • Soziale Kontakte: Soziale Kontakte und geistige Aktivität können das Gehirn fit halten und das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen reduzieren.

tags: #wie #sieht #gesundes #nervenwasser #aus