Bravecto und Epileptische Anfälle bei Hunden: Was Tierhalter Wissen Sollten

Bravecto ist ein beliebtes Medikament zur Behandlung von Flöhen und Zecken bei Hunden. Es ist als Kautablette erhältlich und bietet eine lang anhaltende Wirkung. Allerdings gibt es Bedenken hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen, insbesondere epileptischer Anfälle. Dieser Artikel soll Tierhaltern helfen, die Fakten zu verstehen und eine fundierte Entscheidung über die Verwendung von Bravecto zu treffen.

Was ist Bravecto und wie wirkt es?

Bravecto enthält den Wirkstoff Fluralaner, ein Isoxazolin. Isoxazoline sind eine relativ neue Klasse von Insektiziden und Akariziden, die gegen Zecken, Flöhe und Milben wirken. Sie wirken systemisch, das heißt, der Wirkstoff wird vom Hund aufgenommen und verteilt sich im Körper. Wenn Parasiten den Hund beißen, nehmen sie den Wirkstoff auf und sterben.

Fluralaner blockiert das Nervensystem von Insekten und Milben, was zu deren Tod führt. Bravecto wirkt schnell und anhaltend. Es tötet Flöhe innerhalb von 8 Stunden und Zecken innerhalb von 12-48 Stunden nach Anheftung ab. Eine einzige Dosis Bravecto schützt Hunde bis zu 12 Wochen vor Flöhen und Zecken.

Bravecto ist in verschiedenen Stärken erhältlich, die auf das Gewicht des Hundes abgestimmt sind. Die Tablette sollte nicht geteilt oder zerdrückt werden. Wenn der Hund die Tablette nicht freiwillig frisst, kann sie mit dem Futter oder direkt ins Maul verabreicht werden. Es ist wichtig, sicherzustellen, dass die Tablette vollständig aufgenommen wird.

Mögliche Nebenwirkungen von Bravecto

Wie alle Medikamente kann auch Bravecto Nebenwirkungen haben. Die meisten Nebenwirkungen sind mild und vorübergehend, aber in seltenen Fällen können schwerwiegendere Reaktionen auftreten.

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Die häufigsten Nebenwirkungen von Bravecto sind:

  • Gastrointestinale Beschwerden wie Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit und Speicheln
  • Lethargie

In sehr seltenen Fällen können neurologische Symptome wie Zittern, Ataxie (Koordinationsstörungen) und Krampfanfälle auftreten.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Meldung von Nebenwirkungen wichtig ist, um die Sicherheit von Tierarzneimitteln kontinuierlich zu überwachen. Tierhalter sollten alle Nebenwirkungen, die sie bei ihrem Tier feststellen, ihrem Tierarzt melden.

Bravecto und Epileptische Anfälle

Es gibt Bedenken hinsichtlich eines möglichen Zusammenhangs zwischen Bravecto und epileptischen Anfällen bei Hunden. Einige Tierhalter haben berichtet, dass ihre Hunde nach der Einnahme von Bravecto Anfälle erlitten haben.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) haben diese Berichte geprüft und die Fachinformation von Bravecto angepasst. In der Fachinformation wird nun darauf hingewiesen, dass Krämpfe und Lethargie sehr selten als Nebenwirkungen auftreten können. Außerdem wird empfohlen, Bravecto bei Hunden mit bekannter Epilepsie mit Vorsicht anzuwenden.

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Es ist wichtig zu beachten, dass Epilepsie eine häufige neurologische Erkrankung bei Hunden ist. Mindestens ein Prozent aller Hunde erkrankt im Laufe des Lebens an Epilepsie. Bei manchen Rassen ist das Risiko einer idiopathischen Epilepsie sogar noch höher. Es ist daher möglich, dass ein Anfall, der nach der Einnahme von Bravecto auftritt, nicht unbedingt durch das Medikament verursacht wurde, sondern auf eine bereits bestehende Epilepsie zurückzuführen ist.

Was bedeutet "sehr selten"?

Der Begriff "sehr selten" im Zusammenhang mit Nebenwirkungen bedeutet, dass die Nebenwirkung bei weniger als 1 von 10.000 behandelten Tieren auftritt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Nebenwirkung nicht auftreten kann. Wenn in Deutschland pro Jahr beispielsweise 10 Millionen Bravecto-Dosen verabreicht werden, könnten theoretisch bis zu 1000 Fälle von neurologischen Effekten auftreten.

Was tun, wenn mein Hund nach der Einnahme von Bravecto einen Anfall erleidet?

Wenn Ihr Hund nach der Einnahme von Bravecto einen Anfall erleidet, sollten Sie sofort Ihren Tierarzt kontaktieren. Der Tierarzt kann feststellen, ob der Anfall durch Bravecto verursacht wurde oder ob eine andere Ursache vorliegt.

Wenn der Tierarzt vermutet, dass der Anfall durch Bravecto verursacht wurde, sollte die Behandlung mit dem Medikament abgebrochen werden. Ob weitere Maßnahmen erforderlich sind, hängt von der Schwere des Anfalls ab.

Nutzen-Risiko-Abwägung

Vor der Anwendung von Bravecto ist es wichtig, das individuelle Nutzen-Risiko-Verhältnis für jedes Tier abzuwägen. Bravecto bietet einen wirksamen Schutz vor Flöhen und Zecken und kann das Risiko von durch Zecken übertragenen Krankheiten wie Borreliose, Anaplasmose und Babesiose verringern. Allerdings birgt es auch das Risiko von Nebenwirkungen, einschließlich epileptischer Anfälle.

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Tierhalter sollten mit ihrem Tierarzt über die Vor- und Nachteile von Bravecto sprechen und alle Bedenken bezüglich möglicher Nebenwirkungen äußern. Der Tierarzt kann helfen, festzustellen, ob Bravecto die richtige Wahl für Ihr Tier ist.

Faktoren, die bei der Nutzen-Risiko-Abwägung zu berücksichtigen sind:

  • Das Alter, die Rasse und der Gesundheitszustand des Hundes
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund Flöhen und Zecken ausgesetzt ist
  • Das Risiko von durch Zecken übertragenen Krankheiten in der Region
  • Das Vorliegen von Vorerkrankungen, insbesondere Epilepsie
  • Die Erfahrungen des Tierhalters mit anderen Floh- und Zeckenmitteln

Alternativen zu Bravecto

Es gibt verschiedene Alternativen zu Bravecto für die Floh- und Zeckenprophylaxe bei Hunden. Dazu gehören:

  • Spot-on-Präparate: Diese werden auf die Haut des Hundes aufgetragen und enthalten Wirkstoffe, die Flöhe und Zecken abtöten oder abwehren.
  • Halsbänder: Diese geben kontinuierlich Wirkstoffe ab, die Flöhe und Zecken abtöten oder abwehren.
  • Orale Medikamente: Es gibt auch andere orale Medikamente, die Flöhe und Zecken abtöten. Einige dieser Medikamente wirken kürzer als Bravecto und müssen häufiger verabreicht werden.
  • Natürliche Mittel: Einige Tierhalter bevorzugen natürliche Mittel wie Bernstein oder Kokosöl zur Floh- und Zeckenprophylaxe. Die Wirksamkeit dieser Mittel ist jedoch nicht wissenschaftlich belegt.

Es ist wichtig, mit Ihrem Tierarzt über die verschiedenen Optionen zu sprechen und das beste Produkt für Ihr Tier auszuwählen.

Die Rolle des Tierarztes

Der Tierarzt spielt eine wichtige Rolle bei der Entscheidung über die Verwendung von Bravecto oder anderen Floh- und Zeckenmitteln. Der Tierarzt kann:

  • Den Hund untersuchen und seinen Gesundheitszustand beurteilen
  • Das individuelle Risiko des Hundes für Floh- und Zeckenbefall bewerten
  • Die Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungsoptionen erläutern
  • Empfehlungen für die beste Behandlung für den Hund geben
  • Nebenwirkungen überwachen und gegebenenfalls behandeln

Es ist wichtig, eine offene und ehrliche Kommunikation mit Ihrem Tierarzt zu pflegen und alle Bedenken bezüglich der Gesundheit Ihres Tieres zu äußern.

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