Das Glioblastom, ein aggressiver Hirntumor, stellt aufgrund seines infiltrativen Wachstums und seiner Resistenz gegenüber Therapien eine besondere Herausforderung dar. Obwohl es derzeit keine Heilung gibt, haben Fortschritte in der Forschung und innovative Therapieansätze dazu beigetragen, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Behandlungsmodalitäten, insbesondere die Rolle der Chemotherapie und die Anzahl der Zyklen, die typischerweise bei der Behandlung von Glioblastomen eingesetzt werden.
Multidisziplinärer Ansatz in der Glioblastom-Behandlung
Die Behandlung eines Glioblastoms erfordert einen multidisziplinären Ansatz, bei dem Fachkräfte aus verschiedenen medizinischen Disziplinen zusammenarbeiten. Dazu gehören Neurochirurgie, Neurologie, internistische Onkologie, Strahlentherapie, Pathologie, Radiologie und Neuropsychologie. Die enge Zusammenarbeit dieser Spezialisten ermöglicht eine umfassende und individualisierte Behandlungsplanung.
Standardtherapie bei neu diagnostiziertem Glioblastom
Die Standardtherapie für neu diagnostizierte Glioblastome umfasst in der Regel eine Kombination aus chirurgischer Resektion, Strahlentherapie und Chemotherapie.
Chirurgische Resektion
Das Ziel der Operation ist die möglichst vollständige Entfernung des Tumors unter Schonung der umliegenden Hirnstrukturen. Moderne Techniken wie das intraoperative neurophysiologische Monitoring (IONM) und die Neuronavigation unterstützen den Chirurgen dabei, die Resektion sicherer und präziser durchzuführen.
- Intraoperatives neurophysiologisches Monitoring (IONM): Diese Methode überwacht während der Operation die Funktion von Nerven und Gehirn, um Verletzungen zu vermeiden.
- Neuronavigation: Ähnlich einem GPS für das Gehirn hilft die Neuronavigation den Chirurgen, sich während der Operation präzise im Gehirn zu orientieren. Vorab erstellte MRT-Bilder werden in ein Computerprogramm geladen, das die Position der chirurgischen Instrumente verfolgt.
- 5-ALA-Fluoreszenz-Bildgebung: Die 5-ALA-Fluoreszenz-Bildgebung kann dem Operateur helfen, Tumorgewebe vom umliegenden Hirngewebe zu unterscheiden. Wenige Stunden vor der Operation wird in Wasser gelöstes 5-ALA getrunken. 5-ALA kann sich in Tumorzellen ansammeln und während der Operation unter speziellem blauen Licht sichtbar gemacht werden.
- Schnellschnittuntersuchung: Noch während der Operation kann entnommenes Gewebe direkt an den oder die Neuropatholog:in als sogenannte Schnellschnittuntersuchung geschickt werden. Die dadurch gewonnenen Informationen können mitunter beeinflussen, wie man operativ vorgeht.
Strahlentherapie
Nach der Operation folgt in der Regel eine Strahlentherapie, um verbliebene Tumorzellen abzutöten. Die Strahlendosis wird meist über 30 kleinere Einzeldosen verteilt, um das gesunde Gewebe zu schonen. In einigen Fällen, insbesondere bei älteren Patienten, können auch kürzere, hypofraktionierte Bestrahlungsschemata angewendet werden.
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Chemotherapie
Die Chemotherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Glioblastom-Behandlung. Der Wirkstoff Temozolomid (TMZ) wird häufig in Kombination mit der Strahlentherapie eingesetzt. Nach Abschluss der Strahlentherapie folgt eine Erhaltungs-Chemotherapie mit Temozolomid über mehrere Zyklen.
Chemotherapie-Zyklen bei Glioblastom
Die Anzahl der Chemotherapie-Zyklen bei Glioblastom variiert je nach individuellem Behandlungsplan. In der Regel umfasst die Erhaltungs-Chemotherapie mit Temozolomid sechs Zyklen. Ein Zyklus dauert in der Regel 28 Tage, wobei Temozolomid an fünf von 28 Tagen eingenommen wird (5/28-Schema). Die Dosis wird dabei individuell an die Körperoberfläche des Patienten angepasst.
Temozolomid: Wirkweise und Nebenwirkungen
Temozolomid gehört zu den Alkylanzien, die die Erbinformation der Tumorzellen (DNA) schädigen und die DNA-Vervielfältigung behindern. Es ist insgesamt gut verträglich, jedoch können Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Myelosuppression auftreten. Letzteres bezeichnet eine Verringerung der Anzahl der Blutkörperchen, was zu Müdigkeit, einem höheren Infektionsrisiko und Blutungsneigung führen kann.
Kombinationschemotherapie mit Lomustin
Bei Patienten mit nachgewiesener MGMT-Promotor-Methylierung kann eine Kombinationschemotherapie mit Temozolomid und Lomustin (CCNU) in Betracht gezogen werden. Diese Tumore sind mutmaßlich empfindlicher für eine alkylierende Chemotherapie.
TTFields-Therapie (Tumor Treating Fields)
Zusätzlich zur Erhaltungs-Chemotherapie kann die Behandlung mit Optune Gio® (TTFields) erfolgen. TTFields sind elektrische Wechselfelder, die die Mitose der Tumorzellen stören sollen. Die TTFields-Therapie ist in der Regel gut verträglich, wobei Hautreizungen an den Stellen, an denen die Elektroden angebracht sind, die häufigste Nebenwirkung sind.
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Behandlung des rezidivierenden Glioblastoms
Wenn ein Glioblastom nach der anfänglichen Therapie erneut wächst (Rezidiv), gibt es keine Standardtherapie. Die Behandlung wird individuell mit den behandelnden Ärzten abgestimmt. Zu den möglichen Optionen gehören eine erneute Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie oder die Teilnahme an klinischen Studien.
Rolle des MGMT-Promotor-Methylierungsstatus
Der Methylierungsstatus des MGMT-Genpromotors ist ein wichtiger molekularer Marker in Glioblastomen. Patienten, deren Tumorgewebe eine methylierte MGMT-Genpromotor-Region aufweist, sprechen in der Regel besser auf alkylierende Chemotherapien wie Temozolomid an.
Bedeutung klinischer Studien
Klinische Studien spielen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung neuer und verbesserter Therapien für Glioblastome. Patienten sollten sich nach klinischen Studien erkundigen, die für sie in Frage kommen könnten.
Individualisierte Therapieansätze
Die Behandlung von Glioblastomen wird zunehmend individualisiert, wobei molekulare Marker und andere patientenspezifische Faktoren berücksichtigt werden. Die Zentren für Personalisierte Medizin (ZPM) bieten die Möglichkeit einer erweiterten molekularen Diagnostik, um therapierelevante Veränderungen im Tumorgewebe zu identifizieren und eine personalisierte, biomarkergesteuerte Behandlung zu ermöglichen.
Lebensqualität während der Chemotherapie
Sofern die Chemotherapie gut vertragen wird und keine relevanten Laborwertveränderungen auftreten, können Patienten auch in dieser Phase aktiv sein, Sport treiben oder sogar in den Urlaub fahren. Es ist jedoch wichtig, sich vor Infektionen zu schützen und regelmäßige Laborkontrollen durchführen zu lassen.
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Wichtige Hinweise für die Therapieüberwachung
Während der gesamten Chemotherapie und bis mindestens vier Wochen nach Beendigung sind regelmäßige Laborkontrollen der Blutwerte notwendig. Patienten sollten ihr behandelndes Team informieren, wenn ihre Thrombozyten (Blutplättchen) oder neutrophilen Granulozyten unter bestimmte Grenzwerte fallen.
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