Spinalkanalstenose: Untersuchung, Diagnose und Behandlungsverfahren

Verengungen des Wirbelkanals, bekannt als Spinalkanalstenose, können im fortgeschrittenen Alter massive Beschwerden verursachen und die Lebensqualität erheblich einschränken. Bereits 21 Prozent der über 60-Jährigen zeigen Anzeichen einer lumbalen Spinalkanalstenose. Eine schnelle Diagnose und gezielte Behandlung sind entscheidend, um die Mobilität und Selbstständigkeit der Betroffenen zu erhalten. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Symptome, Ursachen, Diagnostik und aktuelle Behandlungsstrategien der lumbalen Spinalkanalstenose.

Ursachen der lumbalen Spinalkanalstenose

Die Ursachen für eine Spinalkanalstenose sind vielfältig, wobei degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule die häufigste Ursache darstellen. Es gibt jedoch auch andere angeborene und erworbene Faktoren, die zur Entstehung einer Spinalkanalstenose beitragen können.

Degenerative Faktoren

Degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule entwickeln sich bei den meisten Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter und sind die Hauptursache für die Entstehung einer lumbalen Spinalkanalstenose. Dieser degenerative Prozess verläuft in mehreren Schritten, die schließlich zu einer pathologischen Einengung des Wirbelkanals mit einer entsprechenden klinischen Symptomatik führen.

Verschleißkaskade - Pathogenese der degenerativen Spinalkanalstenose

Mit zunehmendem Alter kommt es zu einer fortschreitenden Dehydrierung der Bandscheibe eines Bewegungssegments. Dadurch können die Belastungen der Wirbelsäule nicht mehr ausreichend abgefedert werden. Die Bandscheibe verliert an Höhe und wölbt sich nach hinten in den Spinalkanal.

Der Höhenverlust der Bandscheibe und die damit veränderte Biomechanik führen dazu, dass die paarig angelegten Facettengelenke ineinander gleiten wie ein Teleskop. Die Belastung der Wirbelgelenke erhöht sich und die Gelenkkapseln verlieren ihre Spannung. Gleichzeitig nimmt die Querschnittsfläche der Neuroforamen ab, sodass die abgehende Nervenwurzel eingeengt wird.

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Schreitet der Höhenverlust der Bandscheibe weiter fort, erschlaffen auch die stabilisierenden Bänder der Wirbelsäule. Durch die Annäherung der benachbarten Wirbelbögen wölbt sich das gelbe Band in den Wirbelkanal vor und engt ihn weiter ein.

Die Kombination dieser Veränderungen führt im Bewegungssegment aus zwei Wirbeln und der dazwischen liegenden Bandscheibe letztendlich zu einer Instabilität. Der Körper reagiert auf die Segmentinstabilität mit dem Anbau von Knochen. So werden knöcherne Spangen zwischen den benachbarten Wirbeln ausgebildet, welche schließlich dazu führen, dass das Segment versteift und der Instabilitätsschmerz nachlässt. Man spricht auch von der „segensreichen Versteifung des Alters“. Der Knochenanbau erfolgt allerdings nicht nur auf der Außen-, sondern auch auf der Innenseite des Wirbelkanals - so entsteht hier eine knöcherne Einengung (s.g. Retrospondylophyten).

Gelingt es nicht, mithilfe der knöchernen Anbauten das Segment zu stabilisieren, können die Bandscheibendegeneration und der Spannungsverlust von Kapseln und Bändern weiter fortschreiten und in eine manifeste Makroinstabilität (Spondylolisthesis) münden. Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) ist die Überbeweglichkeit von Wirbelkörpern.

Andere Ursachen

Neben den degenerativ bedingten Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule gibt es weitere angeborene und erworbene Faktoren für die Entstehung einer Spinalkanalstenose. Hierzu gehören beispielsweise der anlagebedingt enge Wirbelkanal oder ein angeborenes Wirbelgleiten (isthmische Spondylolisthese). Genauso sind Operationen oder Verletzungen der Wirbelsäule mögliche erworbene Ursachen für die Entstehung einer Spinalkanalstenose.

Weitere Ursachen der angeborenen Spinalkanalstenose sind:

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  • Stark ausgeprägtes Hohlkreuz (Hyperlordose)
  • Fehlbildungen an der Wirbelsäule wie Keilwirbel, Schmetterlingswirbel oder Halbwirbel
  • Idiopathische Spinalkanalstenose: Der Wirbelkanal ist seit der Geburt verengt. Die Ursachen dafür sind bisher nicht bekannt.
  • Anchondroplasie (Chondrodystrophie): Das Wachstum des Skelettsystems ist gestört, wodurch sich beim ungeborenen Kind der Knorpel nicht richtig in Knochengewebe umwandelt.
  • Morbus Paget: Die Knochen verdicken und verformen sich.

Anzeichen der lumbalen Spinalkanalstenose

Leitsymptom der lumbalen Spinalkanalstenose ist fast immer ein schleichend progredienter Rückenschmerz, der in die Beine ausstrahlt. Der typische Beinschmerz (Claudicatio spinalis) führt unweigerlich zu einer Verkürzung der Gehstrecke. Die Patienten berichten, dass sie beim Gehen immer öfter eine Pause einlegen müssen, da die Beine schwer, schmerzhaft oder taub werden.

Eine Entlastung der Beschwerden erreichen die Betroffenen durch eine nach vorne geneigte Haltung, beispielsweise durch das Aufstützen auf den Einkaufswagen. Dadurch kommt es zu einer Kyphosierung des betroffenen Bewegungssegments, einer Straffung des Ligamentum flavum und damit zu einer Erweiterung des Spinalkanals. In den meisten Fällen ist das Fahrradfahren unbeeinträchtigt, da der Oberkörper dabei üblicherweise leicht nach vorne gebeugt ist. Liegt außerdem eine durch den Verschleißprozess entstandene Instabilität vor, kommt es zu einem ausgeprägten belastungsabhängigen Rückenschmerz. Vor allem der Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen wird als sehr schmerzhaft empfunden.

Die Einengung des Rückenmarkskanals tritt häufig im Bereich der Lendenwirbelsäule im Bereich L4/5 auf. Dieser Bereich ist das am meisten bewegte Segment der Wirbelsäule. Es entsteht dadurch die typische „Schaufensterkrankheit des Rückens“ (Claudicatio spinalis).

Die Patienten können noch wenige Meter gehen, dann schmerzen die Beine oder werden taub. Durch eine kurze Pause und Nachvornebeugen lassen die Symptome nach und die Patienten können wieder einige Meter laufen. Bergauf gehen und Treppen steigen funktioniert besser als bergab gehen und Treppen nach unten zu gehen. Auch Fahrradfahren ist meist beschwerdefrei möglich.

Ist der Spinalkanal im Bereich der Halswirbelsäule eingeengt, äußert sich das häufig durch Schmerzen und Taubheitsgefühlen in den Armen. Da in diesem Bereich der Wirbelsäule noch alle Nerven verlaufen, können die Beschwerden jedoch vielfältig sein. Im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) verursacht ein eingeengtes Rückenmark vor allem Symptome im Bereich des Gesichts, der Schulter, der Arme und der Hände. Die Patienten berichten über starke Nackenschmerzen oder Schulterschmerzen. Die Sensibilität und Geschicklichkeit der Hände können deutlich nachlassen. Das Ergreifen kleiner Gegenstände wie Nadeln ist erschwert. Vor allem bei vielen alltäglichen Verrichtungen wie dem Zuknöpfen von Hemden oder Aufdrehen von Schraubverschlüssen zeigt sich die Störung der Feinmotorik und der Kraft in den Händen.

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Verschlusskrankheit oder Spinalkanalstenose?

Im Unterschied zu Patienten, die an einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) leiden, können Betroffene mit einer Einengung des Wirbelkanals zwar nur kurze Strecken gehen, aber längere Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen. Die Schmerzen in den Beinen verbessern sich erst, wenn sich der Betroffene hinsetzt oder sich nach vorne überbeugt, um eine Entlordosierung der Wirbelsäule zu erreichen. Bei der pAVK hingegen reichen bereits kurze Pausen im Stehen, um eine deutliche Beschwerdelinderung zu erreichen.

Häufige Differenzialdiagnosen in der täglichen Praxis

  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
  • Lumbaler Bandscheibenvorfall
  • Arthrose des Hüftgelenks
  • Fraktur durch Osteoporose
  • Spinale Infektionen oder Tumoren
  • Metabolische oder inflammatorische Neuropathien

Der Weg zur sicheren Diagnose

Die Diagnose einer Spinalkanalstenose erfordert eine sorgfältige Anamnese, eine gründliche körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren.

Anamnese

Die ausführliche Befragung des Patienten lässt häufig schon erste Rückschlüsse auf das Vorliegen einer lumbalen Spinalkanalstenose zu. Hierbei fragt der Arzt nach Beginn, Dauer und Lokalisation der Schmerzen, nach Abhängigkeit der Beschwerden von der Art der Belastung sowie nach einer möglichen Beeinträchtigung der Gehstrecke. Angaben zu Lähmungen und Sensibilitätsstörungen oder vegetativen Symptomen (v. a. Blasen- und Mastdarmstörungen) führen zum Verdacht einer Wirbelkanaleinengung. Gerade bei älteren Patienten müssen zusätzlich Vorerkrankungen wie Tumoren, Gefäßleiden, Diabetes und Osteoporose abgeklärt werden, um eine andere Erkrankung mit ähnlicher Symptomatik auszuschließen.

Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung schließt sowohl eine generelle Untersuchung u. a. mit Prüfung des Gangbildes, der Hüftgelenksbeweglichkeit, des Lasègue-Zeichens sowie des Zehenspitzen- und Fersenstands als auch eine ausführliche neurologische Untersuchung ein. Gerade im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung geben außerdem elektrophysiologische Untersuchungen Aufschluss über das Vorliegen einer Nervenwurzelkompression. Ein Beispiel für einen klinischen Test, der häufig zur Untersuchung von Spinalkanalstenosen im unteren Rücken zum Einsatz kommt, ist der Lasègue-Test. Ebenfalls aussagekräftig im Hinblick auf die befallenen Nerven ist die Prüfung der Reflexe. Zusätzlich zur klinischen und neurologischen Untersuchung zieht der Rückenspezialist bildgebende Verfahren heran.

Bildgebende Verfahren

Um die Verdachtsdiagnose zu bestätigen und eine gezielte Therapie einzuleiten, sind Bildaufnahmen der Wirbelsäule unverzichtbar. Goldstandard ist dabei die Magnet-Resonanz- Tomografie (MRT), deren Sensitivität bei bis zu 96 Prozent liegt und es ermöglicht, den Spinalkanal und die darin verlaufenden Neurostrukturen wie Rückenmark und Nervenwurzeln hervorragend darzustellen. Die MRT zeigt z. B. die einengenden Spondylophyten oder die Vorwölbung einer höhenverminderten, dehydrierten Bandscheibe in den Spinalkanal hinein. Manchmal sind auch mehrere Stenosen sichtbar. Nur durch genaue Abstimmung der radiologischen Befunde mit den Ergebnissen der neurologischen Untersuchung und der Beschwerden des Patienten lässt sich die klinische Relevanz der sichtbaren Engstellen deuten.

Bei Patienten, die einen Herzschrittmacher tragen oder an Platzangst leiden, kann alternativ die Computer-Tomografie (CT) eingesetzt werden. Besteht der Verdacht auf eine zusätzliche Instabilität des Bewegungssegments im Sinne eines Wirbelgleitens, ist außerdem eine seitliche Röntgenfunktionsaufnahme in Flexion und Extension indiziert. Im Fall einer angestrebten Operation ist in Einzelfällen ergänzend die lumbale Myelografie sinnvoll, um eine exakte Aussage über das Ausmaß der Stenose zu treffen.

Mit einem Röntgenbild prüfen die Ärzte, ob es hochgradige Instabilitäten und wackelige Segmente der Wirbelsäule gibt. Die Aufnahme gibt bereits einen indirekten Hinweis auf die Engstelle am Spinalkanal. Mit einer MRT-Untersuchung ohne Kontrastmittel können Nerven, Bandscheiben, Blutgefäße und andere Strukturen in Schichtaufnahmen sehr detailliert dargestellt werden. Die Einengung kann lokalisiert werden und die Vergrößerung der kleinen Wirbelgelenke wird sichtbar. Bei einer Spinalkanalstenose an der Halswirbelsäule ist zusätzlich eine neuronale Funktionsdiagnostik notwendig.

Konservativ oder operativ? Behandlungsmethoden bei Spinalkanalstenose

Die Entscheidung, ob operativ oder konservativ behandelt wird, hängt immer von der Ausprägung der Verengung und den auftretenden Beschwerden ab. Um dies sicher zu beurteilen, bedarf es eines umfassenden Anamnesegespräches, einer klinischen und bildgebenden Untersuchung, einer Einschätzung des Rücken- und Beinschmerzes sowie des damit verbundenen Leidensdrucks.

Konservative Therapie

Sofern keine akuten sensomotorischen Defizite bzw. neurologischen Ausfälle vorliegen, kann die Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule wie viele andere Wirbelsäulenerkrankungen zunächst konservativ behandelt werden. Insbesondere stellt bei geringer oder moderater Symptomatik die konservative Therapie durchaus eine sinnvolle Option dar. Die konservative Behandlung sollte eine Kombination aus medikamentöser Therapie mit dem Einsatz schmerzlindernder und entzündungshemmender Präparate, Krankengymnastik zur Stärkung der stabilisierenden Muskulatur sowie physikalischer Anwendungen enthalten.

Die Engstelle kann konservativ nicht behoben werden, und die Ergebnisse der operativen Behandlung sind nachweislich denen der nichtoperativen kurz- und langfristig überlegen. Allerdings lassen sich die Symptome durch Krankengymnastik lindern. Begleitend ist eine effektive Schmerzbehandlung ein Grundpfeiler der konservativen Stenose-Therapie.

Am Anfang der konservativen Therapie steht die Aufklärung und Information der Patienten über die Befunde und die Prognose ihrer Erkrankung. Dabei erörtert der Rückenspezialist die Lebensumstände und empfiehlt konkrete Maßnahmen, um den Verlauf der Spinalkanalstenose zu verbessern. Dazu gehört beispielsweise die Gewichtskontrolle bzw. die Reduktion von Übergewicht. Bewegung. Langes Sitzen und Liegen schwächt Muskulatur und Knochen und verschlimmert die Problematik häufig. Soweit es die Beschwerden erlauben, sollte man den normalen Alltagstätigkeiten weiter nachgehen. Nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ist auch Sport möglich, vor allem Sportarten, bei denen der Oberkörper leicht nach vorne geneigt ist. Dazu gehören Fahrradfahren oder Laufbandtraining.

Medikamentöse Therapie

Je nach Stärke der Beschwerden kommen nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac, ggf. in Kombination mit Muskelrelaxantien zum Einsatz. Sie zielen darauf ab, mögliche Entzündungen zu lindern und die verkrampfte Muskulatur zu entspannen. Dabei sollte auf einen ausreichenden Schutz der Magenschleimhaut durch die zusätzliche Gabe eines Protonenpumpenhemmers geachtet werden. Je nach klinischem Bild werden auch niedrig dosierte Antidepressiva zur Unterstützung der Schmerzmittel gegeben. Gegen akute Schmerzen helfen entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) wie Diclofenac oder Ibuprofen. Sie sollten allerdings aufgrund ihrer möglichen Nebenwirkungen (z. B. Magengeschwüre) nur begrenzt angewendet werden. Zusätzlich können muskelentspannende Wirkstoffe die Beschwerden lindern.

Physiotherapie

Prinzipiell zielt die physiotherapeutische Behandlung darauf ab, eine Entlastung und Stabilisierung der betroffenen Segmente zu erreichen und gleichzeitig die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit der Patienten zu fördern. Zu einer effektiven Physiotherapie gehören daher in erster Linie gezielte krankengymnastische Übungen zur Stärkung der stabilisierenden Bauch- und Rückenmuskulatur, Muskelaufbautraining am Gerät sowie Laufband- und Ergometertraining. Zudem empfiehlt sich ein spezielles Rückentraining, in dem die Betroffenen lernen, wie sie sich im Alltag, beispielsweise beim Sitzen und Heben, rückenfreundlich verhalten. Als passive Maßnahmen werden im individuellen Fall auch entlordosierende Orthesen verordnet. Sie dient der Entspannung und der Kräftigung der Rückenmuskulatur. Außerdem sollen die Übungen helfen, ein Hohlkreuz zu vermeiden.

Physikalische Therapie

Darüber hinaus dienen Wärme- und Kältebehandlungen und die Elektrotherapie wie die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) zur Schmerzreduktion, Entzündungshemmung und Entspannung der reflektorisch angespannten Muskulatur. Ergänzend kann auch die Ultraschalltherapie eingesetzt werden. Hierbei wird durch die Vibration der Schallwellen Wärme erzeugt und das Gewebe gelockert. Spezielle Massagetechniken können helfen, den unteren Rücken zu entspannen. Gleiches gilt für Wärme - ob Infrarotbestrahlung, ein heißes Bad oder ein Wärmepflaster.

Operative Therapie - Wann sollte operiert werden?

Da die meisten Patienten unter chronischen, stagnierenden oder langsam fortschreitenden Beschwerden leiden, die sich durch konservative Maßnahmen nur unbefriedigend kontrollieren lassen, ist oft eine kausale Therapie im Hinblick auf die Einengung des Spinalkanals erforderlich. Dabei gilt: Sprechen die Schmerzen auf die konservative Therapie in einem Zeitraum von zwölf Wochen nicht an, bei gleichzeitig progredienter Verkürzung der Gehstrecke und somit signifikant eingeschränkter Lebensqualität, ist eine operative Behandlung der Spinalkanalstenose unbedingt anzustreben. Eine Reihe internationaler Studien deutet auf eine Überlegenheit der OP bei lumbaler Spinalkanalstenose hin, insbesondere dann, wenn die Einengung des Wirbelkanals bereits weit fortgeschritten ist. Denn im Gegensatz zum Bandscheibenvorfall, der zur spontanen Rückbildung neigt, ist bei der Spinalkanalstenose eine chronische, langsame Progredienz der ursächlichen degenerativen Veränderungen zu erwarten. Die konservativen Maßnahmen können die eigentliche Ursache, d. h. die Einengung des Rückenmarks durch meist knöcherne Elemente, nicht beseitigen. Vor allem bei einer stark ausgeprägten Stenose stoßen sie deshalb relativ schnell an ihre Grenzen. Um dauerhafte Schäden zu vermeiden, gilt: Wenn nach mehr als 12 Wochen die konservative Therapie keinerlei Schmerzlinderung bringt, sollte eine operative Behandlung in Erwägung gezogen werden. In manchen Situationen muss eine Operation der Stenose sofort erfolgen.

Bei einer Spinalkanalstenose der Halswirbelsäule empfiehlt sich eine Operation bereits im Frühstadion. Dadurch haben die Nerven ein höheres Erholungspotential und die Langzeitschäden fallen nicht so gravierend aus. Eine schwere Schädigung des Rückenmarks durch eine lange bestehende hochgradige Engstelle an der HWS ist häufig trotz Operation irreversibel.

Operative Techniken bei lumbaler Spinalkanalstenose

Die operative Therapie zielt darauf ab, die Einengung des Wirbelkanals dauerhaft zu beheben und die Beschwerden zu lindern bzw. zu beseitigen. Es gibt verschiedene Operationsmethoden, die individuell für jeden Patienten gewählt werden. Hierbei spielen das Ausmaß der Einengung, das Vorliegen eines zusätzlichen Wirbelgleitens und/oder einer Skoliose der Lendenwirbelsäule eine maßgebliche Rolle.

Spinale Dekompression

Goldstandard ist nach wie vor die operative Dekompression mit dem Ziel, den Wirbelkanal zu erweitern, die Nervenwurzeln zu entlasten und damit vor allem die Beinschmerzen zu lindern. Während dies früher oft eine aufwendige Operation am offenen Wirbelkanal (Laminektomie) bedeutete, bei der die Wirbelbögen und Wirbelgelenke im verengten Bereich großzügig entfernt wurden, erlauben heute moderne minimalinvasive Verfahren mithilfe eines Operationsmikroskops eine gezielte millimetergenaue Abtragung der für die Verengung verantwortlichen knöchernen und ligamentären Strukturen.

Handelt es sich um eine kurze, isolierte Engstelle der Lendenwirbelsäule ohne begleitende Instabilität oder Deformität, besteht die Möglichkeit der minimalinvasiven Dekompression. Über einen etwa 1,5 cm langen Hautschnitt wird ein Röhren-System eingebracht, durch welches die Operateure an die Wirbelsäule gelangen. Unter Sicht durch das Operationsmikroskop wird der Rückenmarkskanal im Bereich der Engstelle eröffnet und die Anbauten und Verdickungen soweit wie möglich entfernt. Mit dieser Schlüsselloch-Technik wird eine Dekompression hergestellt, so dass die Nerven wieder genug Platz haben. Die Patienten dürfen noch am gleichen Tag wieder aufstehen. In der Regel dauert der Krankenhausaufenthalt 3-4 Tage.

Laminektomie

Die Laminektomie zur Dekompression des Spinalkanals wird heute glücklicherweise nur noch selten durchgeführt. Bei dieser „Entdachung“ des Spinalkanals werden Dornfortsätze, Wirbelbögen, gelbes Band und auch Anteile der Facettengelenke abgetragen. Häufig entwickeln Patienten nach dem Eingriff durch die Beschädigung der sogenannten „hinteren Zuggurtung“ (Dornfortsatz, inter- und supraspinöse Bänder, Lig. flavum und Wirbelgelenke) des Bewegungssegments eine postoperative Segmentinstabilität.

Mikrochirurgische Spinalkanaldekompression

Im Gegensatz zur Laminektomie bleiben bei der mikrochirurgischen Spinalkanaldekompression Dornfortsatz, interspinöse Bänder und das kontralaterale gelbe Band erhalten. Auf diese Weise lässt sich eine sehr effektive Entlastung der neuronalen Strukturen erreichen, ohne die physiologischen und biomechanischen Verhältnisse zu gefährden. Ein weiterer Vorteil des minimalinvasiven Verfahrens besteht darin, dass durch den einseitigen und extrem verkleinerten operativen Zugang das muskuläre Gewebe um den Wirbel weitgehend erhalten bleibt. Dadurch wird eine mögliche segmentale Gefügelockerung verhindert. Zudem sind bei der mikrochirurgischen Dekompression sowohl die Operationszeit als auch die Wundheilung deutlich kürzer als bei der konventionellen Laminektomie. Aufgrund der geringen Beeinträchtigung von H…

Fusion (Spondylodese)

Bestehen neben der Engstelle noch weitere degenerative (verschleißbedingte) Veränderungen, wie z.B. Instabilitäten, oder handelt es sich um eine langstreckige Enge, reicht die alleinige, minimalinvasive Dekompression nicht aus. In diesem Fall muss zusätzlich eine Versteifung (Fusion) in diesem Bereich erfolgen. Hierfür entfernen die Operateure die Bandscheibe und ersetzen diese durch einen Platzhalter sowie körpereigenem Knochen. Zusätzlich wird der Bereich mit Schrauben und Stäben stabilisiert. So ist es möglich, die ursprüngliche Form der Wirbelsäule wiederherzustellen. Die Patienten befinden sich nach der Operation in der Regel noch etwa 1 Woche im Krankenhaus. Im Bereich der Lendenwirbelsäule ist das Verfahren der Wahl die Stabilisierung mit einem Schrauben-Stab-System von hinten (dorsale Spondylodese) sowie das Ausräumen des Bandscheibenfaches und Einbringen von knochengefüllten Platzhaltern von ventral (ALIF), dorsal (PLIF), transforaminal (TLIF) oder seitlich (XLIF) in Abhängigkeit der betroffenen Segmenthöhe und des körperlichen Status des Patienten.

OP an der Halswirbelsäule

Besteht eine Engstelle des Rückenmarkskanals im Bereich der Halswirbelsäule, wird die Engstelle in der Regel von vorne entfernt. Durch einen 2-3 cm langen Hautschnitt gelangen die Ärzte von vorne an die Halswirbelsäule. Die Halsorgane lassen sich dabei wie ein Vorhang zur Seite schieben. Die Bandscheibe wird entfernt, der Kanal und die Nervenabgänge freigemacht. Danach setzen die Operateure einen Platzhalter ein und versteifen den Bereich. Im Bereich der Halswirbelsäule wird die Dekompression des Wirbelkanals meistens von vorne durchgeführt. Dabei wird in der Regel die gesamte Bandscheibe entfernt. Der Zwischenwirbelraum wird dann entweder durch einen Platzhalter (Cage) überbrückt und stabilisiert, oder es kann eine künstliche Bandscheibe eingesetzt werden.

Reha-Maßnahmen abhängig von OP-Methode

Nach einer Dekompression ohne Versteifung empfiehlt sich eine Rehabilitationsmaßnahme. Diese sollte mit einem Zeitversatz von einigen Wochen stattfinden, so dass sich bis dahin eine stabile Narbe gebildet hat. Die Maßnahmen zielen auf die Stabilisierung und Kräftigung der Rückenmuskulatur ab. Ein weiteres Ziel kann die Gewichtsreduktion sein, um die Belastung auf die Wirbelsäule zu verringern. Bei einer Fusion sind keine Reha-Maßnahmen empfohlen, denn die Segmente sollen fest zusammenwachsen. Es folgt eine physiotherapeutische Behandlung, um den Patienten schnell wieder in seine Alltagsaktivitäten zurückzuführen. Nach einer Operation an der Halswirbelsäule besteht je nach nervaler Schädigung das Risiko, dass sich Symptome und Beschwerden auch nach einer Dekompression nicht zurückbilden. Je nach Nervenschaden empfehlen die Ärzte eine neurologische Rehabilitation.

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