Wiederkehrendes Taubheitsgefühl in der Kniekehle: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Ein wiederkehrendes Taubheitsgefühl in der Kniekehle kann beunruhigend sein und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Es ist wichtig, die verschiedenen Ursachen dieses Symptoms zu verstehen, um eine angemessene Diagnose und Behandlung zu ermöglichen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen, Diagnoseverfahren und Behandlungsoptionen für wiederkehrendes Taubheitsgefühl in der Kniekehle.

Einführung

Taubheitsgefühle, die sich in den Beinen bemerkbar machen, sind oft auf eine mangelnde Blutzufuhr zurückzuführen. Dies kann beispielsweise nach langem Sitzen oder Liegen passieren, wobei die Symptome nach einigen Sekunden des Positionswechsels verschwinden. Wenn Taubheit in den Beinen zu einem regelmäßigen und langanhaltenden Symptom wird oder plötzlich auftritt - in Kombination mit anderen Beeinträchtigungen wie z.B. Sprachproblemen -, so gilt es dringend, einen Arzt zu kontaktieren.

Ursachen für Taubheitsgefühl in der Kniekehle

Die Kniekehle ist ein komplexes anatomisches Gebiet, in dem verschiedene Nerven, Blutgefäße und Muskeln verlaufen. Eine Reizung oder Kompression eines dieser Strukturen kann zu Taubheitsgefühl führen. Zu den häufigsten Ursachen gehören:

Nervus Peroneus Schädigung

Der Nervus peroneus, auch Nervus fibularis genannt, versorgt einige Muskeln am Unterschenkel und am Fuß und vermittelt das Gefühlsempfinden des seitlichen Unterschenkels und Fußrückens. Eine Beschädigung dieses Nervs kann zu Empfindungsstörungen und zum sogenannten Steppergang führen.

Definition: Der Nervus peroneus entspringt aus dem Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) und leitet Signale zu den Muskeln, mit denen man den Fuß anhebt (Fußheber oder Fußextensoren). Er vermittelt das Gefühlsempfinden der Haut am seitlichen Unterschenkel und am Fußrücken.

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Ursachen: Die Ursache einer Peroneuslähmung ist oft ein Übereinanderschlagen der Beine oder ein langes Knien. In diesen Körperhaltungen kann Druck den Nerv einengen (Kompression), und zwar besonders auf Höhe des oberen Endes des Wadenbeins (Fibulaköpfchen). Manchmal ist der Auslöser in diesem Bereich auch eine flüssigkeitsgefüllte Kapsel an einer Sehnenscheide oder einer Gelenkkapsel (Ganglion) oder ein meist gutartiger Tumor (Neurofibrom). Weniger häufig erleidet der Nerv eine Schädigung im Kniebereich. Eine seltene Ursache ist das vordere Tarsaltunnelsyndrom. In diesem Fall lastet Druck auf dem Nervus peroneus profundus im Bereich des Sprunggelenks. In einigen Fällen entsteht die Lähmung nicht durch eine Druckläsion, sondern durch eine Verletzung bzw. einen Knochenbruch (Fraktur) oder als Komplikation einer Operation.

Mögliche Auslöser:

  • Häufiges Übereinanderschlagen der Beine, besonders bei schlanken Personen
  • Langes Knien oder Hocken
  • Unangemessene Lagerung in Narkose
  • Schlecht gepolsterte Gipsverbände
  • Starke Gewichtsreduktion (z. B. nach Magen-Bypass-Operation)
  • Erkrankungen der Knochen oder Weichteile (z. B. Ganglion)

Symptome: Betroffene Personen leiden zunächst oft unter Schmerzen, die vom seitlichen Knie bis zum Fuß- und Zehenrücken reichen können. Die Schmerzen lassen sich oft auslösen, indem man den Fuß in Richtung der Fußsohle beugt (Flexion) oder das Fußgelenk nach innen knickt (Supination). Auch ein Taubheitsgefühl und Missempfindungen sind möglich. Da der Peroneusnerv auch Muskeln versorgt, kann neben diesen Beschwerden auch eine Lähmung auftreten (Parese). Die Parese kann die Muskeln betreffen, die den Fuß oder die Zehen nach oben anheben (Fußextensoren und Zehenextensoren) oder die Muskeln, die den Fuß zur Seite kippen (Pronatoren). Dies hat Auswirkungen auf das Gangbild: Zunächst ist der Hackengang (Fersengang) eingeschränkt. Bei einer höhergradigen Parese kommt es dann zum charakteristischen „Steppergang”: Das Bein wird beim Gehen hoch angehoben und mit hängender Fußspitze wieder aufgesetzt.

Piriformis-Syndrom

Das Piriformis-Syndrom verursacht Schmerzen im unteren Rücken und im Gesäß, die bis in die Beine ausstrahlen können.

Definition: Vom Piriformis-Syndrom spricht man, wenn der in der tiefen Hüftmuskulatur lokalisierte Piriformis-Muskel (M. piriformis) verkürzt oder verspannt ist. Da unterhalb dieses birnenförmigen Muskels der Ischiasnerv verläuft, kann eine Verhärtung des Muskels zu Schmerzen im unteren Rücken und Gesäß führen, die in einigen Fällen bis ins Bein ausstrahlen.

Ursachen: Die häufigste Ursache des Piriformis-Syndroms ist eine Überlastung. Verschiedene Auslöser können dazu führen, dass der Piriformis-Muskel sich verspannt, darunter intensives Training, Fehlbelastungen, langes Sitzen mit einer Geldbörse in der Gesäßtasche, Fehlstellungen wie Skoliose, Prellungen oder plötzliche Bewegungen. In einigen Fällen ist auch ein anatomisch abweichender Verlauf des Ischiasnervs ursächlich für die Beschwerden.

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Symptome: Die Schmerzen treten meist einseitig im Gesäß und im unteren Rücken sowie als Beinschmerzen auf. Viele Patienten beschreiben die Schmerzen als stechend und quälend. In den meisten Fällen verstärken sich die Schmerzen beim Sitzen, Bücken oder längerem Gehen bzw. Laufen. Da der eingeklemmte Ischiasnerv und seine Äste die Beine und Füße innervieren, strahlen die Schmerzen oft in diese Bereiche aus. Auch Taubheitsgefühle, Kribbeln und Missempfindungen sind möglich. Häufig verspüren Patienten die Beschwerden am hinteren Oberschenkel und im Knie.

Nervenreizung in der Kniekehle

In der Kniekehle verlaufen einige, meist sensible, Nerven, die die Haut versorgen. Besonders können in der Kniekehle der Nervus ischiadicus (Ischiasnerv) oder seine beiden Hauptäste (Nervus tibialis und Nervus fibularis communis) gereizt werden und Schmerzen im Ischias auslösen. Eine Kompression ist häufig die Ursache.

Ursachen: Eine Nervenreizung in der Kniekehle kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, da in diesem Bereich wichtige Nervenstrukturen verlaufen, insbesondere der Nervus tibialis, der eine der beiden Hauptäste des Ischiasnervs ist. Mögliche Ursachen sind Meniskusschäden, Sehnenentzündungen, Fehlbelastungen, Überlastungen und Myogelosen (muskuläre Verhärtungen).

Symptome: Begleitende Symptome können neben Kribbeln und Parästhesien auch Schmerzen sein, die ebenfalls von einer Reizung der Nerven in der Kniekehle herrühren. Diese Schmerzen werden als stechend oder ziehend angegeben. Weitere Symptome sind lokale Schmerzen in der Kniekehle, ausstrahlende Schmerzen, Taubheitsgefühl oder Kribbeln, Schwellung, Bewegungseinschränkung, eingeschränkte Beweglichkeit, Druckempfindlichkeit, Kraftverlust und Schwellungen der Wade oder des Unterschenkels.

Tarsaltunnelsyndrom

Das Tarsaltunnelsyndrom ist ein eher seltenes Einklemmungsyndrom des Schienbeinnervs am Innenknöchel.

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Definition: Der Schienbeinnerv läuft entlang der Kniekehle in die Wade und dann später zum Innenknöchel. Hier verläuft er an der Hinterkante des Innenknöchels und tritt in den sogenannten Tarsaltunnel ein, eine knöcherne Rinne am Innenknöchel.

Ursachen: Ausgelöst wird das Tarsaltunnelsyndrom meist durch mechanische Kompressionen (Einklemmungserscheinungen) oder auch funktionelle Überlastungen sowie durch Nervenerkrankungen, entzündliche oder selten auch tumoröse Veränderungen. Konkrete Beispiele sind knöcherne Veränderungen nach Brüchen, Bandverletzungen, Verletzungen der im Tarsaltunnel befindlichen Strukturen, funktionelle Überlastungen (z. B. beim Joggen oder bei starkem Knickfuß), entzündliche Reaktionen (z. B. bei rheumatoider Arthritis oder Sprunggelenksarthrosen), Raumforderungen (z. B. durch Ganglien oder Tumoren) und entzündliche Reaktionen der Nerven (z. B. bei Diabetes mellitus oder Gicht).

Symptome: Typisch sind belastungsabhängige Schmerzen, zum Teil mit brennendem Charakter (neuropathischer Schmerz), in Höhe des Innenknöchels mit Ausstrahlung in den Fuß und auch in die Wade. Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen löst ein Klopfen im Nervenverlauf einen elektrisierenden Schmerz aus (Hoffmann-Tinel-Zeichen), das Anheben des Fußes insgesamt oder auch nur des Fußaußenrandes können die Beschwerden verstärken. In milderen Formen kann es nur zu einer Sensibilitätsstörung kommen, häufig kommen aber auch Schmerzen hinzu. Später können auch Muskelabschwächungen (motorische Störungen) oder sogenannte trophische Störungen wie eine verminderte Schweißsekretion auftreten.

Weitere Ursachen

Neben den oben genannten spezifischen Syndromen können auch andere Faktoren zu Taubheitsgefühl in der Kniekehle beitragen:

  • Durchblutungsstörungen: Eine mangelnde Durchblutung kann ebenfalls Taubheitsgefühle verursachen. Dies kann durch Kälte, langes Sitzen mit übereinandergeschlagenen Beinen oder Erkrankungen wie Arteriosklerose verursacht werden.
  • Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall im Lendenbereich kann auf Nerven drücken und Taubheitsgefühle in den Beinen verursachen.
  • Spinalkanalstenose: Eine Verengung des Wirbelkanals kann ebenfalls Nerven komprimieren und zu Taubheitsgefühlen führen.
  • Infektionen: Verschiedene Infektionen, wie Gürtelrose oder Borreliose, können Nervenschäden verursachen und Taubheitsgefühle auslösen.
  • Mangelerscheinungen: Ein Mangel an Vitamin B12 oder Magnesium kann ebenfalls zu neurologischen Symptomen wie Taubheitsgefühlen führen.
  • Bakerzyste: Eine Bakerzyste ist eine Flüssigkeitsansammlung in der Kniekehle, die Druck auf Nerven ausüben kann. Sie entsteht meist als Folge einer Verletzung oder einer Entzündung im Kniegelenk.

Diagnose

Die Diagnose von Taubheitsgefühl in der Kniekehle erfordert eine gründliche Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls bildgebende Verfahren. Der Arzt wird Fragen stellen zu:

  • Art, Dauer und Lokalisation des Taubheitsgefühls
  • Auslösenden Faktoren und Begleitsymptomen
  • Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahme

Bei der körperlichen Untersuchung werden Reflexe, Sensibilität und Muskelkraft geprüft. Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein:

  • Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (Neurografie, ENG): Diese Untersuchung misst, wie schnell elektrische Signale entlang der Nerven wandern. Sie kann helfen, Nervenschäden zu identifizieren.
  • Messung der Muskelaktivität (Elektromyografie, EMG): Diese Untersuchung misst die elektrische Aktivität der Muskeln und kann helfen, Nerven- oder Muskelerkrankungen zu diagnostizieren.
  • Ultraschalluntersuchung (hochauflösende Nervensonografie): Diese Untersuchung kann verwendet werden, um Nerven und umliegende Strukturen darzustellen und Kompressionen oder andere Anomalien zu erkennen.
  • Bildgebung der Kniekehle (MRT): Ein MRT kann detaillierte Bilder der Kniekehle liefern und helfen, Ursachen wie Bakerzysten, Tumoren oder Nervenverletzungen zu identifizieren.
  • Röntgenaufnahmen: Röntgenaufnahmen können knöcherne Veränderungen oder Verletzungen aufzeigen.

Behandlung

Die Behandlung von Taubheitsgefühl in der Kniekehle richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Konservative Behandlung

In vielen Fällen können konservative Maßnahmen die Symptome lindern:

  • Abwarten: Bei einer Druckläsion sollte man zunächst häufig den Spontanverlauf beobachten. Nach einer Woche ist eine deutliche Erholung zu erwarten.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, Muskeln zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und Nerven zu entlasten.
  • Schmerzmittel: Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac können Schmerzen lindern und Entzündungen reduzieren.
  • Orthesen: Bei einer Fußheberparese kann eine Peroneus-Schiene (Orthese) verwendet werden, um den Fuß zu stabilisieren und den Steppergang zu verbessern.
  • Injektionen: In einigen Fällen können Injektionen mit Kortikosteroiden Entzündungen reduzieren und Schmerzen lindern.
  • Manuelle Therapie: Massagen und andere manuelle Grifftechniken können helfen, angespannte Muskeln und Nerven zu entspannen und den Blutzufluss zu verbessern.
  • Geeignete Kleidung: Das Tragen von zu enger Kleidung oder unbequemen Schuhen sollte vermieden werden, da dies den Druck auf die Nerven erhöhen kann.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitamin B kann helfen, die Nervenfunktion zu unterstützen.

Operative Behandlung

In einigen Fällen ist eine Operation erforderlich, um die Ursache des Taubheitsgefühls zu beheben:

  • Dekompression des Nervs: Bei einer Nervenkompression kann eine Operation durchgeführt werden, um den Druck auf den Nerv zu entlasten.
  • Entfernung eines Ganglions oder Tumors: Falls ein Ganglion oder Tumor auf den Nerv drückt, kann dieser operativ entfernt werden.
  • Nervenrekonstruktion: Falls der Nerv durchtrennt wurde, kann eine Operation durchgeführt und die Nervenstümpfe aneinandergenäht werden.
  • Sehnenverlagerung: Wenn dauerhaft keine Besserung eintritt, gibt es eine weitere Möglichkeit, die Fußhebung wiederherzustellen: Dazu versetzt man ein Sehnenstück des Musculus tibialis posterior, in den Bereich des Fußrückens (Musculus-tibialis-posterior-Transfer).

Vorbeugung

Einige Maßnahmen können helfen, Taubheitsgefühlen in der Kniekehle vorzubeugen:

  • Vermeidung von langem Sitzen oder Stehen in ungünstigen Positionen: Regelmäßige Positionswechsel und Dehnübungen können helfen, den Druck auf die Nerven zu reduzieren.
  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz kann helfen, Fehlbelastungen zu vermeiden.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung bringt das Herz-Kreislauf-System in Schwung und hilft dabei, die Blutgefäße zu stärken.
  • Gewichtsmanagement: Übergewicht kann den Druck auf die Nerven erhöhen.
  • Geeignetes Schuhwerk: Das Tragen von geeignetem Schuhwerk, das ausreichend Unterstützung bietet, ist wichtig.

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