Schlafbedarf bei Kindern mit Epilepsie: Was Eltern wissen müssen

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die in allen Altersgruppen auftreten kann, jedoch besonders häufig in der Kindheit oder im hohen Alter entsteht. Etwa 0,5-1% der Bevölkerung sind von Epilepsie betroffen, wobei die Hälfte aller Fälle vor dem zehnten Lebensjahr auftritt. Die Sorge der Angehörigen vor nächtlichen epileptischen Anfällen ist groß und kann zusammen mit der verminderten Schlafqualität von Eltern und Betroffenen die zwischenmenschlichen Beziehungen belasten. Dieser Artikel beleuchtet den Schlafbedarf von Kindern mit Epilepsie, die Auswirkungen von Anfällen auf den Schlaf und gibt praktische Tipps für Eltern.

Epilepsie im Kindesalter: Ein Überblick

Epilepsie ist ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet sind. Ein epileptischer Anfall ist ein Krampfanfall, der für sich genommen keine Krankheit, sondern ein Krankheitszeichen bzw. Symptom ist. Kommt es spontan wiederholt zu Krampfanfällen, spricht man von Epilepsie.

Statistisch betrachtet treten die Hälfte aller Epilepsien vor dem zehnten Lebensjahr auf. Die meisten Kinder mit Epilepsie bekommen eine effektive medizinische Behandlung. Ein Drittel aller Kinder werden bei fachgerechter Behandlung durch das erste Medikament anfallsfrei, ein weiteres Drittel durch weitere Medikamente oder eine Kombinationstherapie mit mehreren Medikamenten. Ein nicht unbedeutender Anteil der Kinder mit Epilepsie wird durch Medikamente jedoch nicht anfallsfrei und muss mit unvorhersehbaren epileptischen Anfällen leben.

Ursachen und Formen von Epilepsie

Die Ursachen für Epilepsie sind vielfältig und oft unklar. Es kann sein, dass es genetische Faktoren gibt, die an der Epilepsie beteiligt sind. Epilepsie kann auch Folge einer Hirnschädigung nach Geburtstrauma, Hirninfektion sein.

Es gibt verschiedene Formen von Epilepsie, die sich in Art und Häufigkeit der Anfälle unterscheiden. Einige Beispiele sind:

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  • Rolando-Epilepsie (RE): Die Rolando-Epilepsie (RE) ist die häufigste Epilepsie-Form im Kindesalter. Sie tritt zwischen dem 3. und 13. Lebensjahr auf, am häufigsten in den ersten Schuljahren. Diese Form der (gutartigen) benignen Epilepsie im Kindesalter wächst sich normalerweise, ohne bleibende Schäden aus, sobald die Jugend erreicht ist. Charakteristisch für die RE sind nächtliche Anfälle beim Schlafen - entweder nachts kurz vor dem Einschlafen oder morgens beim Aufwachen. Die epileptischen Anfälle zeichnen sich durch ungewöhnliche Empfindungen im Gesichtsbereich (Kribbeln, Taubheit, Verspannungen) und Sprachschwierigkeiten aus. Kinder mit Rolando-Epilepsie zeigen im Elektroenzephalogramm (EEG) oft auffällige zentrotemporale Spitzen, die dieser Erkrankung ihren Namen geben.
  • Absence-Epilepsie: Absence-Anfälle treten in der Hauptsache bei Kindern auf. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Pyknolepsie. Die bei Absence-Anfällen einsetzenden Phasen mit verändertem Bewusstsein sind nur von kurzer Dauer (wenige Sekunden). Krankhafte Körperbewegungen gibt es beim Absence-Anfall nicht.
  • Aufwach-Grand-Mal-Epilepsie: Ungefähr ein Drittel aller Personen, die unter Grand-mal-Anfällen leiden, haben eine Aufwach-Grand-mal-Epilepsie, was bedeutet, dass sich alle bzw. mind. 90 % der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle in den ersten zwei Stunden nach dem Aufwachen oder aber in den frühen Abendstunden ereignen. Letzteres zeigt auf, dass die Bezeichnung Aufwach-Grand-mal leicht in die Irre führt. Die Anfälle, die im Rahmen von Aufwach-Grand-mal auftreten, stehen in Abhängigkeit zum Aufwachen, also zum Erwachen aus dem Schlaf.

Symptome von Epilepsie

Die Symptome eines epileptischen Anfalls können vielfältig sein und hängen von der Art des Anfalls und der betroffenen Hirnregion ab. Einige häufige Symptome sind:

  • Krampfanfälle: Bei diesen Anfällen treten unkontrollierte elektrische Entladungen im Gehirn auf. Wie sich das konkret auswirkt, hängt von der jeweiligen zerebralen Region ab.
  • Absencen: Diese sind wie kurze Momente der "Abwesenheit", in denen betroffene Kinder für eine kurze Zeit (oft nur wenige Sekunden) "abschalten" und nicht reagieren können. Es sieht so aus, als würden sie Tagträumen oder in Gedanken verloren sein.
  • Myoklonische Anfälle: Sie ähneln plötzlichen, ruckartigen Zuckungen, wie beim Erschrecken. Diese Zuckungen sind unwillkürlich und können Arme, Beine oder den Körper insgesamt betreffen.
  • Tonische Anfälle: Bei einem tonischen Anfall versteifen sich die Muskeln. Die Kinder könnte reglos werden und starr wie eine Statue wirken.
  • Klonische Anfälle: Diese führen zu wiederholten, rhythmischen Zuckungen, die einzelne Muskeln oder Muskelgruppen betreffen. Das Ganze ähnelt einem heftigen Zittern.
  • Tonisch-klonische Anfälle: Das ist die Art von Anfall, die die meisten Leute kennen: Betroffene versteifen (tonisch) gefolgt von einem Zittern oder Schütteln (klonisch).
  • ** vegetative fokale Anfälle:** Eine häufige Anfallsform fokalen Ursprungs sind vegetative fokale Anfälle. Auch plötzliche Angst, Wut oder Halluzinationen werden in der Literatur beschrieben.
  • Halluzinationen: Die Sinneswahrnehmung kann durch einen fokalen Anfall gestört werden. So kann Sehen, Hören, Schmecken, Riechen oder Tasten durch den Anfall so beeinträchtigt sein, dass Betroffene Blitze sehen, Geräusche oder Stimmen hören, einen komischen Geschmack im Mund haben, etwas Merkwürdiges riechen oder Temperatur-Missempfindungen, Kribbeln oder Lähmungserscheinungen spüren.
  • Automatismen: Fokale Anfälle mit Bewusstseinsverlust sind häufig durch sogenannte Automatismen geprägt. Patienten wiederholen im Anfall bestimmte Handlungsmuster, wie z. B.

Diagnose von Epilepsie

Die Diagnose von Epilepsie basiert auf einer gründlichen Anamnese, einer neurologischen Untersuchung und einem Elektroenzephalogramm (EEG). In einigen Fällen können auch bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns erforderlich sein.

Behandlung von Epilepsie

Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, die Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität des Kindes zu verbessern. Die meisten Kinder mit Epilepsie bekommen eine effektive medizinische Behandlung. Ein Drittel aller Kinder werden bei fachgerechter Behandlung durch das erste Medikament anfallsfrei, ein weiteres Drittel durch weitere Medikamente oder eine Kombinationstherapie mit mehreren Medikamenten. Ein nicht unbedeutender Anteil der Kinder mit Epilepsie wird durch Medikamente jedoch nicht anfallsfrei und muss mit unvorhersehbaren epileptischen Anfällen leben.

Die wichtigsten Behandlungsoptionen sind:

  • Medikamentöse Therapie: Antiepileptika sind die häufigste Form der Behandlung von Epilepsie. Sie helfen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren oder die Anfälle ganz zu verhindern.
  • Ketogene Diät: Eine spezielle Diät, die reich an Fett und arm an Kohlenhydraten ist, kann bei einigen Kindern mit Epilepsie helfen, die Anfälle zu kontrollieren.
  • Epilepsiechirurgie: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Anfälle zu kontrollieren.

Der Zusammenhang zwischen Schlaf und Epilepsie

Schlaf und Epilepsie stehen in einer komplexen Beziehung zueinander. Schlafmangel kann die Anfallshäufigkeit erhöhen, während epileptische Anfälle den Schlaf stören können.

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Wie Schlafmangel Epilepsie beeinflusst

Schlafmangel kann die Anfallsschwelle senken und somit das Risiko für epileptische Anfälle erhöhen. Dies liegt daran, dass Schlafmangel die elektrische Aktivität im Gehirn verändert und die Nervenzellen anfälliger für Entladungen macht.

Für alle Epilepsie-Patienten ist generell ein sehr geregelter Schlaf von großer Wichtigkeit. Dieses gilt noch einmal in besonderem Maße für von einer idiopathischen generalisierten Epilepsie Betroffene. Bereits ein um wenige Stunden nach hinten verlegtes Einschlafen kann bei einigen Epileptikern am nächsten Morgen einen Anfall auslösen. Dieses lässt sich in der Regel auch nicht verhindern, wenn einfach länger geschlafen wird, um die Gesamt-Schlafdauer auf die Norm zu bekommen.

Wie Epilepsie den Schlaf beeinflusst

Epileptische Anfälle können den Schlaf erheblich stören. Nächtliche Anfälle können zu häufigem Aufwachen, unruhigem Schlaf und Tagesmüdigkeit führen. Auch die Angst vor nächtlichen Anfällen kann den Schlaf beeinträchtigen.

Die Sorge der Angehörigen vor nächtlichen epileptischen Anfällen ist groß und kann zusammen mit der verminderten Schlafqualität von Eltern und Betroffenen die zwischenmenschlichen Beziehungen belasten. Einer in der Epilepsia veröffentlichen Studie zufolge haben 64% der Eltern nach der Diagnose der Epilepsie begonnen, mit dem Kind ein Bett zu teilen - das sogenannte Co-Sleeping. Dass dies keine optimale Lösung ist, zeigt sich in den Ergeinissen, da 62% der Eltern durch das Co-Sleeping schlechter und/oder weniger schlafen und 44% angeben, sich selten oder nie ausgeruht zu fühlen.

Empfohlene Schlafdauer für Kinder mit Epilepsie

Die empfohlene Schlafdauer für Kinder mit Epilepsie entspricht den allgemeinen Empfehlungen für Kinder im jeweiligen Alter. Es ist jedoch wichtig, auf individuelle Bedürfnisse und Besonderheiten zu achten.

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Die Nationale Schlafstiftung (National Sleep Foundation) gibt folgende Empfehlungen für die Schlafdauer von Kindern:

  • Neugeborene (0-3 Monate): 14-17 Stunden
  • Säuglinge (4-11 Monate): 12-15 Stunden
  • Kleinkinder (1-2 Jahre): 11-14 Stunden
  • Vorschulkinder (3-5 Jahre): 10-13 Stunden
  • Schulkinder (6-13 Jahre): 9-11 Stunden
  • Teenager (14-17 Jahre): 8-10 Stunden

Es ist wichtig zu beachten, dass dies nur allgemeine Empfehlungen sind und der tatsächliche Schlafbedarf von Kind zu Kind variieren kann. Eltern sollten auf die individuellen Bedürfnisse ihres Kindes achten und gegebenenfalls einen Arzt konsultieren.

Tipps für einen besseren Schlaf bei Kindern mit Epilepsie

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Eltern ergreifen können, um den Schlaf ihres Kindes mit Epilepsie zu verbessern:

  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus hilft, die innere Uhr des Kindes zu stabilisieren und den Schlaf zu fördern. Das bedeutet, dass das Kind jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett gehen und aufstehen sollte, auch am Wochenende.
  • Gute Schlafhygiene: Eine gute Schlafhygiene umfasst verschiedene Maßnahmen, die den Schlaf fördern, wie z.B.:
    • Eine ruhige, dunkle und kühle Schlafumgebung
    • Ein entspannendes Abendritual
    • Vermeidung von Bildschirmzeit vor dem Schlafengehen
    • Regelmäßige körperliche Aktivität, aber nicht kurz vor dem Schlafengehen
    • Vermeidung von Koffein und Alkohol
  • Anfallskontrolle: Eine gute Anfallskontrolle ist entscheidend für einen erholsamen Schlaf. Eltern sollten eng mit dem behandelnden Arzt zusammenarbeiten, um die bestmögliche Therapie für ihr Kind zu finden.
  • Epilepsiealarm: Wenn das Kind tonisch-klonische Anfälle hat, kann ein Epilepsiealarm eine hilfreiche Lösung sein. Das Alarmgerät kann den Anfall nicht verhindern oder vorhersehen, ruft aber Hilfe, indem es bei einem Anfall die Eltern alarmiert. Der besonders für Kinder empfohlene Epilepsiealarm heißt Epi-Care 3000 und besteht aus einem Sensor, der an der Matratze des Kinderbetts befestigt wird. Der Sensor registriert Bewegungen im Bett und erkennt einen tonisch-klonischen Anfall, woraufhin er einen Alarm sendet. Bei Kindern bietet ein Epilepsiealarm daher eine Alternative zum Co-Sleeping und kann die Schlafqualität der ganzen Familie verbessern. Selbstverständlich kann Epi-Care 3000 ebenfalls für Erwachsene verwendet werden und ist für alle Altersstufen eine sichere Methode, epileptische Anfälle in der Nacht zu überwachen - ohne invasive Überwachung wie z.B. Videoüberwachung. Mit Epi-Care 3000 können Epilepsie-Betroffene nachts sicher und unbesorgt schlafen.
  • Unterstützung: Eltern von Kindern mit Epilepsie stehen vor besonderen Herausforderungen. Es ist wichtig, sich Unterstützung von anderen Eltern, Selbsthilfegruppen oder professionellen Beratern zu suchen.

Zusätzliche Hilfsmittel für mehr Sicherheit

Nein, es gibt u. a. folgende Möglichkeiten, Anfälle zu registrieren - auch wenn das Kind in seinem eigenen Bett bzw. Zimmer schläft. Je nach Anfallsart:

  • Klingelarmband - geeignet für Anfälle mit Zuckungen: Dazu näht man einige Glöckchen (wie die vom Osterhasen) an ein Stoffbändchen, das dem Kind zur Schlafenszeit um das Handgelenk gebunden wird.
  • Alarmgerät fürs Bett - geeignet für Anfälle mit Zuckungen: Das sind Sensoren, die auf rhythmische Bewegungen reagieren und zwischen Lattenrost und Matratze gelegt werden. Ein Aufzeichnungsgerät am Bett gibt Alarm, wenn das Kind anfängt zu krampfen. Ein Beispiel ist Epicare oder Emfit, die beide eine Hilfsmittelnummer haben und somit vom Arzt verordnet werden können.
  • Alarmgerät fürs Handgelenk - geeignet für Anfälle mit/ohne Zuckungen: NightWatch ist ein Armband, das die Herzfrequenz des Trägers und dessen Bewegungen im Schlaf genauestens registriert.
  • Pulsoxymeter - geeignet für Anfälle mit/ohne Zuckungen: Bei Abfall der Sauerstoffsättigung im Blut während des Anfalls kann dieses Meßgerät helfen, das vom Arzt verordnet werden kann. Dabei wird ein Sensor an einem Finger oder Zeh befestigt.
  • Babyfon mit/ohne Kamera - geeignet für Anfälle mit Geräuschen: Die klassische Variante ohne Kamera meldet Geräusche, die Signale werden auf das Empfangsteil übertragen, so dass man hören kann, wenn „Unruhe“ herrscht.
  • Wlan-Kamera: Statt eines Babyfones kann auch eine Überwachungskamera benutzt werden.

Rolando-Epilepsie und Schlaf

Eine bei Kindern häufige Form der Epilepsie ist die Rolando-Epilepsie, bei der die Anfälle vornehmlich im Schlaf auftreten. Durch im Schlaf vorgespielte kurze Laute können die für die Epilepsie charakteristischen, in der Hirnaktivität messbaren Ausschläge teilweise unterdrückt werden. Das hat ein Forschungsteam der Universität und des Universitätsklinikums Tübingen unter der Leitung von Dr. Hong-Viet Ngo und Professor Jan Born vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie festgestellt. Diese Erkenntnisse könnten die Grundlage für künftige Forschungen an Therapien für diese Epilepsieform bilden. Zwar nimmt die Rolando-Epilepsie in der Regel einen milden Verlauf und bleibt oft unbehandelt. Doch ließen sich zum Teil mit der Erkrankung in Verbindung gebrachte Auffälligkeiten in der kognitiven Entwicklung durch eine solche Therapie möglicherweise beeinflussen.

Die Rolando-Epilepsie tritt bei Kindern meist zwischen dem fünften und achten Lebensjahr erstmals auf und verschwindet um den Beginn der Pubertät. „Die Anfälle bei dieser Form der Epilepsie sind meist kurz, es kann zu Zuckungen im Bereich des Gesichtes und vorübergehenden Sprechstörungen im Rahmen der Anfälle kommen“, erklärt die an der Studie be-teiligte Ärztin Dr. med. Susanne Ruf von der Kinderklinik. Auch treten die Anfälle oft nur in sehr großen zeitlichen Abständen auf. Daher entscheiden sich viele Eltern und Kinder gegen die Einnahme von Tabletten. „Problematisch ist jedoch, dass die Epilepsie die normale Hirnaktivität im Schlaf in einer wichtigen Entwicklungsphase der Kinder stören kann.“ Lern- und Sprachschwierigkeiten, Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen würden mit der Rolando-Epilepsie in Verbindung gebracht.

In der Studie zeichnete das Forschungsteam die elektrische Hirnaktivität von sieben an Rolando-Epilepsie erkrankten Kindern sowie sieben jeweils altersgleichen gesunden Kontrollpersonen während des Schlafs nichtinvasiv in Elektroenzephalogrammen (EEG) auf. „Wir können mit unserer Arbeit frühere Erkenntnisse bestätigen, dass es bei den kleinen Patienten im Schlaf Unterschiede in der Hirnaktivität gegenüber gesunden Kindern gibt“, sagt Dr. Jens Klinzing aus Borns Arbeitsgruppe, der Erstautor der Studie. „Dies betrifft insbesondere die sogenannten Schlafspindeln, ein Aktivitätsmuster, das wichtig für die Verarbeitung von Gedächtnis im Schlaf ist.“ Im Schlaf und in ruhigen Wachphasen wurden außerdem die zu erwartenden epileptischen Entladungen gemessen, die als Ausschlag der Kurve im EEG aufgezeichnet werden. „Man nimmt an, dass von der Rate und Stärke dieser Entladungen, die wir als Spikes bezeichnen, abhängt, wie stark ausgeprägt die Beeinträchtigung der Entwicklung der Kinder ist.“

Dass der wahrscheinliche Ursprungsort der Spikes die Verbindungen zwischen dem Zwischenhirn und der Großhirnrinde sind, brachte die Forscher auf die Idee, Experimente mit Lauten im Schlaf durchzuführen. „Diese Verbindungen sind sowohl an der Entstehung von Spikes als auch von Schlafspindeln beteiligt“, sagt Klinzing. „Aus früheren Untersuchungen war bekannt, dass sich Schlafspindeln durch Laute stimulieren lassen.“ Die Forscher vermuteten daher, dass sich so auch die epileptischen Entladungen beeinflussen lassen könnten. Tatsächlich stellte sich heraus, dass die leise abgespielten Laute bei den an Rolando-Epilepsie erkrankten Kindern sowohl die Spikefrequenz verminderten als auch die Intensität der darauffolgenden Spikes.

Umgang mit der Diagnose Epilepsie im Alltag

Epilepsie ist leider immer noch gesellschaftlich stigmatisiert. Manche haben Angst, die Diagnose im Umfeld zu nennen. Wir arbeiten im interdisziplinären Team zuerst mit den Eltern: Wenn man selber mit sich in Frieden ist, kann man mit dem Kind und dem Umfeld besser umgehen. Man muss ein gutes Maß finden zwischen beschützen und dem Kind seine Flügel lassen im Leben. Das Schlimmste wäre, das Kind nur noch in Watte zu packen: Es ist nicht das Ziel der Behandlung, dass es keinen Spaß mehr haben darf.

Kindergarten und Schule

Mit dem Eintritt in den Kindergarten entlassen Eltern ihre Kinder in eine neue Selbstständigkeit. Bei epilepsiekranken Kindern ist eine gute Aufklärung der ErzieherInnen notwendig. Die Entscheidung für einen Kindergarten oder eine Kindertagesstätte ist für alle Eltern nicht einfach. Grundsätzlich können epilepsiebetroffene Kinder in den Kindergarten um die Ecke gehen, eventuell mit einem Integrationshelfer. Je nachdem, welchen Entwicklungsstand und Betreuungsbedarf das einzelne Kind hat und welche zusätzlichen Krankheiten oder Behinderungen neben der Epilepsie vorliegen, haben Kinder einen Anspruch auf einen Platz in einem integrativen oder heilpädagogischen Kindergarten. Diese Einrichtungen bieten neben kleineren Gruppen auch Therapien und Fördermaßnahmen während des Kindergartenbesuchs und vor allem in heilpädagogischen Kindergärten sind die Mitarbeiter auch auf schwerstbehinderte Kinder eingestellt.

Einige Kinder brauchen bei einem Anfall ein Notfallmedikament, was bei den ErzieherInnen manchmal zu Unsicherheiten bzgl. der Haftung und der Versicherung führt. Wichtig ist es eine schriftliche Vereinbarung zwischen den Erziehungsberechtigten und der Einrichtung zu den notwendigen Maßnahmen mit genauen Anweisungen treffen. Die Handlungsanweisung soll klare Angaben zu Zeitpunkt und Anlass der Medikamentengabe enthalten und möglichst die Namen aller Personen, die zur Gabe berechtigt sind.

Mit dem Eintritt in die Schule entlassen Eltern ihre Kinder in eine neue Selbstständigkeit. Bei epilepsiekranken Kindern ist eine gute Aufklärung der LehrerInnen/BetreuerInnen notwendig. Die Entscheidung für die richtige Schule ist für alle Eltern nicht einfach. Grundsätzlich können normal begabte, epilepsiebetroffene Kinder, die in die Grundschule vor Ort gehen, eventuell mit einem Integrationshelfer. Je nachdem, welchen Entwicklungsstand, Betreuungs- und Förderbedarf das einzelne Kind hat und welche zusätzlichen Krankheiten oder Behinderungen neben der Epilepsie vorliegen, haben Kinder einen Anspruch auf einen Platz in einer Inklusionsklasse oder einer Förderschule. Diese Einrichtungen bieten neben kleineren Gruppen auch Fördermaßnahmen während des Schulbesuchs. Vor allem in Förderschulen sind Lehrer und Mitarbeiter auf die besonderen Bedürfnisse von behinderten oder chronisch kranken Kindern vorbereitet.

Freizeit und Sport

Regelmäßige sportliche Betätigung ist für alle Menschen gesund. Auch Kinder und Jugendliche mit Epilepsie können fast alle Sportarten weitgehend gefahrlos ausüben und sollen weder in der Schule noch im Verein aus übertriebener Vorsicht davon abgehalten werden. Kinder mit Epilepsie können und sollen Sport treiben! Körperliche Aktivität führt nicht zu Anfallshäufungen! Die Teilnahme am Sportunterricht ist auch aus sozialen Gesichtspunkten unerlässlich. Wenn seit längerer Zeit Anfallsfreiheit (1 bis 2 Jahre) besteht, gibt es keinen Grund für Einschränkungen. Bei häufig auftretenden Anfällen muss die Sportart und das Ausmaß des Trainings von der Anfallsart, der Anfallshäufigkeit und den individuellen Auslösefaktoren abhängig gemacht werden.

Reisen

Auch Familien mit epilepsiekranken Kindern brauchen manchmal einen Tapetenwechsel und möchten in Urlaub fahren. Je nach Anfallsform und -häufigkeit machen sich Eltern dann Gedanken, wie weit sie sich aus dem sicheren, häuslichen Umfeld entfernen können. Wie sieht es mit der medizinischen Versorgung am Urlaubsort aus? Finde ich dort Ansprechpartner, die sich mit Epilepsien auskennen? Wird es im Urlaub mehr Anfälle geben? Eine gut bestückte Reiseapotheke mit ausreichend Medikamenten, auch Notfallmedikamenten, deren Inhalt mit dem Arzt abgesprochen ist, trägt viel zu einem entspannten Urlaub bei.

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