Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der etwa zehn Prozent der deutschen Bevölkerung betroffen sind. Sie äußert sich inForm von anfallsartigen, pulsierenden Kopfschmerzen, die von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein können. Naratriptan, unter anderem bekannt unter den Handelsnamen Formigran® und Naramig®, ist ein Triptan und wird zur Akutbehandlung von Migräneattacken eingesetzt. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkweise, Anwendung, mögliche Nebenwirkungen und weitere wichtige Aspekte von Naratriptan.
Was ist Naratriptan und wie wirkt es?
Naratriptan gehört zur Gruppe der Triptane, auch bekannt als 5-HT1-Rezeptoragonisten. Es wirkt, indem es an Serotonin-Rezeptoren (speziell 5-HT1B- und 5-HT1D-Rezeptoren) im Gehirn bindet.
Der Mechanismus hinter der Migräne
Während einer Migräneattacke kommt es zu einer Erweiterung der Blutgefäße auf der Hirnoberfläche. Diese Erweiterung führt dazu, dass die Gefäßwände dünner und durchlässiger werden. Dadurch können Substanzen austreten, die Entzündungen im umliegenden Nervenzellgewebe verursachen und so den Migräneschmerz auslösen.
Die Wirkung von Naratriptan
Naratriptan wirkt auf zwei Arten:
- Verengung der Blutgefäße: Naratriptan aktiviert die 5-HT1B-Rezeptoren, was zu einer Verengung der erweiterten Blutgefäße in der Hirnhaut führt.
- Einfluss auf Nervenzellen: Naratriptan hat auch Angriffspunkte direkt an bestimmten Nervenzellen im Gehirn, die unter anderem für die Entstehung der Migränebegleitsymptome wie Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit verantwortlich sind.
Anwendungsgebiete von Naratriptan
Naratriptan wird zur akuten Behandlung von Migräneanfällen mit oder ohne Aura eingesetzt. Es ist besonders geeignet für Patienten mit mittelschwerer bis schwerer und länger andauernder Migräne. Zudem wird Naratriptan bevorzugt bei Migränepatienten eingesetzt, die besonders empfindlich für Nebenwirkungen sind, da es im Allgemeinen gut verträglich ist.
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Dosierung und Einnahme von Naratriptan
Die übliche Dosis für Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren ist eine 2,5 mg Filmtablette, die unzerkaut mit Wasser eingenommen wird. Bei Bedarf kann die Dosis auf 5 mg erhöht werden, wenn die Wirkung der ersten Tablette nicht ausreichend ist.
Wichtige Hinweise zur Einnahme
- Zeitpunkt der Einnahme: Naratriptan sollte möglichst früh nach Auftreten der Kopfschmerzen eingenommen werden. Die Wirksamkeit ist höher, je früher die Einnahme erfolgt.
- Wiederholte Einnahme: Wenn die Symptome innerhalb von 24 Stunden wiederkehren, kann nach frühestens vier Stunden eine zweite Filmtablette eingenommen werden.
- Maximale Dosis: Innerhalb von 24 Stunden dürfen nicht mehr als zwei Filmtabletten (maximal 5 mg) eingenommen werden.
- Nieren- oder Lebererkrankung: Bei Patienten mit Nieren- oder Lebererkrankung sollte innerhalb von 24 Stunden nicht mehr als eine Filmtablette eingenommen werden.
- Keine Wirkung: Wenn die erste Filmtablette keine Wirkung zeigt, sollte keine weitere Filmtablette für dieselbe Migräneattacke eingenommen werden. In diesem Fall sollte ein Arzt oder Apotheker um Rat gefragt werden.
- Aura: Achten Sie darauf, die Tablette auf keinen Fall während einer Aura einzunehmen.
Vorteile von Naratriptan
- Gute Verträglichkeit: Naratriptan weist eine sehr gute Verträglichkeit auf und erzeugt kaum mehr Nebenwirkungen als ein Placebo.
- Lange Wirkdauer: Naratriptan hat eine vergleichsweise lange Halbwertszeit von sechs Stunden und entfaltet dadurch eine etwa 24-stündige Wirksamkeit. Dies macht es besonders geeignet für Patienten mit lang andauernden Migräneattacken.
- Niedrige Recurrence-Rate: Die Rate wiederkehrender Kopfschmerzen ist bei Naratriptan niedrig und liegt bei nur 17 bis 28 Prozent.
- Wirksamkeit: Klinische Studien zeigen, dass bei Einnahme der üblichen Dosierung von 2,5 mg des Wirkstoffs innerhalb von nur zwei Stunden praktisch jeder zweite Migränepatient eine klare Schmerzreduktion erfährt. Wird die Dosis gesteigert, so steigt auch die Responderrate.
Mögliche Nebenwirkungen von Naratriptan
Obwohl Naratriptan im Allgemeinen gut verträglich ist, können wie bei allen Medikamenten Nebenwirkungen auftreten.
Häufige Nebenwirkungen
- Gefühl von Kribbeln
- Schwächegefühl und Müdigkeit
- Hitzewallungen
- Übelkeit, Erbrechen
Gelegentliche Nebenwirkungen
- Verschwommensehen
- Bluthochdruck
- Schmerzen, Druck oder Engegefühl in Teilen des Körpers
- Gefühl eines unregelmäßigen und schnellen Herzschlags
- Langsamer Herzschlag
- Schneller Herzschlag
- Schweregefühl
- Halsbeschwerden
Seltene Nebenwirkungen
- Hautausschlag
- Nesselsucht
- Juckreiz
- Schwellungen im Gesicht
- Eine Erkrankung, die Bauchschmerzen oder Durchfall hervorruft (ischämische Kolitis)
Sehr seltene Nebenwirkungen
- Mangelnde Durchblutung der Hände und Füße
- Vernichtender Brustschmerz (Angina Pectoris)
- Eine bestimmte Art von Brustschmerz, die als Prinzmetal-Angina bezeichnet wird
- Herzinfarkt
Wichtige Hinweise bei Auftreten von Nebenwirkungen
- Schmerzen im Brustkorb: Bei Schmerzen im Brustkorb, Engegefühl im Brust- oder Halsbereich oder anderen Beschwerden, die auf einen Herzinfarkt schließen lassen, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.
- Allergische Reaktionen: Bei allergischen Reaktionen, einschließlich Schwellungen von Gesicht, Lippen, Zunge und Rachen, die gelegentlich sehr schwer verlaufen und Probleme beim Atmen, Sprechen oder Schlucken hervorrufen können, ist sofortige ärztliche Hilfe erforderlich.
- Serotonin-Syndrom: Ein sogenanntes "Serotonin-Syndrom“, das durch Bewusstlosigkeit, Blutdruckschwankungen, extrem hohe Körpertemperatur, fehlende Muskelkoordination, Erregung und Halluzinationen gekennzeichnet ist, erfordert sofortige medizinische Behandlung.
Gegenanzeigen von Naratriptan
Naratriptan darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Naratriptan oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels
- Schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörung
- Schlaganfall oder vorübergehende ischämische Attacken (TIA) in der Vorgeschichte
- Mittelstark oder stark erhöhter Blutdruck oder leicht erhöhter Blutdruck, der nicht mit Medikamenten behandelt wird
- Herzkrankheit (schlechte Durchblutung der Herzkranzgefäße), Herzinfarkt oder eine bestimmte Art von Brustschmerz (Prinzmetal-Angina) in der Vorgeschichte
- Durchblutungsstörungen in den Beinen (periphere Gefäßerkrankung)
- Einnahme anderer Migränemittel wie Ergotamin oder andere Triptane
Besondere Vorsichtshinweise
Besondere Vorsicht bei der Einnahme von Naratriptan ist erforderlich, wenn einer der folgenden Risikofaktoren für eine Herzkrankheit auf Sie zutrifft:
- Bluthochdruck
- Rauchen oder Anwendung von Nikotinersatzmitteln
- Männer über 40 Jahre oder Frauen nach den Wechseljahren
- Nieren- oder Leberprobleme
- Kopfschmerzen, die mit Schwindel, Gangstörungen, Koordinationsstörungen oder Schwäche in Armen und Beinen einhergehen
- Allergische Reaktion auf Naratriptan oder ähnliche Tabletten in der Vergangenheit
- Einnahme von Arzneimitteln gegen Depressionen (SSRI oder SNRI)
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen, kürzlich andere Arzneimittel eingenommen haben oder beabsichtigen, andere Arzneimittel einzunehmen.
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Nicht zusammen mit Naratriptan einnehmen
- Andere Arzneimittel aus der gleichen Klasse wie Naratriptan (z.B. Sumatriptan, Rizatriptan oder Zolmitriptan)
- Arzneimittel vom Ergotamintyp wie Ergotamin, Dihydroergotamin oder Methysergid
Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme mit
- Arzneimittel gegen Depressionen wie Sertralin, Escitalopram, Fluoxetin, Venlafaxin und Duloxetin
- Pflanzliche Zubereitungen mit Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Naratriptan in Schwangerschaft und Stillzeit
Wenn Sie schwanger sind, oder wenn Sie vermuten, schwanger zu sein oder beabsichtigen, schwanger zu werden, fragen Sie vor der Einnahme dieses Arzneimittels Ihren Arzt oder Apotheker um Rat. Es gibt nur begrenzte Informationen zur Sicherheit von Naratriptan bei schwangeren Frauen, obwohl es bis heute keine Anzeichen eines erhöhten Risikos für Geburtsfehler gibt. Ihr Arzt wird Ihnen möglicherweise empfehlen, Naratriptan während der Schwangerschaft nicht einzunehmen.
Wenn Sie stillen, fragen Sie vor der Einnahme dieses Arzneimittels Ihren Arzt oder Apotheker um Rat. Sie dürfen Ihr Baby bis 24 Stunden nach der Einnahme von Naratriptan nicht stillen. Wenn Sie während dieser Zeit Milch abpumpen, verwerfen Sie diese und geben Sie die Milch nicht Ihrem Säugling.
Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen
Sowohl die Migräne selbst als auch die Behandlung mit Naratriptan können bei einigen Patienten Schläfrigkeit hervorrufen. Einige Patienten haben nach Einnahme dieses Arzneimittels auch über Schwindel berichtet. Falls bei Ihnen derartige Wirkungen auftreten, sollten Sie Ihre Fähigkeit, Auto zu fahren oder Maschinen zu bedienen, sorgfältig prüfen.
Rezeptfreiheit von Naratriptan
Seit dem 1. April 2016 ist Naratriptan, bekannt als Formigran®, als erstes Triptan rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Eine Packung Formigran® enthält zwei Filmtabletten mit je 2,5 mg Naratriptan. Allerdings sollte die Erstdiagnose einer Migräne durch einen Arzt erfolgt sein, bevor Naratriptan rezeptfrei angewendet wird.
Überdosierung von Naratriptan
Eine Einnahme von zu viel Naratriptan kann zu Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Müdigkeit, Koordinationsverlust und Spannungen im Nacken führen. Bei Verdacht auf eine Überdosierung sollte umgehend ein Arzt kontaktiert werden.
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Intervallfasten und Migräne
Die Kombination von Intervallfasten und Migräne ist in der Medizin immer noch umstritten, es häufen sich gegenläufige Meinungen. Generell sollte man als Migräne-Patient eigentlich nicht hungern, da dies ein Triggerfaktor für eine Migräneattacke sein kann. Allerdings kann das Intervallfasten als bewusste Lebensumstellung bei der Migräne gesundheitsfördernd sein, als Teil einer ganzheitlichen Therapie.
Entspannungstechniken bei Migräne
Viele verschiedene Faktoren wie Stress, Anspannung oder auch bestimmte Schlafgewohnheiten können dazu beitragen, dass Migräne ausgelöst oder aber auch verstärkt wird. Aus diesem Grund können verschiedene Entspannungsverfahren zum Einsatz kommen, um Migräneattacken vorzubeugen. Ebenso kann man sich einzelne Pausen in den Alltag einbauen, um dem Stress ein wenig entgegenzuwirken, und sich bestimmte Schlafgewohnheiten abgewöhnen.
Naratriptan bei Kindern
Eine Migräne kann sich bei jungen Menschen in vielen verschiedenen Formen bemerkbar machen. So kann es sein, dass die einen Kinder über Bauchweh klagen, andere lediglich Kopfschmerzen haben und wieder andere während einer Migräneattacke einschlafen. Im Schnitt dauert es ganze vier Jahre, um eine angemessene Therapie für die betroffenen Kinder zu finden. Insgesamt dauern Migränekopfschmerzen bei Kindern nicht so lange an wie bei Erwachsenen. Naratriptan sollte nur bei Patienten über 18 Jahre angewendet werden.
Medikamenten-induzierte Kopfschmerzen
Generell besteht eine Faustregel für die Häufigkeit der Einnahme von Triptanen: Triptane sollten höchstens zwei- bis dreimal an einem Tag eingenommen werden, bei höchstens 10 Tagen im Monat. Somit ergibt sich eine Höchstdosis von 30 Tabletten pro Monat. Sollte diese Faustregel nicht eingehalten werden, es also zu einer eher dauerhaften Einnahme kommen, besteht die Gefahr einer Überdosierung. In so einem Fall kann es zu einem gegenteiligen Effekt der sonst gewünschten Linderung der Kopfschmerzen kommen, nämlich zu sogenannten Medikamenten-induzierten Kopfschmerzen, also Kopfschmerzen, die durch Medikamente ausgelöst werden.
Naratriptan und Schlaganfallrisiko
Es konnte in jüngeren Studien nachgewiesen werden, dass von Migräne Betroffene allgemein wahrscheinlicher einen Schlaganfall erleiden und auch ein erhöhtes Schlaganfallrisiko nach Operationen haben. Die Forscher konnten nachweisen, dass Migräne-Patienten dann ein allgemein höheres Schlaganfallrisiko aufweisen. Für ihre Untersuchungen werteten die Forscher zwischen 2007 und 2014 angelegte Krankenakten aus dem Massachusetts General Hospital sowie zwei weiteren Kliniken aus. In der Gesamtheit waren mehr Migräne- als Nicht-Migräne-Patienten von einem sogenannten perioperativen Schlaganfall betroffen. Mit Migräne erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit von 2,4 pro 1.000 Patienten auf 4,3 pro 1.000, was einer Steigerung von 75 Prozent entspricht. Die Untersuchungen ergaben auch, dass das Risiko für einen Schlaganfall bei Migräne-Patienten vor allem bei ambulanten Operationen erhöht ist.