Wochenplan zur Beschäftigung bei Demenz: Beispiele und Anregungen für den Alltag

Mit fortschreitender Demenz wird es für Betroffene immer schwieriger, sich zu orientieren und Gefahren einzuschätzen. Um ihnen ein möglichst selbstständiges und sicheres Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, sind Alltagshilfen und eine strukturierte Beschäftigung von großer Bedeutung. Ein gut durchdachter Wochenplan kann dabei helfen, den Tagesablauf übersichtlich zu gestalten und sowohl Demenzerkrankten als auch pflegenden Angehörigen eine klare Orientierung zu geben.

Die Bedeutung von Alltagshilfen und Beschäftigung

Alltagshilfen sind das ideale Mittel, um das Leben von Menschen mit Demenz strukturierter und sicherer zu gestalten. Vergesslichkeit kann im Alltag zu großen Herausforderungen führen, doch mit den richtigen Hilfsmitteln lassen sich diese Einschränkungen minimieren. Es ist wichtig, die betroffene Person in die Auswahl der Hilfsmittel mit einzubeziehen, um Akzeptanz und Interesse zu fördern.

Technische Hilfsmittel bieten zusätzliche Sicherheit und Übersicht. Schlüsselfinder und Ortungssysteme helfen, verlegte Gegenstände schnell wiederzufinden, während GPS-Tracker und Notfalluhren im Notfall die Nachverfolgung des Standorts ermöglichen. Spezielle Telefone mit großen Tasten und vorprogrammierten Nummern erleichtern das Telefonieren.

Auch im Bereich der Ernährung gibt es spezielle Hilfsmittel. Demenz-Geschirr in klaren Formen und leuchtenden Farben hilft, die Speisen besser zu erkennen und zu erfassen. Teller mit erhöhtem Rand und geneigtem Boden erleichtern das Aufnehmen von Essen. Wenn die Verwendung von Besteck schwierig wird, kann Finger Food eine gute Alternative sein.

Wochenplan: Struktur und Orientierung im Alltag

Die zeitliche Orientierung fällt Menschen mit Demenz oft schwer. Ein Wochenplan gibt sowohl Demenzerkrankten als auch pflegenden Angehörigen eine klare Übersicht über den Tagesablauf. Verwenden Sie einen großen, leicht verständlichen Wochenplan, in dem Sie Termine, Mahlzeiten oder Besuche eintragen. Hängen Sie den Plan an einem gut sichtbaren Ort auf, damit er täglich genutzt werden kann.

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Ein großer und einfacher Kalender, der sichtbar in der Wohnung hängt, hilft ebenfalls bei der zeitlichen Orientierung. Wichtig ist, dass Wochentage und Daten ausgeschrieben sind. Kleben Sie ein Foto der Person, die zu Besuch kommt, an den entsprechenden Tag im Kalender. Eine große, gut sichtbare Wanduhr mit klaren Ziffern und Zeigern hilft dabei, den Tagesverlauf besser zu verstehen.

Beispiele für Beschäftigungen im Wochenplan

Ein abwechslungsreicher Wochenplan sollte eine Kombination aus verschiedenen Arten von Beschäftigung enthalten:

  • Sportliche Aktivitäten: Tanznachmittag, Spaziergänge, gemeinsames Kegeln, Senioren-Yoga
  • Soziale Aktivitäten: Bingorunden, Männer- und Frauenstammtisch, Feste, Geburtstagsfeiern, Chorbesuche, Ausflüge, Kinonachmittage, Basteln, Kochen, Spiele
  • Gedächtnistraining: Quizrunden, Zeitungsschau, Themenstunden, Gedächtnistraining
  • Entspannung: Wellness, Hundetherapiestunden, Gottesdienste

Um den idealen Wochenplan zu gestalten, sind die Bedürfnisse und Voraussetzungen der Senioren entscheidend. Es muss berücksichtigt werden, dass unter Umständen nicht jeder alle Beschäftigungen mitmachen kann. Hier muss ein Ausgleich geschaffen werden, damit er ebenfalls beschäftigt wird oder sich anderweitig in die Gruppe integrieren kann. Und: Was wünschen sich eigentlich die Senioren selbst? Das sollte ebenfalls erfragt und berücksichtigt werden. Denn um sie geht es letztlich.

Idealerweise ist der Wochenplan ein guter Mix aus den verschiedenen oben genannten Beschäftigungskategorien, damit die Senioren und Pflegebedürftigen einen möglichst abwechslungsreichen Alltag erleben können, bei dem alle Sinne angesprochen werden. Bei dem ihre körperliche und mentale Fitness steigt oder erhalten bleibt, sie in soziale Interaktionen treten und gleichzeitig etwas für ihr persönliches Wohlbefinden tun können.

Beispiele für konkrete Aktivitäten

  • Gemeinsames Kochen und Backen: Das Zubereiten von Mahlzeiten kann eine sinnvolle und freudvolle Beschäftigung sein. Das Lieblingsessen ist immer mit schönen Gefühlen verbunden. Daher kann es ein besonderes Erlebnis sein, wenn alte Lieblingsgerichte aus der Kindheit der Betroffenen zubereitet werden. Noch besser wäre es, wenn das Essen gemeinsam geplant und gekocht werden kann, um einen persönlicheren Bezug zum Essen herzustellen. Mit kräftigen Farben und intensiven Gerüchen werden die Sinne und der Appetit angeregt.
  • Gartenarbeit: Kleine Arbeiten in Haus oder Garten sind leicht umsetzbar und naheliegend, wenn Ihr Angehöriger sich schon früher gerne mit solchen Aufgaben beschäftigt hat. Achten Sie allerdings darauf, keine zu komplizierten oder gefährlichen Aufgaben zu wählen. Nehmen Sie sich einfach Zeit, akzeptieren Sie die nachlassenden Fähigkeiten des Demenzerkrankten und setzen Sie sich keine großen Arbeitsziele.
  • Kreative Tätigkeiten: Der Umgang mit unterschiedlichen Materialien aus der Natur oder dem Bastelladen kann Demenzerkrankten viel Freude bereiten. Sie müssen sich dafür nicht unbedingt spannende Bastelideen ausdenken, sondern können auch einfach so etwas Raum für die kreative Betätigung schaffen. Ambitionierte Ziele sind oft sogar kontraproduktiv. Nehmen Sie den Wechsel der Jahreszeiten als Anlass, um passende Dekoration zu basteln. Bringen Sie dafür ein paar Dinge aus der Natur mit (Tannenzapfen, Blumen, Kastanien, usw.). So stellen Sie beim Basteln einen Bezug zur Außenwelt her und fördern gleichzeitig die biografische Erinnerung.
  • Musikalische Aktivitäten: Musikhören ist für viele Menschen mit Demenz ideal, denn bekannte Schlager aus der Jugendzeit stimulieren fröhliche Erinnerungen und können die Stimmung aufhellen. Bekannte Lieder zu singen, dazu zu musizieren oder den Takt zu schlagen funktioniert selbst dann, wenn der Betroffene nicht mehr sprechen kann. Außerdem stellt sich beim Tanzen und gemeinsamen Singen schnell ein Gemeinschaftsgefühl ein. Der Isolation und dem Rückzug wird so Einhalt geboten.
  • Erinnerungsarbeit: Wenn sich Menschen mit Demenz an Beziehungen mit lieben Menschen oder lebensgeschichtliche Ereignisse erinnern, trägt dies zu ihrem Wohlbefinden bei und sie fühlen sich wieder stärker in ihrer Identität. Besonders gut funktioniert das Wecken von Erinnerungen mit Erinnerungsalben. Darin sammeln Sie Fotos und andere Erinnerungsstücke aus dem Leben der demenzerkrankten Person. Stellen Sie als Pflegender oder Angehöriger konkrete Fragen zur Kindheit oder Jugend des Demenzerkrankten. Zum Beispiel zu wichtigen historischen Ereignissen aus dieser Zeit.
  • Vorlesen: Gerade bei fortschreitender Demenz fällt es vielen Betroffenen schwer, noch selbst zu lesen. Zuhören fördert die Durchblutung im GehirnWenn wir zuhören, erhöht sich die Durchblutung unseres Gehirns. Das haben Studien erwiesen. Vorlesen kann für Menschen mit Demenz genauso aktivierend sein wie Kopfrechnen für einen gesunden Menschen.
  • Bewegung: Bewegung regt den Kreislauf an, fördert Sinneserfahrungen und bringt Freude. Deshalb sind Spaziergänge und Ausflüge immer eine sinnvolle Beschäftigung. Chaotische, laute Umgebungen sind ungeeignet, weil sie zu Verwirrung und Stress führen. Ideal sind hingegen Orte, die dem Demenzerkrankten immer schon gefallen haben oder einen biografischen Bezug bieten.
  • Snoezelen: Dabei werden gezielt unterschiedliche Sinne aktiviert und stimuliert. Oft haben Demenzerkrankte unruhige Hände, die ständig nach etwas zum Befühlen suchen.
  • Spiele: Es gibt Spiele, die speziell für Demenzerkrankte entwickelt wurden. Sie sollen gezielt motorische Fähigkeiten trainieren oder den Spaß am Raten und am Gedächtnistraining bei Demenz wecken. Daneben können Sie Ihren demenzerkrankten Angehörigen aber auch mit herkömmlichen Spielen herausfordern und beschäftigen. Am besten eignen sich dazu Spiele, die von Kindheit an vertraut sind, wie Würfelspiele oder Mensch ärgere Dich nicht. Achten Sie darauf, dass das Spielen nicht zu Leistungsdruck führt. Variieren Sie die Spielregeln lieber, als zu konsequent auf deren Einhaltung zu achten und Ihren demenzerkrankten Spielpartner damit zu verunsichern.

Sicherheitsmaßnahmen im Alltag

Mit zunehmender Demenz steigt die Gefahr, dass räumliche Desorientierung und Vergesslichkeit zu gefährlichen Situationen im Alltag führen. Um das Risiko von Unfällen zu minimieren, können gezielte Sicherheitsmaßnahmen und technische Hilfsmittel eingesetzt werden.

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  • Herdsicherung: Ein angeschalteter Herd, der vergessen wurde, auszuschalten, kann schnell zur Gefahr werden. Eine Herdsicherung sorgt dafür, dass der Herd nach einer voreingestellten Zeit automatisch abschaltet und somit Brände verhindert werden. Moderne Herde verfügen häufig schon über eine Abschaltautomatik.
  • Rauchmelder: Auch wenn Rauchmelder in Mietwohnungen gesetzlich vorgeschrieben sind, sind sie in vielen Wohnungen nicht vorhanden oder nicht funktionsfähig. Dabei sind sie eine einfache, aber lebensrettende Sicherheitsmaßnahme, die besonders in Haushalten mit Demenzerkrankten unverzichtbar ist.
  • Sichere Aufbewahrung gefährlicher Gegenstände: Reinigungsmittel, Messer, Kerzen, Feuerzeuge und Medikamentenvorräte können für Demenzerkrankte eine ernsthafte Gefahr darstellen. Um Unfälle zu vermeiden, sollten diese Gegenstände sicher und außer Reichweite gelagert werden.
  • Kontaktmatten und Lichtschranken: Manche Menschen mit Demenz entwickeln im Verlauf der Krankheit eine sogenannte Hinlauftendenz. Kontaktmatten, die vor dem Bett oder der Haustür platziert werden, senden ein Funksignal an die Pflegeperson, sobald sie betreten werden. Lichtschranken arbeiten mit Infrarotlicht und können über dem Bett oder an anderen kritischen Stellen installiert werden.

Finanzielle Unterstützung

Die finanzielle Entlastung durch Krankenkassen ist für viele Familien ein wichtiger Schritt, um notwendige Hilfsmittel für Demenzerkrankte zu beschaffen. Im Hilfsmittelkatalog sind zahlreiche Produkte aufgeführt, die von der Pflegekasse unter bestimmten Voraussetzungen übernommen werden können. Diese Hilfsmittel helfen nicht nur bei der Orientierung und der Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten, sondern auch im Umgang mit alltäglichen Herausforderungen der Pflege. Notfallsysteme wie Demenz-Uhren mit Ortungssystem werden ebenfalls von der Pflegekasse bezuschusst.

Tipps für pflegende Angehörige

  • Strukturieren Sie den Tagesablauf: Feste Zeiten für Mahlzeiten, Körperpflege und Aktivitäten geben Sicherheit und Orientierung.
  • Schaffen Sie eine sichere Wohnumgebung: Entfernen Sie Stolperfallen, sorgen Sie für gute Beleuchtung und sichern Sie gefährliche Gegenstände.
  • Beziehen Sie die erkrankte Person in den Alltag ein: Geben Sie ihr einfache Aufgaben, die sie noch selbstständig erledigen kann.
  • Nehmen Sie sich Zeit für gemeinsame Aktivitäten: Musikhören, Spaziergänge oder Vorlesen können schöne Momente der Nähe schaffen.
  • Suchen Sie Unterstützung: Nehmen Sie Angebote von Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen oder ehrenamtlichen Helfern in Anspruch.
  • Achten Sie auf sich selbst: Nur wer selbst gesund und ausgeglichen ist, kann die anspruchsvolle Aufgabe der Pflege bewältigen.

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