Wolff-Parkinson-White-Syndrom: Erfahrungen, Ursachen, Diagnose und Behandlung

Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom) ist eine angeborene Anomalie des Reizleitungssystems des Herzens. Es wird meist bei jungen Menschen entdeckt, kann aber auch erst im Erwachsenenalter durch Symptome auffallen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über das WPW-Syndrom, einschließlich seiner Symptome, Ursachen, Diagnosemethoden und Behandlungsverfahren. Zudem werden Erfahrungen von Betroffenen und Eltern betroffener Kinder geteilt, um ein besseres Verständnis für die psychischen und physischen Herausforderungen dieser Erkrankung zu vermitteln.

Symptome des WPW-Syndroms

Typisch für das WPW-Syndrom ist ein plötzliches Herzrasen, welches oft aus völliger Ruhe heraus auftritt und oft nur kurz anhält. Viele Patienten empfinden während des Herzrasens ein unangenehmes Pochen im Halsbereich. Der Puls kann bei jungen Menschen durchaus bis zu 220 Schläge pro Minute betragen. Manchmal können Schwindel und in seltenen Fällen auch Ohnmachtsanfälle auftreten. Viele Patienten können durch Pressen in den Bauch oder durch Trinken eines kalten Glases Wassers den schnellen Puls selbst beenden.

Ursachen des WPW-Syndroms

Die Ursachen des WPW-Syndroms sind angeborene Veränderungen, bei denen eine zusätzliche Leitungsbahn für die Weiterleitung von elektrischen Impulsen von den Vorhöfen zu den Hauptkammern existiert. Der elektrische Impuls kann unter bestimmten Umständen über die normale Leitungsbahn (AV-Knoten) vom Vorhof zu der Herzkammer und über die eigentlich überflüssige zusätzliche Leitungsbahn von der Kammer zurück zum Vorhof fließen. Hierdurch dreht sich der elektrische Impuls wie in einem großen Kreisverkehr und führt dadurch zu einem stark beschleunigten Puls. Die zusätzliche Leitungsbahn kann sich dabei an vielen verschiedenen Stellen des Herzens befinden.

Grundsätzlich kommt es bei dieser Erkrankung zu einem schnellen Puls, der als sehr unangenehm empfunden wird, jedoch im Allgemeinen nicht gefährlich ist. Problematisch wird es jedoch, wenn weitere Herzrhythmusstörungen vorkommen. Insbesondere bei Auftreten von Vorhofflimmern kann aus dem WPW-Syndrom eine lebensbedrohliche Erkrankung werden. Je älter ein Patient ist, umso wahrscheinlicher ist das Auftreten von Vorhofflimmern. Aber auch bei jungen Menschen kann Vorhofflimmern insbesondere nach erhöhtem Alkoholkonsum („Holiday-Heart-Syndrom“) auftreten.

Diagnose des WPW-Syndroms

Manchmal bleiben diese Rhythmusstörungen lange Zeit unentdeckt, da im beschwerdefreien Intervall im EKG nichts Auffälliges zu sehen ist. Bei einem Teil der Patienten finden sich jedoch im EKG sogenannte Delta-Wellen, die zur richtigen Diagnose führen. Menschen mit WPW-Syndrom haben in der Regel ein strukturell völlig gesundes Herz. Um dem Hauptsymptom Herzrasen auf den Grund zu gehen und die Herzrhythmusstörung zu erfassen, kommt stattdessen das Elektrokardiogramm (EKG) zum Einsatz. Im EKG erkennen Kardiologen die sogenannte Deltawelle, die dem Teil der Kammermuskulatur entspricht, der über die akzessorische Leitungsbahn vorzeitig erregt wird. Wenn Patientinnen oder Patienten von anfallsartigem Herzrasen berichten und sich dann noch im EKG die typische Deltawelle zeigt, ist die Diagnose WPW-Syndrom eindeutig. Schwieriger gestaltet sich die Diagnose des „verborgenen“ WPW-Syndroms: Hier ist die zusätzliche Leitungsbahn lediglich während der Tachykardie (Herzrasen) aktiv und leitet Impulse ausschließlich von der Kammer zurück zum Vorhof.

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Behandlungsverfahren des WPW-Syndroms

Um einen rasenden Puls akut zu beenden, können sogenannte Valsalvamanöver versucht werden. Hierfür kann man stark in den Bauch pressen, gelegentlich hilft auch die Massage an der Halsschlagader im Kehlkopfbereich. Dies sollte jedoch einem Arzt überlassen werden. Sollten diese Manöver nicht helfen, wird ein Medikament (Adenosin) injiziert. In fast allen Fällen wird der schnelle Puls hierdurch beendet.

Interventionelle Behandlungsverfahren

Eine Behandlung des WPW-Syndroms sollte wegen der potentiellen Gefährlichkeit des Krankheitsbildes frühzeitig erfolgen. Da Medikamente in der Dauerbehandlung wirkungslos sind, ist die elektrophysiologische Untersuchung mit Verödung der zusätzlichen Leitungsbahn die Therapie der Wahl. Hierfür werden mehrere kleine Herzkatheter unter örtlicher Betäubung über die Leistenvenen eingeführt und verschiedene EKG‘s aus dem Herzen abgeleitet. Durch Stimulation des Herzens wird dann versucht, die Herzrhythmusstörung auszulösen um zunächst den genauen Entstehungsmechanismus zu untersuchen und die Lage der Leitungsbahn zu bestimmen. Nach Gabe eines schnell wirksamen Schmerz- und Schlafmittels wird durch Abgabe von Wärme über einen Spezialkatheter die überzählige und für die Herzfunktion überflüssige Leitungsbahn verödet. Abhängig von der Lokalisation der Leitungsbahn muss manchmal eine Punktion durch die Vorhofscheidewand in den linken Vorhof erfolgen. Auch bei jungen Menschen sollte mit dieser Behandlung nicht gewartet werden, da in über 95 % der Fälle mit diesem Eingriff eine komplette und lebenslang wirksame Heilung erzielt werden kann. Nach erfolgreicher Verödung tritt diese Form der Herzrhythmusstörung nicht mehr auf. Insgesamt sind Komplikationen bei diesem Eingriff sehr selten. Um Blutergüsse in der Leiste zu vermeiden ist ein Druckverband mit Bettruhe für bis zu vier Stunden nach dem Eingriff notwendig. Selten kann ein Bluterguss im Herzbeutel entstehen, der in Ausnahmefällen unter örtlicher Betäubung punktiert werden muss. Die Notwendigkeit einer Herzschrittmacherbehandlung kommt in weniger als einem Prozent vor. Sollte eine Punktion der Vorhofscheidewand notwendig sein, muss zur Vermeidung von Schlaganfällen eine Blutverdünnung während des Eingriffes durchgeführt werden.

WPW-Syndrom und Psyche

Die Anfälle von Herzrasen beim WPW-Syndrom können die Psyche belasten. Gleichzeitig kann sich Stress aufs Herz auswirken. Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom macht sich durch anfallsweise auftretendes Herzrasen bemerkbar. Ursache ist eine angeborene Herzanomalie. Die Anfälle setzen schlagartig und scheinbar grundlos ein. Betroffene spüren sie vor allem als unangenehmes Herzklopfen. Ihr Puls ist dabei häufig zu schnell, um ihn zu zählen. Zu den möglichen körperlichen Begleitsymptomen solcher Anfälle zählen Atemnot, Brustschmerzen, Schwindel und Benommenheit - teils bis hin zur Ohnmacht. Häufig hat das WPW-Syndrom auch psychische Auswirkungen. So kann das ohne Vorwarnung beginnende Herzrasen Unruhe und Angst bis hin zu Panik auslösen. Denn wer den eigenen Herzschlag plötzlich schneller und/oder stärker wahrnimmt, vermutet dahinter leicht ein ernstes Herzproblem. Unangenehm empfundenes Herzklopfen ist aber meist harmlos. Das gilt auch für das Herzrasen beim WPW-Syndrom. Für die Psyche kann es daher beruhigend sein, die Ursache der Beschwerden zu kennen - also rasch fachärztlich abklären zu lassen. Doch auch nach der Diagnose erleben manche Betroffene das WPW-Syndrom noch als psychisch stark belastend. Denn während der wiederkehrenden Anfälle von Herzrasen sind sie meist nicht in der Lage, ihre gerade ausgeübte Tätigkeit (wie arbeiten, Auto fahren oder den Haushalt machen) fortzuführen. Wer während eines Anfalls ohnmächtig wird (was hauptsächlich in höherem Alter vorkommt), hat zudem ein erhöhtes Unfall- und Verletzungsrisiko. Besonders problematisch ist dabei, dass die Anfälle jederzeit - auch in Ruhe - auftreten können: Das macht sie unberechenbar. Sich daraus ergebende Einschränkungen im Privat- und Berufsleben mindern die Lebensqualität mitunter erheblich. Somit kann das WPW-Syndrom die Psyche auch längerfristig beeinflussen. Wer auf das Herzrasen beim WPW-Syndrom richtig zu reagieren weiß, kommt psychisch womöglich besser damit klar. Betroffene besprechen daher idealerweise mit einer Ärztin oder einem Arzt, wie sie sich während eines Anfalls am besten verhalten, wann sie einen Untersuchungstermin vereinbaren sollten und wann sie (not-)ärztliche Hilfe benötigen. So ist es beim WPW-Syndrom für die Psyche besonders entlastend, zu wissen, dass das Herzrasen normalerweise bald wieder von selbst aufhört - und dass es sich durch einfache Maßnahmen oft schon vorher stoppen lässt: Häufig hilft es beispielsweise bereits, schnell ein Glas kaltes Wasser zu trinken oder tief einzuatmen, dann für 15 Sekunden die Luft anzuhalten und fest in den Bauch zu pressen. Überdies ist es (nicht nur) für Menschen mit WPW-Syndrom hilfreich, Stress gut bewältigen zu können.

Persönliche Erfahrungen mit dem WPW-Syndrom

Erfahrungen von Eltern

Ein Vater berichtet, dass bei seinem dreieinhalbjährigen Sohn Roman vor zwei Jahren WPW (Wolff-Parkinson-White-Syndrom) festgestellt wurde. Es war ein reiner Zufallsbefund. Roman klagte etwas über Kopfweh, wurde aber in den Kindergarten gebracht. Nach einer halben Stunde wurde er kreidebleich und bekam sehr, sehr weiße Lippen. Die Kinderärztin konnte mittags nichts feststellen. Der Kardiologe sagte, er könne es natürlich nicht mehr sagen, ob es ein Herzrasen war. Nach Rücksprache mit dem Kinderkardiologen besteht bei Roman ein verborgenes WPW-Syndrom. Das heißt, Roman hat eine zusätzliche elektrische Verbindungsbahn zwischen Vor- und Hauptkammer. Sie leitet aber nur rückwärts. Somit besteht für Ihren Sohn keine akute Lebensgefahr durch die Leitungsbahn. Ein Herzrasen hält das Herz in dem Alter eine Zeit lang ohne Folgen gut aus. Wie schon geplant, kann man bei Roman später, wenn die Bahn noch aktiv sein sollte, im Rahmen einer elektrophysiologischen Untersuchung die Leitungsbahn veröden. Die Mutter macht sich jedoch große Sorgen, dass dies wieder passiert und fragt sich, wie es mit dem heißen Wetter aussieht und was passiert, wenn es nachts passiert.

Eine andere Mutter berichtet, dass bei ihrem Sohn die Diagnose WPW gestellt wurde, nachdem ein Langzeit-EKG ausgewertet wurde. Die zusätzliche Leitungsbahn muss operiert/verödet werden. Die OP wird anscheinend erst gemacht, wenn der Sohn 30 Kilo wiegt.

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Eine weitere Mutter berichtet von ihrer Tochter, bei der ebenfalls das WPW-Syndrom diagnostiziert wurde. Nach einem weiteren Anfall wurde die Einstellung mit dem Medikament angepasst.

Erfahrungen von Betroffenen

Ein Betroffener berichtet, dass bei ihm bei der Musterung Wolff-Parkinson-White-Syndrom festgestellt wurde und er zum Kardiologen verwiesen wurde. Er hat keinerlei Beschwerden und der Kardiologe hat auch im Bericht geschrieben, er würde nix behandlungstechnisch machen. Er ist voll leistungsfähig. Er hat aber noch im Bericht geschrieben, dass es auf die Stelle ankommt, wie zum Beispiel Pilot würde er nicht empfehlen, weil bei der Krankheit KANN immer was passieren meint er und als Pilot wäre es natürlich dann etwas kritisch. In seinem Fall denkt er aber, werde er nie Probleme mit haben. Er wurde für die Stelle bei der Marine im Boardingteam voreingeplant, bevor WPW festgestellt wurde. Er fragt sich, inwieweit das jetzt seine Tauglichkeit beeinträchtigt oder ob jemand vielleicht auch den Fall gehabt hat.

Ein anderer Betroffener leidet seit seinem 8ten Lebensjahr an dem WPW Syndrom, plötzliches Herzrasen machen sich ca. 1-2 mal im Jahr bemerkbar. Ohnmacht oder Schwindel hatte er beim WPW Syndrom bisher nicht, die Anfälle gingen von 15 min bis zu 2 Stunden. Er hat ab und zu das Gefühl, dass es wieder "anfängt" (macht sich durch stolpern bemerkbar, allerdings wird es oft, aus ihm unerfindlichen Gründen, nicht ausgelöst, das Herzrasen ist, wie gesagt, nur 1-2 mal im Jahr der Fall. Im Krankenhaus wurde im Ruhe EKG eine sehr kleine Deltawelle gefunden, kaum sichtbar, so der Kardiologe. Es wurde vor 2 Wochen ein 24 Stunden EKG und eine Herzultraschalluntersuchung durchgeführt. Ihm wurde Metoprolol verordnet, er nimmt eine halbe Tablette pro Tag. Sein Puls ist seit dem bei ca. Sobald er die Betablocker weg lasse, schlägt sein Herz sehr schnell bei nur geringsten Anstrenungen. Desweiteren weiß er nicht, woran man erkennen kann, ob diese Leitung bei ihm retrograt oder antigrad leitet. schlimm und damit kann man angblich beim WPW Syndrom gut leben.

Leben mit WPW-Syndrom

Das WPW-Syndrom kann eine Herausforderung darstellen, sowohl physisch als auch psychisch. Es ist wichtig, sich umfassend über die Erkrankung zu informieren und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Eine gute medizinische Betreuung und eine positive Lebenseinstellung können dazu beitragen, ein erfülltes Leben mit WPW-Syndrom zu führen.

Risiken und Komplikationen

In den meisten Fällen ist das WPW-Syndrom gutartig. Das Herz der Betroffenen ist strukturell völlig gesund. Sie können daher ein ganz normales Leben führen und ohne Einschränkungen Sport treiben. Normalerweise fungiert der AV-Knoten als ‚Bremse‘, wenn wie beim Vorhofflimmern von den Vorhöfen gefährlich schnelle Impulse ausgehen. Bei Menschen mit ‚offenem‘ WPW-Syndrom können die hohen Frequenzen des Vorhofflimmerns jedoch über die zusätzliche Leitungsbahn auf die Herzkammern übertragen werden und zu extrem hohen Kammerfrequenzen (bis zu 300 Schläge pro Minute) führen. Diese können dann in Kammerflimmern übergehen, das durch eine Defibrillation behoben werden muss. Im schlimmsten Fall droht also ein plötzlicher Herztod. Das Risiko ist sehr gering, aber nicht gleich null.

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