Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom) ist eine angeborene Herzanomalie, die durch eine zusätzliche Leitungsbahn zwischen den Herzvorhöfen und Herzkammern gekennzeichnet ist. Diese zusätzliche Bahn kann zu Herzrhythmusstörungen, insbesondere anfallsartigem Herzrasen, führen. Obwohl das WPW-Syndrom beängstigend sein kann, ist die Lebenserwartung in der Regel normal, und es gibt effektive Behandlungsmöglichkeiten.
Was ist das WPW-Syndrom?
Das WPW-Syndrom ist eine Herzrhythmusstörung, bei der eine zusätzliche (akzessorische) Leitungsbahn zwischen den Vorhöfen und Kammern des Herzens besteht. Normalerweise leitet nur der AV-Knoten elektrische Impulse von den Vorhöfen an die Kammern weiter. Beim WPW-Syndrom umgeht diese zusätzliche Bahn den AV-Knoten, was zu einer vorzeitigen Erregung der Herzkammern führen kann.
Die zusätzlichen Leitungsbahnen, auch Kent-Bündel genannt, ermöglichen es elektrischen Signalen, schneller als normal zu den Herzkammern zu gelangen. Dies kann zu einer kreisenden Erregung führen, bei der elektrische Signale zwischen Vorhöfen und Kammern hin und her wandern, was Herzrasen verursacht.
Symptome des WPW-Syndroms
Nicht alle Menschen mit WPW-Syndrom haben Symptome. Bei manchen wird die Diagnose zufällig im Rahmen eines Elektrokardiogramms (EKG) gestellt. Wenn Symptome auftreten, sind die häufigsten:
- Anfallartiges Herzrasen (Tachykardie): Das Herz schlägt plötzlich sehr schnell, oft zwischen 150 und 250 Schlägen pro Minute.
- Herzklopfen (Palpitationen): Ein unangenehmes Gefühl von schnellem, starkem oder unregelmäßigem Herzschlag.
- Schwindel
- Brustschmerzen oder Druck auf der Brust
- Atemnot
- Benommenheit
- Ohnmacht (Synkope): Tritt eher bei älteren Menschen auf.
- Angstzustände
Bei Babys und Kleinkindern können die Symptome anders sein:
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- Unruhe oder Reizbarkeit
- Schnelle Atmung
- Verminderte Nahrungsaufnahme
- Blaue oder graue Haut, Lippen und Nägel
Die Anfälle von Herzrasen treten typischerweise plötzlich auf und können Sekunden bis Stunden dauern. Sie enden oft genauso plötzlich, wie sie begonnen haben.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genaue Ursache des WPW-Syndroms ist unbekannt. Es wird angenommen, dass es sich um einen Fehler in der embryonalen Entwicklung des Herzens handelt. In einigen Fällen tritt das WPW-Syndrom zusammen mit anderen angeborenen Herzfehlern auf, wie z.B. Ventrikelseptumdefekten oder der Ebstein-Anomalie. Es gibt Hinweise darauf, dass eine genetische Veranlagung eine Rolle spielen kann.
Diagnose
Die Diagnose des WPW-Syndroms umfasst in der Regel die folgenden Schritte:
- Anamnese: Der Arzt fragt nach den Symptomen, der Häufigkeit und Dauer der Anfälle sowie nach Vorerkrankungen und familiären Vorbelastungen.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt hört das Herz ab und misst den Blutdruck.
- Elektrokardiogramm (EKG): Das EKG ist das wichtigste Instrument zur Diagnose des WPW-Syndroms. Es zeichnet die elektrische Aktivität des Herzens auf und kann typische Muster zeigen, wie z.B. die Delta-Welle.
- Langzeit-EKG: Ein tragbares EKG-Gerät zeichnet den Herzschlag über einen Zeitraum von 24 Stunden oder länger auf, um Herzrhythmusstörungen zu erfassen, die im normalen EKG möglicherweise nicht sichtbar sind.
- Event-Recorder: Ein kleines Gerät, das über einen längeren Zeitraum getragen wird und bei Auftreten von Symptomen aktiviert wird, um den Herzrhythmus aufzuzeichnen. Es gibt auch implantierbare Event-Rekorder (LOOP-Recorder).
- Belastungs-EKG: Ein EKG, das während körperlicher Anstrengung durchgeführt wird, um Herzrhythmusstörungen auszulösen.
- Elektrophysiologische Untersuchung (EPU): Eine invasive Untersuchung, bei der Katheter über die Leistenvenen zum Herzen geführt werden, um die elektrische Aktivität des Herzens zu messen und die Lage der zusätzlichen Leitungsbahn zu bestimmen.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung des WPW-Syndroms zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und das Auftreten von Herzrhythmusstörungen zu verhindern. Die Behandlungsoptionen umfassen:
- Vagusmanöver: Techniken, die den Vagusnerv stimulieren, um den Herzschlag zu verlangsamen. Dazu gehören tiefes Einatmen und Anhalten der Luft, Massieren der Halsschlagader, Trinken von eiskaltem Wasser oder Auflegen eines Eisbeutels auf das Gesicht.
- Medikamente: Antiarrhythmische Medikamente wie Adenosin, Ajmalin oder Betablocker können eingesetzt werden, um das Herzrasen zu stoppen oder zu verhindern.
- Elektrokardioversion: Ein kurzer Stromstoß, der über Elektroden auf der Brust abgegeben wird, um das Herz in seinen normalen Rhythmus zurückzubringen.
- Katheterablation: Die effektivste Behandlungsmethode, bei der die zusätzliche Leitungsbahn im Herzen verödet wird.
Katheterablation
Die Katheterablation ist ein minimalinvasiver Eingriff, bei dem ein Katheter über ein Blutgefäß in der Leiste zum Herzen geführt wird. Mithilfe von Röntgenaufnahmen und der Analyse elektrischer Signale wird die zusätzliche Leitungsbahn lokalisiert. Anschließend wird die Leitungsbahn durch Hitze (Radiofrequenzablation) oder Kälte (Kryoablation) verödet.
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Die Katheterablation ist in fast 99 Prozent der Fälle erfolgreich und kann das WPW-Syndrom dauerhaft heilen. Nach einer erfolgreichen Ablation treten die Herzrhythmusstörungen in der Regel nicht mehr auf.
Lebenserwartung und Prognose
In den meisten Fällen hat das WPW-Syndrom keinen Einfluss auf die Lebenserwartung. Die Symptome sind in der Regel nicht lebensbedrohlich, können aber sehr unangenehm sein und die Lebensqualität beeinträchtigen.
Es besteht jedoch ein geringes Risiko für Komplikationen, insbesondere bei Menschen mit häufigem Herzrasen oder in Kombination mit anderen Herzerkrankungen wie Vorhofflimmern. In seltenen Fällen kann es zu Kammerflimmern kommen, einer lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörung, die zum plötzlichen Herztod führen kann.
Das Risiko für einen plötzlichen Herztod bei Menschen mit WPW-Syndrom wird auf etwa 3 Prozent geschätzt. Dieses Risiko ist jedoch geringer bei Menschen, die sich einer Katheterablation unterziehen.
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