Wolff-Parkinson-White-Syndrom: Todesfälle und Lebenserwartung

Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom) ist eine angeborene Herzanomalie, die durch eine zusätzliche Leitungsbahn zwischen den Herzvorhöfen und Herzkammern gekennzeichnet ist. Diese zusätzliche Bahn kann zu anfallsartigem Herzrasen (Tachykardie) führen, bei dem das Herz mit einer Frequenz von 150 bis 250 Schlägen pro Minute schlägt. Obwohl das WPW-Syndrom an sich die Lebenserwartung normalerweise nicht verkürzt, kann es in bestimmten Fällen gefährlich werden und sogar zum plötzlichen Herztod führen.

Was ist das Wolff-Parkinson-White-Syndrom?

Das WPW-Syndrom ist eine Herzrhythmusstörung, die auf eine zusätzliche Leitungsbahn zwischen Herzvorhof und Herzkammer zurückzuführen ist. Normalerweise werden Herzschläge durch elektrische Signale ausgelöst, die im Sinusknoten im rechten Herzvorhof entstehen. Diese Signale werden über elektrische Leitungsbahnen zum AV-Knoten geleitet, der sich zwischen Herzvorhof und Herzkammer befindet. Beim WPW-Syndrom existiert jedoch eine zusätzliche Leitungsbahn, die parallel zu der normalen Leitung verläuft und als Abkürzung für den Impuls zwischen Herzvorhof und Herzkammer dient.

Diese zusätzliche Leitungsbahn, historisch als "Kent-Bündel" bezeichnet, umgeht den AV-Knoten und erregt einen Teil der Kammermuskulatur vorzeitig. Im EKG zeigt sich dies als kleine "Vorwelle" vor der Kammeraktion, die als Deltawelle bezeichnet wird.

Die Erkrankung kommt bei 0,1-0,3 % der Bevölkerung vor. Davon zeigt etwa die Hälfte keine weiteren Anzeichen für eine Herzerkrankung. Der Zustand ist ca. doppelt so oft bei Männern wie bei Frauen anzutreffen. Typisch ist, dass es sich um junge und ansonsten gesunde Menschen handelt.

Symptome des WPW-Syndroms

Nicht alle Personen mit einer zusätzlichen Leitungsbahn im Herzen haben auch Symptome. Bei manchen wird die typische Deltawelle im EKG als Zufallsbefund im Rahmen einer Routineuntersuchung festgestellt (asymptomatisches WPW). Beim klassischen WPW-Syndrom tritt jedoch anfallsartiges Herzrasen (Tachykardie) auf.

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Die Symptome des WPW-Syndroms können variieren, umfassen jedoch typischerweise:

  • Anfallartiges Herzrasen mit einem Puls von 150-250 Schlägen pro Minute
  • Unangenehmes Herzklopfen
  • Atemnot
  • Brustschmerzen
  • Schwäche
  • Schwindel
  • In seltenen Fällen Ohnmacht

Die Anfälle von Herzrasen können Sekunden bis Stunden dauern und werden von den Betroffenen oft als sehr unangenehm empfunden. Sie treten häufig situationsunabhängig auf, können aber bei manchen Menschen durch körperliche Anstrengung oder Aufregung hervorgerufen werden.

Diagnostik des WPW-Syndroms

Die Diagnose des WPW-Syndroms erfolgt in der Regel anhand eines Elektrokardiogramms (EKG), das die charakteristische Deltawelle zeigt. Bei Verdacht auf WPW-Syndrom wird der Arzt zunächst Fragen zu den Symptomen stellen, beispielsweise wie oft Anfälle von Herzrasen auftreten, wie lange diese dauern und ob sie zu Schwindel oder Ohnmacht geführt haben. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung.

Weitere diagnostische Maßnahmen können sein:

  • Langzeit-EKG: Ein tragbares EKG-Gerät zeichnet für 24 Stunden den Herzschlag auf, um eine Tachykardie zu erfassen.
  • Event-Rekorder: Ein kleines Gerät, das über einen längeren Zeitraum getragen wird und bei Auftreten von Herzrasen aktiviert wird, um die Herzaktion aufzuzeichnen. Es gibt auch implantierbare Rekorder (LOOP-Recorder).
  • Belastungs-EKG: Eine körperliche Belastung auf einem Hometrainer löst in einigen Fällen eine Tachykardie aus.
  • Elektrophysiologische Untersuchung (EPU): Eine Herzkatheteruntersuchung, bei der dünne Drähte (Katheter) über die Leistenvenen zum Herzen vorgeschoben werden, um elektrische Signale an verschiedenen Stellen der Herzmuskelwand zu messen.

Risiken und Komplikationen des WPW-Syndroms

Obwohl das WPW-Syndrom in den meisten Fällen gutartig ist, besteht ein gewisses Risiko für Komplikationen:

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  • Stürze und Unfälle: Plötzlich einsetzender Schwindel oder Ohnmacht können zu Stürzen und Unfällen führen, insbesondere bei älteren und vorerkrankten Personen.
  • Schwere Herzkomplikationen: In Kombination mit Vorhofflimmern kann das WPW-Syndrom zur Entstehung von Kammerflimmern führen, einer lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörung, die zum plötzlichen Herztod führen kann.
  • Plötzlicher Herztod: Das Risiko, dass das Herz im Laufe des Lebens akut versagt und zum Kreislaufstillstand führt, liegt bei Menschen mit WPW-Syndrom bei etwa drei Prozent.

Das Risiko für den plötzlichen Herztod ist zwar gering, aber nicht gleich null. Daher ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung des WPW-Syndroms wichtig, um Komplikationen zu vermeiden.

Behandlung des WPW-Syndroms

Die Behandlung des WPW-Syndroms hängt von den Symptomen und der Risikoeinschätzung ab.

  • Katheterablation: Die wirksamste Behandlungsmethode ist die Katheterablation, bei der die zusätzliche Leitungsbahn im Herzen verödet oder vereist wird. Die Erfolgsrate liegt bei etwa 90 Prozent, und die Komplikationsrate ist niedrig.
  • Medikamente: Medikamente wie Betablocker können Anfälle von Herzrasen lindern oder im Akutfall beenden.
  • Elektrokardioversion: Bei einer Tachykardie kann eine Elektrokardioversion erforderlich sein, bei der das Herz über zwei Elektroden auf der Brust einen kurzen Stromstoß erhält, um den normalen Rhythmus wiederherzustellen.
  • Vagus-Manöver: Bei akutem Herzrasen können einfache Maßnahmen wie eine kalte Dusche, das Trinken eines kalten Getränks oder ein Handstand helfen, den Vagusnerv zu aktivieren und den AV-Knoten kurz zu blockieren.

WPW-Syndrom und Sport

Menschen mit WPW-Syndrom können in der Regel ein normales Leben führen und ohne Einschränkungen Sport treiben. Allerdings sollten sie sich vor der Ausübung von Leistungssport oder Risikosportarten von einem Kardiologen beraten lassen, um das individuelle Risiko einzuschätzen.

Bei Sportlern mit WPW-Syndrom ist es wichtig, auf Warnzeichen wie Herzrasen, Schwindel oder Ohnmacht zu achten und bei Bedarf sofort einen Arzt aufzusuchen. In einigen Fällen kann eine Katheterablation empfohlen werden, um das Risiko von Komplikationen während des Sports zu minimieren.

Plötzlicher Herztod bei Sportlern

Der plötzliche Herztod bei Sportlern ist ein seltenes, aber tragisches Ereignis, das oft auf unerkannte Herzfehler zurückzuführen ist. Die Häufigkeit des plötzlichen Herztodes liegt bei jährlich bei 2 von 100.000 von Sportlerinnen, es sind hauptsächlich Männer betroffen. Nur bei einem kleinen Bruchteil der Sportlerinnen mit schweren Herzerkrankungen sind diese Anomalien vorab diagnostiziert worden.

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Zu den häufigsten Ursachen für den plötzlichen Herztod bei jungen Sportlern zählen:

  • Hypertrophe Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung)
  • Angeborene Anomalien der Koronargefäße
  • Myokarditis (Herzmuskelentzündung)
  • Arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie
  • Long-QT-Syndrom (genetische Störung der Ionenkanäle im Herzen)
  • Wolff-Parkinson-White-Syndrom

Um das Risiko des plötzlichen Herztodes bei Sportlern zu verringern, werden sportärztliche Vorsorgeuntersuchungen empfohlen, insbesondere für Personen ab dem 35. Lebensjahr und für Menschen mit erhöhtem Risiko für eine Herzerkrankung. Diese Untersuchungen umfassen in der Regel ein Gespräch mit standardisiertem Fragebogen, eine körperliche Untersuchung und ein EKG.

Lebenserwartung und Prognose beim WPW-Syndrom

Das WPW-Syndrom an sich senkt die Lebenserwartung normalerweise nicht. Die meisten Betroffenen haben eine normale Lebenserwartung und können ein aktives Leben führen. Allerdings besteht bei Menschen mit häufigem Herzrasen ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen, die in seltenen Fällen lebensbedrohlich sein können.

Eine erfolgreiche Katheterablation kann das WPW-Syndrom in fast 99 Prozent der Fälle heilen und das Risiko von Komplikationen deutlich reduzieren. Daher ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung des WPW-Syndroms wichtig, um die bestmögliche Prognose zu gewährleisten.

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