Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die das Leben der Betroffenen in vielfältiger Weise beeinflussen kann. Gerade in Kiel ist es wichtig, dass MS-Erkrankte ein Umfeld vorfinden, das ihnen ein möglichst selbstbestimmtes und barrierefreies Leben ermöglicht. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Wohnmöglichkeiten, Unterstützungsangebote und Initiativen in Kiel, die speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit MS zugeschnitten sind.
Die AUGUST-BIER-KLINIK: Neurologische Kompetenz in Schleswig-Holstein
Die AUGUST-BIER-KLINIK in Bad Malente bietet als Fachzentrum für neurologische Erkrankungen umfassende Unterstützung für Menschen mit MS. Direkt am See gelegen, bietet die Klinik medizinisch-therapeutische Leistungen und eine komfortable Ausstattung. Ein interdisziplinäres Team aus Neurologen, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Neuropsychologen arbeitet zusammen, um neurologische Erkrankungen zu stabilisieren, Sekundärkomplikationen zu vermeiden und Funktionseinschränkungen zu verbessern. Ziel ist es, das verbliebene Leistungsvermögen der Patient*innen durch Ersatz- und Anpassungsstrategien zu optimieren.
Teilhabe und Barrierefreiheit in Kiel: Ein Überblick
Die Landeshauptstadt Kiel setzt sich aktiv für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen ein. Das Leitbild für Barrierefreiheit betont, dass Beeinträchtigungen nicht behindern dürfen, wenn das Umfeld barrierefrei gestaltet ist.
Anlaufstellen für Informationen und Unterstützung
- Leitstelle für Menschen mit Behinderung im Amt für Soziale Dienste: Erste Anlaufstelle für allgemeine Informationen, Freizeitangebote und Treffpunkte.
- Eingliederungshilfe im Amt für Soziale Dienste: Unterstützung bei der Gestaltung eines selbstbestimmten Lebens trotz Beeinträchtigung, Klärung von Ansprüchen und finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten.
- Landesamt für soziale Dienste (zuständig für Kieler*innen in Neumünster): Beantragung eines Schwerbehindertenausweises, der zu Nachteilsausgleichen wie Parkerleichterungen, Befreiung von Rundfunkgebühren und freier Nutzung von Bussen und Bahnen berechtigt.
- Beirat für Menschen mit Behinderung: Vertritt die Interessen von Menschen mit Beeinträchtigungen in Kiel, berät politische Gremien und die Stadtverwaltung, setzt sich für ein inklusives Miteinander ein.
- Sozialraumteam: Bietet kostenlose, individuelle Beratung und Information im jeweiligen Ortsteil, vermittelt Kontakte zu Unterstützungsmöglichkeiten.
- Landesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen Schleswig-Holstein e.V.: Ansprechpartner für Menschen mit Beeinträchtigungen, insbesondere Beratung und Begleitung von Eltern mit Kindern mit Beeinträchtigungen.
Wohnen in Kiel: Barrierefreiheit als Schlüssel zur Teilhabe
Barrierefreier Wohnraum ist eine wichtige Voraussetzung für ein selbstständiges Leben und die Teilhabe von Menschen mit MS. Da das Angebot an barrierefreien Wohnungen in Kiel begrenzt ist, engagiert sich die Stadt für die Schaffung neuer inklusiver Stadtquartiere.
- Koordinator*in für das Quartiersmanagement: Initiiert und begleitet quartiers- und stadtteilorientierte Projekte, um nachbarschaftliche Aktivitäten und Teilhabechancen zu fördern.
- Kommunale Wohnungsvermittlung: Hilft bei der Suche nach barrierefreien Wohnungen, listet jedoch nicht alle verfügbaren Angebote auf. Es empfiehlt sich, direkt bei Hausverwaltungen, Maklerbüros und Vermieter*innen nachzufragen.
- Umbau von Mietwohnungen: Die Pflegeversicherung bezuschusst Umbaumaßnahmen wie den Einbau einer ebenerdigen Dusche oder die Entfernung von Schwellen mit bis zu 4.000 Euro, sofern ein Pflegegrad vorliegt. Die Zustimmung des Vermieters ist erforderlich.
- Förderung des barrierefreien Ausbaus von Wohnungseigentum: Unter bestimmten Voraussetzungen kann der barrierefreie Ausbau von Wohnungseigentum gefördert werden.
- Wohngeld: Haushalte mit geringem Einkommen können Wohngeld beantragen. Das Wohngeldgesetz sieht für Menschen mit Schwerbehinderung besondere Freibeträge vor.
- Beratungsstelle für Barrierefreies Bauen: Bietet Planer*innen und Privatpersonen kostenfreie und umfassende Informationen über die barrierefreie Gestaltung von Gebäuden und deren Umfeld.
- Unterstütztes Wohnen: In Kiel gibt es ein breites Angebot, um mit Unterstützung in der eigenen Wohnung zu leben. Alternativ gibt es Wohngruppen für Menschen mit einem hohen Unterstützungsbedarf.
Bildung und lebenslanges Lernen für Menschen mit MS in Kiel
Die Landeshauptstadt Kiel setzt sich dafür ein, barrierefreie Voraussetzungen für Bildung und lebenslanges Lernen in Bildungseinrichtungen wie Universitäten, Fachhochschulen, Volkshochschulen und Akademien zu schaffen.
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Unterstützung in verschiedenen Altersstufen
- Frühkindliche Förderung: Bei Entwicklungsverzögerungen des Kindes können Kinderärzte und das Gesundheitsamt erste Ansprechpartner sein. Alle Kinder ab dem ersten Lebensjahr können in Kindertageseinrichtungen aufgenommen werden, unabhängig von einer Beeinträchtigung.
- Schulische Bildung: Die Schuluntersuchung vor der Einschulung und beim Übergang in eine weiterführende Schule gibt wichtige Hinweise auf die geeignete Schulart. Bei individuellen Schwierigkeiten kann spezieller Unterricht in Förderzentren in Anspruch genommen werden. Integrative Hilfen und bauliche Maßnahmen können einen Schulbesuch ermöglichen oder erleichtern.
- Berufsorientierung: In den Förderzentren für geistige und motorische Entwicklung werden die letzten drei Schuljahre in Form einer Werkstufe organisiert, um die Schüler*innen auf das Berufsleben vorzubereiten. Das Projekt Übergang Schule-Beruf unterstützt die Berufsorientierung und das Jobcoaching.
- Studium: Studierende mit Beeinträchtigung oder chronischer Erkrankung können sich von den Beauftragten der Kieler Hochschulen beraten lassen.
- Grundbildung: Das Grundbildungszentrum der Förde-VHS ist Beratungs- und Vernetzungsstelle für Menschen mit geringer Grundbildung und deren Umfeld.
Berufliche Teilhabe von Menschen mit MS in Kiel
Viele Menschen mit Beeinträchtigungen sind berufstätig. Die Agentur für Arbeit Kiel bietet im Berufsinformationszentrum (BiZ) Informationen über Berufe und Ausbildungswege.
Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten
- Berufsberatung: Berufsberater*innen der Agentur für Arbeit Kiel bieten Informationsstunden an allen Schulen und Förderschulen an.
- Berufliche Rehabilitation: Menschen mit Beeinträchtigung können eine Ausbildung in einer speziellen Einrichtung absolvieren oder sich umschulen bzw. fortbilden lassen.
- Berufsvorbereitende und berufsfördernde Kurse: Bei beruflichen Schwierigkeiten aufgrund von Beeinträchtigungen können berufsvorbereitende und sonstige berufsfördernde Kurse besucht werden.
- Berufliche Eingliederung: Unterstützung bei der Erhaltung oder Sicherung des Arbeits- oder Ausbildungsplatzes.
- Integrationsfachdienst: Beratung und Unterstützung bei besonderem Unterstützungsbedarf und psychosozialer Betreuung am Arbeits- oder Ausbildungsplatz.
- Werkstätten für Menschen mit Beeinträchtigung: Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit seelischen und geistigen Erkrankungen.
- Projekt „Übergänge schaffen - Arbeit inklusiv“: Finanziert den Übergang von schwerbehinderten Menschen aus Werkstätten oder Beschäftigungsprojekten in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Arbeitgeber*innen, die Personen aus der genannten Zielgruppe einstellen, können einen Lohnkostenzuschuss und eine Prämie erhalten.
Barrierefreie Mobilität in Kiel
Barrierefreiheit ist mehr als nur "rollstuhlgerecht". Maßnahmen zur Überwindung von Barrieren in der Mobilität müssen vielseitig, mehrsinnig und an den Adressat*innen orientiert sein.
Angebote für barrierefreie Mobilität
- Busse: Nahezu alle Busse in Kiel sind Niederflurbusse und somit barrierefrei zugänglich. Sie sind außerdem mit akustischen und optischen Haltestellenanzeigen ausgestattet.
- Bahnen: Auf den Bahnstrecken von und nach Kiel werden überwiegend Züge mit barrierefreiem Zugang eingesetzt. Die Bahn organisiert Hilfe für Rollstuhlfahrer*innen, blinde und sehbehinderte Menschen.
- Fördeschiffe: Viele Fähranleger sind barrierefrei ausgebaut.
- ÖPNV: Menschen mit einer Wertmarke vom Landesamt für soziale Dienste können in allen Bussen des ÖPNV kostenlos fahren.
- Kfz-Steuer: Bei Vorlage eines Schwerbehindertenausweises mit dem Merkzeichen G oder GL kann die Kfz-Steuer um 50 Prozent gesenkt werden.
- Behindertenparkplätze: Der Online-Stadtplan Kiel listet die Kieler Behindertenparkplätze auf.
- Barrierefreie Toiletten: Der Online-Stadtplan Kiel listet barrierefreie Toiletten auf. Der Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel (ABK) ist für die öffentlichen Toiletten zuständig.
- Toilette für Alle: Kiel verfügt über eine "Toilette für Alle" mit einem großen Toilettenraum, einer Liege und einem Personen-Lifter. Eine weitere Toilette für Alle ist mobil.
- Euroschlüssel: Den Euroschlüssel für behindertengerechte Toiletten erhalten Menschen mit Schwerbehindertenausweis und dem Merkzeichen aG, B, H oder Bl.
Herausforderungen und Lösungsansätze: Wohnraum für MS-Erkrankte in Kiel
Trotz der vielfältigen Bemühungen um Barrierefreiheit und Teilhabe stehen Menschen mit MS in Kiel vor Herausforderungen, insbesondere bei der Wohnungssuche.
Der Fall Petina Fritzler: Wohnungsmangel und bürokratische Hürden
Die Geschichte von Petina Fritzler, einer MS-Erkrankten aus Kiel, verdeutlicht die Problematik des Wohnungsmangels und die bürokratischen Hürden bei der Suche nach barrierefreiem und bezahlbarem Wohnraum. Trotz ihrer Berufstätigkeit benötigt sie eine barrierefreie Wohnung, die sie auch mit einer Erwerbsminderungsrente bezahlen könnte. Die Notwendigkeit eines Wohnberechtigungsscheins, den sie aufgrund ihres Einkommens nicht erhält, erschwert ihre Situation zusätzlich.
Lösungsansätze für mehr Barrierefreiheit und bezahlbaren Wohnraum
- Ausbau des Angebots an barrierefreien Wohnungen: Die Schaffung neuer barrierefreier Wohnungen mussPriorität haben, um den Bedarf zu decken.
- Flexible Wohnraumförderung: Die Vergabe von Wohnberechtigungsscheinen sollte flexibler gestaltet werden, um die individuelle Situation von Menschen mit MS zu berücksichtigen, insbesondere bei absehbarer Einkommensminderung.
- Beratung und Unterstützung bei der Wohnungssuche: Betroffene benötigen umfassende Beratung und Unterstützung bei der Wohnungssuche, um geeignete Angebote zu finden und bürokratische Hürden zu überwinden.
- Sensibilisierung für die Bedürfnisse von Menschen mit MS: Vermieter*innen und Hausverwaltungen sollten für die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit MS sensibilisiert werden, um Vorurteile abzubauen und die Vermietung von barrierefreien Wohnungen zu erleichtern.
Wohnformen und Unterstützungsangebote für Menschen mit MS
Neben dem klassischen Wohnen in einer barrierefreien Wohnung gibt es verschiedene alternative Wohnformen und Unterstützungsangebote, die auf die Bedürfnisse von Menschen mit MS zugeschnitten sind.
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Servicehäuser
Servicehäuser bieten eine Kombination aus selbstgestaltetem Umfeld und flexibler Versorgung. Pflegendes Personal oder hauswirtschaftliche Serviceleistungen können flexibel dazu gebucht werden. Einige Servicehäuser haben sich auf Menschen mit MS spezialisiert.
Integrative Wohnprojekte
Integrative Wohnprojekte basieren auf dem Prinzip der Dorfgemeinschaft und fördern Kommunikation und psychosoziale Aspekte. Die MS und ihre Beeinträchtigungen treten in den Hintergrund. Ein Beispiel ist das Schammatdorf in Trier, in dem rund 300 Personen mit unterschiedlich starken Beeinträchtigungen leben.
Wohngemeinschaften
Menschen mit MS können eine Wohngemeinschaft gründen und den Alltag in Eigenregie organisieren.
Betreutes Wohnen
Das Eller-Elmsch Wohnviertel in Kiel bietet ein Konzept für betreutes Wohnen mit barrierearmen Wohnungen und vielfältigen Pflege- und Betreuungsleistungen, von ambulanter Pflege über Tagespflege bis hin zu Mahlzeiten-Service und Alltags- und Haushaltshilfen.
Wohnen mit MS im Linerhaus
Das Linerhaus bietet Wohnangebote für Menschen mit MS, die nicht mehr alleine wohnen können. In einem Wohnheim wohnen 24 Menschen mit MS in Einzelzimmern mit Bad und kleinem Garten. Es werden Hilfe, Pflege und Betreuung angeboten. Eine Tagesförderung mit verschiedenen Angeboten wie Malen, Basteln und Ausflügen wird ebenfalls angeboten.
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Ambulante Intensivpflege bei schweren MS-Verläufen
Schwere MS-Verläufe können eine ambulante Intensivpflege notwendig machen. Diese kann die Betroffenen in ihrem häuslichen Umfeld unterstützen und eine hohe Lebensqualität ermöglichen.