Migräne und Bruxismus (Zähneknirschen) sind weit verbreitete Gesundheitsprobleme, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Während herkömmliche Behandlungsmethoden oft nur begrenzt wirken, hat sich die Botox-Behandlung als vielversprechende Option etabliert. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Botox bei Migräne und Bruxismus, die damit verbundenen Kosten und die Möglichkeiten der Kostenerstattung durch Krankenkassen.
Bruxismus: Ursachen, Folgen und Behandlung mit Botox
Bruxismus, das unbewusste Zähneknirschen, betrifft viele Menschen und kann sowohl im Schlaf (Schlafbruxismus) als auch im wachen Zustand (Wachbruxismus) auftreten.
Ursachen und Folgen von Bruxismus
Unbewusstes, meist nächtliches Zähneknirschen wird als Bruxismus bezeichnet. Im Milchgebiss kann Zähneknirschen durchaus normal sein und biologische, wachstumsbedingte Gründe haben. Bruxismus ist oft stressbedingt, wobei Betroffene unbewusst die Muskeln anspannen, vor allem im Bereich von Kiefer und Gesicht sowie im Bereich des Nackens, der Schulter und des Rückens. Durch das Aufeinanderpressen der Zähne, nachts mit bis zu zehnfach erhöhter Kaukraft, werden vor allem die Zahnsubstanz, der Zahnhalteapparat, die Kiefergelenke (craniomandibuläre Dysfunktion) und die Kaumuskeln stark geschädigt. Langzeitschäden können nicht nur lokal, sondern auch ganzheitlich wirken. Bruxismus kann zu einer Reihe von Problemen führen:
- Abgenutzte Zähne: Durch das Knirschen werden die Zähne stark abgerieben, was zum Verlust der Zahnhartsubstanz führen kann. Mediziner und Medizinerinnen nennen diese Abnutzung Abrasion und bezeichnen damit auch den Verlust der sogenannten Zahnhartsubstanz. Gekennzeichnet sind diese „abradierten“ Zähne durch den Verlust von Fissuren, Höckern, Schneidekanten und Schliff-Facetten, auch eine damit verbundene Bisssenkung ist möglich. Häufig sind außerdem Riefen (Rillen) oder Zahnsprünge, das sind Risse in der Zahnhartsubstanz, zu beobachten.
- Muskelverspannungen und Schmerzen: Die ständige Anspannung der Kaumuskulatur kann zu Verspannungen und Schmerzen im Kiefer-, Kopf- und Nackenbereich führen.
- Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD): Funktionseinschränkungen der Kieferbewegung, Kiefergelenkknacken oder Kiefergeräusche können auftreten. Solche Störungen der gesamten Kieferbewegung äußern sich unter anderem als Mundöffnungseinschränkung oder als Seitenabweichung des Unterkiefers.
Behandlung von Bruxismus mit Botox
Botox Behandlungen reduzieren die Aktivität der Kaumuskulatur. Unangenehme Verspannungen und Schmerzen im Kiefergelenk- und Kaumuskelbereich werden durch die Injektion von Muskelrelaxans sehr effektiv beseitigt. Die schmerzarme Behandlung dauert nur wenige Minuten, die Wirkung hält durchschnittlich ca. Mit einigen gezielten Botox Injektionen in einem der Kaumuskeln kann man somit vorübergehend die Kraft, mit der die Zähne aufeinandergepresst werden, reduzieren und somit das Problem des Bruxismus erheblich lindern. Die Anwendung von Botox-Unterspritzungen zur Muskelentspannung ist auch bei Bruxismus Behandlungen äußerst risikoarm.
Weitere Behandlungsmethoden:
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- Physiotherapeutische, psychotherapeutische und hypnotherapeutische Behandlungen sowie das Biofeedback zielen auf eine Verminderung der Bruxismusaktivität und auf eine Linderung von Schmerzen.
- Aufbissschienen: Sie schützen die Zähne vor weiteren Schäden, sollten aber nicht jede Nacht getragen werden, um einen Gewöhnungseffekt zu verhindern.
- Stressbewältigung: Entspannungstechniken wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen. Bei anhaltendem Stress und psychischen Beschwerden ist es sinnvoll, ärztlichen Rat zu suchen. Womöglich kann eine Psychotherapie helfen.
- Schlafhygiene: Regelmäßige Schlafzeiten, eine angenehme Raumtemperatur und der Verzicht auf elektronische Geräte im Schlafzimmer können einen gesunden Schlaf fördern.
Migräne: Ursachen, Symptome und Behandlung mit Botox
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist.
Ursachen und Symptome von Migräne
Migräne gehört mit über acht Millionen Betroffenen zu den häufigsten Kopfschmerzformen. Man unterscheidet zwischen der episodischen und der chronischen Form. Bei Letzterer kommt es zu mehr als 15 Kopfschmerz- und mindestens acht Migränetagen pro Monat. 75 Prozent der Patienten mit dieser Form leiden an zahlreichen Komorbiditäten, vor allem an psychischen Erkrankungen wie Depression und Angststörungen. Bei einem Migräne-Anfall werden bestimmte Muskeln im Gesicht-, Nacken- und Halsbereich derartig aktiviert, dass der Bluttransport zum Gehirn in benachbarten Gefäßen behindert wird. Die starke Muskelanspannung und die verminderte Blutversorgung verursachen Migräne-Kopfschmerzen. Wie genau Botox bei Migränen wirkt, ist kompliziert zu erklären - auch weil wir immer noch nicht so viel über diese Art der Kopfschmerzen wissen. Sicher ist aber, dass die Betroffenen ein sehr „leicht reizbares“ Gehirn haben, weshalb bereits ein kleiner, unscheinbar wirkender Trigger (wie Luftdruckveränderungen, Dehydrierung oder Hormonlevelveränderungen), eine Migräne auslösen kann, erklärt Dr. Ravitz. „Die Patient*innen sind immer an der Schwelle zu mehrstufigen chemischen und elektrischen Prozessen, die im Körper stattfinden“, so Dr. Ravitz. 25 bis 30 Prozent der Betroffenen durchlaufen vier handlungsunfähig machende Stufen während einer Migräne: Es beginnt mit der visuellen Aura, dann folgen stechende Kopfschmerzen sowie Übelkeit und Erbrechen. Die letzte Phase fühlt sich dann wie ein sehr heftiger Kater an.
Behandlung von Migräne mit Botox
Botox Injektionen entspannen die Muskeln, behindern die Schmerzweiterleitung und wirken dadurch direkt auf die Ursache der Migräne. Bewährten Behandlungsprotokollen entsprechend werden bei der Botox Migräne Therapie bis zu 39 Injektionspunkte gesetzt. In der Regel hält die Botox Wirkung bei Migräne 3-4 Monate an. Ungeachtet dessen sollte im 1. Jahr ein Behandlungsintervall von 3 Monaten eingehalten werden. Bei guter Wirkung kann im 2. Jahr versucht werden, das Intervall auf 4 Monate auszudehnen. Unter günstigen Bedingungen kann die Behandlung im weiteren Verlauf auch abgesetzt werden. Botox Präparate sind zur Behandlung von chronischer Migräne zugelassen wenn Patienten auf orale vorbeugende Medikamente nicht angesprochen oder diese nicht vertragen haben. Expert*innen glauben, Botox würde eine spezielle Art der Neurotransmission (Übertragung von Informationen zwischen Zellen) blockieren. Vereinfach gesagt sorgt das dafür, dass das Schmerzsignal nicht weitergeleitet wird. „Botox bringt den gesamten Prozess zum Erliegen, so dass die Neuronen nicht mit den Muskeln kommunizieren können“, so Dr. Ravitz. Wenn das Nervengift regelmäßig in Kopfhaut, Nacken, Schultern, Schläfen und Stirn injiziert wird, kann es die Anzahl der Migränen, die Betroffene erleiden um bis zu 50 Prozent senken. Soweit die Theorie.
Andere Behandlungsmethoden:
- Neben der nichtmedikamentösen Prophylaxe und der medikamentösen Akuttherapie kommt für Patientinnen und Patienten mit mindestens vier Migränetagen pro Monat der Einsatz von prophylaktisch wirksamen Medikamenten in Frage.
- Eingesetzt werden sollen primär Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin und Clostridium botulinum Toxin Typ A (nur chronische Migräne). Sollten diese Wirkstoffe unwirksam, unverträglich oder kontraindiziert sein, können die Antikörper Erenumab (Aimovig®), Galcanezumab (Emgality®), Fremanezumab (Ajovy®), Eptinezumab (Vyepti®) oder der seit dem 1. März 2025 verfügbare CGRP-Antagonist Atogepant (Aquipta®) eingesetzt werden. Atogepant wird im Vergleich zur parenteraler Gabe der Antikörper oral verabreicht.
Kosten und Kostenerstattung der Botox-Behandlung
Die Kosten für eine Botox-Behandlung variieren je nach Anwendungsgebiet, Dosierung und behandelnder Arzt.
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- Preis der Migräne Botox Behandlungen: ab 270 Euro.
Kostenerstattung bei Migräne
Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten der Botox Behandlung gegen Migräne. Voraussetzung für die Kostenübernahme: Die Erkrankung Migräne muss zweifelsfrei vorliegen und die Therapie mit mindestens 2-3 herkömmlichen Medikamenten (wie z.B. Metoprolol, Flunarizin, Topiramat) muss zuvor erfolglos versucht worden sein. In Deutschland wurde Botulinumneurotoxin A 2011 zur Behandlung von chronischer Migräne zugelassen. Damit die Krankenkasse die Behandlungskosten (etwa 200 bis 400 Euro pro Sitzung) jedoch übernimmt, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. So muss die oder der Betroffene mehr als 15 Tage im Monat Kopfschmerzen haben - und mindestens 8 davon Migräne. Außerdem muss nachgewiesen werden, dass andere Medikamente nicht gewirkt haben.
Kostenerstattung bei Bruxismus
Die Kosten für das Spritzen des Muskelrelaxans Botulinumtoxin werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Bei privaten Krankenversicherungen ist es sinnvoll vorab eine Anfrage der Kostenübernahme zu stellen. Gesetzliche Krankenkassen sehen Botox als eine sogenannte off-label Anwendung für Bruxismus. Private Krankenkassen handhaben die Kostenübernahme unterschiedlich. Einige Versicherungen übernehmen die Kosten teilweise oder vollständig, insbesondere wenn die medizinische Notwendigkeit belegt ist.
Off-Label-Use und Kostenübernahme
In vielen Fällen gehen die Krankenkassen davon aus, dass die Behandlung von Bewegungsstörungen mit Botulinum-Toxin eine Behandlung außerhalb der zugelassenen Indikation (Off Label Use) darstellt. Mit dem GKV-Versorgungsstrukturgesetz wurde nun erstmalig eine gesetzliche Regelung für den Off Label Use geschaffen. Bezüglich der Kostenübernahme übernimmt der Gesetzestext die Regelung, die durch die Rechtsprechung vorgeschlagen wurde. Es muss eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf Heilung oder auf eine spürbar positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf bestehen. Bezüglich der Antragstellung für eine Kostenübernahme legt der Gesetzestext fest, dass die Krankenkasse über einen Antrag des Patienten oder Arztes zwingend entscheiden muss.
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