Migräne als Vorerkrankung: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, von der fast 15 Prozent der Deutschen betroffen sind. Sie geht über bloße Kopfschmerzen hinaus und kann das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Professor Hartmut Göbel, Gründer und ärztlicher Direktor der Schmerzklinik in Kiel, betont die Notwendigkeit einer spezifischen Diagnose und einer erfolgreichen Therapie, da viele Patienten früher aufgegeben und auf alternativmedizinische Behandlungen gehofft hatten.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende Kopfschmerzattacken auszeichnet. Diese Attacken dauern zwischen vier und 72 Stunden und sind oft von zusätzlichen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet. Bei einigen Betroffenen kündigt sich die Migräne durch eine Aura an, die mit neurologischen Reiz- und Ausfallerscheinungen wie Sehstörungen einhergehen kann.

Symptome einer Migräneattacke

  • Mittelschwere bis schwere, oft halbseitige Kopfschmerzen
  • Pulsierender oder pochender Schmerzcharakter
  • Verstärkung der Schmerzen bei körperlicher Aktivität
  • Übelkeit und/oder Erbrechen
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit
  • Eventuell Aura mit Sehstörungen, Sensibilitäts- oder Sprachstörungen

Ursachen und Auslöser

Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und verschiedenen endogenen und exogenen Faktoren eine Rolle spielt.

Genetische Faktoren

Migräne tritt in manchen Familien gehäuft auf, was auf eine genetische Komponente hindeutet. Eine bestimmte Genvariante, die beim Überleben in der Kälte hilft, kann die Krankheit auslösen. Diese Variante des Gens TRPM8 sorgt dafür, dass ein Mensch mit Kälte besser zurechtkommt. Sie tritt mit nördlicherem Breitengrad und in kühlerem Klima immer häufiger auf.

Auslösende Faktoren (Trigger)

Bestimmte innere und äußere Einflussfaktoren können eine Migräneattacke begünstigen. Dazu gehören:

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  • Stress und Aufregung
  • Entspannungsphasen nach Stress
  • Schlafmangel oder veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Körperliche Anstrengung
  • Hormonelle Veränderungen (z.B. Menstruation, Schwangerschaft, Wechseljahre)
  • Auslassen von Mahlzeiten
  • Bestimmte Lebensmittel (z.B. Käse, Alkohol, Kaffee, Schokolade)
  • Wetterumschwünge und Klimawechsel
  • Düfte und Gerüche
  • Helles oder flackerndes Licht

Migräne als Vorerkrankung

Migräne kann mit anderen Erkrankungen in Zusammenhang stehen und das Risiko für bestimmte Gesundheitsprobleme erhöhen.

Depressionen und Angststörungen

Menschen mit Migräne leiden häufiger an Depressionen und Angststörungen. Es ist möglich, dass die chronischen Schmerzen und Einschränkungen durch die Migräne zu psychischen Problemen führen. Es deutet darauf hin, dass die beiden Erkrankungen etwas gemeinsam haben - Gene oder Neurologie oder beides. Einige Antidepressiva können tatsächlich Migräne behandeln.

Schlaganfall

Migräne mit Aura ist mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko verbunden. Menschen, die an Migräne mit Aura leiden, haben ein etwa doppelt so hohes Schlaganfallrisiko wie die Allgemeinbevölkerung.

Epilepsie

Epilepsie und Migräne können beide mit Empfindungsstörungen und Stimmungsschwankungen einhergehen. Das eine verdoppelt das Risiko für das andere, aber beide können auch zuerst auftreten.

Herzkrankheiten

Menschen mit Migräne haben nicht nur ein höheres Schlaganfallrisiko, sondern auch ein höheres Risiko für Herzerkrankungen.

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Asthma

Auch wenn Asthma eine Atemwegserkrankung und Migräne eine neurologische Erkrankung ist, können beide zusammen auftreten.

Fettleibigkeit

Wenn Sie bereits unter Migräne leiden, kann Übergewicht die Beschwerden verschlimmern. Wenn Sie noch nie eine Migräne hatten, kann Fettleibigkeit sie sogar auslösen.

Andere Erkrankungen

Es gibt möglicherweise auch Zusammenhänge zwischen Migräne und der Parkinson-Krankheit, Verdauungsproblemen und der Bellschen Lähmung.

Diagnose

Die Diagnose von Migräne basiert in erster Linie auf der Anamnese und der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Der Arzt wird Fragen zu Art, Häufigkeit, Dauer und Begleiterscheinungen der Kopfschmerzen stellen. Ein Kopfschmerzkalender kann dabei helfen, die Attacken zu dokumentieren und mögliche Auslöser zu identifizieren.

Kopfschmerzkalender

Ein Kopfschmerzkalender ist ein wertvolles Hilfsmittel, um die Kopfschmerzen zu dokumentieren und mögliche Auslöser zu identifizieren. Er sollte folgende Informationen enthalten:

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  • Datum und Uhrzeit des Beginns und Endes der Kopfschmerzen
  • Art und Stärke der Schmerzen
  • Begleitsymptome (z.B. Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit)
  • Einnahme von Medikamenten
  • Mögliche Auslöser (z.B. Stress, bestimmte Lebensmittel, Wetterumschwünge)

Neurologische Untersuchung

In der Regel wird auch eine neurologische Untersuchung durchgeführt, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen. In einigen Fällen können weitere diagnostische Maßnahmen wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns erforderlich sein.

Behandlung

Die Behandlung von Migräne umfasst sowohl die Akuttherapie der Attacken als auch die vorbeugende Behandlung, um die Häufigkeit und Schwere der Attacken zu reduzieren.

Akuttherapie

Die Akuttherapie zielt darauf ab, die Symptome der Migräneattacke zu lindern. Dazu können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol, Triptane (spezifische Migränemittel) und Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen eingesetzt werden.

Vorbeugende Behandlung (Prophylaxe)

Eine vorbeugende Behandlung ist sinnvoll, wenn die Migräneattacken häufig auftreten oder die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden können, darunter Betablocker, Antidepressiva, Antiepileptika und CGRP-Antikörper.

CGRP-Antikörper

CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) ist ein Botenstoff, der bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle spielt. CGRP-Antikörper sind eine neue Klasse von Medikamenten, die gezielt gegen CGRP wirken und die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren können.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Behandlung von Migräne beitragen. Dazu gehören:

  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Stressmanagement
  • Entspannungstechniken (z.B. progressive Muskelentspannung, autogenes Training)
  • Regelmäßige körperliche Aktivität
  • Ernährungsumstellung (z.B. Vermeidung von Trigger-Lebensmitteln)
  • Biofeedback

Spezialisierte Behandlung in der Schmerzklinik Kiel

Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. Hartmut Göbel bietet eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen und anderen Kopfschmerzformen an. Die Klinik verfügt über ein interdisziplinäres Team aus Neurologen, Psychologen und Schmerztherapeuten, die eine umfassendeDiagnostik und individuelle Behandlungspläne anbieten.

Aufnahmeformalitäten

Für die Planung eines Aufnahmetermins in der Schmerzklinik Kiel sind folgende Schritte erforderlich:

  1. Der behandelnde Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
  2. Der Arzt füllt die Aufnahme-Checkliste aus.
  3. Der Patient füllt den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
  4. Alle Unterlagen und Kopien relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. werden an die Klinik gesendet.

Die Kostenübernahme erfolgt je nach Krankenkasse. Zahlreiche Krankenkassen haben eine integrierte Versorgung ihrer Versicherten mit dem Behandlungsnetz der Klinik vertraglich geregelt.

Leben mit Migräne

Migräne ist eine chronische Erkrankung, mit der man lernen muss zu leben. Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Tipps für den Alltag

  • Führen Sie einen Kopfschmerzkalender, um Auslöser zu identifizieren.
  • Vermeiden Sie bekannte Trigger.
  • Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus.
  • Sorgen Sie für ausreichend Entspannung und Stressabbau.
  • Treiben Sie regelmäßig Sport.
  • Ernähren Sie sich gesund und ausgewogen.
  • Nehmen Sie Medikamente rechtzeitig ein.
  • Suchen Sie professionelle Hilfe, wenn Sie mit der Migräne nicht zurechtkommen.

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