Ein Migräneanfall kann Betroffene unerwartet treffen und den Alltag stark beeinträchtigen. Plötzliche, meist einseitige, heftige Kopfschmerzen, Übelkeit und Empfindlichkeit gegen Geräusche und Licht sind typische Symptome. Für viele ist dies eine Qual, die Stunden oder sogar Tage andauern kann. Es gibt jedoch Möglichkeiten, frühzeitig etwas gegen einen Migräneanfall zu unternehmen und die Beschwerden zu lindern.
Was ist Migräne?
Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, anfallsartige Kopfschmerzen auszeichnet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Migräne als eine der am stärksten einschränkenden neurologischen Erkrankungen ein.
Symptome und Arten von Migräne
Die Symptome einer Migräneattacke können vielfältig sein. Typisch sind:
- Heftige, meist einseitige Kopfschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- Empfindlichkeit gegenüber Licht (Photophobie), Geräuschen (Phonophobie) und Gerüchen (Osmophobie)
Es gibt verschiedene Arten von Migräne:
- Migräne mit Aura: Bei etwa 15 bis 20 Prozent der Betroffenen treten vor den Kopfschmerzen neurologische Symptome auf, die sogenannte Aura. Diese kann sich in Form von Flimmern, Lichtblitzen, Sehstörungen, Kribbeln oder Sprachstörungen äußern.
- Migräne ohne Aura: Hier treten die Kopfschmerzen ohne vorherige Aura auf.
- Chronische Migräne: Von chronischer Migräne spricht man, wenn an mehr als 15 Tagen im Monat Kopfschmerzen auftreten, davon mindestens acht Tage mit Migräne-Symptomen.
- Augenmigräne: Vorübergehende Sehstörungen auf beiden Augen (seltener auf einem) können Anzeichen einer Augenmigräne sein. Patienten sehen dann Flimmern oder Lichtblitze oder sie haben ein eingeschränktes Sichtfeld.
Ursachen und Auslöser
Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.
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Es gibt eine Reihe von Faktoren, die Migräneattacken auslösen können, sogenannte Trigger. Diese sind von Person zu Person unterschiedlich. Häufige Trigger sind:
- Stress: Sowohl akuter als auch chronischer Stress kann Migräne auslösen.
- Schlafmangel oder unregelmäßiger Schlaf: Ein gestörter Schlafrhythmus kann Migräneattacken begünstigen.
- Hormonelle Veränderungen: Bei Frauen können hormonelle Schwankungen im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder den Wechseljahren Migräne auslösen.
- Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke: Einige Menschen reagieren empfindlich auf bestimmte Nahrungsmittel wie Käse, Rotwein, Schokolade oder Zitrusfrüchte.
- Wetterveränderungen: Plötzliche Temperaturwechsel oder Luftdruckschwankungen können Migräne auslösen.
- Sinnesreize: Helles Licht, laute Geräusche oder starke Gerüche können Migräneattacken triggern.
Was hilft bei einem akuten Migräneanfall?
Wenn Sie erste Anzeichen einer Migräne spüren, ist es wichtig, schnell zu handeln. Folgende Maßnahmen können helfen, die Beschwerden zu lindern:
- Ruhe und Dunkelheit: Ziehen Sie sich in einen dunklen, ruhigen Raum zurück und legen Sie sich hin. Schließen Sie die Augen und versuchen Sie, sich zu entspannen.
- Kühle Kompressen: Eine kalte Kompresse auf der Stirn oder im Nacken kann den Schmerz etwas betäuben.
- Pfefferminzöl: Ein paar Tropfen Pfefferminzöl auf Stirn und Schläfen einmassieren kann ebenfalls lindernd wirken.
- Kaffee: Eine Tasse Kaffee am Anfang der Migräne-Attacke getrunken, kann die Schmerzen lindern.
- Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken können rezeptfreie Schmerzmittel wie ASS, Paracetamol oder Ibuprofen helfen. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG) empfiehlt zur Selbstmedikation akuter Migräne-Attacken eine fixe Kombination aus ASS (250 bis 265 mg), Paracetamol (200 bis 265 mg) und Koffein (50 bis 65 mg). Die Kombination der Wirkstoffe sorgt dafür, dass das Schmerzmittel schneller und stärker wirkt.
- Triptane: Bei starken Migräneattacken können Ärzte Triptane verschreiben. Diese Wirkstoffe verengen die Blutgefäße im Gehirn und verhindern die Freisetzung von entzündlichen Eiweißstoffen. Einige Triptane sind rezeptfrei erhältlich.
- Antiemetika: Bei Migräneattacken, die mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen, können Antiemetika helfen. Diese können in Kombination mit Schmerzmitteln eingenommen werden.
Migräne in der Schwangerschaft
Viele Frauen erleben während der Schwangerschaft eine deutliche Besserung ihrer Migräne. Dies liegt vermutlich an dem stabilen Hormonspiegel. Wenn Migräneattacken dennoch auftreten, sollten Schwangere Schmerzmittel nur nach Absprache mit dem Arzt und in der niedrigstmöglichen Dosis einnehmen. Einige Schmerzmittel sind in der Schwangerschaft nicht geeignet.
Vorbeugung von Migräne
Um Migräneattacken vorzubeugen, können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden:
- Vermeidung von Triggern: Identifizieren Sie Ihre persönlichen Migräne-Trigger und versuchen Sie, diese zu vermeiden. Ein Kopfschmerztagebuch kann dabei helfen.
- Regelmäßiger Lebensstil: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus, feste Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeit.
- Stressmanagement: Erlernen Sie Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga, um Stress abzubauen.
- Sport: Regelmäßiger Ausdauersport wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen kann die Häufigkeit und Schwere der Migräneattacken reduzieren.
- Medikamentöse Prophylaxe: Bei häufigen oder schweren Migräneattacken kann der Arzt eine medikamentöse Prophylaxe verschreiben. Hier kommen beispielsweise Betablocker, Antiepileptika oder Kalziumkanalblocker zum Einsatz.
Migräne-Piercing: Ein neuer Ansatz?
In den letzten Jahren hat das sogenannte Migräne-Piercing an Popularität gewonnen. Dabei werden Piercings an bestimmten Akupunkturpunkten im Ohr gesetzt. Einige Betroffene berichten von einer Linderung ihrer Migränebeschwerden durch diese Methode. Es gibt jedoch noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit des Migräne-Piercings belegen. Einige Ärzte beobachten das Phänomen und führen Studien durch.
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Leben mit Migräne
Migräne kann den Alltag stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, die Erkrankung anzunehmen und Strategien zu entwickeln, um mit den Beschwerden umzugehen. Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann hilfreich sein. Auch eine offene Kommunikation mit dem Partner, der Familie und dem Arbeitgeber ist wichtig, um Verständnis und Unterstützung zu erhalten.
Mythen und Missverständnisse
Migräne wird oft als "normale" Kopfschmerzen abgetan. Dies ist jedoch ein Missverständnis. Migräne ist eine ernstzunehmende neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Es ist wichtig, Migräne nicht zu verharmlosen und Betroffenen mit Verständnis zu begegnen.
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