Taubheitsgefühle, auch Hypästhesie genannt, sind eine Herabsetzung des Berührungsempfindens der Haut, die in verschiedenen Körperteilen auftreten können. Betroffene beschreiben oft ein Gefühl, als ob ein bestimmter Hautbereich, beispielsweise die Hand, teilweise oder vollständig ohne Empfindung ist. Diese Empfindungsstörungen können vielfältige Ursachen haben und sowohl harmloser als auch ernsthafter Natur sein. In manchen Fällen kann die zeitweise Benutzung eines Gehstocks sinnvoll sein, um die Stabilität und Sicherheit beim Gehen zu gewährleisten.
Ursachen für Taubheitsgefühle
Taubheitsgefühle können unterschiedliche Ursachen haben, wobei eine Durchblutungsstörung im betroffenen Körperteil oder eine Nervenschädigung häufige Gründe sind.
Nervenreizungen und Nervenquetschungen
Nervenreizungen und Nervenquetschungen können zu Taubheitsgefühlen führen. Eine falsche Schlafposition kann beispielsweise zu harmlosen nervalen Reizungen in den Bandscheiben der Halswirbelsäule führen. In den meisten Fällen ist die Durchblutung vorübergehend unterbrochen oder ein Nerv gequetscht. Das Kribbeln in den Fingern entsteht dabei durch die empfindlichen Nerven und Nervenenden in der Haut. Sie schicken über die Nervenbahnen Reizwahrnehmungen an das Gehirn. Lassen sich dort die eingehenden Signale nicht eindeutig zuordnen, entsteht ein unangenehmes Prickeln. Es ist also eine Überempfindlichkeitsreaktion überaktiver Leitungsbahnen, auch Parästhesie genannt. Manche Menschen haben eine knöcherne Enge im Wirbelkanal. Auch diese könne zu Missempfindungen in den Händen und Armen führen, lassen sich aber in der Regel einfach und schnell durch einen Positionswechsel ändern. Nur in schwerwiegenden Fällen hilft man den Betroffenen durch eine operative Weitung der Engstelle. Solange solche Missempfindungen sporadisch und in größeren Abständen auftreten, sind sie in der Regel eher harmlos und lagerungsbedingt. Ein ernstes Warnsignal stellen sie dar, wenn sie hingegen regelmäßig auftreten oder von Dauer sind.
Karpaltunnelsyndrom
Andauernde Taubheitsgefühle in der Hand und den Fingern können unter anderem auf ein Karpaltunnelsyndrom hindeuten. Das Karpaltunnelsyndrom entsteht durch eine Einengung des Mittelarmnerven (Nervus medianus) und löst Handschmerzen und ein Taubheitsgefühl im Bereich von Daumen, Zeige- und Mittelfingern aus. In schweren Fällen kommt es bei den Betroffenen zu Lähmungserscheinungen der Hand und die Greifkraft lässt deutlich nach. Die Hand schläft tagsüber ein und nachts wird der Schlaf durch ein unangenehmes, pelziges Gefühl gestört. Ausgelöst werden die Beschwerden beim Karpaltunnelsyndrom durch einen andauernden Druck auf den Nervus medianus. Um die Hand motorisch und sensorisch zu versorgen, muss der Mittelarmnerv den Karpaltunnel - eine anatomische Engstelle auf der Innenseite des Handgelenks - passieren. Neben dem Nerven verlaufen im Karpaltunnel die Sehnen der Fingerbeuger und des Daumenbeugers. Durch verschiedene Ursachen kann es im Karpaltunnel zu eng werden. Gerät dabei der Nerv unter Druck, resultieren Schmerzen und Missempfindungen. Das Karpaltunnelsyndrom ist weit verbreitet. Am häufigsten tritt es im Alter von etwa 40 bis 70 Jahren auf. Vor allem Frauen ab dem 35. Lebensjahr sind von einem schmerzhaften Karpaltunnelsyndrom betroffen. Dabei kommt es zu einer Einengung des Nervus medianus an der Innenseite des Handgelenks. Im Verlauf des Lebens kann es sehr eng werden im Karpaltunnel. Das liegt z. B. daran, dass die Sehnenscheiden der dort verlaufenden Beugesehnen oder das darüber liegende Karpalband (Ligamentum carpi transversum) dicker werden. Die verdickten Strukturen drücken dann auf den darunter liegenden Mittelarmnerv (Nervus medianus). Aber auch knöcherne Fehlstellungen nach einem Bruch der Hand können dazu führen, dass es im Karpaltunnel enger und der Nerv komprimiert wird. Betroffene leiden in der Folge unter Handschmerzen, Gefühlsstörungen und sogar Lähmungen im Bereich des Daumens, Zeige- und Mittelfingers. Der Mittelarmnerv (Nervus medianus) versorgt den Daumen und verschiedene Bereiche der Hand. Wird er eingeklemmt, kommt es dort zu Schmerzen und Gefühlsstörungen. Zu Beginn der Erkrankung treten die Symptome immer nur zeitweise unter Belastung auf und verschwinden dann wieder. Betroffene verspüren oft ein Kribbeln in den Fingern, ähnlich wie bei "eingeschlafenen" Körperteilen. Je länger das Karpaltunnelsyndrom unbehandelt bleibt, desto mehr wächst die Gefahr einer dauerhaften Nervenschädigung. In späteren Krankheitsstadien nehmen die Schmerzen zu und treten auch in Ruhe auf (Ruheschmerzen). Dann kommt es zu Missempfindungen und Kraftverlust, wodurch alltägliche Tätigkeiten wie das Schließen eines Hosenknopfes oder das Drehen des Autolenkrads zur Herausforderung werden. Feinmotorische Aufgaben gestalten sich für Betroffene schwieriger und die Hand wird insgesamt ungeschickter. Das Nervenkompressionssyndrom kann in Einzelfällen sogar zu Lähmungen im Bereich der Hand und der Finger führen. In den meisten Fällen lässt sich eine direkte Ursache für das Karpaltunnelsyndrom nicht ermitteln. Einige Grunderkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Diabetes mellitus treten häufig gemeinsam mit dem Karpaltunnelsyndrom auf.
Polyneuropathien
Die Polyneuropathie gehört zu den Störungsbildern des peripheren Nervensystems, die in der Bevölkerung relativ häufig auftreten. Zu den Hauptsymptomen der Erkrankung gehören Taubheitsgefühl, Kribbeln und ein Gefühl der Unsicherheit beim Gehen. Polyneuropathie kann sehr unterschiedliche, sowohl interne als auch externe Ursachen haben, die einer differenzialdiagnostischen Abklärung bedürfen. Wichtig ist festzustellen, ob eine Ursache gefunden werden kann, die auch einer Therapie zugänglich wäre und sich somit die Erkrankung positiv beeinflussen oder zumindest in ihrem Fortschreiten verlangsamt werden. Daher ist eine neurologische Abklärung mit laborchemischen Untersuchungen sowie neurophysiologischen Untersuchungen unabdingbar. Eine Reihe von Symptomen führen die Erkrankten zuerst zum Orthopäden, daher muss dieser auch die relevanten Symptome erkennen und eventuell bestehenden orthopädischen Erkrankungen zuordnen können sowie unter Umständen auch die Neurologie als weiteres Fach hinzuziehen.
Lesen Sie auch: Gehirn und Resilienz: Inspirierende Worte
Nährstoffmangel und Stoffwechselstörungen
Klagen beispielsweise Veganer über Empfindungsstörungen in den Händen und anderen Gliedmaßen, kann es sinnvoll sein ein Blutbild zu machen. In seltenen Fällen zeigt sich darin ein Vitaminmangel wie zum Beispiel der von Vitamin B12. Dieser Nährstoff wird normalerweise überwiegend aus tierischen Produkten aufgenommen. Verzichtet man bewusst darauf, kann sich daraus ein solches Defizit ergeben, das sich dann beispielsweise als Polyneuropathie auswirkt. Treten die Missempfindungen eher handschuh- oder strumpfförmig auf, liegt oft die Vermutung nahe, dass es sich um Stoffwechselstörungen handelt. Dies kann ebenso ein Anzeichen der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) sein. Kleine Nervenenden werden geschädigt, die für Beschwerden sorgen. Missempfindungen des Daumens, Zeige-, Mittel- und daumenseitigen Ringfingers sowie feinmotorische Einschränkungen können bestehen.
Muskelverspannungen
Zu nächtlichen Beschwerden in Händen und Finger können auch chronischen Muskelverspannungen im Schulter-Nacken-Bereich führen. Sie können durch Verschaltungen im Rückenmark ebenfalls zu Ameisenlaufen und sogar Schmerzempfindungen in den Händen sorgen. Hier zeigt sich, dass ein unbewegter Tag, bei dem man in starrer Haltung vor dem Monitor verbringt, Auswirkungen bis in die Nacht haben kann. Denn solch falsche oder einseitige Haltung sorgen ebenso wie Stress für den bekannten steifen Nacken. Wichtig sind vor allem Entspannung und lokale Wärmeanwendungen. Hilfreich können zudem den Muskelstoffwechsel anregende Reizstromverfahren sein und daneben Injektionen oder eine medikamentöse Behandlung mit muskelentspannenden und schmerzlindernden Wirkstoffen. Die Beschwerden lassen sich alternativ durch manuelle Verfahren lindern, die auf ein Lockern und Dehnen von bindegewebigen Verhärtungen abzielen. Diese Behandlungen nennt man Myofascial Release. Zu einer der fortschrittlichsten Methoden der Schmerztherapie zählt die Trigger-Stoßwellentherapie (Radiale Stoßwellentherapie). Hochfrequente, Luftdruck-Stoßwellen sorgen für eine gute Durchblutung und lösen Verspannungen in verhärteten und verkürzten Muskeln auf - gezielt und ohne Nebenwirkungen. Diese Methode kann auch ältere Bewegungseinschränkungen beheben und körpereigene Reparatur-Mechanismen aktivieren. Die Methode wird von vielen Orthopäden und Physiotherapeuten angeboten.
Weitere Ursachen
- Schlaganfall und Herzinfarkt: Fühlt sich ein Arm plötzlich taub an und liegen weitere Symptome wie Sprachstörungen, Kopfschmerzen, Benommenheit, Lähmungen und Gangstörungen vor, kann dies auf einen Schlaganfall hindeuten. Strahlen die Missempfindungen und mitunter Schmerzen in den Oberkörper, Hals, Kiefer, die Schulterblätter oder den Oberbauch aus, kann ein Herzinfarkt vorliegen. Beide Vorfälle sind Notfälle und müssen ärztlich abgeklärt werden (Notruf 112 wählen).
- HWS-Syndrom: Auch ein HWS-Syndrom, bei dem es zu verschleißbedingten Veränderungen der Wirbel oder zu Entzündungen im Bereich der Halswirbelsäule kommt, kann zu Taubheitsgefühlen und Kribbeln in Armen und Nackenbereich führen. Generell sind Veränderungen der Wirbelsäule wie ein Bandscheibenvorfall mögliche Auslöser von Missempfindungen im Körper. Dabei ist entscheidend, in welchem Bereich die Wirbelsäule betroffen ist. Abhängig davon sind Auswirkungen an verschiedenen Körperstellen spürbar.
- Bandscheibenvorfall der HWS: Taubheitsgefühle oder Kribbeln im Arm, häufig begleitet von Schmerzen, können auf einen Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule (HWS) hindeuten. Dabei wird durch den Vorfall der Bandscheibe eine Nervenwurzel abgeklemmt, was zu den Symptomen führen kann.
- Guillain-Barré-Syndrom: Taubheit und Kribbeln in Armen und Beinen können zudem auf das Guillain-Barré-Syndrom hinweisen, das nach viralen oder bakteriellen Infektionen auftreten kann. Die Nervenerkrankung geht aber meist mit weiteren Symptomen wie Gangschwierigkeiten, Seh-, Sprach- und Schluckstörungen einher. Unter anderem ist das GBS-Risiko nach einer Corona-Infektion erhöht. Eine Impfung gegen SARS-CoV-2 wiederum senkt die Wahrscheinlichkeit, GBS zu entwickeln.
- Bandscheibenvorfall in der LWS: Eine Hypästhesie kann auch infolge eines Bandscheibenvorfalls entstehen. Drückt eine Bandscheibe eine Nervenwurzel zusammen, kann es zu Empfindungsstörungen kommen. Ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (LWS) ist eine mögliche Ursache für ein Taubheitsgefühl der Beine.
- Ischias: Auch Schmerzen ausgehend vom Ischiasnervs (Nervus ischiadicus) können von Taubheit im hinteren Bereich des Beins begleitet werden.
- Falsches Schuhwerk: Taube Zehen oder ein Taubheitsgefühl im Fuß zum Beispiel auf der Oberseite wiederum können auch durch zu enges Schuhwerk oder das ständige Tragen von High-Heels begünstigt werden.
- Morton Neurom: Dabei handelt es sich um eine Verdickung der Nerven im Mittelfuß, die neben Taubheit vor allem in den Zehen zu Schmerzen führt.
- Fehlstellungen: Fehlstellungen der Beine oder Füße können zu einem falschen Gangbild und Fehlbelastungen führen, welche wiederum Taubheitsgefühle in Zehen oder dem Fuß auslösen können.
- Tarsaltunnelsyndrom: Im Bereich des Innenknöchels verläuft der Tarsaltunnel. Er wird vom Nervus tibialis (Schienbeinnerv) durchzogen. Entsteht zu viel Druck, kommt es zu Empfindungsstörungen im Fuß und mitunter zu seitlichen Fersenschmerzen.
- Muskelverhärtungen: Ein Taubheitsgefühl im Oberschenkel kann unter anderem auf eine verhärtete Muskulatur des Oberschenkels oder im Bereich der Leiste zurückgeführt werden.
- Thoracic-outlet-Syndrom (TOS): Der Begriff umfasst alle Beschwerdebilder, bei denen Druck im oberen Brustkorb Nerven oder Blutgefäße schädigt oder beeinträchtigt. Mögliche Anzeichen des TOS sind zum Beispiel wechselnde Schmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühl an der Außenseite der Schulter, oft auch an Arm und Hand. Bestimmte Bewegungen und Haltungen wie Drehen des Kopfes oder Überkopfaktivitäten können die Beschwerden auslösen.
- Epileptischer Anfall: Sogenannte einfach-fokale Anfälle entstehen in einem eng umschriebenen, begrenzten Bereich im Gehirn und lösen keine Bewusstseinstrübung aus (im Gegensatz zu komplex-fokalen Anfällen). Je nachdem, in welcher Hirnregion der Anfall entsteht, sind aber Sensibilitätsstörungen wie zum Beispiel Kribbeln und „Ameisenlaufen“ möglich.
- Fibromyalgie: Diese chronische Schmerzerkrankung äußert sich durch einen tiefen Muskelschmerz, häufig begleitet von Steifigkeit, Brennen, Kribbeln oder einem Taubheitsgefühl. Betroffen von den beiden letzteren Symptomen sind oft Rücken, Brust, Nacken, Arme und Beine.
- Psychische Störungen: Gefühlsstörungen können auch Ausdruck psychischer Belastungen sein. Besonders bei Angstzuständen, Panikattacken oder chronischem Stress kann das vegetative Nervensystem überreagieren und körperliche Symptome hervorrufen.
Diagnose von Taubheitsgefühlen
Um die Ursache für Taubheitsgefühle zu ermitteln, ist eine sorgfältige Diagnose erforderlich.
Anamnese und körperliche Untersuchung
Zunächst wird der Arzt eine ausführliche Anamnese erheben, um Informationen über die Krankengeschichte, die Symptome, frühere Verletzungen oder Erkrankungen und den Verlauf der Beschwerden zu sammeln. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, um die Funktionen der Muskeln, die Reflexe, die Empfindung und die Beweglichkeit des betroffenen Körperteils zu überprüfen. Häufig wird auch eine Ganganalyse durchgeführt, um das Gangbild zu beurteilen und Auffälligkeiten beim Gehen festzustellen.
Neurologische Untersuchungen
Bei Bedarf kann der Neurologe verschiedene neurologische Untersuchungen durchführen, um die Funktion der Nerven und Muskeln im betroffenen Bereich zu überprüfen. Dazu gehören Reflextests, Muskelkrafttests, Empfindungstests und Koordinationstests. Eine Elektroneurographie (ENG) kann dabei helfen, festzustellen, ob eine Nervenschädigung vorliegt und wie schwerwiegend sie ist.
Lesen Sie auch: Fakten vs. Fiktion: Gehirnnutzung
Bildgebende Verfahren und weitere Untersuchungen
In bestimmten Fällen können auch Röntgenaufnahmen, eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Computertomographie (CT) durchgeführt werden. Weitere mögliche Untersuchungen sind:
- Dopplersonographie der Gefäße
- Blutuntersuchung
- Liquoruntersuchung
Behandlung von Taubheitsgefühlen
Die Behandlung von Taubheitsgefühlen richtet sich nach der jeweiligen Ursache.
Konservative Behandlung
Im Anfangsstadium des Karpaltunnelsyndroms können Schienen bereits eine Ausheilung bewirken. Die Infiltration des Karpaltunnels zählt ebenfalls zu den konservativen Therapiemöglichkeiten. Dafür injiziert der Arzt ein lokal wirkendes Schmerzmittel oder Kortison in die betroffene Stelle auf der Innenseite des Handgelenks. Diese Maßnahme wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend und abschwellend. Physikalische Behandlungen mittels Kälte dämpfen Entzündungen des Nerven und wirken auf diese Weise schmerzlindernd. Auch Schienen (Orthesen), die das Handgelenk in einer neutralen Position ruhigstellen, entlasten den Nervus medianus. Spezielle orthopädische Schienen entlasten den Handnerven und können die Beschwerden lindern. Diese Maßnahme hilft vor allem bei nächtlichen Schmerzen, indem der Druck auf das Handgelenk reduziert wird. Auch physiotherapeutische Maßnahmen wie Tapen, Koordinations- und Dehnungsübungen oder das Training mit einer Faszienrolle können die Beschwerden eines beginnenden Karpaltunnelsyndroms lindern. Die Schienen bringen den meisten Patienten nach 4-6 Wochen eine deutliche Besserung ihrer Beschwerden. Sie können entweder nur nachts oder auch am Tag getragen werden.
Operative Behandlung
Für die endoskopische Operation des Karpaltunnelsyndroms (Neurolyse) sind nur minimale Hautschnitte notwendig. J. Um den Nerv zu entlasten, führt der Operateur eine sogenannte Neurolyse durch. Dabei entfernt der Arzt einengende Gewebestrukturen wie übermäßig gewachsenes Bindegewebe. Der Eingriff erfolgt in der Regel unter lokaler Betäubung ambulant. Er wird entweder als offene Operation oder endoskopisch (minimalinvasiv) durchgeführt. Die Orthopäden der Gelenk-Klinik bevorzugen die endoskopische Operation, da sie für die Patienten schonender und mit einer sehr kleinen Narbe verbunden ist. Die offene Operationsmethode benötigt einen größeren Schnitt, der meist 2 bis 6 cm lang ist. Sie bietet Vorteile, wenn umfassendere Erkrankungen der Sehnenscheiden oder anderer Weichteile vorliegen. Vergleichende Studien zwischen operativen und konservativen Therapien beim Karpaltunnelsyndrom zeigen die Überlegenheit der Karpaltunneloperation (Neurolyse): Die Patienten werden durch Medianus-Neurolyse zu 99 % zuverlässig und dauerhaft von ihren Schmerzen befreit. Bei konservativer Behandlung ist die Erfolgsrate geringer und der Heilungsverlauf deutlich langwieriger. Bei vielen Patienten wird nach mehrmonatigen, konservativen Behandlungen mit unklaren Ergebnissen und leichter Symptomlinderung die Neurolyse später noch nachgeholt. Nach einer operativen Behandlung des Karpaltunnelsyndroms ist die operierte Hand nach etwa 3 Wochen wieder eingeschränkt belastbar. Nach 6 Wochen kann der Patient auch körperlich anspruchsvolle Arbeiten wieder verrichten. Ab dann ist die Hand wieder uneingeschränkt belastbar. Ob endoskopisch oder offen operiert wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Häufig wird aufgrund der kleineren Narbe und der schnelleren Heilung ein endoskopischer Eingriff empfohlen. Bei ungünstiger Anatomie, Vorerkrankungen oder Komplikationen ist meist ein offenes Vorgehen besser. Gleiches gilt auch für den Zweiteingriff bei einem Rezidiv nach endoskopischer OP. Welches Verfahren schlussendlich im Einzelfall zum Einsatz kommt, entscheidet der operierende Arzt gemeinsam mit dem Patienten.
Behandlung von Grunderkrankungen
Ist das Taubheitsgefühl das Begleitsymptom einer bestehenden Grunderkrankung, ist die zielgerichtete Behandlung dieser Krankheit erforderlich. Einige Beispiele sind:
Lesen Sie auch: Das Gehirn verstehen
- Polyneuropathie: Die Therapie hängt davon ab, welche Form der Erkrankung vorliegt. Eine angeborene Polyneuropathie kann bisher nicht ursächlich behandelt werden, die Behandlung konzentriert sich deswegen vor allem auf eine Linderung der Beschwerden. Eine diabetische Polyneuropathie erfordert hingegen vor allem eine optimale Einstellung des Blutzuckers und den kompletten Verzicht auf Alkohol.
- Vitaminmangel: Liegt ein Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure vor, bessern sich die Symptome unter Umständen, wenn man den Mangel ausgleicht.
- Bakterielle Infektion: Tritt die Hypästhesie infolge einer bakteriellen Infektion (zum Beispiel Borreliose) auf, hilft eine Therapie mit Antibiotika.
- Gürtelrose: Wenn das Taubheitsgefühl mit Gürtelrose zusammenhängt, behandelt der Arzt diese zumeist mit dem Wirkstoff Aciclovir.
- Bandscheibenvorfall: Ist ein Bandscheibenvorfall die Ursache der Hypästhesie, besteht die Therapie vor allem darin, die Wirbelsäule zu entlasten - zum Beispiel durch eine Stufenbettlagerung. Um die Schmerzen zu lindern, verabreichen Fachleute mitunter entzündungshemmende Schmerzmittel (zum Beispiel aus der Gruppe der NSAR) oder Glukokortikoide und Mittel zur Muskelentspannung (Muskelrelaxanzien). Um langfristig die Rückenmuskulatur zu kräftigen, empfiehlt sich anschließend eine Physiotherapie.
Was kann man selbst tun?
Manchmal können Sie aber auch selbst etwas gegen das lästige Kribbeln tun, zum Beispiel:
- Betupfen: Wenn ein Brennen oder Kribbeln an den Lippen Herpesbläschen ankündigt, sollten Sie sofort reagieren. Bewährte Hausmittel sind das wiederholte Auftupfen von eingetrocknetem oder frischem Rotwein sowie Auflagen mit Eichenrinden-, Johanniskraut-, Salbei- oder Zaubernusstee. Bereiten Sie solche Tees für die Herpesvorbeugung doppelt so stark zu wie einen Tee zum Trinken. Bei Kribbeln auf den Lippen können Sie auch Propolis, ätherisches Minzöl oder Teebaumöl (verdünnt) auftragen.
- Inhalieren: Kündigt sich ein Schnupfen durch Kribbeln in der Nase, Niesreiz und trockene Nasenschleimhaut an, können Sie den Krankheitsausbruch oft noch mit einer Inhalation verhindern: Geben Sie je einen Esslöffel Kamillenblüten und Salbeiblätter sowie drei bis zehn Tropfen Eukalyptusöl in eine Schüssel mit einem Liter heißem Wasser. Inhalieren Sie die aufsteigenden Dämpfe zehn Minuten lang abwechselnd durch die Nase und den Mund, decken Sie Kopf und Oberkörper dabei über der Schüssel mit einem Handtuch ab.
- Vitamine: Falls ein Vitaminmangel (Vitamin B12, Pantothensäure) das Kribbeln verursacht, sollten Sie Ihre Ernährung anpassen: Viel Vitamin B12 steckt zum Beispiel in Leber, Fleisch, Fisch, Milch, Eiern sowie in pflanzlichen Lebensmitteln, die mittels Gärung entstehen (wie Sauerkraut). Gute Quellen für Pantothensäure sind Leber, Muskelfleisch, Fisch, Milch, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte.
- Magnesium: Steckt Magnesiummangel hinter dem Kribbeln, sollten Sie vermehrt zu magnesiumreichen Lebensmitteln wie Vollkornprodukten, Milch und Milchprodukten, Leber, Geflügel, Fisch, verschiedenen Gemüsearten und Kartoffeln greifen.
Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?
Meist ist Kribbeln harmlos, etwa im Fall „eingeschlafener“ Gliedmaßen oder als Vorbote eines leichten Erkältungsschnupfens. In folgenden Fällen von Kribbeln sollten Sie aber zu einem Arzt gehen, um die Ursache abklären zu lassen:
- Neu auftretendes Kribbeln ohne erkennbaren Grund
- Anhaltendes, häufig wiederkehrendes oder sich verschlimmerndes Kribbeln
- Kribbeln, das von weiteren Beschwerden begleitet wird (z.B. von Taubheitsgefühlen, Muskelschwäche oder Lähmungen)
Die Rolle des Gehstocks
Bei Taubheitsgefühlen in den Beinen oder Füßen kann die zeitweise Benutzung eines Gehstocks helfen, die Stabilität und Sicherheit beim Gehen zu verbessern. Der Gehstock kann zusätzliche Unterstützung bieten und das Gleichgewicht halten, insbesondere wenn das Taubheitsgefühl zu Unsicherheit beim Gehen führt. Es ist ratsam, einen Arzt oder Physiotherapeuten zu konsultieren, um festzustellen, ob ein Gehstock in Ihrem Fall sinnvoll ist und welche Art von Gehstock am besten geeignet ist.
tags: #zeitweise #gehstock #benutzen #bei #taubheitsgefuhl