Zellen, die die Isolierhülle peripherer Neuronen bilden

Das Nervensystem, ein komplexes Netzwerk, das für die Steuerung und Koordination von Körperfunktionen unerlässlich ist, besteht aus zwei Haupttypen von Zellen: Neuronen und Gliazellen. Während Neuronen für die Übertragung elektrischer Signale verantwortlich sind, spielen Gliazellen eine unterstützende Rolle, die für das reibungslose Funktionieren des Nervensystems unerlässlich ist. Im peripheren Nervensystem (PNS), das außerhalb von Gehirn und Rückenmark liegt, gibt es spezialisierte Gliazellen, die eine entscheidende Rolle bei der Isolierung und dem Schutz von Neuronen spielen. Zu diesen Zellen gehören Satellitenzellen und Schwann-Zellen, die jeweils einzigartige Funktionen bei der Aufrechterhaltung der Gesundheit und Funktion peripherer Nerven erfüllen.

Satellitenzellen: Die Wächter der Ganglien

Satellitenzellen, benannt nach ihrer Anordnung um bestimmte Neuronen, bilden eine Hülle um die Zelloberfläche. Obwohl wir gerade erst anfangen, ihre Funktionen vollständig zu verstehen, ähneln sie vermutlich Astrozyten, die im zentralen Nervensystem (ZNS) vorkommen. Im Gegensatz zu Astrozyten, die im ZNS lokalisiert sind, befinden sich Satellitenzellen jedoch im PNS.

Der Hauptzweck von Satellitenzellen scheint darin zu bestehen, die Umgebung der Neuronen zu regulieren und Chemikalien im Gleichgewicht zu halten. Sie versorgen das Neuron mit Nährstoffen und absorbieren Schwermetalltoxine wie Quecksilber und Blei, um zu verhindern, dass sie die Neuronen schädigen. Die Neuronen mit Satellitenzellen bilden die Ganglien, die Ansammlungen von Nervenzellen im autonomen Nervensystem und im sensorischen System sind. Das autonome Nervensystem reguliert die inneren Organe, während das sensorische System es ermöglicht, zu sehen, zu hören, zu riechen, zu berühren, zu fühlen und zu schmecken.

Wie Mikroglia erkennen Satellitenzellen Verletzungen und Entzündungen und reagieren darauf. Diese Reaktion trägt dazu bei, die Umgebung der Neuronen zu schützen und die Reparatur von Schäden zu unterstützen.

Schwann-Zellen: Die Architekten der Myelinscheide

Schwann-Zellen sind eine weitere Art von Gliazellen, die im PNS vorkommen. Ihre Hauptfunktion besteht darin, Axone zu umhüllen und eine isolierende Schicht namens Myelinscheide zu bilden. Das Axon ist der Fortsatz der Nervenzelle. Wie es aufgebaut ist und welche Funktionen es übernimmt, wird hier erklärt.

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Die Bedeutung der Myelinscheide

Ohne die Myelinscheide würden elektrische Impulse entlang nackter Axone, dem biologischen Äquivalent eines nackten Drahtes, durch das Nervensystem wandern. Dabei würde Energie verloren gehen und weiter entfernte Körperregionen würden die Signale der Nerven niemals erhalten. Die Evolution hat hierfür eine Lösung beschert, die jedem Elektroingenieur bekannt vorkäme: Isolatoren. Diese Funktion wird im Körper von Zellen wahrgenommen, die hohe Mengen an Myelin herstellen, einer Mischung aus Protein- und Fettmolekülen (Lipiden). Diese umwickeln als Hüllen die langen, drahtähnlichen Axone der Nervenzellen.

Die Myelinscheide besteht aus hohen Mengen der Myelin-haltigen Membran und umwickeln damit Axone. Myelinisierte Axone sind also von einer schützenden Schicht mit einem hohen Lipidgehalt (Fett) umgeben.

Die Myelinscheide ist keine durchgehende Hülle, sondern in Abständen von 0,1 - 1,5 mm immer wieder unterbrochen. Durch sie wird der Nervenzellfortsatz wie ein elektrisches Kabel isoliert. Das ermöglicht eine deutlich schnellere Erregungsweiterleitung im Vergleich zu nicht myelinisierten Neuriten.

Der Prozess der Myelinisierung

Bei Mäusen beginnt dieser Prozess um die Geburt und dauert bis ins Erwachsenenalter, nimmt aber schon in der Adoleszenz ab. Zunächst werden durch axonale Signale Gene aktiviert, die für Myelinproteine und für lipidproduzierende Enzyme in Schwann-Zellen kodieren. Dadurch werden mRNA-Moleküle in großer Menge produziert. In einem zweiten Schritt werden mit Hilfe der mRNA Proteine hergestellt, d.h. die Menge von Myelin, die die Zellen produzieren, muss genau kontrolliert werden. Axone haben unterschiedliche Durchmesser, und ihre Größe bestimmt die Dicke der Myelinscheide.

Die Rolle von Signalwegen bei der Myelinisierung

Frühere Arbeiten hatten gezeigt, dass das Molekül Neuregulin-1 (Nrg-1) normalerweise die Transkription der Myelin-RNA auslöst. Nrg-1 aktiviert viele Signalwege. In einer aktuellen Studie wurde ein alternativer Signalweg entdeckt, über den Zellen Myelinproduktion auslösen können. Durch die Stimulierung des MAPK-Signalwegs durch eine Form des Moleküls MAP kinase kinase 1 bzw. Mek1, aktivieren die Proteine Erk1, Erk2, S6 und eIF4E und führen zu einer kontinuierlichen Produktion neuer Myelinproteine und Enzyme, die Lipide produzieren.

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Die Bedeutung der Myelinisierung für die Nervenfunktion

Die Myelinscheide ermöglicht eine schnelle und effiziente Erregungsleitung entlang der Nervenfasern. Durch die Isolierung des Axons verhindert die Myelinscheide den Verlust von elektrischem Strom und ermöglicht es dem Signal, "von Knoten zu Knoten" zu springen, was die Geschwindigkeit der Erregungsleitung erheblich erhöht.

Krankheiten, die die Myelinscheide betreffen

Bei einer Reihe schwerwiegender Erkrankungen werden diese Hüllen zerstört, die Kommunikation unterbrochen, und dies führt zum Tod von Nervenzellen und schweren Funktionsstörungen in den betroffenen Menschen oder Tieren. Ein Beispiel hierfür ist Multiple Sklerose, eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Myelinscheide angreift und schädigt. Dies kann zu einer Vielzahl von neurologischen Symptomen führen, darunter Muskelschwäche, Koordinationsprobleme und Sehstörungen.

Forschung zur Förderung der Myelinreparatur

Die Forschungsgruppe von Prof. Matthias Selbach hat eine Methode zur Beobachtung der Zeiten und Geschwindigkeiten entwickelt, mit denen in Mäusen Proteine aus RNA synthetisiert werden. Die Methode basiert auf Pulsed SILAC (stabile Isotopenmarkierung mit Aminosäuren in Zellkultur), bei der Zellen nacheinander in zwei verschiedenen Wachstumsmedien gehalten werden. Das erste Medium enthält normale Formen von Aminosäuren, die Bausteine zur Herstellung von Proteinen. Im zweiten tragen einige Aminosäuren nichtradioaktive schwere Isotope. Diese Marker können mithilfe eines Massenspektrometers bestimmt werden. Wissenschaftler können damit Proteinproduktion in Zellen untersuchen und genau zwischen Molekülen unterscheiden, die im ersten oder zweiten Medium gebildet wurden. Erik McShane und Maria Sheean haben diese Pulsed-SILAC-Methode jetzt weiterentwickelt, um sie auch bei Mäusen und anderen Lebewesen anwenden zu können. Die Mäuse bekommen Milch oder Futter, die markierte Aminosäuren enthalten.

Mit diesen Erkenntnissen bietet sich in der Suche nach neuen Behandlungsmöglichkeiten für Krankheiten, die die Myelinscheiden betreffen, ein mögliches neues Target an.

Gliazellen und die Präzision der Signalleitung

Für die Leistungsfähigkeit des Gehirns ist es wichtig, dass ein Nervenimpuls möglichst schnell und präzise an sein Ziel gelangt. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Gliazellen nicht nur die Geschwindigkeit der Nervenleitung kontrollieren, sondern auch einen Einfluss auf die Genauigkeit der Signalleitung haben. Ohne Myelin kommt es zu kurzschlussartigen Vorgängen, die die Genauigkeit der Reizweiterleitung beeinflussen.

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Gliazellen sind nicht nur für die Energielieferung unentbehrlich, sie haben auch ein breites Spektrum zusätzlicher Aufgaben im Gehirn: Sie übernehmen den Stofftransport, regulieren den Flüssigkeitsaustausch und sorgen für die Aufrechterhaltung der Homöostase.

Die Funktion von Gliazellen als aktive Modulatoren von Geschwindigkeit und besonders der Präzision der Erregungsleitung ist bislang nicht beschrieben worden. Durch Forschung wird die Rolle der Gliazellen als aktive Komponente des Nervensystems deutlich.

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