Zerebrale Ischämie: Schlaganfall – Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, der durch eine plötzliche Unterbrechung der Blutzufuhr zum Gehirn verursacht wird. Diese Unterbrechung führt zu einem Sauerstoffmangel im betroffenen Hirnareal, was zum Absterben von Hirnzellen führen kann. In Deutschland gehört der Schlaganfall neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs zu den häufigsten Todesursachen. Es ist entscheidend, die Symptome eines Schlaganfalls frühzeitig zu erkennen und sofort zu handeln, um das Leben des Betroffenen zu retten und langfristige Schäden zu minimieren.

Ursachen eines ischämischen Schlaganfalls

In den allermeisten Fällen wird ein akuter Schlaganfall durch den Verschluss großer Hirnarterien verursacht. Dieser Verschluss entsteht meist durch einen Blutpfropf (Thrombus), der aus dem Herzen oder den großen Halsschlagadern ins Gehirn geschwemmt wird. Dies wird auch als zerebraler Gefäßverschluss bezeichnet. Seltener kann eine Engstelle der Hirnarterie selbst die Ursache sein. In beiden Fällen führt der Gefäßverschluss zu einer verminderten Durchblutung und damit zu einem Sauerstoffmangel im betroffenen Hirnareal.

Die häufigsten Gründe für einen Schlaganfall sind:

  • Blutgerinnsel (Thrombosen)
  • Gefäßverengung durch Ablagerungen (Arteriosklerose)
  • Hirnblutungen durch Gefäßrisse
  • Subarachnoidalblutung

Ein Hirnstamminfarkt ist eine besonders schwerwiegende Form des Schlaganfalls, da im Hirnstamm wichtige Funktionen wie Schlucken, Atmen und Bewusstseinslage kontrolliert werden. Der Verschluss der Arteria basilaris im Hirnstamm kann zu einer vollständigen Lähmung aller Extremitäten (Tetraparese) oder sogar zum Tod führen.

Risikofaktoren für einen Schlaganfall

Der Lebenswandel und die Ernährung spielen bei der Vorbeugung eines Schlaganfalls eine große Rolle. Risikofaktoren sind unter anderem:

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  • Bluthochdruck
  • Übergewicht
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Verengungen der Halsschlagadern
  • Vorhofflimmern
  • Bewegungsmangel
  • Diabetes
  • Rauchen
  • Alter
  • Genetische Veranlagung

Schlaganfall bei Kindern und Jugendlichen

Einen Schlaganfall erleiden meist ältere Menschen. 50 Prozent aller Schlaganfälle treten bei den über 75-jährigen auf. Aber auch deutlich jüngere und sogar Kinder können einen Schlaganfall erleiden. Bei Kindern, Jugendlichen, Neugeborenen und Föten tritt ein Schlaganfall zwar deutlich seltener auf - etwa 300 Kinder und Jugendliche im Jahr - allerdings könnte die Dunkelziffer höher liegen, da er oft nicht erkannt wird.

Zu den möglichen Ursachen eines Apoplex im Kindesalter zählen zum Beispiel Gerinnungsstörungen, Herz- und Gefäßerkrankungen, Infektionskrankheiten oder Komplikationen bei der Geburt.

Warnzeichen und Symptome eines Schlaganfalls

Die Symptome eines Schlaganfalls treten plötzlich auf und sind in der Regel gut erkennbar. Dazu gehören:

  • Plötzlich auftretende, schmerzlose Lähmungen einer Körperhälfte
  • Verlust der Sprache oder Sprachstörungen (Schwierigkeiten beim Sprechen, Wortfindungsstörungen, Verständnisstörungen)
  • Sensibilitätsstörungen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Bewusstseinsstörungen
  • Sehstörungen oder Doppelbilder
  • Heftige Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Herabhängender Mundwinkel oder eine gestörte Mimik im Gesicht

Auch wenig ausgeprägte Symptome können Anzeichen für einen Schlaganfall sein. Betroffene, Angehörige, Freunde oder Kollegen sollten die Warnzeichen ernst nehmen und sofort handeln. Auch wenn sich Symptome schnell bessern, besteht keine Entwarnung. Vielmehr sollte rasch die Ursache geklärt werden.

Der FAST-Test

Der FAST-Test ist ein einfacher Schnelltest, um einen Schlaganfall-Verdacht zu prüfen:

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  • Face (Gesicht): Herabhängende Mundwinkel. Lächeln nicht mehr möglich.
  • Arms (Arme): Beide Arme können nicht mehr gehoben werden. Ein Arm sinkt oder dreht sich.
  • Speech (Sprache): Sätze können nicht mehr gesprochen werden oder Stimme klingt verwaschen.
  • Time (Zeit): Wählen Sie unverzüglich die 112.

Warnzeichen für einen Hirnstamminfarkt

Bei einem Hirnstamminfarkt können folgende Symptome auftreten:

  • Gestörte Bewegungsabläufe
  • Probleme mit dem Schlucken und Sprechen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Hängendes Augenlid

In der schwersten Form des Hirnstamminfarkts, der Basilaris-Thrombose, kann es zum Locked-in-Syndrom kommen. Die Patienten sind bei vollem Bewusstsein, aber vollständig reglos und können willkürlich nur noch die Augen bewegen.

Die TIA - ein Warnschuss

Eine transitorische ischämische Attacke (TIA) ist eine kurze Durchblutungsstörung im Gehirn mit vorübergehenden Auswirkungen wie Lähmungs- und Sprachstörungen. Auch wenn die Symptome nach kurzer Zeit wieder verschwinden, sollte man sie auf jeden Fall abklären lassen, denn die TIA ist der Warnschuss für einen Schlaganfall. „Jeder fünfte bis zehnte Patient mit einer TIA erleidet innerhalb von drei Monaten einen Schlaganfall.“

Ob es sich um eine echte TIA handelt, zeigen bestimmte neurologische Symptome wie Sprechstörung und Lähmung, insbesondere wenn Risikofaktoren wie erhöhter Blutdruck, ein Lebensalter über 60 Jahre oder ein Diabetes mellitus dazukommen.

Behandlung eines Schlaganfalls

Bei Verdacht auf einen akuten Schlaganfall sollte immer und sofort die Notärztin oder der Notarzt über den Notruf 112 verständigt werden. Patient:innen müssen sofort in die nächstgelegene Klinik gebracht werden, die auf die Behandlung solcher Schlaganfälle spezialisiert ist. „Bei einem Schlaganfall ist es von entscheidender Bedeutung, die Durchblutung des Gehirns schnellstmöglich wiederherzustellen. Time is brain“, sagt Dr.

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Akuttherapie

Die Standardtherapie ist die Verabreichung eines Medikaments zur Thrombolyse über die Vene durch geschulte Neurolog:innen in spezialisierten Zentren. Dadurch soll sich das Blutgerinnsel (Thrombus) auflösen. Für diese Patient:innen besteht neben der Standardtherapie die Möglichkeit einer notfallmäßigen Wiedereröffnung des Gefäßes durch einen Kathetereingriff - die sogenannte Thrombektomie. Hierbei wird ein dünner Katheter meist von der Leiste aus zu dem Verschluss geführt. Von dieser Stelle aus kann man mit verschiedenen Werkzeugen den Blutpfropf direkt aus dem Gefäß entfernen und somit die Durchblutung des Gehirns unmittelbar wiederherstellen.

In den letzten Jahren ist die Technik der endovaskulären (minimalinvasiven, kathetergestützten) Gefäßeröffnung bei Patient:innen mit schweren akuten Schlaganfällen deutlich verbessert worden.

Stroke Unit

Betroffene, die zeitnah in einer so genannten Stroke Unit, einer speziellen Abteilung für die Erstversorgung von Schlaganfall-Patienten, behandelt werden, haben gute Chancen, dass die Ärzte die Sauerstoffversorgung im Gehirn wieder herstellen können, bevor es zum gravierenden Absterben von Hirnzellen kommt. So werden negative Folgen und Beeinträchtigungen der betroffenen Menschen verhindert.

Auf der Stroke Unit arbeiten verschiedene Berufsgruppen eng zusammen. Diese professionelle Vernetzung aus Ärzten, Pflegenden, Therapeuten und dem Sozialdienst ist die Basis einer erfolgreichen Schlaganfallbehandlung. Zunächst erheben wir eine umfassende Diagnose, um Komplikationen zu vermeiden. Gleichzeitig beginnt die für den einzelnen Patienten wirksamste Vorbeugung vor einem weiteren Anfall (Lyse-Therapie).

Rehabilitation

Kann die Therapie nach einem Schlaganfall schnell eingeleitet werden, und bekommt der Patient anschließend zeitnah eine gute Rehabilitation, stehen die Chancen gut, ohne allzu große körperliche Einschränkungen leben zu können.

Die MEDICLIN Hedon Klinik bietet kompetente Betreuung für die Rehabilitation von Schlaganfallpatienten - auch wenn der ischämische Schlaganfall schon länger zurückliegt:

  • Krankengymnastik (Physiotherapie)
  • Physikalische Therapie
  • Beschäftigungstherapie (Ergotherapie)
  • Sprachtherapie (Logopädie)
  • Krankheitsverarbeitung und -bewältigung (Physiotherapie)
  • Wiedererlangung der Selbstständigkeit in Alltag und Beruf (sozialmedizinische Betreuung)
  • Neuropsychologische Betreuung, wie z.B. Gedächtnistraining

Diese Maßnahmen sind für Betroffene von großer Bedeutung, um ihre Lebensqualität zu steigern. Denn unser Gehirn ist ein faszinierendes Organ: Es kann durch Anpassung und Regeneration verlorene Fähigkeiten zurückgewinnen.

Prävention

Es gibt Risikofaktoren, die das Auftreten eines Schlaganfalls begünstigen. Dazu zählen:

  • Bluthochdruck
  • Übergewicht
  • Diabetes (Zuckerkrankheit)
  • Hoher Cholesterinspiegel
  • Herzrhythmusstörungen
  • Nächtliches Schnarchen mit Atemaussetzern (Schlafapnoesyndrom)
  • Gesundheitlich bedenkliche Stressneigung
  • Rauchen

Wenn Sie diese Risikofaktoren meiden, können Sie selbst viel zur Vorbeugung eines (weiteren) Schlaganfalls tun. Prävention ist sehr wichtig, deshalb setzen wir mit unserer Behandlung nicht nur auf kurzzeitige, sondern auf nachhaltige Effekte für Ihre Gesundheit.

Leben nach einem Schlaganfall

Die Folgen eines Schlaganfalls hängen immer von Art und Ausmaß des Schlaganfalls ab. Die stärksten Beeinträchtigungen nach einem Schlaganfall resultieren aus schwerwiegenden Lähmungen und Sprachstörungen. Durch die Folgen eines Schlaganfalls sind viele Personen nach einem Schlaganfall auf Unterstützung oder Pflege angewiesen.

Es gibt eine Reihe an Rezidiv-Schlaganfällen und die Zahl liegt bei rund 50.000 bis 70.000 pro Jahr. Auch wegen dieses hohen Rezidiv-Risikos ist aber so wichtig, nach dem ersten Schlaganfall die genauen Ursachen zu erforschen, um daraus eine gute Sekundär-Prävention aufbauen zu können. Die entscheidenden Faktoren sind einfach eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, kein Diabetes, kein Bluthochdruck usw.

Die Mortalität von Patienten nach einem ersten Schlaganfall liegt bei 25 bis 30 Prozent. Das betrifft allerdings nur die Subgruppe der sehr schweren Schlaganfälle.

Ausblick in die Zukunft

Ein Bereich der Forschung dreht sich aktuell um die Verbesserung der Akuttherapie. Da haben wir ja mit der Thrombektomie eine sensationell wirksame neue Therapiemethode hinzugewonnen. Auf dem Gebiet der Schlaganfall-Früherkennung wird natürlich auch viel an der Genetik des Schlaganfalls geforscht. Warum treten Schlaganfälle zum Beispiel in manchen Familien häufiger auf als in anderen? Woran kann man eine Art Veranlagung erkennen? An diese und ähnlichen Fragen wird stark geforscht. Zuletzt gibt es auch viele Forschungsprojekte zur Verbesserung der Regeneration und Rehabilitation nach Schlaganfall.

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