Die Frage, ob der Mensch mehr als sein Gehirn ist, bildet den Ausgangspunkt dieser Diskussion. Es geht darum, eine umfassende Sichtweise zu entwickeln, die verschiedene Disziplinen einbezieht. Die Debatte entzündete sich an der Interpretation eines Experiments und führte zu einer umfassenden Auseinandersetzung über die Beziehung zwischen Gehirn und Geist.
Das Experiment von Delgado: Willensfreiheit oder Sinnestäuschung?
Delgado reizte die innere Kapsel (Capsula interna) eines Patienten, woraufhin dieser spontane Reaktionen zeigte. Auf die Frage nach seinem Verhalten antwortete er, er habe nach seinen Pantoffeln gesucht, ein Geräusch gehört und unter das Bett geschaut. Laut Kirschfeld lässt dieses Experiment zwei Interpretationen zu: Entweder wurde das Verhalten direkt ausgelöst (1), oder der Patient reagierte auf eine Sinnestäuschung (2).
In seiner ursprünglichen Publikation nutzte Kirschfeld dieses Fallbeispiel, um die These zu untermauern, dass man subjektiven Gewissheiten nicht trauen könne und diese daher nicht als Beweis für bestimmte Vorstellungen des Zusammenhangs zwischen Gehirn und Geist geeignet seien. Der Patient habe nicht nur geantwortet, er habe dies so gewollt, sondern auch immer einen Grund erfunden. In seiner Replik betont Kirschfeld, dass der Patient sich auf jeden Fall als Autor der Bewegung empfand, obwohl das "Wollen" durch den Experimentator ausgelöst wurde.
Diese Interpretation setzt Interpretation (1) voraus. Denn wenn der Patient gemäß Interpretation (2) eine Halluzination gehabt hätte, wäre zwar die Halluzination selbst eine direkte Folge der Hirnstimulation gewesen, nicht aber die Entscheidung, unter das Bett zu schauen. Der Patient würde rational auf den Sinneseindruck reagieren, und von einer Fremdsteuerung seines Willens könnte keine Rede sein.
Die Übersetzung des englischen "spontaneous" durch Kirschfeld ist problematisch. Wörterbücher bilden den Sprachgebrauch ab, und demgemäß bedeutet "spontaneous" ungehemmt, als Ergebnis eines plötzlichen inneren Impulses, aus sich heraus, ohne Vorüberlegung, in der Biologie sogar instinktiv oder ungewollt, also spontan. Selbst wenn durch die Stimulation eine "spontane Entscheidung" hervorgerufen wurde, wäre es voreilig, diesen Befund auf alle Formen menschlichen Entscheidens zu übertragen. Letztlich sind sich Kirschfeld und der Autor aber einig, dass man diese Fallgeschichten nicht überbewerten sollte.
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Moralische Entscheidungen: Gehirnaktivierung oder soziale Konventionen?
Kirschfeld kritisiert die Schlussfolgerungen zur Rolle der Neurowissenschaften für die Moral. Die Kritik richtet sich primär gegen den Versuch von Greene und Kollegen, durch die Messung von Gehirnaktivierungen beim moralischen Urteilen von Versuchspersonen eine bestimmte moralische Position zu stützen und andere zu unterminieren.
Joshua Greene versucht, durch den Verweis auf Aktivierungen in "rationalen" Gehirnregionen seine utilitaristische Position zu stärken, dass man beispielsweise das Leben eines einzelnen Menschen opfern dürfe, um das Leben von fünf anderen zu retten. Wer dies jedoch ablehne, der täte dies aus emotionalem Konflikt heraus, also nicht aus rationalen Gründen, und dessen moralische Position sei deswegen abzulehnen. Ferner entstamme die utilitaristische Entscheidung evolutionär neueren Gehirnregionen, die des Tötungsverbots jedoch älteren, die wir in größerem Maße mit unseren Vorfahren im Primatenreich teilten.
Es ist gefährlich, wenn Hirnforscher in Gehirnaktivierungen ablesen möchten, welche Entscheidung moralisch richtig oder falsch ist. Greene selbst hat für seine Interpretationen international so viel Kritik erfahren, dass er sich inzwischen selbst von seinen fMRT-Untersuchungen distanziert und hauptsächlich mit Ergebnissen aus Verhaltensexperimenten argumentiert.
Eine moralische Entscheidung basiert auch auf Gelerntem, Erfahrungen und sozialen Konventionen, bewusster Reflexion und lebendigem Austausch mit anderen. Diese Prozesse manifestieren sich im Gehirn, aber es legt nicht das Gehirn allein fest, wie man sich moralisch entscheidet, da soziale Konventionen, Austausch mit anderen usw. über den einzelnen Menschen und damit auch sein Gehirn hinausgehen.
Gehirn und Geist, Natur- und Geisteswissenschaft
Es ist unstrittig, dass psychische Prozesse im Gehirn realisiert sind. Es ist Gegenstand der theoretischen Forschung, was uns Untersuchungen der neuronalen Realisierungen über die Funktionsweise des Geistes verraten. Es ist jedoch fraglich, ob sich alle Fragen über den Menschen und seine psychischen Prozesse durch die Hirnforschung beantworten lassen.
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Erstens dehnt sich lebensweltliches menschliches Handeln über das Individuum hinaus, bezieht seine Umwelt, seinen zwischenmenschlichen und kulturellen Kontext mit ein. Allein schon deshalb ist es gefährlich, nach "gefährlichen" Gehirnen oder Genen zu suchen. Zweitens kommen psychischen Prozessen Eigenschaften zu, die wir nicht ohne Weiteres der Aktivierung von Neuronenverbänden zuschreiben können, wie Eigenschaften der Bedeutung, des Weltbezugs, der Bewusstseinsqualitäten. Es ist eine offene Frage, ob sich diese Eigenschaften jemals naturalisieren lassen, sich also neurowissenschaftlich vollständig erklären lässt, wie diese Eigenschaften entstehen können. Dafür reicht es nicht, bloße Gehirnkorrelate der psychischen Prozesse aufzuzeichnen und darüber einen Mittelwert zu bilden.
Kirschfeld scheint die Existenz dieser Eigenschaften nicht abzustreiten, er misst ihnen jedoch keine große Bedeutung zu. Er scheint damit einen Epiphänomenalismus zu vertreten, also die Position, dass es diese psychischen Prozesse zwar gibt, dass sie jedoch bloße Nebenprodukte des Gehirns sind und keinesfalls physikalisch wirksam werden können. Es ist aber nicht mehr als eine Hypothese, dass das Gehirn ein geschlossenes und vollständig kausal determiniertes System ist. Diese Hypothese ist aber für wissenschaftliches Arbeiten nicht notwendig. Man glaubte im 19. Jahrhundert, mit der ganzen Welt verhalte es sich so - und dann kamen Entdeckungen des 20. Jahrhunderts, dass es Naturphänomene gibt, die grundlegend indeterministisch und nichtkausal sind. Über die Funktionsweise des Gehirns ist noch lange nicht das letzte Wort gesprochen.
Scharfschützenschüsse auf das Kleinhirn: Präzision und Wirkung
Ein Schuss auf das Kleinhirn ist ein gezielter Schuss, der darauf abzielt, den Tod sofort herbeizuführen. Dies ist besonders wichtig in Situationen wie Geiselbefreiungen, in denen das Opfer keine Zeit hat, Schaden anzurichten.
Warum das Kleinhirn?
Im Gegensatz zu einem Schuss ins Herz, bei dem der Tod nicht sofort eintritt, führt ein Treffer ins Kleinhirn zu einem sofortigen Verlust der Muskelkontrolle. Dies verhindert, dass der Angreifer die Geisel verletzt oder eine andere Bedrohung darstellt.
Die Herausforderung der Präzision
Das Kleinhirn ist ein kleines Ziel, und das Treffen aus großer Entfernung ist äußerst schwierig. Die Mehrheit der Scharfschützen kann den Kopf nur bis zu einer Entfernung von etwa 250 Metern sicher treffen. Spitzenschützen können dies bis zu 400 Meter schaffen, aber Kopftreffer auf größere Entfernungen sind eher Zufallstreffer.
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Die Technik des Zielens
Um das Kleinhirn zu treffen, muss der Schütze genau wissen, wohin er aus welcher Position zielen muss. Wenn der Geiselnehmer dem Schützen direkt ins Gesicht schaut, zielt man auf die Nasenspitze. Bei einer seitlichen Position zielt man direkt auf den höchsten Punkt der Ohrmuschel und von hinten auf das Hinterhauptloch. Diese Stellen und ihre Position muss man sich so exakt einprägen, dass man sie auch bei maskierten Zielen findet.
Die Bedeutung der Munition
Die Wahl der Munition ist entscheidend für die Wirksamkeit eines Schusses auf das Kleinhirn. Hartkernmunition, die von der Deutschen Polizei und dem SEK verwendet wird, hinterlässt einen glatten Schusskanal und verformt sich im Körper nicht. Dies führt zu einer geringeren Mannstoppwirkung. Weichkernmunition hingegen pilzt beim Eintritt in den Körper auf und verformt sich, wodurch ein Durchschuss verhindert wird.
Alternativen zum Kopfschuss
In den meisten militärischen Kampfeinsätzen zielen Scharfschützen auf den Brustbereich, da dieser größer ist als der Kopf. Ein Treffer in den Brustbereich ist wahrscheinlicher und kann dennoch tödlich sein.
Die Rolle der Technologie in der modernen Kriegsführung
Die Neurowissenschaften entwickeln sich rasant und bieten potenziell neue Möglichkeiten für militärische Anwendungen. Dazu gehören Brain-Computer-Interfaces (BCI), die es ermöglichen, Maschinen mit Gedankenkraft zu steuern, und Chemikalien, die die Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Reaktionsgeschwindigkeit von Menschen beeinflussen können.
Brain-Computer-Interfaces (BCI)
BCI-Technologie ermöglicht es, das Gehirn zu nutzen, um externe Geräte zu steuern. Dies könnte in Zukunft zu "automatischen Soldaten" führen, die per BCI oder Chemikalien beeinflusst werden, zu fliegenden Drohnen oder zu Robotern, die per Gedankenkraft ferngesteuert werden.
Ethische Bedenken
Die militärische Nutzung von Neurowissenschaften wirft eine Reihe ethischer Fragen auf. Dazu gehören die Auswirkungen auf die Autonomie und die Menschenwürde des Einzelnen sowie die potenziellen Gefahren des Einsatzes von BCI durch feindliche Mächte.
Die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Disziplinen
Um eine möglichst reichhaltige Sichtweise auf die Welt zu entwickeln, ist es wichtig, die individuellen Beiträge der Einzeldisziplinen zu schätzen und den "Nichts-als-Reflex" zu vermeiden. Nur durch die Zusammenarbeit von Philosophen, Psychologen, Soziologen, Biologen, Physikern, Psychiatern, Hirnforschern, Rechtswissenschaftlern, Genetikern und Theologen kann man ein umfassendes Verständnis des Menschen und seiner Umwelt erreichen.
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